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E-Book

Handbuch Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD)

VerlagERNST REINHARDT VERLAG
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl511 Seiten
ISBN9783497611461
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis48,99 EUR
In der Fachliteratur wird der ASD selten als Ganzes in Blick genommen.Dieses Handbuch stellt umfassend und differenziert das Fachwissen zum Allgemeinen Sozialen Dienst, seine Aufgabenbereiche und Handlungsansätze dar: rechtliche Grundlagen, verschiedene Organisationsformen und Methoden, Qualitätsentwicklung und Personalmanagement. Die 3. Auflage wurde aktualisiert. Neu ist ein Beitrag zu den fachlichen und fachpolitischen Perspektiven des ASD. Dieses umfassende Handbuch ist sowohl für die Arbeit im Jugendamt oder in der Jugendhilfe als auch im Studium unverzichtbar!

Prof. Dr. Joachim Merchel, Dipl.-Päd., lehrt 'Organisation und Management in der Sozialen Arbeit' an der FH Münster, Fachbereich Sozialwesen.

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Leseprobe

Einleitung: Der „Allgemeine Soziale Dienst (ASD)“ als Gegenstand eines Handbuchs – ein Beitrag zur Anerkennung der Bedeutung und der Professionalität eines Handlungsfeldes

Von Joachim Merchel

Merchel (Hg.), Handbuch Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD), DOI 10.2378 / asda3.art01

© 2019 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München

Betrachtet man die Veröffentlichungen zum „Allgemeinen Sozialen Dienst“ (ASD), so ist man erstaunt: Während seit einigen Jahren der ASD sich insbesondere vor dem Hintergrund der fehlgelaufenen Kinderschutzfälle und der damit einsetzenden Kinderschutzdebatten einer relativ großen Aufmerksamkeit in der Fachöffentlichkeit sicher sein kann, war das fachliche und fachpolitische Interesse, das dem ASD entgegengebracht wurde, über eine lange Zeit gering. Es hat zwar vielfältige Veröffentlichungen gegeben zu methodischen Aspekten (Hilfeplanung, kollegiale Beratung, Trennungs- und Scheidungsberatung, Case Management etc.), die auch in die Arbeit des ASD hineinragten, aber selten wurde der ASD als „Ganzheit“ in Blick genommen mit seinen vielfältigen Facetten der Organisationsmodalitäten, der fachlichen Anforderungen und methodischen Vorgehensweisen, der Herausbildung von professionellen Haltungen und Arbeitsweisen seiner Mitarbeiter, der Kooperationsbezüge zu anderen Organisationen u. a. m. Man war sich bewusst, dass es in der Kommunalverwaltung eine Organisationseinheit gab, die sich aus den Traditionen der kommunalen Armenpflege und später vor allem aus der Familienfürsorge, dem Außendienst des Jugendamtes, entwickelt hatte. Aber man hat diesem Dienst keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, die Frage seiner professionellen Ausgestaltung wurde nur wenig diskutiert.

Dies änderte sich nachdrücklich erst mit dem Beginn der Kinderschutzdebatten, ausgelöst durch das „Osnabrücker Verfahren“ (Mörsberger / Restemeier 1997) und in der Folge durch die intensiven Diskussionen zu weiteren „fehlgelaufenen“ Kinderschutzfällen. Doch das „Osnabrücker Verfahren“ wurde noch weniger unter der Frage diskutiert, wie sich ein Jugendamt bzw. ein ASD organisatorisch und fachlich auf die Erfüllung der Schutzaufgaben einzustellen habe, sondern eher unter dem Aspekt der strafrechtlichen Verantwortlichkeit und des Risikos, dem die einzelne Fachkraft bei ihren beruflichen Aufgaben ausgesetzt sei (Deutscher Verein / AGJ 2001, Bringewat 1997). Erst allmählich gerieten die fachlichen und organisationsbezogenen Anforderungen an das Jugendamt bzw. den ASD bei der Gewährleistung eines angemessenen Kinderschutzes in den Blick – eine Perspektive, die dann im Gefolge weiterer zu Tode gekommener Kinder intensiver und differenzierter diskutiert wurde. Mit der Hervorhebung, dass bei den „fehlgelaufenen“ Kinderschutzfällen nicht nur die Qualifikationen und das Handeln der jeweiligen Mitarbeiter überprüft werden dürfen, sondern gleichermaßen die Organisationsverantwortung des Jugendamtes zur Debatte steht (ISS 2012), wurden nun auch Aufgaben, Organisationsmodalitäten und Handlungsweisen im ASD intensiver analysiert und diskutiert. Zugespitzt formuliert: Bedauerlicherweise löste erst der Tod von Kindern eine intensivere fachliche Beschäftigung mit dem ASD aus – dies aber unter einem spezifischen Fokus: dem Kinderschutz. „Kinderschutz“ wurde einseitig zum zentralen thematischen Verankerungspunkt der Debatten zum ASD.

