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Geschichte und Region/Storia e regione 26/2 (2017)

Universität und Region/Università e regione

VerlagStudienverlag
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783706559317
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Universitäten sind keine in sich geschlossenen, autarken oder abgeschotteten Institutionen, sondern beziehen sich in vielfältiger Weise und auf unterschiedlichen Ebenen auf ihre räumliche Umwelt. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind wohl die augenscheinlichsten, Veränderungen im Stadtbild durch die Anwesenheit von Studierenden ebenso offensichtlich. Auswirkungen auf die kulturelle Sphäre, auf das soziale Umfeld, auf die Umverteilung von symbolischem Kapital erfolgen subkutaner. Dabei verweist die Frage nach den Einflüssen, die eine Universität auf ihre Umwelt ausübt, auf jene nach den gesellschaftlichen Bedingungen der Universität selbst. Dies gilt nicht nur für ihre Gründungsphase und den darin entwickelten normativen Ideen und Ansprüchen an die Universität, sondern zielt auch auf die Frage, inwiefern die Universität gesellschaftliche Entwicklungen und Diskurse rezipiert und reflektiert. Dieses Heft versucht sich diesem Fragenkomplex anzunähern und dabei die Möglichkeiten zur Erforschung der vielschichtigen Interaktionen zwischen der Universität und ihrem räumlichen Umfeld auszuloten.

Seit mehr als 20 Jahren stellt die Zeitschrift 'Geschichte und Region/Storia e regione' einen kritischen und originellen Orientierungs- und Bezugspunkt in der regionalgeschichtlichen Literatur Tirols dar. Mit ihrer thematisch breiten, interdisziplinären Ausrichtung und methodisch innovativen Ansätzen ist sie eine etablierte Alternative und Ergänzung zur klassischen Landesgeschichte. Eine Besonderheit ist die Zweisprachigkeit der Zeitschrift (deutsch-italienisch), die sich als Kontaktstelle und Scharnier zwischen der italienischen und österreichisch-deutschen Forschungslandschaft begreift. Mit einem neuen, erweiterten Konzept versteht sich die Zeitschrift verstärkt als Forum für vergleichende Regionalgeschichte des mittleren Alpenraumes und versucht, das oft geforderte Desiderat eines Vergleichs neuer regionalgeschichtlicher Studien ein Stück weit umzusetzen.

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Leseprobe

Editorial


Universitäten sind nicht abgeschottete oder in sich geschlossene Institutionen, sondern beziehen sich in vielfältiger Weise und auf unterschiedlichen Ebenen auf ihre räumliche Umwelt. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind wohl die augenscheinlichsten, Veränderungen im Stadtbild durch die Anwesenheit von Studierenden und Universitätsgebäuden ebenso offensichtlich. Auswirkungen auf die kulturelle Sphäre, auf das soziale Umfeld, auf die Umverteilung von symbolischem Kapital erfolgen meist subtiler. Dabei verweist die Frage nach den Einflüssen, die eine Universität auf ihre Umwelt ausübt, auf jene nach den gesellschaftlichen Bedingungen der Universität selbst. Dies gilt nicht nur für ihre Gründungsphase und die dabei entwickelten normativen Ideen und Ansprüchen an die Universität, sondern zielt auch auf die Frage, inwiefern die Universität gesellschaftliche Entwicklungen und Diskurse rezipiert und reflektiert.

