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Harninkontinenz im Pflegeheim

Prävalenz, Inzidenz und Remission, Risiko- und Schutzfaktoren

AutorKatja Boguth
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl197 Seiten
ISBN9783456947105
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR
In der vorliegenden Arbeit wurde die Prävalenz der Harninkontinenz zum Aufnahmezeitpunkt und nach sechs Monaten Heimaufenthalt retrospektiv bestimmt. Darüber hinaus wurden die Auswirkungen von personenbezogenen und umgebungsabhängigen Faktoren auf die Kontinenzfähigkeit der Bewohner untersucht. Hintergrund der Fragestellung waren bisherige Befunde, die zeigten, dass sich die Häufigkeit der Harninkontinenz nach der Aufnahme in ein Pflegeheim erhöht. Ursächlich könnten die Besonderheiten der Pflegeheimsituation sein, da hier zahlreiche Risikofaktoren vorliegen, welche die Entstehung einer Harninkontinenz begünstigen können.

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt
  2. 1 Einleitung
  3. 2 Die Institution Pflegeheim
  4. 3 Der Heimeintritt
  5. 4 Harninkontinenz im Alter
  6. 5 Harninkontinenz im Pflegeheim
  7. 6 Herleitung der Zielstellung
  8. 7 Methodik
  9. 8 Ergebnisse
  10. 9 Diskussion
  11. 10 Zusammenfassung
  12. Literaturverzeichnis
Leseprobe
5 Harninkontinenz im Pflegeheim (S. 45-46)

5.1 Prävalenz der Harninkontinenz in stationären Pflegeeinrichtungen

Harninkontinenz ist in Pflegeheimen allgegenwärtig. Die Prävalenz von Harninkontinenz bei Pflegeheimbewohnern liegt international zwischen 50 und 75 %. Betrachtet man die vorliegenden Studien seit 1990, so lässt sich insgesamt ein Anstieg in der Häufigkeit des Auftretens dieses Symptoms in den letzten 10 Jahren beobachten. Die Studien sind nicht uneingeschränkt vergleichbar, da es im Design, in der Definition von Harninkontinenz und in der Stichprobengröße relevante Unterschiede gibt (vgl. Tabelle 3). In Deutschland untersuchten mehrere Studien Harninkontinenz bei Heimbewohnern. Studien, die mittels Fragebogen die Daten zur Harninkontinenz erheben, stammen aus Großbritannien, Italien, Deutschland und Österreich. Die Häufigkeitsangaben in den Definitionen der Inkontinenz variiert von monatlichen bis täglichen unfreiwilligen Harnverlusten (Aggazzotti et al., 2000, Borrie et al., 1992, Georgiou et al., 2001, Pointner &, Madersbacher H., 1993, Welz-Barth et al., 1998).

Das Institut für Medizin-, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft der Charité Berlin führt seit 2003 jährlich eine Befragung von Krankenhäusern und Pflegeheimen durch. Es wird dabei mittels einer Fragebogenerhebung, die sich an die Mitarbeiter der Einrichtungen richtet, auch die Prävalenz der Harninkontinenz erhoben. Die Studien 2003–2005 unterscheiden zwischen einer vorübergehenden und einer dauerhaften Harninkontinenz, ohne diese zu definieren. Die Erhebung des Jahres 2006 verzichtet auf diese Differenzierung und definiert im Leitfaden der Studie Harninkontinenz als „alle Zustände unfreiwilligen Harnabgangs" (Dassen, 2006a).

Die Werte der vorübergehenden und dauerhaften Inkontinenz der ersten Untersuchungen werden im Folgenden nicht einzeln ausgewiesen, sondern addiert. Es zeigt sich über die Jahre (2003–2007) ein relativ stabiler Wert von 71,6 % bis 74,2 %. Andere Studien betrachten die Harninkontinenz im Pflegeheim retrospektiv und benutzen Sekundärdaten wie beispielsweise die Pflegedokumentation. Eine wichtige Datenbasis liefert das – durch RAI (Resident Assessement Instrument) Daten gespeiste – MDS (Minimum Data Set). Da diese MDS-Daten international auf derselben Grundlage beruhen, sind internationale Vergleiche möglich, und so ist zu konstatieren, dass in den USA der Anteil harninkontinenter Bewohner in vollstationären Pflegeinrichtungen um fast 15 Prozentpunkte größer ist als in der Schweiz (DuBeau et al., 2006, Saxer et al., 2005).

Um einschätzen zu können, ob es sich bei den hier ermittelten Prävalenzen um erwartbare oder hohe bzw. niedrige Werte handelt, ist ein Vergleich der institutionalisierten mit nicht institutionalisierten älteren Menschen nötig. Prävalenzstudien, die Harninkontinenzhäufigkeiten in der allgemeinen älteren Bevölkerung untersuchen, schwanken in ihren Angaben zwischen 6 % bis 45,5 % (Maggi et al., 2001, Teunissen et al., 2004). Deutsche Schätzungen zur Prävalenz der Harninkontinenz bei den 80-jährigen Männern und Frauen in der allgemeinen deutschen Bevölkerung gehen von einem Wert zwischen 30–40 % aus (Füsgen, 1991, Melchior H., 2003).

