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Green Logistics in der Zustellerbranche

AutorJulia von Heese
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl87 Seiten
ISBN9783668408104
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,99 EUR
Masterarbeit aus dem Jahr 2017 im Fachbereich BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik, Note: 2,0, Ruhr-Universität Bochum, Sprache: Deutsch, Abstract: Aufgabe dieser Arbeit ist es, in einem ersten Schritt den Nachhaltigkeitsbegriff in Abgrenzung zum Begriff 'Green' zu bestimmen und auf die sog. Green Logistics und das Carbon Footprint-Konzept zu beziehen. Im zweiten Schritt wird die Logistik als Dienstleitung definiert und die die Zustellerbranche prägenden TUL-Prozesse näher beleuchtet. Im dritten Schritt werden diese Prozesse auf die KEP-Dienste und die Green Logistics bezogen und an Maßnahmen der DHL, die in den Umweltberichten des Unternehmens genannt sind, bewertet und kritisch gewürdigt. Die Orientierung hin zur Nachhaltigkeit beim Wirtschaften ist ein gesellschaftlicher Trend. Die Nachfrage nach sozialverantwortlichen und 'grünen' (ökologischen) Produkten (bspw. 'Fair-trade-Produkten') und Dienstleistungen ist groß. Wie aber steht es um diejenige Branche, die durch ihr Angebot an Logistikdienstleistungen dafür sorgt, dass die 'fair' und 'ökologisch' produzierten Güter verteilt werden, d.h. zu Verbrauchern gelangen? Der größte Logistiker weltweit , die Deutsche Post DHL (im Folgenden: DHL) stellt in Umweltberichten eine Vielzahl an Maßnahmen vor, die dem Kunden, der Politik und Verbänden zeigen sollen, dass das Unternehmen mit Ressourcen verantwortungsvoll umgeht. Was aber sind die allgemeinen Referenzmaßstäbe für die Zustellerbranche, an denen sich diese Maßnahmen als 'grün' oder 'nachhaltig' messen lassen?

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Leseprobe

3. Logistik als Dienstleistung


 

Was macht Logistik, unter die auch die Zustellerbranche fällt, zu einer Dienstleistung? Die Beantwortung dieser Frage grenzt den Betrachtungsgegenstand ein: Die Zustellerbranche ist durch bestimmte Strukturmerkmale von der Spedition zu unterscheiden. Die Abgrenzung erlaubt es, später spezifische Handlungsoptionen für diesen Unterbereich aufzuzeigen und gleichzeitig Rückschlüsse auf die Grenzen nachhaltigen Handelns zu ziehen, vgl. Kapitel 4.

 

Durch zunehmende auf die Globalisierung, Internalisierung und auf die steigenden Anforderungen an Individualität von Kunden zurückzuführende Herausforderungen gewinnt die Logistikdienstleistung für Unternehmen und Gesellschaft an Bedeutung hinzu. TUL-Prozesse, d.h. Transport, Umschlag und Lagerung, stehen im Fokus, wenn es darum geht, Nachhaltigkeitskonzepte zu implementieren. Ob jedoch diese klassische Betrachtungsweise logistischer Prozesse ausreicht, ist eine Frage, die kritisch in die Betrachtung aufzunehmen ist.

 

3.1 Begriffsursprung Logistik


 

Der Begriff „Logistik“ wurde zunächst im militärischen Kontext verwendet.[53] Damit war die Gewährleistung und Gestaltung der Truppenversorgung mit Nachschub an Nahrung und Material gemeint sowie der Transport der Truppen zu den Truppenunterkünften und die Lagerung und Instandhaltung von benötigten Gütern. Ausgehend vom Militärwesen wurde der Begriff der „Logistik“ von den Wirtschaftswissenschaften adaptiert. Erste theoretische Ansätze zur Logistik in der Privatwirtschaft erfolgten im Jahre 1955 durch einen Aufsatz von Oskar Morgenstern in der Zeitschrift: „Naval Research Logistics Quaterly“ mit dem Titel: „Note of the Formulation of Theory of Logistics“.[54] Der Gebrauch des Begriffs „Logistik“ ist seit den 1950’er Jahren auch in der betriebswirtschaftlichen Literatur im deutschsprachigen Raum üblich.