Dieser Fragen- und Gedankenkomplex stand zu Beginn eines im Jahr 2015 in Bozen veranstalteten Workshops, der versuchte, Möglichkeiten zur Erforschung der vielschichtigen Interaktionen zwischen der Universität und ihrem räumlichen Umfeld auszuloten.1 Die Frage nach dem Verhältnis von Universität und dem sie umgebenden Raum reiht sich damit in aktuelle Fragestellungen im Bereich der Universitätsgeschichte ein. Wurde Universitätsgeschichte lange Zeit vorwiegend anlassbezogen und im Vorfeld von Universitätsjubiläen betrieben, hat sich dies seit etwa zwei Jahrzehnten deutlich verändert. Seit den 1990er Jahren hat sich die Universitätsgeschichte mehr und mehr als eigenständige Fachrichtung etabliert, nationale und internationale wissenschaftliche Gesellschaften und Netzwerke wurden gegründet, fachspezifische Zeitschriften und Jahrbücher erscheinen regelmäßig.2 Außerdem sind Handbücher zur Universitätsgeschichte erschienen, die von internationaler Vernetzung und einer gewissen Konsolidierung des Fachs zeugen.3 Insbesondere im Rahmen kulturgeschichtlicher Herangehensweisen gewann die Universitätsgeschichte auch an perspektivischer Vielfalt. Universitäten wurden nun im Kontext einer allgemeinen Gesellschafts- und Kulturgeschichte betrachtet und dabei vor allem die gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen der Wissensproduktion und -vermittlung untersucht.4 Auch entstanden Arbeiten zu symbolischen Praktiken und zur Bedeutung von Repräsentation an der Universität der Neuzeit.5 Die Bearbeitung neuer Quellengattungen mit kulturwissenschaftlichen Methoden eröffnete neue Perspektiven und führte zu fruchtbaren Ergebnissen. Auch die Verbindung der vielfach getrennten Universitäts- und der Wissenschaftsgeschichte bot neue Einsichten auf die Universität als eine der dauerhaftesten Institutionen der Geschichte Europas.

Wie auch Stefan Gerber in seinem Beitrag in diesem Heft betont, ist die Frage nach dem Verhältnis von Universität und dem sie umgebendem Raum nicht neu.6 Gerade die Landesgeschichte hat die unterschiedlichen Beziehungen von Universitäten und den Territorien, in denen sie situiert sind, untersucht und dabei besonders ihre Beziehungen zur Stadt, mithin der Raum, in dem die Universität unmittelbar verortet und präsent ist, analysiert. Zunächst standen in diesen Studien vor allem wirtschaftliche und soziale Beziehungen zwischen der Universität und ihrer städtischen Umwelt im Vordergrund, in jüngerer Vergangenheit rückten dann die Stadt als universitärer Repräsentationsort und die Wahrnehmung beziehungsweise Selbstdarstellung der Universität im öffentlichen Raum in das Zentrum universitätshistorischer Abhandlungen.7 Mit dem ‚spatial turn‘ in der Geschichtswissenschaft wurde auch die Frage nach dem Raum neu akzentuiert und neue Perspektiven auf das Verhältnis von Universität und Raum eröffnet.8 Gleichzeitig bieten auch die international entstehenden prosopografischen Professorenkataloge – vielfach auch mit Methoden der digital humanities aufbereitet – Möglichkeiten die Mobilität von Akademikern und damit die auch die räumliche Verortung von Universitäten neu zu untersuchen. In diesem Sinn sollte auch der Bozner Workshop sowohl traditionelle Deutungen als auch neue Perspektive aufgreifen und so einen Blick auf das Verhältnis von Universität und dem sie umgebenden Raum werfen. Die Frage nach dem räumlichen Umfeld der Universitäten führt gleichzeitig zur Frage nach der räumlichen Bezugsgröße, auf die sich die Universitäten beziehen. Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, welche Faktoren diese Bezugsgröße definieren und beeinflussen. Diesen Fragestellungen mit der Analysekategorie „Region“ zu begegnen, bietet sich insofern an, als diese als räumlich „offen gehaltenes“ Konzept nicht von einem von vornherein festgesetzten Territoriumsbegriff ausgeht, sondern den untersuchten Raum als themen- und problemorientiert wandelbar denkt und somit auch jeweils unterschiedlich definiert.9

