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'Gott gebe, daß das Glück andauere.'

Liebesgeschichten und Heiratssachen im Hause Habsburg

AutorGabriele Praschl-Bichler
VerlagAmalthea Signum Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl287 Seiten
ISBN9783902998330
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Der 'Rechtmäßige' Seitensprung oder wie die Habsburger Heiratsgesetze mit List umgingen Gabriele Praschl-Bichler, Habsburghistorikerin mit Blick für Tragikomisches, erzählt von den ganz privaten Sorgen und Freuden der Familie Habsburg. Bisher unveröffentlichte Briefe und Tagebuchaufzeichnungen aus habsburgischem Familienarchiv geben dem Buch dokumentarischen Wert!

Dr. Gabriele Praschl-Bichler, geboren 1958 in Wien, beschäftigt sich beruflich mit Alltags- und Habsburger Geschichte und privat mit historischer und gegenwärtiger Koch- und Backkunst. Sie hat zahlreiche Bücher über die Kulturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts sowie über das österreichische Kaiserhaus veröffentlicht und organisiert Ausstellungen zu diesen Themen. Nebenbei kopiert sie dekorative Wandmalerei und renoviert Häuser.

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Leseprobe

1


Kaiser Franz II./I. und seine Kinder


»Ich werde versuchen, Dir zuliebe
sehr dick zu werden, um die Reize der Spintin
zu verdunkeln.«

(Brief Maria Ludovikas an Kaiser Franz II./I.)

Sicherlich gibt es sie zumindest genauso lang wie die standesgemäßen, einwandfreien und ›guten‹ Verbindungen: die morganatischen und illegitimen Beziehungen, die den verschieden Betroffenen viel Lebensfreude, aber auch Leid und Ärger bescherten. Wenn man sich das Habsburger Hausgesetz vor Augen führt – demzufolge man künftige Ehepartner nur aus bestimmten regierenden Dynastien erwählen durfte –, kann man sich leicht vorstellen, daß nicht jedes Mitglied den Partner erhielt, der eine gute Beziehung gewährleistete.

Der Grund, warum man sich nach diesem Heiratsgesetz richtete, ist einfach: Man wollte Macht und Frieden zwischen den Familien und Staaten erhalten; im besten Fall sogar mehren. Dieser Grundsatz war für die meisten Geschlechter der Grundstein ihrer Politik. Um Verallgemeinerungen über diese aus Staatsräson geschlossenen, mehr oder minder erfolgreichen Ehen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß zumindest ebensoviele gute und schlechte zustande kamen wie bei den auf Liebe gegründeten.

Aus welchen Gründen auch immer solche Verbindungen geschlossen wurden, sie sind meist ebenso verlaufen wie bürgerliche oder bäuerliche Vergleichsbeispiele, die übrigens nach denselben Grundsätzen zustande kamen: denn kein vermögender Bürger oder Bauer hätte geduldet, daß eines seiner Kinder unstandesgemäß heiratete. Machtmehrung und soziale Verbesserung galten in allen Gesellschaftsschichten und Jahrhunderten als das überzeugendste Argument, eine Verbindung einzugehen. Nach diesem Rezept arrangierten die Bourbonen, die Hohenzollern, die Fugger, die Rothschilds und auch die Habsburger die Heiraten ihres Nachwuchses. Unter letzteren stach jener Kaiser hervor, der in die österreichische Geschichte mit zwei Numerierungen einging: Als Franz II. markiert er den Schlußpunkt einer langen, beinahe lückenlosen Reihe von Habsburgern als römisch-deutsche Kaiser. Als Franz I. steht er am Anfang einer kurzen und tragischen Episode von österreichischen Kaisern, die nur noch drei Amtsnachfolger hervorbringen sollte: seinen Sohn Ferdinand, seinen Enkel Franz Joseph und seinen Ururenkel Karl. Besonders ›vorbildlich‹ verhielt er sich als Dynastieerhalter, als welcher er es auf insgesamt vier standesgemäße Ehen und dreizehn ebensolche Kinder brachte. Seine ersten drei Frauen starben jung, und erst die vierte, die um 24 Jahre jüngere Caroline Auguste, überlebte den Ehemann.

