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Von Gott reden, heißt: in Bildern reden

Mythologien und begriffliche Spekulationen im frühchristlichen und byzantinischen Weltbild und die Botschaft des Fünften Ökumenischen Konzils von 553. E-BOOK

AutorSusanne Hausammann
VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl133 Seiten
ISBN9783862340354
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis39,99 EUR
Dem Fünften Ökumenischen Konzil von 553 wird allgemein wenig Bedeutung zuerkannt; bestenfalls wird es als Rückführung zur Christologie von Chalkedon nach einer Reihe kaiserlicher Konzessionen an die Monophysiten eingestuft. Die vorliegende Arbeit will zeigen, dass dieses Konzil einen echten Fortschritt innerhalb der dogmatischen Lehrentwicklung der östlichen Orthodoxie darstellt, da es die Anliegen Kyrills von Alexandrien und die der Chalkedonenser so zusammenbringt, dass sowohl die ungleiche Größe und Gewichtigkeit der Gottheit gegenüber der Menschheit als auch Christi wahres und unvermischtes Gott-Sein und Mensch-Sein herausgestellt wird. Durch den gleichzeitig verurteilten Origenismus wird verdeutlicht, dass Gott nur erkannt werden kann, wo Er als die alles bewegende Wirklichkeit verstanden wird, die dem menschlichen Reden, Denken und Fühlen nur in Abbildern und Gleichnissen erreichbar ist.

Dr. Susanne Hausammann ist emeritierte Professorin für Kirchengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal.

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Leseprobe
"IV. Der Zweite Origenismusstreit im Rahmen des Konzils von 553 (S. 97-98)

1. Der Zweite Origenismusstreit und das Edikt Justinians von 543


Etwa 110 Jahre nach der Vertreibung der Origenisten aus Ägypten entbrannte der schwelende Konflikt um den Origenismus in Jerusalem zum offenen Streit: Stephan Bar Sudaili aus Edessa flüchtete kurz nach 512 in die Umgebung von Jerusalem, weil ihm Philoxenus von Mabbug Origenismus vorgeworfen hatte. Wahrscheinlich gewann er Freunde unter den palästinensischen Mönchen. Jedenfalls vertrieb Abt Agapet 514 einige origenistische Mönche aus der von Sabas gegründeten Neuen Lawra, unter ihnen Nonnus, die aber später unter Abt Mamas wieder aufgenommen wurden und sich ruhig verhielten bis zum Tod von Sabas (532).

Danach brachten sie unter ihrem Anführer Nonnus sowohl die noch von Sabas gegründete »Neue Lawra « als auch das Kloster des Martyrios und das Kloster des Firmian mit ihren Lehren durcheinander. 537 wurde Gelasius Abt der »Großen Lawra«. Er ließ Schriften des Antipater von Bosra gegen Origenes in der Kirche verlesen279, wonach es zum Aufruhr unter den Mönchen kam und er schließlich 40 origenistische Mönche aus der Lawra auswies.

Diese fanden in der »Neuen Lawra « Zuflucht. Kyrill von Skythopolis berichtet, anlässlich eines Konzils in Gaza habe Eusebius, der kaiserliche Rat, Presbyter und Schatzmeister der Hauptkirche Konstantinopels, der vermutlich den Patriarchen an der Synode vertrat, versucht, den nun öffentlich ausgebrochenen Streit zu beruhigen, und habe Gelasius vor die Wahl gestellt, entweder die 40 Mönche wieder aufzunehmen oder die aktivsten Origenesgegner auch auszuweisen. Gelasius habe letzteres gewählt. Die sechs ausgewiesenen Antiorigenisten indes wandten sich an den ebenfalls zum Konzil erschienen Patriarchen Ephraim von Antiochien und gewannen ihn für sich, so dass er den Origenismus verurteilte, gestützt auf die Ausführungen des Antipater von Bosra.

Jetzt wandten sich die Origenisten der »Neuen Lawra« unter Nonnus an ihren Patriarchen Petrus von Jerusalem und verlangten von ihm, dass er Ephraim aus seinen Diptychen (Fürbittetafeln) streiche. Doch Patriarch Petrus erbat sowohl vom Abt des Theodosiosklosters, Sophronios, wie auch vom Abt der Großen Lawra, Gelasius, eine Anklageschrift (einen »libellus«) gegen die Origenisten, den er mit einer Petition, den Patriarchen von Antiochien nicht aus den Diptychen zu streichen, erhielt, worauf er beides nach Konstantinopel sandte.

Hier gab es allerdings bereits Anhänger des Origenismus, so nach Kyrill von Skythopolis Leontios von Byzanz, der um 530 aus der Neuen Lawra mit Sabas nach Konstantinopel gekommen sein soll, dann von diesem wegen seines Origenismus zurückgelassen, zum kaiserlichen Hof Zugang gefunden habe, oder auch Theodor Askidas, der spätere Bischof von Caesarea/Kappadokien, der ebenso aus der »Neuen Lawra« stammte, sowie der Leiter des Martyrius- Klosters und spätere Metropolit von Ankyra, Domitian. Die Letztgenannten waren in der Zeit der Origenistischen Wirren in Palästina nach Konstantinopel gekommen und sollen durch Leontios von Byzanz Zugang zu Eusebius, dem Schatzmeister, und damit zum Hof gefunden haben."
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt9
Vorwort11
I. Einführung Legen die Heilige Schrift und das Glaubensbekenntnis die Christen auf ein mythisches Weltbild fest?15
II. Die Gnostisierung und Mythologisierung des frühen Christentums19
1. Der Weg der vom Heidenchristentum getrennten Judenchristen in den Gnostizismus19
2. Das Weltbild der gnostizistischen Häresien29
3. Exkurs: Das gnostizistische Weltbild der Manichäer31
4. Der gnostizistische Mythos bei Origenes und seine Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte39
III. Der Kampf gegen die allegorische Schriftauslegung der Origenisten vom 3.– 5. Jahrhundert53
1. Erste Origineskritik bei Methodios von Olympos und in den Vorwürfen, die die Apologie des Pamphilus aufnahm53
2. Die Allegorie-Kritik in Antiochien bei Bischof Eustathius und in der Schule des Diodor56
3. Zum Origenismus der drei großen kappadokischen Lehrer Basilius der Große, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa63
4. Der Erste Origenismusstreit und seine Folgen93
IV. Der Zweite Origenismusstreit im Rahmen des Konzils von 55399
1. Der Zweite Origenismusstreit und das Edikt Justinians von 54399
2. Die zweite Verurteilung des Origenismus unter Justinian im Vorfeld des Konzils von 553104
V. Das Fünfte Ökumenische Konzil von 553 und seine Bedeutung117
1. Exkurs: Der Neuchalkedonismus117
2. Die Verurteilung der Drei Kapitel121
3. Waren Theodor von Mopsuestia und seine Gesinnungsgenossen Häretiker?129
4. Ertrag und Bedeutung des Konzils von 553133

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