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E-Book

Heiliger Sex

Die erotische Welt des Hinduismus

AutorVanamali Gunturu
VerlagDiederichs Verlag
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783641037833
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Inspirierte Erotik und Sexualität

Der Philosoph und Publizist Vanamali Gunturu hat eine ebenso profunde wie originelle Einführung in die hinduistische Religion und ihr für christliche Überzeugungen 'unmoralisches' Verhältnis zur Sexualität vorgelegt. Sie führt nicht nur in das Innerste der drittgrößten Weltreligion mit ihren rund 800 Millionen Gläubigen, sondern zeigt auch die Inspirationen, welche der Hinduismus für ein erfülltes Körper-Leben bieten kann.

Den Hinduismus zeichnet ein nahezu spielerischer Umgang mit Sexualität aus. Mehr noch: In der Moralvorstellung der Hindus ist Sexualität eine der vier Tugenden neben Dharma (Gerechtigkeit), Artha (Wohlstand) und Moksa (Erlösung). Sexualität gilt als eines der obersten Lebensziele. Die sinnlichen, freimütigen Ornamente und Bildnisse in den hinduistischen Tempeln Indiens sind dafür der beste Beweis. Der Philosoph und Publizist Vanamali Gunturu hat eine ebenso profunde wie originelle Einführung in die hinduistische Religion und ihr für christliche Überzeugungen 'unmoralisches' Verhältnis zur Sexualität vorgelegt. Sie führt nicht nur in das Innerste der drittgrößten Weltreligion mit ihren rund 800 Millionen Gläubigen, sondern zeigt auch die Inspirationen, welche der Hinduismus für ein erfülltes Körper-Leben bieten kann



Dr. Phil. Vanamali Gunturu, geboren 1956 in Nellore/A.P. in einer Gelehrtenfamilie in Indien, studierte Sanskritliteratur, englische Literatur, Geschichte und Philosophie an der Osmania University Hyderabad und promovierte in westlicher Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist als Dozent und Autor tätig, veröffentlichte u.a. Bücher über Krishnamurti, Gandhi und über den Hinduismus. Er lebt in der Nähe von München.

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Leseprobe
"KAPITEL 7 Erotik auf den ersten Blick: Verbotene Liebe (S. 79-80)

»Im Geld anderer soll man Tonscherben sehen, in Ehefrauen anderer Männer die eigene Mutter und in allen Lebewesen sich selbst«, lautet ein Sanskritvers. Wer in Frauen anderer Männer ein Objekt seiner Lust sah, lud den Zorn der Gesellschaft, des Königs und der religiösen Orthodoxie auf sich. Er riskierte das Ansehen und die Sicherheit des diesseitigen wie jenseitigen Wohlergehens. Der Gesetzgeber Manu ging ein Stück weiter und verkündete, dass es nichts Schädlicheres als Ehebruch gebe, da es die Lebenserwartung eines Menschen verringere.139 Anrüchiger Kontakt zu verheirateten Männern und Frauen war in Gedanken, Taten und Sprache zu vermeiden. Man durfte sie nicht einmal anschauen, nur so konnte man der Gefahr der Versuchung ausweichen.

Den idealen Mann in dieser Hinsicht stellt Lakshmana, Ramas jüngerer Bruder, im Epos Ramayana dar. Auf der Suche nach der entführten Sita stießen die Brüder im Wald auf deren Schmuck, den sie identifizieren sollten. Lakshmana war nicht in der Lage, außer ihren Fußketten irgendein Schmuckstück zu erkennen, weil er in seinem Umgang mit Sita nur deren Füße, niemals jedoch das Gesicht oder den übrigen Körper, angeschaut hatte.140 Nach Manus Gesetzen war Ehebruch mit verschiedenen Strafmaßnahmen -Todes-, Freiheits- oder Geldstrafe oder mit Verstümmelung der Glieder - zu ahnden.

Nach Kautilyas Arthashastra machten sich Männer und Frauen alleine dadurch strafbar, dass sie sich mit verheirateten Leuten unter zweifelhaften Umständen unterhielten. Dafür sah Kautilya verschiedene Geldstrafen vor.142 In Anbetracht der Gesetze kommt uns die Hindugesellschaft von damals, vor etwa 2000 Jahren, sehr konservativ und die Geschlechter segmentierend vor. Man musste große Angst gehabt haben, auch nur einen Blick auf eine verheiratete Person - gleich ob Mann oder Frau - zu werfen. Allem Anschein nach haben jedoch diese harten Strafen die Menschen nicht daran hindern können, Ehebruch zu begehen. Ob sie dann vom Staat auch tatsächlich mit diesen Strafmaßnahmen verfolgt wurden, sei dahingestellt.

Die indische Mythologie, Literatur, Bildhauerei und nicht zuletzt das Kamashastra, in denen die Empfindungen und Fantasien des Volks dargestellt werden, vermitteln ein anderes Bild. Man könnte daraus schließen: Je strenger die Verbote, desto größer war damals die Faszination Ehebruch. Selbst die indischen Götter verführten Ehefrauen anderer Männer und begingen hemmungslos Ehebruch unter dem Vorwand, ihre Vormachtstellung den Menschen gegenüber bewahren zu müssen.

Die Mythen erzählen von Indra, dem König der Götter, und seinem riskanten Abenteuer mit der Einsiedlerin Ahalya. Er begehrte diese schöne Ehefrau des Heiligen Gautama, der in einem Wald ein asketisches Leben führte. Als Gautama einmal unterwegs war, verwandelte sich Indra in den Heiligen und begab sich in die Eremitage. Dort machte er der betörenden Ahalya den Hof. Er äußerte den Wunsch, sich mit ihr zu vereinigen. Ahalya gab ihm nach, da auch sie seiner schönen Erscheinung verfallen war. Nach dem Liebesakt bat sie ihn, die Eremitage so schnell wie möglich zu verlassen. Trotz seines panischen Fluchtversuchs wurde Indra von Gautama erwischt und verflucht, dass er seine Hoden verliere.143 Indra hatte die Verheiratete angeblich deshalb verführt, um den Heiligen Gautama, der durch seine strenge und jahrelange Askese mächtiger als die Götter zu werden drohte, zu Fall zu bringen"
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