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E-Book

Google-Mitarbeiter Nr. 59

Der erste Insider-Bericht aus dem Weltkonzern

AutorDouglas Edwards
VerlagRedline Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl480 Seiten
ISBN9783864142765
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR
1998 erblickte einer der einflussreichsten Internetkonzerne das Licht der Welt. Einer, der nicht nur die IT-Welt eroberte, sondern es obendrein geschafft hat, einen eigenen Begriff zu prägen. Googeln schaffte es sogar in den Duden. Die Suchmaschine ist heute für Millionen Menschen die Anlaufstelle Nummer 1, wenn es um die Beschaffung von Informationen geht. Und von der ersten Stunde an dabei war Google-Mitarbeiter Nr. 59, Douglas Edwards. Mit viel Humor berichtet er von den Anfängen, der ganz eigenen Google-Kultur und seinen ganz persönlichen Erfahrungen in der sehr speziellen Welt eines Internet-Start-ups auf dem Weg zum Global Player. Er beschreibt, wie Larry Page und Sergey Brin mit Eigensinn und einer leichten Arroganz Google dahin brachten, wo Google heute ist und wofür Google steht. Atmen wir quasi die Google-Luft in der Konzernzentrale und begeben uns mit Douglas Edwards auf die Reise durch das Google-Imperium. Dabei erzählt er uns viele persönliche Geschichten darüber, wie es ist, im wohl eigenwilligsten Konzern der Welt zu arbeiten.

Douglas Edwards war von 1999 bis 2005 Angestellter bei Google. 2005 schied er, inzwischen Director of Marketing and Brand Management, aus dem Unternehmen aus. Bevor er dem Google-Universum beitrat, war er Markenmanager für die San Jose Mercur News, Kommunikationsmanager für KQED und Korrespondent für das Radioprogramm Marketplace in Nowosibirsk.

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Leseprobe

Teil I


Du bist einer von uns.
Ich erledigte die Dinge auf meine Weise.
Diese entsprach nicht der Google-Methode.
Einer von uns musste sich ändern.

1 Woher ich kam


Ich war zwar kein Technik-Blindgänger, aber auch keiner von diesen Karrieretypen. Ich hatte nicht das Wirtschaftsstudium mit links absolviert, einen Gastauftritt bei einer Beratung hingelegt und dann einen tollen Managementposten bei einem bahnbrechenden Hightech-Unternehmen angenommen, als dieses gerade Platinstatus erreichte. Wie fern mir das war, sieht man allein daran, dass mein Hauptfach an der Uni Englisch war. Ohne feste Pläne für mein Leben schlenderte ich durchs College. Nach dem Abschluss hatte ich verschiedene Jobs im Marketingbereich, bis ich 1992 schließlich bei der San Jose Mercury News (auch bekannt als The Merc) landete. Ich war zu dem Zeitpunkt 34 Jahre alt und bereit, mich auf etwas einzulassen, das zumindest die Spur von etwas Dauerhaftem hatte.

»Wir bekommen noch ein Kind«, erinnerte mich meine Frau Kristen. »Und es wird Schuhe brauchen.«

Sieben Jahre zogen ins Land. 1999 war ich 41 Jahre alt. Ich bekam jeden Monat meinen Gehaltsscheck, hatte drei Kinder und beruflich ausgesorgt mit meinem Job in einem großen soliden Unternehmen mit 150-jähriger Tradition und einem Händchen für die Zukunft. Aber statt mich zurückzulehnen, kündigte ich meinen Job, um bei einem Start-up-Unternehmen ohne Umsatz und erkennbaren Businessplan anzufangen. Was hatte ich mir dabei gedacht? Warum nahm ich freiwillig eine Gehaltskürzung um 25.000 Dollar und einen weniger beeindruckenden Titel in Kauf, um mit einer Horde College-Kids »Wir gründen eine Firma« zu spielen?

Damals schien es mir logisch zu sein, aber nur weil die Logik zu jener Zeit durch die expandierende Dotcom-Blase verzerrt war.