 

In der betriebswirtschaftlichen Literatur findet man eine Vielzahl von unterschiedlichen (Real-)Definitionen für den Begriff „Logistik“.[55] Die Ursache dafür ist, dass Unternehmen ihre Aufgabenschwerpunkte je nach Bereich und Einsatzgebiet unterschiedlich bestimmen. Pfohl wies darauf hin, dass die Logistik verschiedene Ziele verfolge, die bei der Definition zu berücksichtigen seien. Dazu gehöre erstens das Sachziel (die sog. 4R) und zweitens das Formalziel (Kosten). Definiert wird die Logistik demnach folgendermaßen: „Die Logistik hat dafür zu sorgen, dass ein Empfangspunkt gemäß seines Bedarfs von einem Lieferpunkt mit dem richtigen Produkt (in Menge und Sorte), im richtigen Zustand, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu den dafür minimalen Kosten versorgt wird“[56].

 

3.1.1 Logistikdienstleister


 

Statistisch zeigt sich, dass die Logistikbranche in den letzten Jahren stark in den Dienstleistungssektor übergegangen ist und sich somit zum drittgrößten Wirtschaftszweig neben der Automobilindustrie und dem Handel entwickelt hat.[57]

 

Was macht die Logistik aber zu einer Dienstleistung? Der Begriff der Dienstleistung wurde von der Wirtschaftswissenschaft lange Zeit nur negativ definiert in Abgrenzung zur Sachleistung: Was Sachleistung ist, könne nicht Dienstleistung sein.[58]

 

Nach der konstitutiven Definition prägen fünf Merkmale den Dienstleistungsbegriff.[59] Besonders Immaterialität und die Kundenintegration zeichnen eine Dienstleistung dabei als wesentliche Merkmale aus.[60] Die Immaterialität wird in der Literatur folgendermaßen beschrieben: Sie bilde Sinneseindrücke wie Hören, Fühlen, Schmecken, Sehen oder Riechen und somit die Köperlosigkeit ab.[61] Körperloses Merkmal der Logistik ist in diesem Fall die Bewegung der Sache an einen anderen Ort. Das zweite wesentliche Merkmal sei die Kundenintegration oder auch die „Integration eines externen Faktors“[62]. Darunter ist nichts anderes zu verstehen, als dass eine Leistung nur dann Zustande komme, wenn ein Kunde oder „aber ein ihm gehörendes Objekt“[63] an dem Prozess beteiligt seien. Das Objekt der Logistik ist damit das Gut, das an einen anderen Ort zu bringen ist. In der Literatur finden noch weitere Merkmale Erwähnung, die aber nicht essentiell sind und bzgl. welcher eher Uneinigkeit darüber besteht, ob diese nicht bereits in den o.g. Merkmalen enthalten seien. Die betriebswirtschaftliche Literatur spricht u.a. bei den übrigen Merkmalen erstens vom „Uno-Actu“-Prinzip, das besagt, „dass eine Leistung in dem Moment konsumiert werde, in dem sie produziert werde“[64], zweitens von der sog. fehlenden Lagerfähigkeit einer Dienstleistung und drittens vom mangelnden Eigentumstransfer.

 

All diese Elemente treffen auf die Logistik zu, sodass diese definitionsmäßig als Dienstleistung dem tertiären Sektor unterfällt.

