Sie sind hier
E-Book

Grundlagen des Stationenlernens im Fremdsprachenunterricht. Eine Unterrichtseinheit im Fach Französisch

Beispiel einer Unterrichtseinheit im Fach Französisch

AutorAnonym
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl121 Seiten
ISBN9783640914845
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache, Note: 1,0, Philipps-Universität Marburg (Erziehungswissenschaften), Sprache: Deutsch, Abstract: Das Thema, das dieser wissenschaftlichen Hausarbeit zugrunde liegt, hat sich aus Erfahrungen und Beobachtungen aus der Praxis entwickelt. Durch umfangreiche Hospitationen und eigener Erfahrungen im Fremdsprachenunterricht ist aufgefallen, dass der Frontalunterricht auch heute noch die dominante Unterrichtsmethode darstellt. In dieser Unterrichtsform ist der Redeanteil der Lehrperson häufig größer als der des Schülers. Oft lässt auch die Schüleraktivierung und damit der kommunikative Anteil der Schüler im Fremdsprachenunterricht zu wünschen übrig. Doch eben diese Aktivität, das eigene Handeln und vor allem das Interagieren der Schüler sind für ein langfristiges und nachhaltiges Fremdsprachenlernen unerlässlich. Durch die Forderung der Fachleute nach Methodenvielfalt im Schulalltag und den Erfahrungen aus der Praxis ergibt sich die Notwendigkeit, eine sinnvolle methodische Veränderung für den Fremdsprachenunterricht zu finden. Dabei soll das primäre Ziel sein, sich von der Lehrerzentrierung hin zur Schülerzentrierung zu bewegen. Die Schüler sollen durch die methodischen Innovationen stärker zu selbstständigem Handeln befähigt werden und für ihr eigenes Lernen Verantwortung übernehmen. Diese Ansprüche lassen sich in der Methode 'Lernen an Stationen' miteinander vereinen und in der folgenden Arbeit soll diese Methode auf ihre Effektivität und Kompatibilität hin überprüft werden. Eine deutliche Handlungsorientierung der Schüler muss daher Ziel des modernen Fremdsprachenunterrichts sein. Es reicht nicht aus, Lerninhalte durch reine Wissensvermittlung den Schülern zugänglich zu machen. Die Inhalte müssen verständlich sein, damit sie von den Schülern aufgenommen, gespeichert und in der geforderten Situation problemlos aufgerufen werden können. Der zentrale Aspekt in diesem Fall ist, dass das Erlernte durch aktives Handeln angewendet und geübt werden muss. Nur so kann das Erlernte in einen Sinnzusammenhang gesetzt und die Handlungskette vom 'Aufnehmen' über das 'Verstehen' bis hin zum 'Anwenden' abgeschlossen werden. Neben der Forderung nach mehr Handlungsorientierung im Fremdsprachen-unterricht wurden bereits in den 80er Jahren Kriterien formuliert, die den modernen Fremdsprachenunterricht verändern sollten. Die Forderungen nach einer offenen Unterrichtsgestaltung, der Einbeziehung individueller Lernbedürfnisse und -fähigkeiten sowie die Förderung von selbstbestimmtem und selbstgesteuertem Lernen decken sich mit den Grundideen des 'Lernens an Stationen'.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

1 ALLGEMEIN BEGRIFFLICHKEITEN / STAND DER FORSCHUNG


 

Ziel dieses ersten Kapitels ist es, das Thema „Lernen an Stationen“ zunächst einzuleiten und zu definieren. Dabei muss an erster Stelle der Ursprung der Methode und ihre Entwicklung vorgestellt werden, damit dann eine Definition der Begriffe „Lernen an Stationen“ und „Lernstation“ sinnvoll erfolgen kann.

 

Anschließend wird der Grundgedanken der Unterrichtsform, die Einsetzbarkeit der Methode im Fremdsprachenunterricht und die damit verbundenen Vorteile und Chancen erläutert, um zu verdeutlichen, womit sich diese Arbeit grundlegend beschäftigen wird.

