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E-Book

Herakleides Kritikos »Über die Städte in Hellas«

AutorAlexander Arenz
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl279 Seiten
ISBN9783831605965
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis38,99 EUR

Die fragmentarische Griechenlandbeschreibung des Herakleides Kritikos ist ein bemerkenswertes Prosazeugnis aus hellenistischer Zeit. Der überlieferte Text enthält die lebendige Schilderung einer Reise von Athen bis zur thessalischen Stadt Demetrias. Obwohl das Traktat seit der Erstedition durch H. Stephanus (1589) immer wieder starkes Interesse auf sich zog, konnte es bislang nicht befriedigend historisch eingeordnet werden.

Die vorliegende Kommentierung vermag es, den Reisebericht in die athenische Organisationsphase des Chremonideischen Krieges (279–267 v. Chr.) zu datieren. Hiermit wird für folgende historische und literaturgeschichtliche Arbeiten eine wichtige Quelle erschlossen, da die Fragmente einen detaillierten Blick auf den zentralgriechischen Raum dieser Zeit gestatten.

Vor allem aber werfen sie ein neues Licht auf die Definition hellenischer Identität in einer äußerst bewegten Phase der griechischen Geschichte.

Der Autor

Alexander Arenz
, Jahrgang 1973, studierte Latein, Griechisch und Geschichte an den Universitäten Würzburg, Freiburg und Perugia. Die Dissertation wurde im Sommersemester 2005 abgeschlossen. Alexander Arenz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Alte Geschichte in Freiburg.

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Leseprobe

1.2 Forschungsschwerpunkte (S. 19)

1.2.1 Herakleides

Die seit F. OSANNs Entdeckung beginnende Diskussion um die Autorschaft des Reiseberichtes motivierte auch eine Debatte um die geschichtliche Einordnung des Textes, deren Argumentation sich vor allem auf eine literarische Auswertung des ersten Fragments beschränkte. So beheimatete man Herakleides aufgrund seiner Vorliebe, die Charaktere der griechischen Landsleute zu beschreiben, im geistigen Umfeld des Peripatos.20 Die Ansätze hierfür waren bereits durch H. STEPHANUS vorgegeben und bestimmten die Forschung bis zu F. PFISTER grundlegend.

So erwähnte U.v. WILAMOWITZ-MOELLENDORFF den Periegeten lediglich, um dessen schriftstellerische Fähigkeit hervorzuheben: „Die wenigen Blätter aus den hellenischen Städtebildern des Herakleides, der durch das Distinktiv kritiko/j sich als der ‚kritischen Schule’ angehörig ausweist, sind an unmittelbarer Lebensfülle in der griechischen Literatur fast unerreicht."

Die von H. STEPHANUS getroffene Zuweisung der Fragmente an Dikaiarchos von Messene hatte folglich die Deutung der Städtebeschreibungen als Bild vom Leben der Griechen geradezu vorgezeichnet. Gleichermaßen versammelte F. PFISTER in seinem Kommentar hauptsächlich stilistische Merkmale, um hiermit den Autor im Schülerkreis des Peripatetikers Lykon zu verorten.

Die peripatetische Ausrichtung des Reiseberichtes wurde nicht zuletzt von H. SCHRADER und G.F. UNGER als Argument herangezogen, Herakleides Kritikos mit Herakleides Pontikos beziehungsweise Herakleides Lembos zu identifizieren.

Letzteres berücksichtigte auch F. PFISTER, der zwar wider- sprüchlicherweise Herakleides Lembos als Autor ausschloss, Herakleides Kritikos aber mit dem Verfasser gleichsetzte, der Auszüge aus den Politien des Aristoteles verfasst hätte.

Die Person des Herakleides Kritikos blieb aber weiterhin undeutlich, und bis in jüngster Zeit wurde Dikaiarch immer wieder als Verfasser diskutiert. Erst A. DIHLE sollte 1991 mit einer eingehenden Untersuchung des Beinamens den Autor als individuellen Universalgelehrten ermitteln, da kritikós im dritten Jahrhundert eine berufsmäßige Geisteshaltung repräsentierte.

Diese Deutung gilt heute allgemein als angenommen, wobei die Einordnung in das geistige Umfeld des Peripatos keinen Bruch erfuhr. Zudem konnte H. BLOCH Herakleides Lembos eindeutig als Exzerptor der aristotelischen Politien ermitteln. Bis heute ist mit der letzten Edition des Herakleides Lembos durch M. POLITO dieses Ergebnis akzeptiert.

1.2.2 Die geschichtliche Einordnung

In der Einleitung zu J. HUDSONs Ausgabe im Jahr 1703 setzte sich erstmals H. DODWELL mit der Datierung der Schrift auseinander und verortete ihre Entstehung ins Jahr 308 v. Chr.30 Ab dem 19. Jahrhundert wurde dann allerdings gemutmaßt, dass die Periegese im zweiten Jahrhundert v. Chr. abgefasst worden sei. Die Forschungskontroverse spiegelt sich vor allem in den Interpretationen von G.F. UNGER und E. FABRICIUS wider.

