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E-Book

Geschichte »in die Hand genommen«

VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2005
Seitenanzahl295 Seiten
ISBN9783831605361
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Die »Geschichtlichen Hilfswissenschaften« tragen einen Namen, der sie tief im Elfenbeinturm vermuten lässt. Die Beiträge dieses Bandes belegen das Gegenteil: Die Geschichtlichen Hilfswissenschaften umfassen eine Gruppe von Spezialdisziplinen, die »Geschichte in die Hand nehmen«. Sie untersuchen schriftliche und dingliche Relikte aus der Vergangenheit mit unterschiedlichsten Methoden: Inschriften, Münzen, Urkunden, Bücher, Landkarten. Der Band gibt einen handlichen Einblick in den Alltag hilfswissenschaftlicher Arbeit auf dem neuesten Forschungsstand und zeigt, dass Ergebnisse, Forschungsobjekte und Methoden dieser Disziplin ihren Platz im Geschichtsunterricht haben.

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Leseprobe
Geld im frühmittelalterlichen Bayern (S. 195-196)

von Hubert Emmerig

Seit Jahrzehnten ist die Numismatik ein fester Bestandteil des Lehrangebots am Lehrstuhl für Geschichtliche Hilfswissenschaften an der Münchner Ludwig- Maximilians-Universität. Dies ist umso erfreulicher, als es im deutschen Sprachraum nur ein Universitätsinstitut für Numismatik und Geldgeschichte gibt, das in Wien angesiedelt ist. Das Fach Numismatik ist deshalb in Deutschland auf solche Nischen dringend angewiesen. Kommen doch auf diese Weise viele Studenten historischer Fächer im Laufe ihres Studiums auch mit numismatischen Themen in Berührung, und gelegentlich kommt es sogar vor, dass sich ein Absolvent der Geschichtlichen Hilfswissenschaften hier in München ganz auf die Numismatik verlegt.

Das Thema

Fragestellungen, Quellen und Arbeitsweise der Numismatik sollen hier anhand der Frage aufgezeigt werden, welches Geld im frühmittelalterlichen Bayern zur Verfügung stand und welche Rolle es in der damaligen Gesellschaft spielte. Wir stellen hier nach einem kurzen Abstecken des behandelten Zeitraums zunächst die wichtigsten Fragestellungen oder Zielrichtungen numismatischer Forschung vor. Ein weiterer Blick gilt dann den Quellengattungen, welche das Fach im Hinblick auf seine Fragen heranzieht. Nach diesen allgemeinen Grundlagen kommen wir dann zum Thema selbst, indem wir diese Quellen danach befragen, was sie zum Thema beizutragen vermögen.

Der Zeitraum, den wir hier betrachten, erstreckt sich von der Völkerwanderungszeit bis ins 10. Jahrhundert, also etwa bis zum Ende der Karolingerzeit in Bayern. Nachdem die römischen Truppen aus dem bayerischen Raum wohl im frühen 5. Jahrhundert abgezogen worden waren, formierte sich um die Mitte des 6. Jahrhunderts ein erstes bayerisches Herzogtum unter der Herrschaft der Familie der Agilolfinger. Ihre Herkunft ist bisher nicht geklärt, Verbindungen sieht man aber etwa zu den Langobarden in Oberitalien. Der letzte Agilolfinger, Herzog Tassilo III. (748–788), wurde im Jahr 788 von Karl dem Großen (768– 814) abgesetzt, Bayern wurde Teil des Karolingerreiches.

Das Land behielt jedoch eine gewisse Eigenständigkeit: Verwaltet wurde es durch einen Präfekten, später stieg es in den Rang eines Teilregnums, eines Teilkönigreichs, auf, und die Lex Baiuvariorum, das bayerische Rechtsbuch, das zuletzt vielleicht in den 740er Jahren im Kloster Niederaltaich redigiert worden sein dürfte1, behielt ihre Gültigkeit. In der Schlacht von Pressburg gegen die Ungarn im Jahr 907 kam der Markgraf Luitpold um, sein Sohn Arnulf (907–937) konnte sich in der darauffolgenden Zeit in den Rang eines bayerischen Herzogs emporschwingen. Die Familie der Luitpoldinger wurde so die erste Herzogsfamilie in Bayern nach der karolingischen Herrschaft. Der letzte ostfränkische Karolinger, König Ludwig das Kind (900–911), starb im Jahr 911.