 

1.1 Entwicklung des Lernens an Stationen


 

Zur Zeit der Reformpädagogik entwickelte die amerikanische Pädagogin Helen Parkhurst 1920 das Lernen an Stationen unter dem Begriff des Lernzirkels. Grundlegend für diese Arbeitsform ist der von Parkhurst entworfene Dalton-Plan, benannt nach der Stadt „Dalton“ in den USA, in der die Reformpädagogin an einer Sekundarschule mit der Umsetzung des Dalton-Plans begann.

 

Eichelberger (2002) erläutert in seinem Buch „Eine Einführung in die Daltonplan-Pädagogik“ das Schulkonzept folgendermaßen:

 

 „Gleich zu Beginn des Schuljahres wurde offenbar das traditionelle Klassenzimmer in „daltonspezifischer“ Weise verändert. Die auf Tafel und Pult ausgerichteten und im Fußboden verschraubten Bänke wurden gegen bewegliche Tischgruppen ausgetauscht, die nun „Fachwinkel“ („subject corners“) bildeten, in denen die Schüler selbsttätig arbeiteten. Sie folgten dabei schriftlichen „Arbeitsanleitungen“ (assignments), wobei die jüngeren Schüler Wochen-, die älteren Monatspläne mit 20 „Arbeitseinheiten“ (units) pro Fach und Monat erhielten; [....] Während Helen Parkhurst in einem eigenen Büro nahe dem Schülerarbeitsraum die assignments vorbereitete, Lerngruppen unterrichtete und Einzelgespräche führte, waren die Schüler für Ordnung und Disziplin im Klassenraum ebenso selbst verantwortlich wie auch für die Ausführung ihres individuellen Arbeitspensums.“(EICHELBERGER 2002, S. 16) 

 

Genau wie die Veränderung der Tischordnung im Klassenraum entspricht auch die Bearbeitung von Arbeitsetappen anhand schriftlicher Anweisungen in selbstständigem und eigenverantwortlichem Lernen der heutigen Form des Lernens an Stationen. Eichelberger sieht als Vorteile des Dalton-Plans das

 

„individuelle Lerntempo, (die) erhöhte(n) Leistungen der schwächeren Schüler, (die) größere Verantwortung hinsichtlich der Lernzeit, (das) wachsende(s) Selbstvertrauen, (die) Eigeninitiative, ein verbessertes Lehrer-Schüler-Verhältnis und ein gesteigertes Interesse an weiterführender Schulbildung.“ (EICHELBERGER 2002, S. 17) 

 

Wie sich im weiteren Verlauf noch zeigen wird, sind das ebenso die grundlegenden Ziele des Lernens an Stationen.

 

Über den Dalton-Plan hinaus entwickelten die Engländer Morgan und Adamson 1952 das Zirkeltraining (circuit training) für den Sportunterricht. In der Sporthalle wurden verschiedene Stationen mit unterschiedlichen Übungen aufgebaut, die von den Schülern in einer genau vorgegebenen Zeit absolviert werden mussten.

 

Auch lassen sich ansatzweise die Grundideen des Lernens an Stationen, wie das Lernen an einzelnen Stationen und die Idee, die Unterrichtsmaterialien pro Gruppe nur einmal zur Verfügung zu stellen, in der Montessori- Pädagogik wiederfinden (vgl. RAUER/SALZENBERG 1998, S. 11). Hier soll jedoch nicht weiter auf mögliche Ursprünge in der Reformpädagogik eingegangen werden.

 

Grundlegend kann man sagen, dass die Methode aus dem Bereich der Sportpädagogik in Verbindung mit den Inhalten des Dalton-Plans sich Mitte der 80er Jahre zum Lernen an Stationen in der Grundschule entwickelte. Ziel war es schon damals, unterschiedlich begabte Schüler durch ein individuelles Lernangebot gezielt zu fördern (vgl. WILKENING 2002). Die Grundschulpädagoginnen Uta Wallaschek und Gabriele Faust- Siehl stehen stellvertretend für das Erproben des Stationenlernens; in unterschiedlichsten Fächern sowie fächerübergreifend (vgl. RAUER / SALZENBERG 1998, S. 11).