Die erste Frau Kaiser Franz II./I., Elisabeth Wilhelmine, war die Tochter Herzog Friedrich Eugens von Württemberg. Sie war bei der Eheschließung 21 Jahre alt. Nach zwei Jahren gebar sie das erste Kind und gab – wie viele ihrer Zeitgenossinnen – mit der Geburt der Tochter auch ihr Leben hin. Das Mädchen, das man Ludovika nannte, folgte seiner Mutter nur ein Jahr später ins Grab. Die zweite Ehefrau, Marie Therese, die Tochter König Ferdinands I. beider Sizilien, gebar dem Kaiser nach Habsburger Art zwölf Kinder, von denen allerdings nur sieben erwachsen und fünf älter als 31 Jahre alt wurden. Das Leben dieser Gemahlin verlosch ebenfalls kurz nach der Geburt des letzten Kindes, das noch vor der Mutter sein Leben ließ. Um der großen Kinderschar eine neue Mutter zu geben, heiratete Kaiser Franz II./I. sieben Monate nach dem Tod seiner zweiten Frau Maria Ludovika, die Tochter Erzherzog Ferdinands von Österreich aus der Linie der Herzoge von Modena. Unter allen Gemahlinnen des Kaisers sprach man ihr die höchste Intelligenz zu. Sie wurde seinen zahlreichen Kindern eine liebevolle Mutter, nahm sich interessiert ihrer Erziehung an und sorgte vor allem dafür, daß der kränkliche und seiner Entwicklung nachhinkende Thronfolger Ferdinand in die Hände der richtigen Lehrer kam. Ihrem Einfluß ist es zu verdanken, daß aus dem beinahe aufgegebenen Kind ein normaler Erwachsener wurde. Denn abgesehen von seinen körperlichen Leiden (Epilepsie und Wasserkopf) war er psychisch gesund. In der Zeit der folgenden Studien, die von seiner Stiefmutter geleitet wurden, holte er alles Versäumte nach und entwickelte sich von einem apathischen Kind zu einem immer fröhlicher heranwachsenden Menschen.

Wie viele geistige Gaben Kaiserin Maria Ludovika auch besaß, so konnten sie allesamt ihre angegriffene Gesundheit nicht aufwiegen. Sie litt seit ihrer Jugend an Tuberkulose, mußte sich körperlich ständig schonen und durfte ihrem Mann vor allem keine Kinder gebären. Wenn man sich vor Augen hält, daß Kaiser Franz von den beiden ersten Frauen schon dreizehn Kinder geboren worden waren und daß beide dafür ihr Leben gegeben hatten, würde man annehmen, daß der Mann genug Verständnis für das Leiden seiner dritten Frau aufgebracht hätte. Weit gefehlt. Nicht nur, daß er ihre schwere Krankheit als weibliche Überempfindlichkeit abtat, schien er nichts dringender im Sinn gehabt zu haben, als seine Männlichkeit – wenn nicht im Ehebett, dann auf anderen Lagern – unter Beweis zu stellen. Maria Ludovika litt unsäglich darunter. Wenn sie in Briefen an den Ehemann darauf zu sprechen kam, klangen die Anspielungen allerdings so leise und zart und im besten Fall selbstironisch, daß der Kaiser gar nicht auf die Idee kam, sie durch sein Verhalten zu kränken. »Ich (Maria Ludovika) würde Dich doppelt und dreifach voll Zärtlichkeit küssen, wenn ich es könnte, doch ich darf den Trost, Dich zu sehen, nicht so bald erhoffen; einerseits ist es ganz gut so, denn wenn Du sehen könntest, wie ich jetzt aussehe, würdest Du Dich vielleicht dazu entschließen, mich auf dem Tandelmarkt zu verkaufen, und statt meiner die Spintin (eine der Nebenbuhlerinnen) in Deine Gunst aufzunehmen (…) Ich werde versuchen, Dir zuliebe sehr dick zu werden, um die Reize der Spintin zu verdunkeln. Hast Du sie wieder aufsuchen müssen, Du Lump?« (undatierter Brief, zitiert in: Holler, Ferdinand, S. 82)