Münzgeschichte und Geldgeschichte und ihre Quellen

Die Fragestellungen der Numismatik lassen sich – freilich in starker Verkürzung – auf zwei Begriffe reduzieren: Münzgeschichte und Geldgeschichte. Münzgeschichte ist die Frage nach der Münzproduktion eines Landes, eines Gemeinwesens: welche Münzen wurden hier zu welcher Zeit und in welchen Münzstätten hergestellt, was waren die Umstände dieser Münzproduktion und wie war sie organisiert? Wie verhalten sich die hergestellten Münzen wertmäßig zueinander?

Hier dreht sich also alles um die Herstellung und Ausgabe geprägten Geldes und in der Neuzeit natürlich auch von Papiergeld. Einen Schritt weiter geht die Geldgeschichte: Welches Geld war in einem Territorium in Verwendung, nur einheimisches oder auch ausländisches? Wie verhielten sich umlaufende Münzsorten wertmäßig zueinander? Hier stehen also alle Fragen nach der Verwendung des verfügbaren Geldes im Vordergrund.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt8
Einführung12
Geschichte »in die Hand genommen«. Die Historischen Hilfswissenschaften als Basis historischer Forschung in der Entwicklung der Geschichtswissenschaft14
Layout und Benutzungskontext. Überlegungen zur Schriftlichkeitspraxis der mittelalterlichen Verwaltung36
Einleitung36
Beispiel 1: Besitzgeschichte und Besitzgedächtnis – Das Freisinger Traditionsbuch des Cozroh45
Beispiel 2: Güterverwaltung und scholastisches Textverständnis – Das Prümer Urbar50
Beispiel 3: Systematisieren und Aktualisieren – Ein Zinsverzeichnis des Klosters Allerheiligen55
Fazit: Perspektiven für Hilfswissenschaften als Schriftlichkeitsgeschichte59
Ausgewählte Literaturhinweise61
Buchdruck und Buchhandel von Gutenberg bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts172
Einführung72
Methoden der Inkunabel- und Frühdruckforschung74
Rationalisierung der Handschriftenherstellung im 15. Jahrhundert75
Buchdruck zwischen 1450 und 155076
Buchhandel zwischen 1450 und 155079
Süddeutschland und der Sonderfall des Herzogtums Bayern83
Lesen und Schreiben86
Anhang87
Restaurierung an der Bayerischen Staatsbibliothek. Die externe Vergabe von Aufträgen an freiberufliche Restauratoren und andere Aspekte des Berufsfelds Bibliothekar und Restaurator102
Praktischer Ablauf der Auftragsvergabe am IBR103
Auswahl der Restaurierungsfälle aus dem Bestand103
Auswahl für die externe Auftragsvergabe104
Vorbereitung des externen Restaurierungsauftrags104
Rückgabe restaurierter Bücher106
Die Dokumentation von Restaurierungen107
Qualität von Restaurierung108
Epigraphische Überlegungen zu bekannten und verkannten Inschriftendenkmälern aus Bayern118
I118
II121
III124
IV128
V129
VI132
VII135
Epigraphik und räumliche Mobilität. Das Beispiel italienischer Künstler des Hochmittelalters und ihrer Signaturen.154
Literatur174
Einsatz inschriftlicher Quellen im Geschichtsunterricht182
Literatur188
Geld im frühmittelalterlichen Bayern196
Das Thema196
Münzgeschichte und Geldgeschichte und ihre Quellen197
Münzprägung im frühmittelalterlichen Bayern198
Münzfunde des Frühmittelalters aus Bayern199
Das Freisinger Traditionsbuch als Quelle zur Geldpräsenz202
1. Pecunia203
2. Strafandrohungen (Poenformeln)203
3. Zinszahlungen205
Zusammenfassung206
Literatur207
Digitale Edition von Urkunden210
Einführung210
Versprechungen212
Verwirklichungen214
Verständigungen223
Der Beamtenstaat Friedrichs II. Geschichtsbild und Verwaltungsrealität228
Literatur241
Formen und protokollarische Inszenierung der internationalen Diplomatie der Frühen Neuzeit im Spiegel ihres Schriftguts246
Zur Entwicklung des Gesandtschaftswesens246
Zum Schriftgut der Diplomatie247
Die protokollarische Inszenierung250
Literatur251
Der bürokratische Blick auf die Welt. Vom Augenschein zur Flurkarte260
I260
II263
III268
IV269
V272
VI273
VII273
VIII274
IX275
Abkürzungen276
Literatur276
Weiterführende Literatur290
Allgemeine schriftkundliche Hilfsmittel290
Literatur zur Epigraphik290
Literatur zur Realienkunde292
Literatur zur Sphragistik292
Literatur zur Diplomatik292
Literatur zur Chronologie293
Literatur zur Heraldik293
Literatur zur Schriftlichkeit294
Literatur zur Numismatik295
Literatur zur Kartographie295

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