 

Seit Mitte der 90er Jahre hat sich das Lernen an Stationen auch im Bereich der Sekundarstufe I etabliert und fand zunächst Anwendung im natur-wissenschaftlichen Bereich, bis es dann auch im Fremdsprachenunterricht angewandt wurde. Das heutige Stationenlernen ist eingebunden in den geöffneten Unterricht und soll den Umgang auf eine besonders vielfältige Weise mit einem klar begrenzten Thema vermitteln (vgl. ebd., S. 12).

 

1.2 Was heißt „Lernen an Stationen“ und was ist eine „Lernstation“?


 

In der Literatur finden sich viele unterschiedliche Terminologien, die den gleichen Sachverhalt, das Lernen an Stationen, umfassen. Dominierend sind die Begriffe „Lernzirkel“, „Lerntheke“, „Lernbüffet“, „Stationenlernen“ und „Lernen an Stationen“. Die wohl gelungensten Bezeichnungen sind „Lernen an Stationen“ und „Stationenlernen“, weshalb in dieser Arbeit diese Terminologien verwendet werden. Roland Bauer definiert Lernen an Stationen folgendermaßen:

 

„Lernen an Stationen […] beschreibt jeweils das zusammengesetzte Angebot mehrerer Lernstationen, das die Lernenden im Rahmen einer übergeordneten Thematik (Unterrichtseinheit oder fächerverbindende Thematik) bearbeiten und unter Umständen teilweise selbst mitgestalten.“(BAUER 1997, S. 59)

 

Im Rahmen des Lernens an Stationen bearbeiten die Schüler somit einzelne, ausgewählte Themen an für sie bereitgestellten Einzelstationen, die zu einer Unterrichtseinheit gehören.

 

Demnach ist eine Lernstation nach Roland Bauer

 

„[…] ein einzelner Arbeitsauftrag, ein einzelnes Arbeitsangebot, welches den Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Lernens an Stationen zur Verfügung gestellt wird.“ (BAUER 1997, S. 59)

 

Die Bezeichnung „Lernzirkel“ lässt aufgrund der Begriffsähnlichkeit oftmals eine Assoziation zum Zirkeltraining im Sportunterricht entstehen. Hierbei muss allerdings klar differenziert werden, denn das Ziel des Zirkeltrainings, möglichst viele Stationen in exakt vorgegebener Reihenfolge und in möglichst kurzer Zeit zu durchlaufen, entspricht nicht im Geringsten den Ansprüchen und Zielen des Lernens an Stationen (vgl. NICKEL 2003, S.3). Im Grundsatz soll bei dieser Unterrichtsform angestrebt werden, dass die Schüler den eigenen Lernweg, die Abfolge und das eigene Lerntempo selbstständig wählen.

 

1.3 Die Grundideen der Unterrichtsform „Lernen an Stationen“


 

Eine sehr beliebte und bekannte Methode als Alternative zum Frontalunterricht stellt das Lernen an Stationen dar. Neben anderen Formen des offenen Unterrichts lässt sich mit Stationenlernen ein besonders leichter Einstieg in eine geöffnete Unterrichtsform leisten. Bei komplett offenen Unterrichtsformen, wie der Freiarbeit, bei der die Schüler selbstständig ihre Lerninhalte, -ziele und die Zeit bestimmen (vgl. LUSAR 2001, S. 5), können Schüler, die sich der notwendigen Lernstrategien nicht bedienen können, Schwierigkeiten haben, eine solch selbstständige Arbeitsform erfolgreich zu bewältigen. Um eben diese Schüler zu integrieren und an offene Unterrichtformen heranzuführen, kann mit Hilfe der Stationenarbeit die Offenheit schrittweise vermittelt und erlernt werden (vgl. NICKEL 2003, S. 2), denn die entscheidenden organisatorischen Voraus-setzungen und Rahmenbedingungen werden den Schülern durch die Lehrperson vorgegeben und vermittelt (vgl. LUSAR 2001, S. 5). Diese Lenkung des geöffneten Unterrichts bietet den Lernenden die Chance zu selbstgesteuertem Lernen, indem sie durch äußere Vorgaben ihren eigenen Lernweg, ihre eigenen Lernstrategien und ihr eigenes Lerntempo finden und austesten können. Durch Lernen an Stationen lernen die Schüler, in eigener Verantwortung, in einem vom Lehrer begrenzten Rahmen, jedoch ohne Lehreranleitung, schrittweise selbstständig zu arbeiten (vgl. KNAPP 1996, S. 109).

