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E-Book

Google vs. Apple

Der erbitterte Kampf ums mobile Netz und die Revolution der Medienwelt

AutorFred Vogelstein
VerlagPlassen Verlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl288 Seiten
ISBN9783864702204
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis21,99 EUR
Die größte Revolution der letzten Jahre fand vor unseren Augen und Ohren statt - aus einem Mobiltelefon wurde ein 'Smartphone', ein mobiler Mini¬computer, der die Art und Weise, wie wir leben und kommunizieren, auf den Kopf gestellt hat. Die zentralen 'Revolutionäre' sind Apple und Google - durch iPhone und iPad auf der einen und das Android-Betriebssystem auf der anderen Seite. Beide liefern sich seit Jahren einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft im Milliardenmarkt 'Mobile Data' - und beide sind nicht zimperlich: Sie werben sich gegenseitig die besten Mitarbeiter ab. Wenn der eine ein Unternehmen kaufen will, treibt der andere den Preis hoch. Und sie schmieden Bündnisse mit anderen Schwergewichten wie Facebook oder Microsoft, um sich Marktanteile zu sichern. Dieses Buch liest sich wie ein Roman: Der bekannte Journalist Fred Vogelstein erzählt eine Geschichte darüber, welche Geräte unsere Telefone und Laptops ersetzen werden, wer die Inhalte auf diesen Geräten kontrollieren wird und woher diese Inhalte stammen werden - mit anderen Worten: wie die Zukunft unserer gesamten Medienlandschaft aussehen wird.

Fred Vogelstein ist renommierter Journalist und Redakteur beim berühmten IT-Fachmagazin Wired. Dort schreibt er über Business und Finanzen im Bereich Hochtechnologie. Zuvor schrieb er unter anderem für das Fortune Magazine und das Wall Street Journal.

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Leseprobe

Kapitel 1


Die Mondmission


Die 90 Kilometer von Campbell nach San Francisco sind einer der schönsten Wege zur Arbeit, die es gibt. Die Fahrt führt größtenteils über den Junipero Serra Freeway, eine breite, bemerkenswert leere Autobahn entlang der Ostseite der Santa Cruz Mountains. Die Einheimischen bezeichnen ihn als 280 und er ist einer der besten Orte im Silicon Valley, um zu beobachten, wie ein Start-up-Tycoon seinen neuen Ferrari testet – und einer der Orte mit dem schlechtesten Handyempfang. Für Andy Grignon in seinem Porsche Carrera war er daher der perfekte Ort, an dem er frühmorgens am 8. Januar 2007 allein seinen Gedanken nachhängen konnte.

Es war nicht Grignons normaler Weg zur Arbeit. Er war leitender Ingenieur bei Apple in Cupertino, der Stadt unmittelbar westlich von Campbell. Normalerweise fuhr er morgens elf Kilometer und brauchte dafür exakt 15 Minuten. Aber an diesem Tag war es anders. Er wollte dabei zuschauen, wie sein Chef Steve Jobs auf der Macworld-Messe in San Francisco Geschichte schreiben würde. Die Apple-Fans hatten Jobs schon seit Jahren angebettelt, er solle in ihre iPods ein Handy einbauen, damit sie keine zwei Geräte mehr mit sich herumtragen müssten. Jobs stand im Begriff, diesen Wunsch zu erfüllen. Grignon und ein paar Kollegen würden in einem Hotel in der Nähe übernachten und am nächsten Tag um 10:00 Uhr würden sie zusammen mit dem Rest der Welt zuschauen, wie Jobs das erste iPhone enthüllt.

