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Global Impact

Der neue Weg zur globalen Verantwortung. Ein Bericht an die Global Marshall Plan Initiative

AutorFranz Josef Radermacher, Marianne Obermüller, Peter Spiegel
VerlagCarl Hanser Fachbuchverlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl298 Seiten
ISBN9783446422056
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR

Warum sind wir so gelähmt beim Anpacken der globalen Probleme, selbst in einer Jahrhundertkrise? Warum sind wir so unfähig, selbst bei den existenziellen Fragen für unsere Zukunft zu klaren und wirksamen Entscheidungen zu kommen? Überraschenderweise haben sich gerade in letzter Zeit die Chancen für ein Aufbrechen dieser Handlungslähmung entscheidend verbessert. In allen Sektoren unserer globalen Gesellschaft, in Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, werden inzwischen nahezu alle alten Dogmen des Denkens fundamental in Zweifel gezogen und konstruktiv überwunden. Dieses Buch bietet eine umfassende Handlungsanleitung mit befreiend innovativen und präzisen Vorschlägen zu einer ökosozial nachhaltigen Gestaltung der Globalisierung - für Politiker, Manager und jeden Einzelnen. Die Autoren Franz Josef Radermacher, Marianne Obermüller und Peter Spiegel haben mehrere der vorgestellten Reformvorschläge maßgeblich mitentwickelt, so zum Bespiel die Global Marshall Plan Initiative, die Social Business Initiative, die Initiative für Klimagerechtigkeit, die Initiative für ein kohärentes Weltfinanzsystem oder die Initiative für ein UN-Parlament als Einstieg in demokratische Entscheidungsprozesse auf globaler Ebene. Marianne Obermüller ergänzt das Autorenteam mit ihren Erfahrungen als erfolgreiche Unternehmerin und Social Business Akteurin. Ein Buch für alle politisch-wirtschaftlich Interessierte.

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Leseprobe
Kapitel 1 Wendezeichen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft (S. 17)

Peter Spiegel

Jede Wende beginnt in den Köpfen der Menschen. Wenn wir beispielsweise in einer Diktatur leben, werden wir diese nicht überwinden können, solange wir im Glauben sind, diese Diktatur nicht überwinden zu können. Solange dieses Denkmuster unser Verhalten bestimmt, wird die Diktatur fortbestehen. Die Entwicklungslinien bestimmter Denkmuster setzen sich so lange fort, bis die sie stabilisierenden Denkkonstrukte in ausreichendem Maße infrage gestellt und verändert werden.

Selbst wenn ein Denkmuster, wie beispielsweise der Glaube an die Notwendigkeit von Lobbyismus in einer Demokratie, längst nicht mehr die ursprünglich erhofften positiven Folgen zeitigt, führt uns das dadurch hervorgerufene wachsende Leiden, beispielsweise als Folge der lähmenden Macht einzelner Partikularinteressen, noch lange nicht zum Umdenken. Not kann unser Denken wenden, muss aber nicht, zumindest nicht schnell. Es hängt von uns ab, wann wir eine schlicht sinnvolle oder selbst eine überlebensnotwendige Wende in unserem Denken vollziehen.

Erkennen wir die Gefahren einer nationalsozialistischen Ideologie in ihren Anfängen oder erst nach einem Weltkrieg mit fast 60 Millionen Toten? Wenden wir uns von einem giergetriebenen Weltfinanzsystem ab, wenn kluge Köpfe vor dessen inneren Widersprüchen klar und deutlich warnen, oder erst nach einem globalen Zusammenbruch?

Nutzen wir die Chancen der Kleinkreditidee zur systematischen Beseitigung der Armut in den nächsten Jahren oder warten wir auf einen globalen Aufstand der Armen, wie auch immer dieser dann aussehen mag? Weder schützt uns der Zusammenbruch des Nationalsozialismus vor einer möglichen Wiedererstarkung derartiger Ideologien noch bewahrt uns der Lernprozess der gegenwärtigen Weltfinanzkrise davor, sehr ähnliche Fehler noch einmal zu begehen, bis uns eine nächste, möglicherweise noch weit größere Wirtschaftskrise endlich zu einer gründlicheren Denkwende aufweckt.

Und was nützt eine noch so offensichtliche Chance auf ein soziales Weltwirtschaftswunder, das Armut endlich in die Geschichtsbücher verbannen kann, wenn wir unseren Blick nicht auf diese Chance wenden? Der leider weitgehend vergessene deutsche Philosoph Hans Vaihinger schrieb vor fast 100 Jahren das Buch Die Philosophie des Als Ob.

Er erläuterte darin, wie der Mensch nur über Gedankenkonstrukte den Versuch einer Einschätzung der Zusammenhänge im Leben unternehmen kann. Menschliches Denken kann Wirklichkeit grundsätzlich nicht „an sich" erkennen. Die Wahrheit der Wirklichkeit bleibt ihm immer verschlossen. Er kann sich der Wirklichkeit nur via Erklärungsversuche nähern.

Er kann nur so tun, „als ob" die Wirklichkeit so funktioniert wie ein Gedanke, den er an sie anlegt, beziehungsweise eine Theorie, die er zu ihrer Erklärung entwickelt. Jeder Gedanke legt, wie ein Lichtkegel, bestimmte Wirkweisen der Wirklichkeit frei, andere bleiben im Dunkel. Vaihinger nennt dies „nützliche Fiktionen".

