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Hans Schwippert 1899–1973

Von der Werkkunst zum Design

AutorAgatha Buslei-Wuppermann
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl335 Seiten
ISBN9783831606894
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis32,99 EUR

Der Architekt und Entwerfer Hans Schwippert (1899–1973) leistete einen maßgeblichen Beitrag zum kulturellen Wiederaufbau Deutschlands. Bekannt wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg, als er dem Deutschen Werkbund und dem Rat für Formgebung vorstand. Schwipperts Konzept für die Düsseldorfer Kunstakademie entstand im Jahre 1946. Seinem strategischen Aufbau als Direktor der Akademie (1959–1966) verdankt die Stadt Düsseldorf als Kunststadt ihre nationale und internationale Reputation.

Sein Bau des ersten Deutschen Bundestages (1948–1949) in Bonn, den Prinzipien des Neuen Bauens der 20er Jahre sowie denen des internationalen Modernismus der Nachkriegszeit verpflichtet, war das gelungene Ergebnis, ein architektonisches Sinnbild für die demokratische Aufgeschlossenheit und den Erneuerungswillen der jungen Bundesrepublik zu schaffen. Auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel präsentierte Schwippert der Weltöffentlichkeit eine neue Vision vom »Leben in Deutschland«. Damit wurde die ›Gute Form‹ und ›ein besser Leben für ALLE‹ zum Stilprinzip des Deutschen Designs der Nachkriegszeit.

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Leseprobe

2 Vom Handwerk zur Werkkunst (S. 37-38)

2.1 Berufliche Einflüsse

Der Lehrersohn Hans Schwippert charakterisierte sich in einer selbstverfassten Biografie von 1942 als „Möbelentwerfer und Mittler von Schreinerwerkstätten." ,Die Innenraumgestaltung unter Anwendung einer möglichst breiten Materialpalette und im engen Dialog mit den ausführenden Werkstätten war Schwipperts eigentliches Berufsziel nach dem Studium. Überdies erschien es dem jungen Architekten leichter, über das Feld des Möbelentwurfs in der selbständigen Praxis Fuß zu fassen, zumal er sich das nötige Rüstzeug und die Erfahrung in jahrelanger studienbegleitender Werkstattarbeit angeeignet hatte.

Das Profil eines praktisch tätigen Möbelentwerfers gab Schwippert sich auch, als er Mitte der 20er Jahre im Berliner Büro von Erich Mendelsohn vorstellig wurde. In der Zeit vom 1. Februar bis zum 31. Oktober 1925 war Schwippert dort im Atelier tätig. Zu dieser Zeit feierte Mendelsohn gerade seine größten Erfolge als Architekt. Der Einsteinturm in Potsdam hatte Mendelsohn an die Spitze der deutschen Architektenschaft katapultiert und den Ostpreußen über Nacht zum Star gemacht, sein Büro wurde für den Nachwuchs zur ersten Adresse. Wenige Jahre später sollte man Mendelsohn wegen seiner jüdischen Herkunft die Teilnahme an der Stuttgarter Weissenhofsiedlung versagen. Die Nationalsozialisten schließlich schlossen ihn als ‚nichtarisches‘ Mitglied aus der Preußischen Akademie der Künste aus.65 Mendelsohn musste Deutschland 1933 verlassen und emigrierte nach London.

Als der junge Diplomingenieur Schwippert im Februar 1925 die Arbeit im Atelier Mendelsohns begann, musste er sich auf das hektische Klima eines Großbüros einstellen. In Mendelsohns Atelier türmten sich damals die Aufträge: Das Kaufhaus Schocken (1924) in Stuttgart war gerade fertig gestellt, ein weiteres Schocken-Kaufhaus (1930) in Chemnitz und der Pressa-Pavillon des Mosse-Verlages (1928) in Köln befanden sich in der Bauvorbereitung.

