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E-Book

Gesprächsführung in Kita und Kindergarten

Partnerschaftlich, empathisch, professionell

AutorMonika Bröder
VerlagVerlag Herder GmbH
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl144 Seiten
ISBN9783451801211
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR
Erzieherinnen sind täglich im Gespräch. Doch was tun, wenn es mit der Kommunikation nicht richtig klappt? Die überarbeitete und ergänzte Neuausgabe des Standardwerks von Monika Bröder bietet das Handwerkszeug, um hilfreiche und weiterführende Gespräche zu führen und Konflikte konstruktiv zu bewältigen. Anhand zahlreicher Übungen und Beispiele können Erzieherinnen neue Formen der Gesprächsführung erproben und auf die eigene Arbeit übertragen.

Monika Bröder ist Diplom-Sozialpädagogin. Sie arbeitet als Autorin und Referentin zum Thema »Sprache und Kommunikation« in der Fortbildung für Erzieherinnen. Als Lerntherapeutin ist sie im Bereich LRS und ADHS tätig.

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Leseprobe

In diesem Kapitel erfahren Sie

  • wie sehr der tägliche Umgang miteinander von nichtsprachlichen Äußerungen geprägt ist
  • welchen Einfluss nichtsprachliche Kommunikation auf Kolleginnen, Eltern und Kinder hat
  • wie Missverständnisse aus nichtsprachlicher Kommunikation entstehen können

1.1 Bedeutsamkeit nichtsprachlicher Kommunikationsmittel


Als Erzieherinnen stehen Sie den ganzen Tag über in ständigem Kontakt mit anderen Menschen. Da sind auf der einen Seite die Kinder, die mit Ihnen reden wollen und Ihre Zuwendung und Aufmerksamkeit suchen; da sind die Kolleginnen, mit denen Absprachen getroffen werden müssen und die sich Hilfe und Unterstützung bei der täglichen Arbeit erhoffen; da sind die Eltern, die Ihnen ihr Kind anvertrauen und in Ihnen eine Ansprechpartnerin für ihre Anliegen und Wünsche sehen. Mit all diesen Menschen setzen Sie sich ständig auseinander. Sie reagieren auf die anderen Menschen und die anderen Menschen reagieren auf Sie. Dabei läuft die gegenseitige Verständigung keineswegs nur über die Sprache. Ebenso bedeutsam wie die Sprache sind die nichtsprachlichen Verständigungsmittel wie Mimik, Gestik, Tonfall, der Ausdruck der Augen und die ganze Haltung des Körpers. Mithilfe der nichtsprachlichen Kommunikationsmittel können wir Gefühle und Stimmungen ausdrücken und deutlich machen, wie wir das meinen, was wir sagen.

Sprachliche und nichtsprachliche Kommunikationsmittel können verglichen werden mit Noten und dem Klang der Musik. »Der Ton macht die Musik«, nicht die Noten machen die Musik. Ein freundlicher, ermutigender Blick kann zum Beispiel den gesprochenen Worten eine ganz andere Bedeutung geben als ein grimmiger oder kritischer Blick. Der Tonfall kann ebenfalls liebevoll und ermunternd sein, somit aufbauend wirken, während ein scharfer Tonfall eine entmutigende oder lähmende Wirkung haben kann.

Die große Bedeutung nichtsprachlicher Kommunikation wird besonders deutlich im Umgang mit sehr jungen Kindern, die gesprochene Worte noch nicht verstehen, sowie im Umgang mit Eltern und Kindern mit Migrationshintergrund, die Deutsch als Zweitsprache in der Kita lernen. Menschen, die keine Verständigungsmöglichkeit über die gesprochene Sprache haben, entwickeln ein sehr sensibles Gespür für die Kommunikation ohne Sprache. Sie entnehmen dem Tonfall ihrer Bezugspersonen, ihrem Gesichtsausdruck und der Art, wie sie berührt werden, wie diese zu ihnen stehen und spüren auf diese Weise, ob sie akzeptiert und geliebt oder missachtet und abgelehnt werden. Sie selbst bedienen sich der nichtsprachlichen Kommunikationsmittel, um sich verständlich zu machen und auf diese Art ihre Bedürfnisse zu artikulieren.