 

Prinzipiell ist die heutige Form der Stationenarbeit in der Sekundarstufe I sehr vielseitig und bietet eine große Breite an Einsatzmöglichkeiten. Mit dem Lernen an Stationen kann ein neues Themenfeld erarbeitet, eine Einführung in einen neuen Themenkomplex geleistet oder eine Wiederholung und Festigung einer bereits durchgeführten und erlernten Unterrichtseinheit gesichert werden (vgl. HEGELE 2002, S. 58). Auf die jeweils unterschiedlichen Formen des Stationenlernens wird später in Kapitel 3.2 ausführlich eingegangen.

 

Ein Stationenlernen wird über einen bestimmten und überschaubaren Zeitraum durchgeführt. Die Schüler erarbeiten bei dieser Unterrichtsform die Themen und Inhalte über mehrere unterschiedliche...

Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Sprachführer - Sprachwissenschaften

Überzeugungsstrategien

E-Book Überzeugungsstrategien
Format: PDF

Wissentlich oder unwissentlich sind wir ständig mit Überzeugungsstrategien konfrontiert: in Werbung, Politik und Alltagskommunikation. Vertreter eines weiten Fächerspektrums (u. a. Philosophie,…

Weitere Zeitschriften

cards Karten cartes

cards Karten cartes

Die führende Zeitschrift für Zahlungsverkehr und Payments – international und branchenübergreifend, erscheint seit 1990 monatlich (viermal als Fachmagazin, achtmal als ...

Gastronomie Report

Gastronomie Report

News & Infos für die Gastronomie: Tipps, Trends und Ideen, Produkte aus aller Welt, Innovative Konzepte, Küchentechnik der Zukunft, Service mit Zusatznutzen und vieles mehr. Frech, offensiv, ...

SPORT in BW (Württemberg)

SPORT in BW (Württemberg)

SPORT in BW (Württemberg) ist das offizielle Verbandsorgan des Württembergischen Landessportbund e.V. (WLSB) und Informationsmagazin für alle im Sport organisierten Mitglieder in Württemberg. ...

Deutsche Tennis Zeitung

Deutsche Tennis Zeitung

Die DTZ – Deutsche Tennis Zeitung bietet Informationen aus allen Bereichen der deutschen Tennisszene –sie präsentiert sportliche Highlights, analysiert Entwicklungen und erläutert ...

Die Versicherungspraxis

Die Versicherungspraxis

Behandlung versicherungsrelevanter Themen. Erfahren Sie mehr über den DVS. Der DVS Deutscher Versicherungs-Schutzverband e.V, Bonn, ist der Interessenvertreter der versicherungsnehmenden Wirtschaft. ...

DSD Der Sicherheitsdienst

DSD Der Sicherheitsdienst

Der "DSD – Der Sicherheitsdienst" ist das Magazin der Sicherheitswirtschaft. Es erscheint viermal jährlich und mit einer Auflage von 11.000 Exemplaren. Der DSD informiert über aktuelle Themen ...

Eishockey NEWS

Eishockey NEWS

Eishockey NEWS bringt alles über die DEL, die DEL2, die Oberliga sowie die Regionalligen und Informationen über die NHL. Dazu ausführliche Statistiken, Hintergrundberichte, Personalities ...

Euphorion

Euphorion

EUPHORION wurde 1894 gegründet und widmet sich als „Zeitschrift für Literaturgeschichte“ dem gesamten Fachgebiet der deutschen Philologie. Mindestens ein Heft pro Jahrgang ist für die ...

FileMaker Magazin

FileMaker Magazin

Das unabhängige Magazin für Anwender und Entwickler, die mit dem Datenbankprogramm FileMaker Pro arbeiten. In jeder Ausgabe finden Sie praxiserprobte Tipps & Tricks, die Ihnen sofort die ...