Obwohl der ASD, dem bisweilen der Status eines „Basisdienstes“ der Sozialen Arbeit zugesprochen wurde (Greese 1994, 45), eine erhebliche Bedeutung hat für eine gute Leistungsgewährung und Leistungsgestaltung in der Sozialen Arbeit und obwohl – vor allem im Zuge der Diskussionen um Kindeswohlgefährdung / Kindesschutz – der ASD verstärkt in den Fokus der fachpolitischen (zum Teil auch öffentlichen) Aufmerksamkeit gerückt ist, existieren bisher nur einige Veröffentlichungen, die den Stand des Fachwissens über den ASD, seine Aufgabenbereiche und seine Handlungsansätze dokumentieren. Die wenigen Buchveröffentlichungen zum ASD stammen vorwiegend aus der ersten Hälfte der 1990er Jahre (Krieger 1994, Textor 1994, Greese et al. 1993, ISA 1991). Weitere Veröffentlichungen zum ASD entstanden erst mit deutlichem zeitlichem Abstand: neben einigen Beiträgen in Fachzeitschriften insbesondere das vom ISS (2011) herausgegebene Buch, das eine erste allgemeine Orientierung bietet, der als „Lehrbuch“ konzipierte Band von Gissel-Palkovich (2011a), der Forschungsbericht von Gissel-Palkovich / Schubert (2015) und die Studie von Beckmann et al. (2018), die zwar viel Aufmerksamkeit in der Presse gefunden hat, jedoch von einigen elementaren Unzulänglichkeiten in der Forschungsmethodik durchzogen ist (u. a. Mühlmann / Pothmann 2018). Anders als in anderen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit kann man im Hinblick auf den ASD wahrlich nicht von einer zur Unübersichtlichkeit neigenden Literaturlage sprechen. Das relativ geringe Interesse, das dem ASD in der Fachöffentlichkeit über eine längere Zeit entgegengebracht wurde, lässt sich beispielhaft auch daran ablesen, dass im „Handbuch Soziale Arbeit“, das den Anspruch erhebt, „den gegenwärtigen Stand der Entwicklung in der theoretischen Diskussion, der Forschung und der Praxis der Sozialen Arbeit“ zu präsentieren (Otto / Thiersch 2011, V), ein Beitrag zum ASD, der noch bis zur 3. Auflage im Handbuch enthalten war (Greese 2005), ab der 4. Auflage nicht mehr zu lesen ist. Auch in den umfangreichen Handbüchern bzw. „Kompendien“ zur Kinder- und Jugendhilfe (Schröer et al. 2016; Böllert 2018) sucht man vergeblich nach einem Beitrag, der die spezifischen fachlichen und organisationalen Aspekte des ASD verdeutlicht. Selbst in den dort enthaltenen Beiträgen zum Jugendamt findet der ASD lediglich marginale Erwähnung.