Eine Untersuchung in Kanada von Hunskaar (1998) vergleicht die Anzahl der Inkontinenzereignisse zwischen Heimbewohnern und der allgemeinen älteren Bevölkerung: Die Prävalenz der Harninkontinenz bei im Heim lebenden Menschen ist im Hinblick auf tägliche Inkontinenzereignisse neun- bis zehnfach höher als bei denen, die noch in der eigenen Häuslichkeit wohnen (Hunskaar et al., 1998). Somit ist zu konstatieren, dass die Harninkontinenz in Pflegeheimen deutlich häufiger und in einem höheren Schweregrad auftritt als in der Population der nicht institutionalisierten älteren Menschen.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
1 Einleitung10
2 Die Institution Pflegeheim14
Historie der Pflegeheime14
Heimlandschaft in Deutschland seit Einführung der Pflegeversicherung17
Derzeitige und zukünftige Inanspruchnahme stationärer Pflegeeinrichtungen18
Situation in den Pflegeheimen20
Träger, Größe und Zimmerkategorie20
Personalstruktur in Pflegeheimen21
Merkmale der Heimbewohner23
Dauer des Heimaufenthaltes24
Das Ansehen der Pflegeheime24
3 Der Heimeintritt26
Kritische Lebensereignisse26
Auslöser27
Prädiktoren27
Gründe28
Inkontinenz als Heimeintrittsgrund30
Der Verlauf der Heimübersiedlung31
Modalitäten33
Vorbereitung34
Freiwilligkeit35
Chancen und Risiken36
Positive Auswirkungen37
Negative Auswirkungen38
4 Harninkontinenz im Alter40
Bedingungen der Kontinenzfähigkeit40
Alterungsprozesse der Ausscheidungsorgane41
Ätiologie und Formen der Harninkontinenz im Alter42
Etablierte Inkontinenz43
Temporäre Inkontinenz44
5 Harninkontinenz im Pflegeheim46
Prävalenz der Harninkontinenz in stationären Pflegeeinrichtungen46
Inkontinenzverläufe in Pflegeheimen48
Risikofaktoren der Harninkontinenz50
Risikofaktoren, bezogen auf Bewohner50
Risikofaktoren, bezogen auf die Heimumgebung53
Behandlung der Harninkontinenz im Pflege-heim54
6 Herleitung der Zielstellung56
Zusammenfassung des Theorieteils56
Forschungsdefizite57
Ziele der Arbeit58
7 Methodik60
Studienplanung60
Literaturrecherche60
Hypothesenbildung60
Methodenwahl und ihre Begründung63
Einschlusskriterien für die Auswahl geeigneter Pfle-geeinrichtungen64
Beurteilung der Sekundärdaten und Entwicklung ei-nes Instruments zur Datenerhebung64
Beschreibung des partizipierenden Trägers, der Stichprobe und des Erfassungszeitraumes66
Beschreibung des Assessmentinstruments „erweiter-te Nortonskala“66
Datenmaterial, Datenaufbereitung und Vari-ablentransformation68
Beschreibung der Rohdaten und ihre Aufbereitung68
Bildung kategorialer Variablen und Typologiebildung von Verläufen72
Datenauswertung74
Repräsentativität der Stichprobe – Datenver-gleich mit amtlicher Statistik75
Alter und Geschlecht76
Pflegestufe78
Heimgröße und Unterbringung79
Vergleich Responder30 und Nonresponder79
8 Ergebnisse84
Beschreibung der Einrichtungen84
Größe und Lokalisation der Heime84
Mitarbeiter85
Beschreibung der Heimpopulation85
Alter und Geschlecht der Bewohner85
Pflegestufe88
Medizinische Diagnosen89
Überleben nach der Heimaufnahme91
Schwerbehinderungsgrad93
Körperliche und geistige Fähigkeiten durch Parameter der Nortonskala94
Heimumgebung103
Vergleich alte und neue Bundesländer und Heimgröße103
Zugang ins Heim104
Unterbringung im Heim105
Umzug im Heim106
Abwesenheit106
Kontinenzsituation im Heim106
Punkt- und Gesamtprävalenz der Harninkontinenz107
Verlaufsformen der Harninkontinenz108
Risiko- und Schutzfaktoren109
Bivariate Analyse möglicher personenbezogener Fak-toren109
Bivariate Analyse möglicher Umgebungsfaktoren132
Zusammenfassung der bivariaten Analyse: Kennzei-chen der Verlaufsgruppen140
Multivariate Analyse personenbezogener und umge-bungsbezogener Faktoren142
9 Diskussion156
Vergleich und Interpretation der Ergebnisse156
Gesamt- und Punktprävalenz der Harninkontinenz156
Verlaufsformen der Harninkontinenz157
Personenbezogene Faktoren und ihr Zusammenhang zu den Verlaufsformen der Harninkontinenz158
Umgebungsbezogene Faktoren und ihr Zusammen-hang zu den Verlaufsformen der Harninkontinenz161
Der Einfluss mehrerer Faktoren auf die Verlaufsfor-men der Inkontinenz164
Implikationen167
Definition der Pflegebedürftigkeit im SGB XI168
Rehabilitation im Pflegeheim169
Neue Wohn- und Pflegekonzepte in der stationären Langzeitpflege172
Inkontinenz als Qualitätsindikator stationärer Lang-zeitpflege174
Inkontinenz doch ein Aufnahmegrund?174
Handlungsempfehlungen175
Methodische Grenzen177
Offene Fragen und Ausblick178
10 Zusammenfassung180
Literaturverzeichnis182

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