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E-Book

Gespräche mit dem inneren Schweinehund

Arbeit mit Tierfiguren in systemischer Beratung und Therapie

AutorFrank Natho
VerlagVandenhoeck & Ruprecht
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl141 Seiten
ISBN9783647401553
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis18,99 EUR
Frank Natho präsentiert in diesem Buch eine Auswahl von Arbeitsweisen mit Tierfiguren, die sich in der beraterischen Praxis und Familientherapie bewährt haben. Beschrieben werden theoretische Hintergründe und methodische Schritte. Fallbeispiele und Abbildungen illustrieren das methodische Vorgehen. Wie sich Tierfiguren im Rahmen von Familiendiagnostik nutzen lassen, wird in Kapitel 2 erläutert. Die Versammlung der Gefühle in Tierfiguren, Kapitel 3, beschreibt eine spezielle Form der Trauerarbeit mit Kindern. Darüber hinaus werden verschiedene psychologische und therapeutische Konzepte von Multiplizität vorgestellt und diskutiert. Sie bilden die Basis für den Einsatz von Tierfiguren im Rahmen der Arbeit mit verschiedenen Persönlichkeitsanteilen (Teilearbeit). Kapitel 4 stellt eine weitere Teilearbeitsform, das Gespräch mit dem inneren Schweinehund, als eine Möglichkeit systemischer Suchtberatung vor. Dass sich auch Teammitglieder in Tierfiguren verwandeln können und wie sich diese Verwandlung methodisch in der Teamentwicklung oder Supervision nutzen lässt, ist in Kapitel 5 zu lesen. Der Psychologe und Familientherapeut Markus Hasselbach rundet die Methodenvorstellung ab und beschreibt in Kapitel 6 den Nutzen einer therapeutischen Anwendung von Tierfiguren im Bereich der neuropsychologischen Rehabilitation.

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Leseprobe
Tierfiguren in der Teamberatung – Wenn der Chef zum Schwein wird (S. 104-105)

Dass sich Tierfiguren auch außerhalb des klassisch beraterischen bzw. familientherapeutischen Settings verwenden lassen, soll in diesem Kapitel dargestellt werden. Das »Team in Tierfiguren« ( Natho, 2007c) stellt eine Methode dar, die sich im Rahmen von Teamsupervision und Teamentwicklung gewinnbringend einsetzen lässt. Gerade dann, wenn eine Rollen- und Beziehungsreflexion im Team angeregt werden soll, ist das Vorgehen hilfreich. Solche Situationen ergeben sich in der Teamarbeit immer wieder.

Denn Teams sind höchst dynamische Systeme. Sie verändern sich ständig, weil Personen sich weiterentwickeln, sich Anforderungen und Arbeitsprozesse verändern. Teammitglieder beschreiben dann die Zusammenarbeit als konfliktreich und wenig harmonisch. Aus Sicht der Teamentwicklung ist dies eine notwendige Phase, die eine Überprüfung der Selbst- und Fremdwahrnehmung der Kollegen nötig macht, um sich in der Zusammenarbeit neu zu ordnen.

Tiermetaphern im Team – Wie Kollegen zu Tieren werden


Beobachtet man Teams aufmerksam, so kann man feststellen, dass häufig auch Tiermetaphern kommuniziert werden. Da wird in der Supervision – zumindest in der verbalen Beschreibung der Teammitglieder – der Chef schon mal zum Schwein. Wenn dieser dann brüllt wie ein Löwe, sind die meisten Kollegen mucksmäuschenstill oder stecken den Kopf in den Sand. Andere stellen sich wie Pferde oder sture Esel auf die Hinterbeine und behaupten so ihren Standpunkt. Man verteidigt sein Revier oder es wird mit den Wölfen geheult. Teammitglieder beschreiben sich selbst oder gegenseitig als Tiere.

Da gibt es eine dumme Gans, einen begossenen Pudel, einen Pechvogel, einen Angsthasen, einen Hecht im Karpfenteich oder einen Wolf im Schafspelz. Im Gespräch wird das eigene Team auch schon mal zum Saustall, zum Affentheater oder zur Löwengrube. Es kräht kein Hahn danach, wenn ein hohes Tier ein Machtwort spricht, nur die getroffenen Hunde, die bellen natürlich. Manchmal geht es auf keine Kuhhaut, dass einige Kollegen sogar Artenschutz genießen. Aber wie das Sprichwort sagt, es passen viele geduldige Schafe in einen Stall. Man kann feststellen, dass Tiermetaphern in Teams häufig Verwendung finden, um sich selbst, bestimmte Charaktere von Kollegen oder soziale Interaktionen im Team zu beschreiben.