Die Vorstellung, die Erde sei eine Scheibe, führte dazu, dass der Mensch mit der Wirklichkeit der Erde so umging, als ob diese eine Scheibe sei. Diese Vorstellung war in der Tat eine nützliche Fiktion, und sie erlaubte dem Menschen einen großen Wirkradius im Umgang mit ihr.

Die Vorstellung der Erde als Kugel veränderte den Wirkradius menschlichen Agierens jedoch deutlich. Sie war eine eindeutig nützlichere Fiktion, eine Vorstellung, die es den Europäern entscheidend ermöglichte, zahlreiche „neue" Kontinente zu entdecken.

Folgt man dem Denken von Hans Vaihinger, dessen Thesen im Kapitel zur Kompetenzenbildung noch näher erläutert werden, so erweist sich die Fiktion der Veränderbarkeit von Zuständen, mit denen wir nicht zufrieden sind, als die grundsätzlich überlegene Fiktion gegenüber allen Vorstellungen, die – mit welchen Begründungen auch immer – davon ausgehen, eine bestimmte Wirklichkeit sei nicht überwindbar.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Einleitung: Die Handlungslähmung auf dem Weg zu einer nachhaltigen und reichen Welt überwinden10
Kapitel 1 Wendezeichen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft26
1.Die Wende in der Wirtschaft: Gemeinwohlinteressen sind intelligenter als Partikularinteressen30
2.Die Wende in der Politik: Globalverantwortlich denken ist wirksamer als Nationalegoismen42
3.Die Wende in der Zivilgesellschaft: Selbstbewusst innovativ mit Wirtschaft und Politik bewegt mehr46
Kapitel 2 Mit einem Global Marshall Plan den Einstieg in einen globalen ökosozialen Ordnungsrahmen gestalten52
1.Zur Ausgangssituation55
2.Die Wertebasis für eine weltweite Balance56
3.Das Konzept56
4.Initiativen für die praktische Umsetzung einzelner Ziele – Beispiel: Plant-for-the-Planet70
Kapitel 3 Mit einem konsistenten Weltfinanzsystem die notwendigen Steuerungsmechanismen für eine balancierte Welt schaffen74
1.Der lange Boom des leichten Geldes75
2.Was ist überhaupt Geld?77
3.Deregulierung und Finanzmarktinnovationen als Krisenursachen83
4.Wie kam es zu der Krise?86
5.Ist das Geld weg?92
6.Die Entgrenzung des Finanzsektors – das Problem hinter den Problemen95
7.Die Staaten sind der letzte Anker99
8.Leitlinien für Regierungshandeln in schwierigen Zeiten104
9.Ökosoziale Marktwirtschaft als Zukunftschance105
10.Die Verschuldung der Staaten als das Hauptproblem110
11.Globale Entschuldung durch Besteuerung globaler Märkte116
12.Hyperinflation oder Währungsschnitt119
13.Unsere Chance – ökosozial statt marktradikal122
14.Die G 20 haben eine hohe Verantwortung124
Kapitel 4 Mit Social Business ein humanes Weltwirtschaftswunder schaffen126
1.Was ist Social Business?127
2.Das Megapotenzial von Social Business132
3.Die Revolution der Kleinkredite133
4.Die Revolution der Innovationen144
5.Die Revolution der sozialen Aufgaben in den Industrieländern156
6.Social Business als Impuls für eine insgesamt wesentlich sozialer motivierte Ökonomie166
Kapitel 5 Mit Kompetenzenbildung alle Menschen zu Lebensunternehmern ausbilden174
1.Auf dem Weg zu den Schlüsseldisziplinen zur Mitgestaltung einer komplexen Welt175
2.Warum kann Kolumbien heute kreativere Bildungskonzepte entwickeln als Deutschland?188
3.Die Entwicklungsschulen – ein Bildungssystem im Schneeballverfahren197
4.Das Lernen des Lernens und dessen Anwendung oder die Grundlagen einer Kompetenzenbildung205
5.Die überfällige Bildungsrevolution in den alten Industrieländern214
6.Zusammenfassung: Kompetenzenbildung für Lebensunternehmer220
Kapitel 6 Mit Klimagerechtigkeit und Innovationen im Energiebereich den Weg zu einer wirksamen Klimawende öffnen228
1.Das Konzept der Klimagerechtigkeit230
2.Besteuerung direkt an der Quelle232
3.Klimadoppelstrategie234
4.Lösungsansätze zur Weltenergiefrage236
Kapitel 7 Mit einem UN-Parlament demokratische Prinzipien bei globalen Entscheidungen durchsetzen244
1.Inter-national Governance als Denkgefängnis244
2.„Wir sind das Weltvolk!“249
3.Ein UN-Parlament als Katalysator echten globalverantwortlichen politischen Handelns253
4.Weltweite Kampagne für eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen260
5.Mögliche Wege zur Einrichtung eines UN-Parlaments262
Kapitel 8 Das Leben ist mehr als Ökonomie – die Kultur eines ganzheitlichen globalen Reichtums268
Kapitel 9 Unified Earth Theory – ein neuer gedanklicher Rahmen276
1.Die Ausgangsposition276
2.Die Aufgabenstellung278
3.Das Erfordernis einer Unified Earth Theory279
4.Was liegt inhaltlich als Basis einer Unified Earth Theory bereits vor?280
5.Global-Governance-Forschung282
6.Klimagerechtigkeit als Verbindungsglied: Umgang mit einem Weltgemeingut283
7.Hilfe zur Selbsthilfe – große Hebel284
8.Social Business (Sozialunternehmen)285
9.Fokus: globales Agenda-Setting286
LITERATURVERZEICHNIS287

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