Die Leitung des Marketings und später der Online-Produktentwicklung bei der Merc (»Der Tageszeitung des Silicon Valley«) verschaffte mir einen guten Überblick über die Internetexplosion, die sich außerhalb unserer vier Wände abspielte. Jerry Ceppos, Chefredakteur der Zeitschrift, bezeichnete sie als »Pendant zur italienischen Renaissance, die sich geradewegs auf unserem Hinterhof abspielt.« Die e-Medicis und dot-Boticellis schossen wie Pilze aus dem Boden – mit Geschäftsideen, die aus nichts als Bits und großen Ideen bestanden. Die Merc wollte daran teilhaben und startete Initiativen im Bereich Neue Medien, einschließlich einer Plattform für technische Neuerungen mit dem Namen Siliconvalley.com. Für diese Plattform hatte ich den Businessplan erstellt. Ich stellte mir SV.com als pulsierendes Kommunikationszentrum vor für jeden, dessen Leben mit Technologie zu tun hatte. Aber trotz unseres optimistischen Auftretens konnte ich den sich ausbreitenden Gestank des Untergangs nicht ignorieren.

Während seiner 150 Jahre legte die Mercury News eine Prozessschicht über die andere, bis das wenige, was an unternehmerischem Geist noch vorhanden war, verschüttet wurde unter dem bürokratischen Wust von Organisationsplänen und Richtlinienhandbüchern. Wir betrachteten Zeitungen als das erste Konzept in der Geschichte der Medien und niemand wollte bei der Übertragung dieses historischen Erfolgs auf das nächste Massenmedium einen Fehlschritt begehen. Jedes lose Ende und jede vage Vorstellung musste sorgfältig eingetütet werden, bevor wir unser neues Produkt auf die öffentliche Bühne werfen konnten.

Wir schafften es, Siliconvalley.com als Plattform voller Logos bekannter Technologieunternehmen wie Dell, HP und NetObjects zu etablieren. Unsere Quelle fragte uns, ob wir ihm einen Gefallen tun und noch ein kleineres Unternehmen von seiner Kundenliste aufnehmen könnten.

»Dieses Google«, fragte ich ihn, »was machen die denn?«

»Internetsuche«, antwortete er.

»Suche? Ha. Dann wünsche ich ihnen viel Glück«, dachte ich und verlor sofort das Interesse an dieser Firma.

Es brennt im Valley

Schließlich wurde ich der Kämpfe müde, die es nach sich zog, ein altes Handwerk in eine neue Ära zu überführen. Ich wollte einen Neustart. Ich wollte näher ran an das echte Internet, nahe genug, um das Kabel anzufassen und das Summen zu spüren, wenn Millionen Menschen im weltweiten Bienenstock kommunizieren. Was konnte schlimmstenfalls passieren? Ich stieg ein, schnupperte am Hightech-Leben und stieg wieder aus. Vielleicht würde ich wie der verlorene Sohn zurückkehren. Wir schrieben das Jahr 1999. Es war ja nicht so, als würden sich die Mainstream-Medien in nächster Zeit in Luft auflösen.3

Ich kämmte die Technologiezeitungen nach Hinweisen auf das nächste Yahoo durch, einem Geschäftskonzept, das ich kurzsichtig für eine Eintagsfliege gehalten hatte. Yahoo hatte Bereitschaft gezeigt, Mitarbeiter der Mercury News einzustellen, aber als ich endlich einsah, dass sie an etwas Großem dran waren, brauchten sie meinen Lebenslauf und meine Zeugnisse nicht mehr. Obwohl sich sogar ehemalige Kollegen für mich verwendeten, dauerte es Wochen, bis mir ein Yahoo-Recruiter überhaupt Beachtung schenkte.

»Sind wir als Marke eher wie Macy’s oder wie Wal-Mart?«, fragte mich der einstellende Manager am Telefon. »Welche Yahoo-Dienste nutzen Sie? Wie können diese Dienste verbessert werden?«

Immerhin gefielen ihm meine Antworten gut genug, um mich noch für denselben Nachmittag zu einem persönlichen Gespräch einzuladen. Eine große Kuh aus Plexiglas stand geduldig in der Lobby bei Yahoo, umgeben von dick gepolsterten lila Sitzmöbeln, die aussahen wie aus der Serie Pee-wee’s Playhouse. Eine Arbeitsbiene in T-Shirt führte mich in einen fensterlosen weißen Raum, wo mich während der nächsten drei Stunden eine Reihe Marketingmitarbeiter mit gezielten Fragen löcherten. Mir ging die Energie nicht aus und ich hielt die Antworten kurz, während meine Fragesteller von einem Thema zum nächsten wechselten und dann zu wichtigeren Meetings davoneilten.