Die Zeichenarbeit für Wettbewerbe, Wohnhäuser und Umbauten sowie die Ausführungsplanung wurden in Mendelsohns Atelier von Absolventen und Praktikanten erledigt. Die Erfahrungen in diesem Büro lösten bei dem 26-jährigen, frisch diplomierten Architekten Schwippert eine Verschiebung der Sichtweise aus, die sich besonders signifikant in der Veränderung seines Zeichenstils niederschlug.

Nach einem Zeugnis Mendelsohns bearbeitete Schwippert den Um- und Erweiterungsbau einer größeren Villa in Berlin weitgehend selbständig. Der Arbeitstag bestand für Schwippert vornehmlich aus Zeichenarbeit am Reißbrett mit der Zeichenschiene, das heißt Ausführungs- und Detailzeichnungen zu baulichen Veränderungen, Installationspläne für Leitungen und Anschlüsse im Zusammenhang mit dem Umbau der Berliner Villa. Zwar wurde der junge Saisonarbeiter in die Innenraumgestaltung involviert und zeichnete auch Ausführungs- und Detailpläne, die Entwurfsentscheidungen wurden jedoch vom Meister selbst getroffen. Schwipperts Aufgabe bestand in der Baustellenorganisation und -koordination sowie in der Betreuung der Bauherren.

Inhaltsverzeichnis
Inhalt10
Einleitung12
1 Biografie20
1.1 Orientierung und Lehrjahre (1899–1930)20
Die Prägung der Kinder- und Jugendjahre20
Soldatenzeit und Studium21
Start in die berufliche Praxis25
Die ersten Möbel im Dialog mit der Werklehre26
1.2 Notzeit- und Kriegsjahre (1931–1944)30
1.3 Aufbaujahre und Ernüchterung (1945–1973)33
Die Jahre großer Aufgaben36
Die Wirtschaftswunderjahre37
Die späten Jahre39
2 Vom Handwerk zur Werkkunst42
2.1 Berufliche Einflüsse42
2.2 Der Lehrer an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Aachen48
2.3 Der Möbelkatalog59
2.4 Typisierungsgedanken bei Einrichtungen der 30er Jahre74
2.5 Werklehre und Werkerziehung85
2.6 Kompromisse während der NS-Zeit93
3 Werkkunst zwischen Tradition und Vision102
3.1 Die Neustrukturierung der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf102
3.2 Die Einrichtung des ersten Deutschen Bundestages114
3.3 Die Möbel für Konrad Adenauer und die Regierung131
3.4 Wiedergründung des Deutschen Werkbundes (DWB)138
3.5 Gründung des Rates für Formgebung149
3.6 Weltausstellung 1958 in Brüssel und die Kritik des deutschen Beitrags159
3.7 Haus der Wissenschaften 1958–60 in Düsseldorf167
4 Strukturwandel von der Werkkunst zum Design176
4.1 Wohnbauten und Inneneinrichtungen176
Die ersten drei Wohnhäuser177
Wohn- und Atelierhaus in Düsseldorf 1953–54182
Wohnhaus Sellner in Darmstadt 1955184
Wohn- und Geschäftshaus Albert A. Henkel in Düsseldorf 1961–62185
Wohnhaus Knapp in Brione/Tessin 1960–67187
Wohnhochhaus Hansa-Viertel in Berlin 1957189
4.2 Sakralbauten und sakrale Geräte202
Sakrale Geräte212
4.3 Designentwürfe für Carl Pott, Solingen218
4.4 Schlussbemerkung227
5 Werkverzeichnis232
5.1 Schriftenverzeichnis238
6 Bildkatalog246
Bildquellenverzeichnis zu nachfolgendem Bildkatalog:246
7 Anhang314
7.1 Kurzbiographie314
7.2 Der Deutsche Werkbund in chronologischer Übersicht317
7.3 Abkürzungen320
7.4 Literaturverzeichnis322
7.5 Danksagung328

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