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Grabstätten der mitteleuropäischen Eisenzeit in der Umgebung von Bern und nördlich davon

AutorHeinz J. Moll
VerlagBooks on Demand
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl244 Seiten
ISBN9783741233609
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Die Region Bern war in der Eisenzeit offensichtlich eines der bevorzugten Siedlungsgebiete der Kelten und von deren Vorfahren: Die vielen Fundstellen von Gräbern aus der Hallstatt und der La Tène-Periode lassen darauf schließen, dass keltisch-stämmige Menschen in der Landschaft rund um die heutige Bundeshauptstadt gelebt und in ihrem Lebensraum auch ihre Verstorbenen begraben haben. Verschiedene Autoren haben die Funde, die zu einem guten Teil schon vor mehr als 100 (teilweise sogar 150) Jahren gemacht wurden, in der damaligen Fachliteratur beschrieben. Das vorliegende Werk zitiert die ersten Fundberichte, die heute noch zu finden sind. Leider sind die zahlreichen Fundstätten größtenteils in Vergessenheit geraten und sind bei der zeitgenössischen Bevölkerung daher kaum mehr bekannt. Ziel der vorliegenden Publikation ist es daher, die Existenz der in ihrer Gesamtheit als sehr eindrücklich, ja sogar faszinierend und archäologisch äußerst wertvoll zu bezeichnenden Fundstätten und -objekte wieder in Erinnerung zu rufen und dazu zu animieren, diesen zum Beispiel im Rahmen eines Spaziergangs oder einer Wanderung einen Besuch abzustatten. Lehrpersonen von Sekundar- und Fachmittelschulen sowie von Gymnasien möchte ich animieren, auf der Grundlage dieses Buches die Ur- und Frühgeschichte im Großraum Bern zu thematisieren: Durch Exkursionen zu den nahegelegenen Grabstätten unserer Vorfahren kann der Geschichtsunterricht direkt im Gelände und damit sehr anschaulich durchgeführt werden. Bei der Umschreibung der einzelnen Fundstellen werden zu einem großen Teil Ausschnitte aus Publikationen zitiert, die älter als 100 Jahre alt und deswegen nicht ohne weiteres zugänglich sind. Ausgewählte Stellen aus Publikationen über die Funde bei den Ausgrabungen der jeweiligen Tumuli weisen die Interessierten auf weiterführende Literatur hin, wo detaillierte Informationen in Wort und Bild zu finden sind. So eröffnet sich der/dem Lesenden in diesem Buch eine Welt, die mindestens 2000, zu einem guten Teil sogar gegen 2800 Jahre alt ist.

Jg. 1959; Studium der Pharmazie an der Universität Bern 1978-1984; Dissertation in pharmazeutischer Analytik, Abschluss 1987; Weiterbildung in Public Health; in der Freizeit Studium von archäologischer Literatur, insbesondere der Eisenzeit in der Schweiz und Reisen zu den entsprechenden archäologischen Fundstätten.

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Leseprobe

1. Aarwangen


1.1. Spichigwald-Moosberg


 

Abb. 1 Die Lage des Grabhügels im Spichigwald, Gemeinde Aarwangen

„Auf der sanften Anhöhe, welche sich im Westen von Aarwangen, gleich hinter der sogenannten Oberstadt, erhebt und sich bis nach Berken und Wangen parallel mit der Aare hinzieht (eine der schönst ausgeprägten Längsmoränen des alten Rhonegletschers), liegt der prächtige Tannenhochwald der Burgergemeinde Aarwangen, nach dem am Fuss gelegenen Hof Moosberg der Moosbergwald benannt. Auf einer vor zwei Jahren geschlagenen Parzelle an der Kante des sanften Abfalls des Moränenhügels gegen das flache, an die Aare stossende Feld, jetzt auf nicht bewaldetem Bergrücken stehend, weithin sichtbar, einige Meter westlich des Leutzegrabens, stand ein trefflich erhaltener Grabhügel, der noch von Grabungen unberührt schien. Früher mit mächtigem Hochwald bestanden, war derselbe ausgestockt worden. Es liess sich jedoch trotzdem eine schöne Ausbeute in der Tiefe erwarten und mit grossen Hoffnungen ging ich mit derselben Mannschaft unter der Leitung des Oberbannwartes J. Marti an die vom Burgerrat von Aarwangen in entgegenkommendster Weise gestattete Ausgrabung und Abtragung des von zweijährigem Aufwuchs, welcher versetzt worden war, entblössten Hügels. Derselbe mass von Nord nach Süd: 16m, von Ost nach West: 18 – 18½ Meter, war also auch, wie der grosse Brandhügel im Zöpfen von elliptischer Form. Auch er schien gegen Osten, mehr aber noch gegen Norden, wo er dicht am Abhang liegt, sehr abgeschwemmt zu sein. Die Höhe betrug 1,60 bis 1,90m, war aber schwer zu bestimmen, da der Tumulus zum Teil noch auf dem Abhang selbst lag und daher der Naturboden selbst von Norden nach Süden sanft ansteigt.

