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Geist und Natur

Von den Vorsokratikern zur Kritischen Theorie

AutorKonstantinos Rantis
Verlagwbg Academic
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl164 Seiten
ISBN9783534700622
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR
Das Spannungsverhältnis von Natur und Geist ist eine der Grundfragen, welche die gesamte Philosophiegeschichte bewegen. Die heutige polare Entgegensetzung ist das Ergebnis einer langwierigen Entwicklung. Konstantinos Rantis geht dieser Frage von den Vorsokratikern über Aristoteles, Kant, Hegel und Marx bis zu Horkheimer und Adorno nach. Das dialektische Denken der Kritischen Theorie, besonders Adornos zentrale Idee der Naturgeschichte, dient ihm dabei als Ariadnefaden. Die Befreiung vom Zwang zur Identität und die Rettung des Nicht-Identischen ist sein zentrales Motiv. Rantis würdigt auch die ökologische Bewegung in ihrer Rolle für die Rückgewinnung eines neuen, kritischen Bewusstseins vom Verhältnis zwischen Natur und Geist.

Konstantinos Rantis, Dr. phil., geb. 1963, Studium der Philosophie, Soziologie, Psychologie und Pädagogik. Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a.: Psychoanalyse und Dialektik der Aufklärung (2001).

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Leseprobe
III. HEGEL

Das Wahre ist das Ganze.
Hegel (PhG, 15)

Wiederherstellung der Totalität

Im vorigen Kapitel wurde Aristoteles’ Versuch, Materie und Form zu vermitteln, als eine ußere Vermittlung bezeichnet. Allerdings ergibt sich diese Bezeichnung aus einem Vergleich mit der spter erreichten hegelschen Vermittlung, die als innere bzw. dialektische bestimmt wird. Hegels Philosophie war von Anfang an daran interessiert, alle gelufigen fest gewordenen Gegenstze der ihr vorangegangenen aufzuheben. Die Aufgabe seiner Philosophie sieht Hegel in der Vereinigung von Subjekt und Objekt bzw. von Geist und Natur. Dieses Interesse ist schon beim jungen Hegel zu finden. In seinen Frankfurter Manuskripten spricht er von der Entzweiung des modernen Menschen. In dieser Phase bt Hegel Kritik an der Religion, die von ihm nicht als Fehler, sondern als Entfremdung bezeichnet wird (vgl. Papaioannou 1992, 57). Zentrale Themen der hegelschen Kritik in dieser Periode sind die Verdinglichung der Natur und die Entfremdung des Menschen. Es sind die Konsequenzen aus der Verwandlung des Gottes des Alten Testaments in eine objektive, getrennte und fremde Potenz gegen über der Natur und der Menschheit. Die Erhebung Gottes über die Natur und die Menschheit hat alle Beziehungen in Herr-Knecht-Beziehungen verwandelt. Diese Erhebung Gottes über die Natur und die Menschheit ist das Resultat der Sintflut, die beim Menschen ein Gefühl tiefer Entzweiung verursachte und ein Misstrauen gegenüber der Natur auslste (vgl. ebd., 64). In diesen Schriften ist der Begriff der Liebe der hegelsche Zentralbegriff, der die Lehre Jesu darstellt.

Einerseits erfüllt dieser Begriff die alttestamentarische Gesetzesmoral und andererseits überwindet er sie (vgl. Siep 2000, 29). Für Hegel war die Gesetzesmoral des Alten Testaments mit Kants Begriff der Moralitt identisch. Letzterer hatte den Gegensatz zwischen der Freiheit und der Natur offen gelassen. Fichtes Bemühungen, diesen Gegensatz zu überwinden, hatten zum Versuch geführt, Ich und Nicht-Ich bzw. Subjekt und Objekt wechselseitig zu bestimmen. Am Ende des Versuchs lag bei Fichte alles auf der Seite des Subjekts: In der praktischen Vernunft bestimmt das Subjekt das Objekt und in der theoretischen wird zwar das Subjekt vom Objekt bestimmt, aber immer noch nach subjektiven Regeln. In der fichteschen wechselseitigen Bestimmung von Subjekt und Objekt existiert also weiter eine Trennung zwischen Subjekt und Objekt, oder das Objekt bleibt vom Subjekt beherrscht. Die Apotheose des Ichs von Fichte hatte Hegel zufolge das gleiche verheerende Resultat wie der Kult des Gottes-Objekts des Alten Testaments (vgl. Papaioannou 1992, 66). Sowohl bei Kant wie auch bei Fichte wird also keine Vereinigung zwischen Subjekt und Objekt hergestellt, es existiert ein Dualismus von Subjekt und Objekt. Hegel formuliert ihn folgendermaßen: „Das Subjekt, das freie Wesen, ist das bermchtige, und das Objekt, die Natur, das Beherrschte" (TJ, 376). Dagegen soll in seinem Begriff der Liebe für das Objekt Folgendes gelten: „es beherrscht nicht und wird nicht beherrscht" (ebd.).
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
INHALT8
EINLEITUNG10
I. DIE VORSOKRATIKER17
Die Entstehung der Philosophie19
Die äußere Natur25
Die innere Natur32
Der Monotheismus34
Das Bewegungsproblem und der Idealismus36
Entfaltung der Identität und ungeschiedene Einheit von Denken und Sein: Parmenides39
Die pluralistischen Theorien43
Der Dualismus von Geist und Materie: Anaxagoras45
II. ARISTOTELES48
Aristoteles’ Auffassung der Philosophie49
Die äußere Vermittlung von Materie (hyle) und Form (morphe)51
Das erste unbewegte Bewegende und die Welt58
Der Vorschein der inneren Vermittlung65
Zwischenbetrachtungen69
III. HEGEL74
Wiederherstellung der Totalität74
Das hegelsche Gesamtsystem80
Hegels Idee der Naturphilosophie83
Der Begriff der Natur88
Der Begriff des Geistes93
Die innere Vermittlung und der Vorrang des Subjekts95
IV. MARX99
Marx’ Rezeption der feuerbachschen Hegel-Kritik99
Rettung der kritischen Elemente der hegelschen Dialektik104
Negation der hegelschen Ontologie115
Negation bzw. Verwirklichung der Philosophie126
V. HORKHEIMER UND ADORNO130
Die Zweite Verdrängung130
Adornos erstes Programm der Idee der Naturgeschichte132
Die „zweite Natur“ offenbart sich als die „erste“142
Die „Naturgeschichte“ in der Negativen Dialektik148
SCHLUSSBETRACHTUNGEN152
ANMERKUNGEN154
SIGLENVERZEICHNIS157
LITERATURVERZEICHNIS159

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