Die Einladung zu einer der berühmten Produktvorstellungen von Jobs galt als große Ehre. Damit wurde man zum „Player“ geweiht. Nur ein paar Dutzend Apple-Mitarbeiter wurden dazu eingeladen, darunter die Topmanager. Die restlichen Plätze waren für den Verwaltungsrat von Apple reserviert, für die Vorstandsvorsitzenden von Geschäftspartnern – zum Beispiel Eric Schmidt von Google und Stan Sigman von AT&T – sowie für Journalisten aus aller Welt. Grignon war eingeladen, weil er der leitende Ingenieur für alle Funkbauteile im iPhone war – eine große Herausforderung. Die heutigen Handys erledigen zwar unzählige nützliche Aufgaben, aber ganz grundsätzlich betrachtet sind sie ausgefeilte Funk-Sende-Empfangs-Geräte. Grignon war für die Ausrüstung zuständig, dank deren das Telefon ein Telefon sein konnte. Wenn man mit dem iPhone nicht telefonieren konnte, keine Verbindung zu Bluetooth-Headsets oder zu Wi-Fi-Netzen herstellen konnte, musste Grignon dafür geradestehen. Als einer der ersten Ingenieure, die am iPhone arbeiteten, hatte er zweieinhalb Jahre seines Lebens – häufig sieben Tage die Woche – diesem Projekt gewidmet. Kaum jemand hatte es mehr verdient als er, dort zu sein.

Aber Grignon war auf der Fahrt nach Norden keineswegs begeistert, sondern vielmehr panisch. Die meisten Bühnen-Produktvorstellungen im Silicon Valley sind abgekartet. Man fragt sich nämlich, weshalb man sich eine ansonsten gute Präsentation von einer schlechten Internet- oder Handyverbindung ruinieren lassen sollte. Jobs’ Produktvorstellungen waren aber immer live. Das war einer der Gründe, weshalb seine Shows so fesselnd waren. Den Personen im Hintergrund, beispielsweise Grignon, verursachte jedoch kaum ein Aspekt ihres Jobs mehr Stress. Zwar konnte sich Grignon nicht erinnern, wann zum letzten Mal eine Jobs-Veranstaltung dieser Größenordnung danebengegangen war. Steve Jobs war ja unter anderem deswegen so legendär, weil es fast nie zu merklichen Pannen bei Produktvorführungen kam. Aber es fiel Grignon auch schwer, sich zu erinnern, wann Jobs zum letzten Mal so schlecht vorbereitet in eine Vorführung gegangen war.

Grignon hatte zu dem Team gehört, das die Produktlancierung vorbereitete, und zuletzt am Präsentationsort in San Francisco, dem Moscone Center, gearbeitet. Dabei hatte er es allerdings selten erlebt, dass Jobs seine 90-minütige Show ohne Pannen durchziehen konnte. Er hatte fünf Tage lang geprobt, aber selbst am letzten Probentag hatte das iPhone unvermittelt Telefonverbindungen abgebrochen, die Internetverbindung verloren, hatte sich aufgehängt oder ganz einfach abgeschaltet.

„Am Anfang war es einfach nur toll, überhaupt bei den Proben dabei zu sein, eine Art Ehrenabzeichen. ‚Scheiße, Mann, ich werde mit Steve zusammen sein‘“, so Grignon. Wie alles andere im Umfeld von Jobs waren auch die Vorbereitungen so geheim wie ein Raketenangriff der Vereinigten Staaten auf Afghanistan. Wer wirklich dazugehörte, fühlte sich, als stünde er im Mittelpunkt des Universums. Von Donnerstagabend bis zum Ende der darauf folgenden Woche hatte Apple das Moscone Center komplett in Beschlag genommen. Hinter der Bühne wurde ein 2,50 x 2,50 Meter großes Elektroniklabor für die Aufbewahrung und Prüfung der iPhones aufgebaut. Daneben wurde ein Green Room mit Sofa für Jobs eingerichtet. Dann postierte Apple rund um die Uhr mehr als ein Dutzend Sicherheitskräfte vor diesen Räumen und vor Türen im gesamten Gebäude. Niemand konnte hinein oder hinaus, ohne dass seine ID elektronisch geprüft und mit einer Liste abgeglichen wurde, die Jobs persönlich abgesegnet hatte. Nachdem man als Besucher ins Gebäude gelangt war, musste man noch weitere Sicherheits-Checkpoints durchlaufen. Der Saal, in dem Jobs probte, war außer für eine kleine Gruppe von Führungskräften gesperrt. Jobs war dermaßen davon besessen, es könnte etwas durchsickern, dass er versuchte, die Mitarbeiter sämtlicher Unternehmen, die Apple für die Produktvorstellung engagiert hatte – vom Stand- und Vorführungspersonal bis hin zu den Licht- und Tontechnikern –, in der Nacht vor der Präsentation im Gebäude übernachten zu lassen. Seine Berater redeten ihm das aber aus.