Ersterer vermutete aufgrund der für Theben von Herakleides geschilderten Rechtszustände die Schrift in römischer Zeit. Dieser Annahme folgte anfangs ebenso F. SUSEMIHL, revidierte sie jedoch, da E. FABRICIUS überzeugend auf die makedonische Piräusbesetzung verwies und hiermit eine Abfassungszeit in der Mitte des dritten Jahrhunderts begründen konnte.

F. PFISTER akzeptierte zwar die Verortung ins dritte Jahrhundert, unterließ es aber, die Periegese dahingehend historisch einzuordnen. Selbst H. TREIDLER, der die Pfisteredition rezensierte, schienen E. FABRICIUS’ Argumente nicht mehr präsent gewesen zu sein, da er zwar eine Datierung in die erste Hälfte des dritten Jahrhunderts vorschlug, sie aber mit der „Behaglichkeit der Beschreibung […]" begründete.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort6
Inhalt10
1 Einleitung14
1.1 Forschungsstand16
1.2 Forschungsschwerpunkte20
1.2.1 Herakleides20
1.2.2 Die geschichtliche Einordnung22
1.2.3 Der Perieget23
1.3 Herakleides Kritikos als Quelle25
1.4 Ziel der vorliegenden Interpretation28
2 Der Autor und sein Hintergrund30
2.1 Dikaiarchos32
2.2 Herakleides Kritikos35
2.3 Der Peripatos39
2.3.1 Herakleides Lembos39
2.3.2 Das Lykeion42
2.3.3 Thessalien47
2.4 Ergebnis49
3 Die geschichtliche Einordnung50
3.1 Einführung50
3.1.1 Die Datierungsansätze der früheren Forschung52
3.1.2 Die55
3.2 Die Beschreibung Athens57
3.2.1 Das Stadtbild57
3.2.2 Das Leben in Athen58
3.2.3 Die wirtschaftliche Situation62
3.3 Athen während der Besetzungszeit des Piräus66
3.3.1 Die Kontinuität der Piräusbesetzung von 287 bis 22966
3.3.2 Die 90er Jahre68
3.3.3 Die 80er und 70er Jahre71
3.3.4 Plataiai76
3.3.5 Oropos78
3.4 Die Situation nach der Niederlage 26181
3.5 Ergebnis84
4 Textüberlieferung85
4.1 Die Überlieferungszweige86
4.2 Fragment I und III88
4.2.1 Paris Suppl. 44388
4.2.2 Monac. 56691
4.2.3 Vat. Pal.93
4.3 Fragment II96
4.3.1 Paris 57196
4.3.2 Cod. Gudianus98
4.4 Ergebnis100
4.5 Stemma101
5102
5.1 Testimonien102
5.2 Fragmente I bis III104
5.2.1 Fragment I104
5.2.2 Fragment II112
5.2.3 Fragment III115
5.3 Zweifelhaftes117
5.4 Übersetzung118
5.4.1 Testimonien118
5.5 Fragmente I bis III120
5.5.1 Fragment I120
5.5.2 Fragment II126
5.5.3 Fragment III128
5.6 Zweifelhaftes130
6 Interpretation131
6.1 Einführung131
6.1.1 Der Bios Hellados131
6.1.2 Die Gattungsfrage132
6.1.3 Die Periegese134
6.2 Die Periegese des Herakleides Kritikos138
6.2.1 Erzählstruktur138
6.2.2 Topographie139
6.2.3 Klima143
6.2.4 Kult und Mythos144
6.3 Durch Boiotien nach Euboia146
6.3.1 Oropos146
6.3.2 Tanagra148
6.3.3 Theben149
6.3.4 Anthedon152
6.3.5 Chalkis153
6.4 ‚Politik’ im ersten Fragment156
6.4.1 Oropos157
6.4.2 Plataiai158
6.4.3 Theben159
6.4.4 Chalkis160
6.5 Hellas und Thessalien163
6.5.1 Einführung163
6.5.2 Hellas, Stadt und Ursprungsland164
6.5.3 Die Genealogie der Hellenen166
6.5.4 Die Sprache der Hellenen167
6.5.5 Die Geographie von Hellas170
6.5.6 Hellenische Identitäten172
6.6 Ergebnis175
7 Kommentar178
7.1 Fragment I178
7.2 Fragment II217
7.3 Fragment III224
8 Quellenregister232
8.1 Literarische Quellen232
8.2 Inschriften238
9 Kartenanhang240
9.1 Attika, Boiotien, Euboia, Thessalien bis zum Peneios240
9.2 Phthiotis, Thessalien, Athos241
10 Literatur242
10.1 Textausgaben in chronologischer Ordnung242
10.2 Teileditionen und Übersetzungen in alphabetischer Ordnung245
10.3 Sekundärliteratur247
10.4 Abkürzungen der verwendeten Fragmentsammlungen277
10.5 Anmerkungen zur Zitierweise und Gestaltung277

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