»Metaphern sind Bausteine zur Konstruktion unserer Wirklichkeit «, so postuliert Lauterbach (2004, S. 137). Menschen können nicht anders, als ihre Welt metaphorisch zu beschreiben. Tiermetaphern sind besonders geeignet zur Beschreibung von Persönlichkeitsanteilen (fauler Hund) oder von sozialen Interaktionen (der Hahn im Korb). Metaphern reduzieren die Komplexität der Welt und schaffen einen Rahmen für Verhalten, Wahrnehmung und Erkenntnis. Die im Team verwendeten Metaphern spiegeln individuelle und kollektive Wirklichkeiten der Teammitglieder wider und bilden die Basis für Verständnis und Missverständnis. Sie motivieren und rechtfertigen das Verhalten im Team.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Cover
1
Title Page4
Copyright
5
Table of Contents
8
Body
12
Vorwort12
Dank14
Zur Einführung16
Tierfiguren – Wo und für wen sie im Einsatz sind16
Zwischen Interview und Spiel – Arbeit mit Tierfiguren in der systemischen Beratung und Familientherapie19
Wie ich selbst auf den Hund kam21
Tierfiguren in der Familienberatung – Wenn der Vater zum Pferd und die Mutter zum Elefanten wird23
Tierfigurenskulpturen als familiendiagnostisches Instrument23
Entwicklung der Familiendiagnostik25
Phasen der Familiendiagnostik28
Familiendiagnostik – Tiere im Zeichentest32
Familie in Tieren33
Die verzauberte Familie36
Zusammenfassung38
Familie in Tierfiguren39
Einsatz und Verlauf der Arbeitstechnik41
Ideen und Fragen zur Erforschung der Tierfigurenskulptur46
Fallbeispiel47
Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen – Wenn sich Gefühle in Tierfiguren verwandeln53
Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung53
Trauer, ein ambivalentes bis diffuses Gefühlserleben58
Teilearbeitskonzepte – Grundlage für die Darstellung von Gefühlen mit Tierfiguren61
Psychologische und therapeutische Konzepte von Multiplizität61
Neurobiologisches Konzept von Multiplizität64
Zusammenfassung67
Die Versammlung der Gefühle mit Tierfiguren68
Raum, Sprache und Denken69
Exploration von Emotionen mit Tierfiguren71
Umsetzung der Arbeitstechnik73
Fallbeispiel75
Beratung bei Suchtverhalten – Welchen inneren Schweinehund hätten Sie denn gern?84
Schluckspechte in sozialen Arbeitsfeldern – Alkoholabhängiges Verhalten und Burnout84
Burnout und Suchtverhalten86
Sieben Grundhaltungen des inneren Antreibers87
Systemisch-lösungsorientierte Perspektive auf Suchtverhalten89
Der Mythos vom Rückfall90
Der Rückfall, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?91
Gespräche mit dem inneren Schweinehund – Teilearbeit in der systemischen Suchtberatung93
Schwerpunkte und Umsetzung der Arbeit mit dem inneren Schweinehund95
Fallbeispiel97
Tierfiguren in der Teamberatung – Wenn der Chef zum Schwein wird105
Tiermetaphern im Team – Wie Kollegen zu Tieren werden105
Teamentwicklung – Wie böse ist der Wolf wirklich?108
Tierfiguren zur Rekonstruktion von Wirklichkeiten im Team110
Rollen und Persönlichkeitsanteile111
Interaktionen zwischen Einzelnen im Team111
Das Klima im Team113
Team in Tierfiguren114
Grundlagen und Einführung in die Arbeitstechnik114
Sechs Arbeitsschritte115
Arbeit mit Tierfiguren im Kontext neuropsychologischer Rehabilitation (Markus Hasselbach)118
Zum klinischen Kontext der Anwendung118
Situation des Patienten120
Die Arbeit mit Tierfiguren in der Therapie123
Nachbetrachtung131
Literatur133
Kleine Auswahl von Tiermetaphern138
Back Cover
146

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