„Es wurde schnell sehr ungemütlich“, so Grignon. „Ich habe es sehr selten erlebt, dass er vollkommen die Fassung verlor. Das kam durchaus vor. Aber meistens schaute er einen an und sagte einem sehr direkt, mit lauter, strenger Stimme: ‚Sie schädigen mein Unternehmen.‘ Oder: ‚Wenn das nicht klappt, liegt es an Ihnen.‘ Er war einfach sehr intensiv. Und man fühlte sich immer so klein mit Hut [wenn er mit der Standpauke fertig war].“ Laut Grignon stellte man sich während solcher Vorhaltungen immer zwei Fragen: „‚Hat diesmal mein Mist versagt?‘ und ‚Hat er zum n-ten Mal versagt oder zum ersten Mal?‘ Das war nämlich wirklich wichtig. Das n-te Mal frustrierte ihn zwar, aber bis dahin hatte er vielleicht schon einen Ausweg gefunden. Aber wenn es das erste Mal war, kam dadurch eine ganz neue Qualität der Instabilität ins Programm hinein.“ Grignon wusste wie alle bei den Proben Anwesenden: Wenn eine dieser Pannen bei der tatsächlichen Präsentation eintreten würde, dann würde Jobs nicht sich selbst die Schuld an den Problemen geben, sondern sich über Leute wie Grignon hermachen. „Mir kam es vor, als hätten wir die Vorführung hundertmal durchgespielt und als wäre jedes Mal etwas schiefgegangen“, so Grignon. „Das war kein gutes Gefühl.“

Dass das iPhone nicht richtig funktionierte, hatte einen guten Grund: Es war nicht einmal annähernd fertig. Jobs führte einen Prototyp vor. Doch er wollte einfach nicht, dass die Öffentlichkeit das wusste. Aber die Liste der Dinge, die noch erledigt werden mussten, bevor das iPhone verkauft werden konnte, war enorm lang. Erst musste eine Fertigungsanlage gebaut werden. Es gab insgesamt nur rund 100 iPhones, und zwar in verschiedenen Qualitätsstufen. Bei manchen klaffte eine spürbare Lücke zwischen dem Display und der Kunststoffkante, bei anderen war das Display verkratzt. Deshalb durfte nach der Enthüllung durch Jobs niemand aus dem Publikum ein iPhone anfassen, und das obwohl ein ganzer Tag mit Presseterminen anberaumt und in dem Kongresszentrum ein kompletter Ausstellungssaal eingerichtet worden war. Laut Grignon stand zu befürchten, dass nicht einmal die besten Prototypen einer genauen Prüfung standhalten würden. Aus der Entfernung und bei Jobs’ Vorführung sahen sie gut aus, aber wenn man einen in die Hand genommen hätte, „hätte man gelacht und gesagt: ‚Wow, das Ding sieht aber ganz schön unfertig aus.‘“

Um die Software des Telefons war es noch schlechter bestellt. Ein großer Teil der vorangegangenen vier Monate war dafür draufgegangen, herauszufinden, weshalb sein Prozessor und seine Funkzelle nicht zuverlässig miteinander kommunizierten. Dieses riesige Problem war vergleichbar damit, dass der Motor eines Autos nicht auf das Gaspedal anspricht oder die Räder nicht auf das Bremspedal ansprechen. „Das brachte das iPhone-Projekt beinahe zum Stillstand“, so Grignon. „Ein so kompliziertes Problem hatten wir noch nie erlebt.“ Normalerweise war das für Handyhersteller kein Problem, aber Apples Besessenheit in Sachen Geheimhaltung hatte verhindert, dass Samsung – der Hersteller des Prozessors – und Infineon – der Hersteller der Funkzelle – zusammenarbeiteten. Das geschah erst, als Apple in seiner Verzweiflung Ingenieurteams beider Firmen nach Cupertino einfliegen ließ, damit sie...

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