Montag, den 17. September 1900 fingen wir die Arbeit an der nördlichen und westlichen Peripherie des Tumulus an, in gleicher Weise wie bei den Hügeln im Zöpfen, dem Naturboden eben vorgehend, auf die ganze Höhe abstechend und die Erde rückwärts werfend. Mit Spannung erwarteten wir den Fund eines Steinkranzes, aber bald müssten wir uns überzeugen, dass wir es hier abermals mit einem Brandhügel vom Typus derer im Zöpfen zu tun hatten. Sehr bald zeigte sich dieselbe feine, gelbbraune, sandige Erde ohne alle Steine und die graue Aschenerde (der Zieger) mit Kohlenpartikeln durchsetzt. Der erste Tag brachte im NNW vom Zentrum im Nordwestquadrant, 7,20m vom Zentrum, in kaum 70cm Tiefe die schmale Klinge eines eisernen Messers zum Vorschein. Griffzunge abgebrochen. Länge 11cm, Breite der Klinge 12mm. Merkwürdigerweise brachte derselbe Graben in genau entgegengesetzter Richtung im NNO, also im Nordostquadrant, 8,50m vom Zentrum, und in ungefähr gleicher Tiefe liegend, ein zweites kleines eisernes Messer zum Vorschein. Es ist stark ausgeschweift, mit kurzer, dreieckiger Griffzunge, Spitze abgebrochen. Länge 9cm, Breite der Klinge 15—18mm. Beide lagen in Aschenerde mit spärlichen Kohlenschmitzen.

 

Abb. 2 Der Hügel in der Nähe der Erdburg im Spichigwald, Gemeinde Aarwangen (Foto: H. Moll)

Die Aschenerde nahm zu. Stellenweise kamen lagenförmige, grössere Rostpartien zum Vorschein, aber das Eisen war zergangen. Auch konnte ich hier keine rote Brandschicht (gebrannten Lehm) über dem allmählich ansteigenden Naturboden konstatieren. Auch Scherben von Gefässen waren äusserst spärlich; nichts als grauer sandiger Zieger. Endlich fand sich im NN-Westen vom Zentrum (zirka 7m) und im Norden (6,20m), Nordwestquadrant und Nord-Südlinie: je ein feingearbeiteter aber zerbrochener Silexspan, und endlich kam genau im Westen und 6,40m vom Zentrum, auf der Ost-Westlinie: ein prächtig blau patiniertes Ringlein aus doppeltem Bronzedraht (Fingerring von 18mm hohler Weite) zum Vorschein, Tiefe 60cm. In dem Südwestquadranten fand sich in 3,50m vom Zentrum, in 80cm Tiefe, ein roh zugeschlagener, plattenförmiger Granitstein, kreisrund, eine Seite leicht ausgehöhlt (wahrscheinlich ein Untersatz für ein Tongefäss [zum Wärmen?]), Durchmesser 10cm; Dicke 25–30mm. Endlich, nachdem wir von allen Seiten gegen das Zentrum vorgerückt waren, wo die reine Aschenerde einen Meter hoch lag, fanden wir am Montag, den 23. vormittags, 1m im NNO vom Zentrum (Nordostquadrant), in 1m Tiefe, die vollständig erhaltenen zusammen liegenden Stücke einer flachen Schale aus feinem, graubraunem Ton (Speiseopferschale), Durchmesser am oberen Rand 20cm, des flachen Bodens 5cm, Höhe 55mm.

An demselben Nachmittage fanden wir in der Nähe der Schale (gegen NNO) einen Feuersteinsplitter und, genau im Zentrum (unter unserm Zentralpflock), genau in gleicher Tiefe wie die offene Schale (1m), mitten im Zieger: ein wohlerhaltenes, kleines, schön ausgeschweiftes, eisernes Messer. Der Rücken ist geschweift, die Schneide stark ausgeschweift, Spitze abgerundet, Griffzunge dreieckig. Es hat dieses Stück noch ganz die Form der Bronzemesser der spätem Bronzezeit. Länge der Klinge 82mm, Breite derselben über der abgebrochenen Griffzunge 3cm, in der Mitte derselben 2cm. Und nun kam zu guter Letzt auch die zentrale Aschenurne zum Vorschein, 60cm südöstlich von unserm angenommenen Mittelpunkt, in 1,20m Tiefe, mitten in reinster Aschenerde. Die Bruchstücke lagen alle aufeinander gedrückt und erst beim Zusammensetzen und Ergänzen ergab sich die schöne Form derselben.