Das rücksichtslose Verhalten Kaiser Franz’ seiner dritten Frau gegenüber war damit aber nicht abgetan. Denn sogar der sich ständig verschlechternde Gesundheitszustand Maria Ludovikas veranlaßte ihn nur zu spöttischen Bemerkungen. Die ›sogenannte‹ Krankheit, die er nicht als solche anerkannte, schrieb er der weiblichen Hysterie zu. Anläßlich einer gemeinsamen Reise nach Italien kam sie endgültig zum Durchbruch. Maria Ludovika kollabierte, ihre Kräfte ließen nach. Die mitgereiste Hofgesellschaft ahnte, daß es mit der Kaiserin zu Ende ging. Nicht so der Kaiser, der von Verona aus, wo seine Ehefrau sterbend im Bett lag, Inspektionsreisen durch die Region machte. Marie Louise, die älteste Tochter des Kaisers, die zu dieser Zeit schon als Herzogin in Parma regierte, eilte ans Krankenbett der geliebten Stiefmutter. Dem Vater berichtete sie in täglichen Briefen vom Zustand seiner Frau. »… Heute ist unsere geliebte Kranke um etwas beßer, obwohl sie mir aufträgt, Ihnen zu sagen, daß sie heute gar nicht gut ist. Obwohl sie die ganze Nacht ohne Schlaf war, so konnte sie immer fort liegen, der Auswurf und der Husten sowie das Fieber sind geblieben, auch finde ich ihre Laune heiterer. Sie hat noch nichts zu sich genommen als die Hälfte von einem gekochten Apfel, welchen sie schien mit Appetit zu eßen. Sie trägt mir auf Ihnen zu sagen daß sie kaum den morgigen Tag erwarten kann, um Sie zu sehen …« (Brief Marie Louises an ihren Vater, 5. April 1816) Ob Marie Louise den Vater nicht beunruhigen wollte oder ob sie den Zustand der Stiefmutter tatsächlich nicht richtig einschätzen konnte, bleibe dahingestellt. Denn zwei Tage nach diesem Brief starb Maria Ludovika. Die Kranke hatte um den Fortschritt ihrer Krankheit besser Bescheid gewußt und den Ehemann zum letzten Abschied ans Sterbebett herbeigesehnt.

Nach einer kurzen Trauerzeit um die verstorbene dritte Gemahlin heiratete Kaiser Franz II./I. im November 1816, sieben Monate nach dem Tod Maria Ludovikas, Prinzessin Charlotte von Bayern. Sie war zum Zeitpunkt der Heirat mit dem Kaiser von Österreich 24 Jahre alt – für damalige Verhältnisse als Braut sehr alt –, aber sie hatte auch schon eine äußerst unglückliche Ehe mit dem Kronprinzen von Württemberg, dem späteren König Wilhelm I., hinter sich. Der damalige Thronfolger betrog und demütigte seine junge Frau vor den Augen der Hofgesellschaft, die traurig und einsam vor sich hinlebte. Die nachfolgende Ehescheidung bedeutete für Charlotte die Befreiung von einem Mann, der sie nie geliebt hatte. All diese Voraussetzungen und der Umstand, daß Kaiser Franz mittlerweile ein Alter von 48 Jahren erreicht hatte, begünstigten die neue Verbindung, die für beide Partner zu einer glücklichen Ehe werden sollte. Die neue Kaiserin, die man in Österreich Caroline Auguste nannte, übernahm wie ihre Vorgängerin die zahlreichen Kinder des Kaisers – soweit sie noch im Hause lebten – in liebevolle Pflege. Von den dreizehn Töchtern und Söhnen waren zum...

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