Während uns die Bedeutung der nichtsprachlichen Kommunikation im Umgang mit Menschen, die sich sprachlich noch nicht äußern können, deutlich bewusst ist, wird sie im Allgemeinen weniger beachtet, wenn die Sprache als Kommunikationsmittel dazu kommt. Trotzdem sind die nichtsprachlichen Kommunikationsmittel auch dann von größter Bedeutung. Gerade dieser Bereich ist sehr störanfällig und es kann hier zu großen Missverständnissen kommen, weil das, was wir mit unserer Körpersprache ausdrücken, nicht immer auch von anderen Personen richtig verstanden wird. Oftmals wissen wir dann überhaupt nicht so genau, was eigentlich die Ursache für die Störung ist und weshalb die Missverständnisse entstanden sind. In den folgenden Ausführungen soll verdeutlicht werden, wie bedeutsam und wichtig die nichtsprachlichen Kommunikationsmittel für die gegenseitige Verständigung sind.

Um sich der Bedeutung nichtsprachlicher Kommunikation bewusst zu werden, bieten wir in unseren Kursen zwei Übungen an. Sie geben die Möglichkeit, spielerisch zu diesem Thema wichtige Erfahrungen zu sammeln, die genauso auch auf die Realität übertragbar sind. Beide Übungen machen den Teilnehmerinnen großen Spaß und bieten einen idealen Einstieg in den Bereich der nichtsprachlichen Kommunikation. Sie eignen sich gut für Fortbildungs- und Ausbildungsgruppen, können aber auch im Team durchgeführt werden.

Übungen zur nichtsprachlichen Kommunikation

  1. Jeweils vier Personen malen zusammen ein Bild zu einem vorgegebenen Thema, zum Beispiel »Ein Tag im Kindergarten«. Die Aufgabe für die Gruppe besteht darin, ein gemeinsames Bild zu malen, ohne dass dabei gesprochen wird.
  2. Mehrere Personen bauen aus Materialien wie Kartons, Papier, Schachteln usw. eine Skulptur. Hier wird kein Thema vorgegeben. Die Aufgabe besteht darin, eine gemeinsame Skulptur zu erstellen, ohne dass dabei gesprochen werden darf.

In großen Gruppen ist es auch möglich, beide Übungen alternativ anzubieten und den Teilnehmerinnen die Wahl zu lassen.

Erfahrungen der Erzieherinnen mit diesen Übungen


Die Erzieherinnen können bei diesen Übungen vielfältige Erfahrungen sammeln. Die Form der Zusammenarbeit ist in den einzelnen Gruppen immer unterschiedlich, aber einig sind sich alle: »Kommunikation ist auch ohne Worte möglich.« Es wird bei diesen Übungen deutlich, dass Worte nicht notwendig sind, da unsere nichtsprachlichen Kommunikationsmittel durchaus zur Verständigung ausreichen. Die Kommunikation wird gestaltet durch Mimik, Gestik und Zeichensprache. Die Teilnehmerinnen teilen sich gegenseitig durch Stirnrunzeln, Nicken, Kopfschütteln und Lachen mit, ob sie mit den Ideen der anderen einverstanden sind oder nicht. Auch der Blickkontakt ist für die gegenseitige Verständigung von großer Bedeutung. Aufmunternde Blicke, mit denen die Teilnehmerinnen sich gegenseitig ihre Zustimmung signalisieren, wirken motivierend, die eigenen Ideen noch stärker einzubringen. Kritische Blicke dagegen bewirken eher, dass die anderen sich deutlich zurückhaltender zeigen und weniger Initiative entwickeln.

Bei vielen Gruppen ist die wichtigste Frage: »Wer fängt an?« Manche Gruppen zögern sehr lange und warten ab, bis eine Teilnehmerin die Initiative ergreift. In manchen Gruppen fangen die Teilnehmerinnen für sich alleine an und fügen das Bild oder die Skulptur später zu einem Ganzen zusammen. Manchmal ergreift auch eine Erzieherin schnell die Initiative und fängt an, zu malen oder zu bauen, und die anderen ergänzen die so entstandenen Vorgaben durch eigene Ideen.