Nachdem es vorbei war, bot mir Yahoo eine untergeordnete Position an, ein Gehalt, von dem ich nicht leben konnte, und einen Status, der in etwa einer Armbinde mit drei Punkten entsprach. Ich lehnte höflich ab, schüttelte Hände und ging. Für Yahoo war ich zu spät. Viel zu spät.

Aber ich gab nicht auf.

Ich hatte mich mitreißen lassen von den Geschichten über eine neue Legion von Dotcom-Helden und steuerte dem allgemeinen Taumel munter Fabeln bei. Unsere Anzeigen für den Mercury News Online-Service fragten: »Warum warten, bis Sie 27 sind, bevor Sie die erste Million verdienen?« und drängten Führungskräfte: »Merken Sie rechtzeitig, wenn der Typ aus Ihrer Poststelle an die Börse geht.« Ich begrüßte das. Nachts murmelte ich in mein Kissen, dass wir »unseren Bekanntheitsgrad erhöhen« und »schnell wachsen« müssten.

Die Dotcom-Energie vibrierte überall im Valley und war derart elektrifizierend und berauschend, dass ganze Städte davon trunken waren. Das Hightech-Gold war überall um uns herum; man konnte spüren, wie sein Gewicht die Vernunft verdrängte. Häuser wurden über Nacht eine Million Dollar über dem verlangten Preis verkauft – und bar bezahlt. Lamborghinis und Ferraris zischten auf dem Highway 280 an den BMWs und Mercedes-Limousinen vorbei. Elvis Costello veranstaltete auf Betriebsfeiern Jamsessions und Feuerwerke erleuchteten private Grillpartys.

Ich investierte meine mageren Ersparnisse in Unternehmen, über die ich im Red Herring und dem Industrial Standard gelesen hatte: JDS Uniphase und NetGravity sowie DoubleClick. Ich sah deren Wert steigen und hielt mich für einen gewitzten Analysten der boomenden Internetwirtschaft. Verwandte baten mich um Tipps für Aktienkäufe und ich begann, mich über die Zukunft von XML und Push Media auszulassen, als hätte ich wirklich Ahnung davon.

Mit dem Jahrtausend ging es zu Ende und mit der Zivilisation vielleicht ebenfalls. Das Jahr-2000-Problem kam. Ein Softwarefehler konnte Computeruhren versagen und ein Flugzeug vom Himmel fallen lassen. Das Stromnetz konnte ausfallen und ganze Städte versanken in Dunkelheit. Besser also bei Tag agieren, solange es noch hell war.

Die nächste große Sache war da draußen, lauerte in einem umgebauten Lagerhaus in San Franciscos »Multimedia Gulch« oder sie hing in einem winzigen Büro herum, teilte sich Stromkosten und die Kaffeemaschine mit anderen Erfolgsaspiranten. Geniale Pläne gingen auf wie Popcorn. Die meisten verstarben jedoch still und leise; halb gar, zu lange erwärmt, ungenießbar. Aber gelegentlich explodierte die eine oder andere in einen Riesenerfolg und das Valley kam angelaufen, bewarf das neue Wunder aus Versprechen und warmer Luft mit Visitenkarten und Beteiligungskapital.

Ich sprach mit jedem, der einen Businessplan vorweisen konnte – und das Wort »Internet« mit Bleistift darüber gekritzelt hatte –, und über genügend Rücklagen verfügte, um mein Gehalt für einen Monat zu zahlen – von iTix und Bits2Go to AllBusiness und NexTag. Ich sprach mit Sinanet, obwohl jedes Wort auf ihrer Website Chinesisch war. Ich bettelte um ein Vorstellungsgespräch bei InsWeb, einem Unternehmen, das Versicherungen übers Internet anbot, weil es sich irgendwie nicht so lahm anhörte zu sagen: »Ich verkaufe KFZ-Versicherungen«, wenn man das magische Wort »online« hinzufügen konnte.

Ich schraubte meine Ansprüche runter und schickte das nächste Dutzend Bewerbungen raus, in der Hoffnung, irgendwo landen zu können. Ich schickte sogar eine zu diesem...

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