 

Anfänglich wurde die Logistik lediglich als Überbrückung zeitlicher und mengenmäßiger Diskrepanz gesehen und ihr wurden lediglich die logistischen Prozesse Transport, Umschlag und Lagerung (TUL-Prozesse) von Gütern zugeordnet.[65] Doch durch die steigenden Kundenanforderungen und die damit einhergehenden Marktveränderungen nimmt die Logistik stetig an strategischer Bedeutung zu und das Aufgabenspektrum wurde um Koordinations- und Führungsaufgaben erweitert. Somit werden unter dem Begriff Logistik heute nicht nur operative Aufgaben, wie Planung, Steuerung und Kontrolle, sondern auch strategische, d.h. gestaltende Aufgaben, verstanden.[66] Im Vordergrund steht somit die ganzheitliche Betrachtung von Material- und Informationsflüssen, woraus sich die Logistik als Dienstleistung entwickelt hat.

 

Um den Begriff der Dienstleistung weiter zu differenzieren, lassen sich Logistikdienstleister anhand ihrer planerischen und koordinierenden Handlungen in verschiedene Entwicklungsstufen unterteilen:[67]

 

- Second-Party-Logistics-Provider (sog. 2PL): Dies sind Dienstleister, die zu einem großen Teil die Durchführung der klassischen TUL-Prozesse übernehmen. Beispiele dafür sind Speditions- und Transportunternehmen und Kurier-, Express- und Paketdienste (Abk. KEP-Dienste).

 

- Third-Party-Logistics-Provider (sog. 3PL): Hierunter sind bereichsübergreifende Logistikdienstleister zu verstehen, die einzelne Logistikdienstleistungen zusätzlich in das Angebot aufnehmen. Dazu zählen u.a. „die Finanzierung von Gütern auf der Absatz- und Beschaffungsseite oder die Organisation des Nachschubs für einzelne Geschäfte, was bis hin zur Preisauszeichnung und Regalpflege reichen kann“[68]. Für ein solches Spektrum von Dienstleistungen hat sich u.a. die Bezeichnung als Kontraktlogistik durchgesetzt. Diese geht somit über das klassische Aufgabengebiet des Spediteurs hinaus, weil in der Regel mehrjährige Partnerschaften und genaue Abstimmung notwendig sind. Der Dienstleister steigt somit zu einem Systemlieferanten auf, was bis hin zur Übernahme der gesamten Logistik des Kunden führen kann.

 

- Fourth-Party-Logistics-Provider (sog. 4PL): Dass der Systemlieferant zum Systemintegrator aufsteigt und die gesamte Wertschöpfungskette (sog. Supply Chain) betreut, ist als weitere Entwicklungsstufe jenseits des 3PL möglich. Hierbei steuert der Systemintegrator die gesamte Supply Chain, indem er seine eigenen Ressourcen und Kapazitäten mit denen anderer Dienstleister koordiniert und zusammenführt. Damit bietet er als Lead Logistics Provider (LLP) seinen Kunden eine ganzheitliche Supply Chain Lösung an, welche durch u.a. IT-basierte optimierte Lösungen aufzeigen.

 

3.1.2 KEP-Dienstleister


 

Aus dem sog. Stückgutgeschäft haben sich aufgrund der Standardisierung von Liefergeschwindigkeit, Termineinhaltung und Auskunftsfähigkeit in den letzten 30 Jahren die KEP-Dienste entwickelt.[69] KEP-Dienste nehmen heutzutage eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft ein, indem sie kleinteilige Warenströme nicht nur zwischen Privatpersonen, d.h. Customer-to-Customer (sog. C2C) oder Retouren als Customer-to-Business (sog. C2B), übernehmen, sondern auch zwischen Unternehmen und Privatpersonen, d.h. Business-to-Customer (sog. B2C), oder auch zwischen Unternehmen, d.h. Business-to-Business (sog. B2B), auf nationaler und internationaler Ebene agieren.[70]

 

Es existieren verschiedene nationale und internationale Anbieter, die in unmittelbarer Zeit Sendungen zustellen (vgl. Tabelle 1). Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die größten KEP-Dienste nach ihrem Umsatz in Deutschland:

 

 

Tabelle 1: Führende KEP-Dienste in Deutschland[71]

 

Drei...

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