Die Herausgabe des vorliegenden Handbuchs zum ASD folgt dem Motiv, ein umfassendes Werk vorzulegen, in dem die verschiedenen, für den ASD relevanten fachlichen und damit verknüpften organisationsbezogenen Aspekte zusammengefasst dargestellt werden. Ein solches Handbuch entspringt gleichermaßen dem Bestreben, den mittlerweile erreichten fachlichen Entwicklungsstand des Handlungsfeldes ASD zum Ausdruck zu bringen, sowie dem Anliegen, mit einer Zusammenfügung des Wissensstandes über den ASD Impulse für eine fachliche Weiterentwicklung und eine qualitative Stabilisierung des Praxisfeldes ASD zu geben. Das Handbuch zum ASD spiegelt also zum einen die fachliche Bedeutung dieses Handlungsbereichs der Sozialen Arbeit wider und will zum anderen einen Beitrag leisten zur Festigung dieser Bedeutung, indem es Anregungen zur professionellen Selbstverständigung der Akteure in diesem Handlungsfeld und Anstöße zur Weiterentwicklung in der praktischen Ausgestaltung der jeweiligen regionalen ASD vermittelt.

Nicht zuletzt soll durch das Handbuch die Tatsache markiert werden, dass der „Kinderschutz“, für den der ASD in weiten Teilen der öffentlichen Debatten zum Jugendamt steht, zwar einen wichtigen Bestandteil im Aufgabenprofil des ASD darstellt, jedoch das, was im ASD fachlich und organisational geschieht, deutlich über ein enges Verständnis von Kinderschutz hinausgeht.

Zur Definition: Was ist ein ASD?

In den bisherigen Ausführungen wurde so getan, als sei für alle Akteure in der Sozialen Arbeit, für die Kooperationspartner, mit denen der ASD zu tun hat, und nicht zuletzt für alle Leser dieses Handbuchs klar, was „der ASD“ ist. Angesichts der organisatorischen Vielfalt des ASD und der verschiedenartigen Begriffe, mit denen dieser Dienst in Kommunalverwaltungen belegt wird, kann man jedoch nicht von einem einheitlichen Begriffsverständnis ausgehen. Schon die Namen, die diesem Dienst zugeordnet werden, können für Verwirrung sorgen: Die Rede ist nicht nur vom ASD, sondern auch vom KSD (Kommunaler Sozialdienst), manchmal nur vom Sozialdienst oder Kinder- und Jugendhilfedienst, manchmal vom Bürgerbüro oder Sozialbürgerhaus u. a. m. Neben diesen unterschiedlichen Begrifflichkeiten findet man verschiedene organisatorische Zuordnungen in der Kommunalverwaltung: in der Regel die Zuordnung zum Jugendamt, das aber wiederum in verschiedenen Organisationsmodalitäten auftaucht (als Fachbereich oder als Amt, mehr oder weniger verkoppelt mit weiteren Aufgabenbereichen außerhalb oder am Rande der Jugendhilfe), in einigen Fällen auch dem Fachbereich Soziales oder Sozialamt zugeordnet oder als eine relativ selbstständige Organisationseinheit (analog einem Amt) organisiert. Noch vielfältiger wird es, wenn der ASD anhand seiner Aufgaben eingegrenzt werden soll: Der Schwerpunkt der ASD-Aufgaben liegt in der Kinder- und Jugendhilfe, aber ob noch weitere Aufgaben aus anderen Handlungsbereichen hinzukommen (Altenhilfe, Behindertenhilfe, sozialpsychiatrische Versorgung) und welche Dienste als Spezialdienst organisiert sind (z. B. Jugendgerichtshilfe, Pflegekinderdienst, Vormundschaften / Pflegschaften) oder dem ASD zugeordnet sind, kann örtlich verschiedenartig geregelt werden.

Dies alles führt zu der Schwierigkeit, die Übersicht zu behalten und das zu definieren, was „den ASD“ ausmacht. Der immer wieder eingebrachte Hinweis „jeder ASD ist anders“ spiegelt die Erfahrungen zur Unterschiedlichkeit dessen wider, was mit dem Begriff ASD umfasst werden kann. Trotz aller Unterschiedlichkeit können einige markante Merkmale, die den ASD ausmachen, festgehalten werden (auch Gissel-Palkovich 2011b, Müller 2008):

  Der Begriff ASD kennzeichnet eine Verwaltungseinheit innerhalb einer kommunalen Behörde. Als Bestandteil der Kommunalverwaltung – in der Regel des...

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