Den Erzieherinnen, die an dieser Übung teilnehmen, werden oft Verhaltensweisen bewusst, die sie auch in ihrem beruflichen Alltag von sich kennen. So sagte zum Beispiel eine von den sehr aktiven Teilnehmerinnen: »Dieses Verhalten ist, glaube ich, typisch für mich. Und da wundere ich mich, dass die anderen sich immer auf mich verlassen.« Eine Erzieherin, die eher abwartet und dazu neigt, den anderen den Vortritt zu lassen, stellte fest: »Ich ärgere mich über mich selbst, weil ich durch dieses Verhalten oft nicht zum Zug komme.« Eine andere Erzieherin äußerte sich so: »Eigentlich fühle ich mich ganz wohl dabei, wenn andere das ›Zugpferd‹ sind. Mir ist das recht.«

Manche Erzieherinnen machen bei den Übungen auch die Erfahrung, dass sie durch ihren Beitrag versuchen, verschiedene Ideen miteinander zu verbinden, damit am Ende auch wirklich eine gemeinsame Arbeit entsteht, wobei sie aber auch eigene Beiträge einbringen, wenn es die Aktivität der anderen erlaubt. Diese Erzieherinnen wirken sehr ausgleichend und verbindend in der Gruppe, nehmen sich aber oftmals zu wenig Raum für die Verwirklichung ihrer eigenen Ideen.

Manchmal kann es auch zu Missverständnissen kommen, wenn eine Teilnehmerin ein Verhalten, eine Geste oder die Mimik einer anderen Teilnehmerin falsch versteht. Wenn sich zum Beispiel eine Teilnehmerin abwartend verhält und sich überlegt, was sie vielleicht an der gemeinsamen Arbeit noch ergänzen könnte, kann dies von den anderen entweder als produktive Pause richtig verstanden oder aber als Passivität missverstanden werden.

Wir sehen daran, dass wir uns gegenseitig immer etwas mitteilen, auch wenn wir nichts sagen oder tun. Die Kommunikationsforscher Watzlawick, Beavin und Jackson beschreiben dieses Phänomen, indem sie sagen: »Man kann nicht nicht kommunizieren.« (Watzlawick/Beavin/Jackson: Menschliche Kommunikation, S. 53). Sie führen in diesem Zusammenhang das Beispiel eines Mannes an, der im überfüllten Wartesaal auf den Boden starrt oder mit geschlossenen Augen dasitzt. Er teilt damit den anderen mit, dass er weder sprechen noch angesprochen werden will, und gewöhnlich reagieren seine Nachbarn richtig darauf, indem sie ihn in Ruhe lassen (vgl. ebenda S. 51).

1.2 Beispiele für nichtsprachliche Kommunikation aus dem Kindergartenalltag


Die Bedeutung nichtsprachlicher Kommunikation wird nun an einigen Beispielen aus dem Kindergartenalltag näher erläutert. Allen vier Beispielen ist gemeinsam, dass kein Wort gesprochen wird, aber trotzdem sehr viel Kommunikation zwischen den Beteiligten stattfindet.

Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situationen vor:

1. Beispiel: Sie kommen am Morgen in den Kindergarten. Die Leiterin sitzt bei offener Tür im Büro. Sie schaut nur kurz auf, erwidert Ihren Gruß aber nicht.

Obwohl die Leiterin kein Wort gesagt hat, hat sie mit ihrer Mimik und Gestik deutliche Signale ausgesendet. Auch die Erzieherin hat kein Wort gesagt, aber mit Sicherheit hat das Verhalten der Leiterin auf sie eingewirkt. Sie wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit überlegen, weshalb die Leiterin sich so verhält, und unter Umständen zu verschiedenen Erklärungsmöglichkeiten kommen. Sie könnte zum Beispiel annehmen, dass die...

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