 

Abb.3 Schale aus grauem, feinem Ton, Oberfläche braun, zusammengesetzt. [1]

Sie hat die typische birnförmige Gestalt mit kleinem flachem Boden, nach oben sich erweiterndem Bauche. Zwischen Bauch und Hals geht eine starke, schnurförmige Leiste zur Verstärkung um das Gefäss herum (auf der sogenannten Schulter). Die Dimensionen dieser Prachtsurne sind: Höhe 38cm; oberer Umfang des Bauches 127cm; Durchmesser der Halsöffnung 18cm; Höhe des abstehenden, ausgeschweiften Mundrandes 38mm; Abstand der Verstärkungsleiste vom Mundrand 10cm; Durchmesser des flachen Bodens 15cm.

Diese Urne ist aus feinerem geglättetem Ton gearbeitet, als die im Zöpfen Nr. IV und von schokoladebrauner Farbe.

 

Abb. 4 Urne aus feinem, leicht gemagertem Ton, mit ausladender Bauchung, aussen braungelb, auf der Schulter schnurartig verzierte Tonleiste. [1]

Rekapitulation: Auch der Moosberg-Tumulus gehört, wie Zöpfen Nr. II und IV zu den Brandhügeln ohne Steinkranz und Steinsetzung. Er besteht aus Aschenerde (Zieger) mit zentraler Urne, begleitet von der flachen (Speise-) Schale, einigen Beigaben (hier eisernes Messer) und den nirgends fehlenden Silexmessern oder -Sägen (Schabern). Ausserdem finden sich einige Beigaben zerstreut (hier zwei Messer und ein Bronzedraht-Fingerring), lauter Beweise eines einheitlichen Verfahrens in den Bestattungsgebräuchen einer einzelnen Gegend und während einer bestimmten Zeitepoche, immerhin jedoch modifiziert durch Varianten und charakterisiert durch Beigaben von einem bestimmten chronologisch sicher festzustellenden Typus.“ [2]

1.2. Zopfe


 

Abb. 5 Das Waldgebiet „Zopfe“, Gemeinde Aarwangen, wo gemäss [3] fünf Grabhügel liegen.

„Aus dem Gebiete der eigentlichen Ortschaft (Aarwangen; Anm. des Autors) ist nichts von archäologischen Fundstücken bekannt geworden; desto reicher sind die Ergebnisse aus einigen in dem zwischen Aarwangen und Bützberg sich hinziehenden Walde gelegenen Grabhügeln. Eine Gruppe derselben liegt im Oberhard, im sogenannten Zöpfen, ein einzelner mächtiger Tumulus im Moosberg. Schon Jahn erwähnt jene Gruppe im Abschnitt Langenthal-Oberhard und berichtet von einigen Funden, die von Schatzgräbern bereits hier gemacht worden, meldet aber, dass seine Nachforschungen bei zwei Hügeln im Oberhard (i. e. Zöpfen) resultatlos verliefen.

Im Jahre 1899 nahm Dr. E. von Fellenberg auch diese Gräber systematisch in An-griff. Er schreibt darüber in den Jahresberichten des bernischen historischen Museums von 1899 und 1900 wie folgt:

„…Von einer Abtragung der Grabhügel im Burgerwalde „Zöpfen" bei Aarwangen musste bis zum Frühjahr 1899 abgesehen werden, da ein prächtiger, hochstäm-miger Tannenwald darauf stand. Im Herbst 1898 und Winter 1898/1899 wurde dieser Hochwald gefällt und sogleich dem Museum mitgeteilt, es liesse sich jetzt am besten eine Ausgrabung der Hügel vornehmen. Glücklicherweise lösten sich, sowohl bezüglich der Hügel im Weissenried, als auch der im Burgerwald bei Aarwangen stehen-den, im Frühjahr 1899 alle Schwierigkeiten, und konnte die wichtige Vervoll-ständigung der systematischen Untersuchung in der dortigen Gegend an die Hand genommen und sogleich durchgeführt werden, worüber hier nur in kurzer, summarischer Bericht folgen möge.

 

Abb. 6 Einer der Grabhügel im „Zopfe“ bzw. „Zöpfen“ (Foto: H. Moll)

Zöpfen Nr. 1, ebenfalls hervorragend durch gute Erhaltung und namhafte Höhe und anscheinend intakt, war schon seit langem bekannt durch eine auf demselben wachsende Baumgruppe, nämlich durch vier auf ein- und demselben Riesenstock wachsende Tannen. Jede dieser aus demselben Stocke, hoch und schlank, emporragenden Rottannen war von...

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