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Gesellschaft in der Zerstreuung

Soziale Ordnung und Konflikt im frühneuzeitlichen Graubünden

AutorSandro Liniger
VerlagMohr Siebeck
Erscheinungsjahr2017
ReiheBedrohte Ordnungen 7
Seitenanzahl362 Seiten
ISBN9783161549342
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis59,00 EUR
Trotz bestehender sozialer, politischer und kultureller Differenzen und trotz der schwierigen Bedingungen im Gebirge unterhalten im frühneuzeitlichen Graubünden über 50 alpine Talgemeinden zuverlässig ein Miteinander ohne Zentralinstanz und ohne Staat. Ihnen gelingt es, auch angesichts widriger Umstände - steil aufragender Berge, entlegener Täler, weiträumig gestreuter Siedlungsverbände, zerstückelter kommunaler Organisationsweisen, sprachlich-kultureller Heterogenität und komplexer konfessioneller Gemengelage - ein gemeinsames Soziales und Politisches erfolgreich zu organisieren. Sie bilden sogar eine dynamische Einheit und Ordnung aus, und dies ganz ohne übergeordnete Zentralmacht. Diesen auf den ersten Blick paradoxal anmutenden Befund nimmt Sandro Liniger zum Anlass, um nach der Funktionsweise einer Gesellschaft in der Zerstreuung zu fragen: Welche spezifische Logik zeichnet eine solche alternative Form der Organisation des sozialen und politischen Zusammenlebens aus? Und welche Instabilitäten und Resistenzen sind ihr zu eigen? Welche Konflikte charakterisieren sie?

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Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Cover1
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis10
I. Einleitung: Gesellschaft in der Zerstreuung12
Kapitelüberblick28
II. Alpine Sozialformen32
1. Gesellschaft in der Zerstreuung: Die Drei Bünde in der Frühen Neuzeit33
In der Zerstreuung leben34
Kommunale politische Organisationsformen: Nachbarschaften …39
… und Talgemeinden42
Religiöse Differenzen47
2. Alpine Unwegsamkeiten: (Un-) Möglichkeitsbedingungen von Sozialität im Gebirge51
Mit der Landschaft leben51
So fern und doch so nah57
3. Getrennt zusammenleben62
3.1 Bündnispraktiken64
Im Bund64
Der Bundsbrief von 152468
Umstrittene Rangordnungen74
3.2 Orte der Teilung84
Präsentische Formen des Gemeinsamen84
Die Frage nach der Zugehörigkeit zum Bund93
III. Landammänner, Gouverneure, Patrone: Figuren politischer Macht100
1. Neue lokale Autoritäten: Der Aufstieg der großen Bündner Familien102
Soziale Zusammensetzung103
Vermögen und Besitz107
Räumliche Verteilung111
Verwandtschaftskonzeption und Geschlechterrepräsentation112
2. Der Landammann als Schreckensgestalt und das feiernde Volk: Einsetzungsrituale als kommunale Szenen des Politischen117
Landammänner, Männer der Macht119
Der Landammann als fremder Fürst124
Domestizierung129
Zu Tisch mit dem Landammann134
Die Gemeinde als Mahlgemeinschaft138
Bekanntmachungen: Anerkennungsprozeduren politischer Amtsträger140
3. Herrschaft antizipieren: Die Verwaltung der Untertanengebiete148
Die Bündner Vogteien: Veltlin, Chiavenna, Bormio149
Kommunale Verpflichtungen, intensivierte Herrschaft154
Untertanengebiete: Produktionsmaschine „Großer Männer“161
4. Mächtige Patrone: Politische Anführer und ihre Klienten um 1600164
Herkules von Salis: Alpine Wege an die Macht164
Verwandtschaftsbande168
Klientelistischer Tauschhandel: Patronage im frühneuzeitlichen Graubünden172
Parteiführer um 1600179
Lokale Mittelsmänner185
Im Auftrag der „Herren“: Reformierte Prediger als Agenten weltlicher Mächte190
Eigenmächtige Mittler195
Deutungsexperten198
Nach dem Allianzentscheid: Neue politische Gegnerschaften200
IV. Kollektive Abwehrmechanismen: „Fähnlilupf“ und „Strafgericht“ 1550–1620204
1. Verlassene „Herren“, Bauern, die „herrschen“: Der „Bündner Aufruhr“ von 1607207
Fähnli „lupfen“ …207
… und „große Herren“ bestrafen213
2. Herrschaft abwehren: „Fähnlilupf“ und „Strafgericht“ 1550–1620217
2.1 Mobilisierung217
Soziales Unbehagen217
Zirkulierende Gerüchte220
„Sonderbare Personen“, die auf die Gemeinden „fahren“224
Widerspenstige Gemeinden227
Unkontrollierbare Kriegerhaufen232
Einsame Wortführer234
2.2 Wenn Beliebige regieren: Die Mächtigkeit der „Gemeinen“239
Wenn „die Oberkeit gegen den gemeinen Mann gar nicht gilt“239
Umordnung der politischen Topographie241
Das Übel der Beliebigkeit245
Die Kunst, nicht dermaßen beherrscht zu werden248
Die Machtausübung regeln253
2.3 Eingemeindungen: Das „Strafgericht“260
Wir „howent dann solchen grosen hansen die köpf allen ab“260
Soziale Neuordnungen267
V. 1618–1621: Herrschaft der Propheten274
1. Ungleiche Kämpfe: Der Auftritt reformierter Prediger284
Aktivierte Differenzen284
Marginalisierung, Kriminalisierung, Mobilisierung293
2. Tyrannenmord: Das „Thusner Strafgericht“ von 1618/19304
Sittliche Tabula rasa304
Drehbuch der Eskalation309
Geschichte der Entzweiung315
Heiliger Krieg318
3. Prophetische Selbstautorisierung oder: Der Anfang vom Ende323
Propheten323
Bürgerkrieg327
Befristeter Auftrag334
VI. Schluss338
VII. Literatur- und Quellenverzeichnis344
Ungedruckte Quellen344
Gedruckte Quellen344
Literatur346
Register364
Orte, geographisch-politische Einheiten366
Personenregister368
Sachregister370

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