Das vorliegende Heft baut auf dem Workshop auf. Den Auftakt bildet ein Aufsatz mit theoretischen und methodischen Überlegungen von Stefan Gerber, der dafür plädiert, Regionalgeschichte und Universitätsgeschichte zusammenzuführen. Dafür begibt er sich zunächst auf eine historiografiegeschichtliche Spurensuche entlang der Begrifflichkeiten „Landschaft“ und „Raum“, die im 20. Jahrhundert in der deutschsprachigen Landesgeschichte beziehungsweise Landeskunde etabliert worden sind. Davon, die beiden Begriffe und damit verbunden auch entsprechende Konzepte miteinander in Beziehung zu setzten, verspricht sich Gerber einen fruchtbaren Ansatz für eine regionalgeschichtlich ausgerichtete Universitätsgeschichte. Besondere Beachtung findet der Landschaftsbegriff bei Gerber insbesondere deshalb, da er den Gegensatz zwischen „materiellem“ und diskursivem Raum zu überbrücken versuche. Dies wird in einem zweiten Schritt anhand des Begriffs der „Bildungslandschaft“ vorgeführt, der eine materiell-geografische mit einer prozessual-kommunikativen Ebene verbindet. Komplementär dazu wird das in jüngerer Zeit für die Bildungsgeschichte des 19. Jahrhunderts entwickelte Konzept der „Bildungsräume“ diskutiert. Schließich schlägt Gerber zwei mögliche Forschungsfelder für eine regionalgeschichtliche Universitätsgeschichte vor: Universitäten als Landschafts- beziehungsweise Raumbildner zu untersuchen bedeutet aus seiner Sicht zu erforschen, wie sie auf unterschiedlichen Ebenen dazu beitragen, Räume zu formen und zu modifizieren. Es geht beispielsweise darum zu fragen, wie Universitäten über die Ausbildung der Funktionseliten diese Räume prägen, wie sie als Kommunikationsorte fungieren und als juristische Instanzen Rechts- und Ordnungsräume schaffen. Einen zweiten möglichen Forschungsschwerpunkt regionalgeschichtlicher Universitätsgeschichte macht Gerber darin aus, die Universität als wirtschaftlichen Faktor zu betrachten und dabei vor allem das Stipendien- und Studienförderungswesen als eine (indirekte) Form der Finanzierung von Universitäten zu betrachten oder auch die Universitäten in den Kontext regionaler Infrastruktur- und Wirtschaftsförderungspolitik einzubetten.

An diese Überlegungen schließt sich die regionalgeschichtliche Fallstudie von Margret Friedrich zur Universität Innsbruck an, eine jener Universitäten, die in der Epoche der Konfessionalisierung gegründet wurde und damit auch zur Konturierung der habsburgisch-katholischen Bildungslandschaft beigetragen hat. Friedrich untersucht für die Innsbrucker Universität verschiedene Aspekte ihres Verhältnisses zur Region: Sie zeigt auf, wie die Universität in unterschiedliche Räume und Bildungslandschaften eingebettet war und zeichnet nach, wie die verschiedenen geistlichen Räume allmählich vom staatlichen zurückgedrängt wurden. Ein weiterer Aspekt ihrer Untersuchung widmet sich der Universität im städtischen Umfeld, wo ihr als Hausgemeinschaft eine konkrete Ordnungsfunktion zugesprochen wurde. Abschließend beleuchtet sie den ‚Wissensraum‘ der Universität Innsbruck, indem sie auf die Herkunft der Studierenden und Dozenten sowie auf die Unterrichtsmaterialien und das gelehrte Wissen eingeht.

Mit dem Beitrag von Adriano Mansi wendet sich das Heft dem italienischsprachigen Universitätsraum, genauer der Universität und der Stadt Padua, zu. Mansi fokussiert für seine Analyse den Zeitraum zwischen den ausgehenden 1950er und den beginnenden 1970er Jahren, der von tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen geprägt war und für die Universitäten den Übergang zur Massenuniversität bedeutete. Der Aufsatz beleuchtet das Verhältnis zwischen der Universität Padua und ihrem räumlichen Umfeld anhand mehrerer Aspekte: Zum einen nimmt er die Rolle der Bürgermeister und Rektoren im angegebenen Zeitraum in den Blick und zeigt, dass das Verhältnis der beiden Institutionen auch von den jeweiligen Führungspersonen in diesen Ämtern abhängig war. Zum anderen untersucht er das Verhältnis der Paduaner Stadtbevölkerung zu den Studierenden, das sich im Zuge...

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