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E-Book

Herausforderung Fußballtrainer. Den Nachwuchs richtig führen und fördern

AutorJoachim Schwarz, Jürgen Uitz, Rexhep Kushutani
VerlagScience Factory
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl237 Seiten
ISBN9783656928744
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,99 EUR
Was macht einen guten Fußball-Nachwuchstrainer aus? Einerseits muss er durch klare Führung und Teambuilding die Mannschaft zu einer erfolgreichen Einheit zusammenschweißen und andererseits soll er als Pädagoge die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen fördern. Dabei die richtige Balance zu finden, ist nicht immer einfach. Dieses Buch zeigt auf, welche Fähigkeiten ein Trainer mitbringen muss, wie er den richtigen Führungsstil für seine Mannschaft findet und wie er das Training nachwuchsgerecht gestaltet. Dabei wird auch ein Blick auf die Football Academy Germany geworfen. Aus dem Inhalt: Was macht einen guten Trainer aus? Führungsstile und deren Auswirkungen auf die Entwicklung von Fußballspielern im Nachwuchsbereich Pädagogische Aspekte der Trainingsgestaltung im Kinderfußball

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Leseprobe

4. Training


Inhalt, Planung und Umsetzung von Trainingseinheiten verfolgt immer den Zweck, die Leistungsfähigkeit der Spieler zu erhöhen und sie optimal auf den sportlichen Wettkampf vorzubereiten. Dieser Prozess läuft in verschiedenen Schritten ab, die auf feststehenden Trainingsprinzipien basieren. „Wesentliche Charakteristika sind [dabei] Belastungs-, Beanspruchungs- und Anpassungsvorgänge, mentale und sportmotorische Lehr- und Lernvorgänge sowie trainingsmethodische, pädagogische und pädagogisch-didaktische Vorgehensweisen.“[84]

4.1 Trainingsinhalt


Der Inhalt einer Trainingseinheit orientiert sich immer am realen Spielgeschehen, ist also ein Spiegel dessen, was in einem Wettkampf abläuft. Der Handlungsablauf stimmt in seinem Grundmuster also mit der tatsächlichen Spielsituation überein und nähert sich im Verlaufe des Trainings immer weiter an diesen an. Je mehr sich eine Trainingsübung am Spielgeschehen orientiert, desto nachvollziehbarer wird sie für die Spieler sein. Aufwärm-, Haupt- und Schlussteil bauen dabei aufeinander auf und konzentrieren sich auf das gewünschte Lernziel. Einen Trainingsschwerpunkt, z.B. „1:1 frontal zum Tor“, sollte isoliert trainiert, aber am Spielgeschehen orientiert sein. Spielfremde Elemente wie das Verbot eines Torabschlusses in einem bestimmten Raum oder ein erzwungenes Ballhalten für mindestens 15 Sekunden haben bei diesem Trainingsschwerpunkt nichts verloren. Isolierte Schwerpunkte erlauben es, gezielter zu trainieren, d.h. Handlungsablauf, Handlungsalternativen und Fehler können dem Spieler besser aufgezeigt werden. Die im Vergleich zum Wettkampf erhöhte Wiederholungszahl beschleunigt den Lernprozess und die Automatisierung der Bewegung setzt schneller ein.[85]

4.2 Trainingsplanung


Jedes Training bedarf einer gründlichen Planung. Viele Trainer unterschätzen den zeitlichen Aufwand, der hinter dem Aufbau einer Trainingseinheit steckt. „Die Konsequenz ist häufig ein Training aus dem Bauch heraus. Im Extremfall überlegt sich mancher Übungsleiter noch auf dem Weg von der Umkleidekabine zum Platz den Auftakt des aktuellen Trainings. (…) [So wird er] nicht vermeiden können, dass sein Training unsystematisches Stückwerk und damit langfristig kaum effektiv bleibt.“[86]

Zweck eines Trainings: Eine gute Trainingsplanung hilft, einzelne Trainingsprozesse nachvollziehbar zu strukturieren und zu verknüpfen und „das Training in seinen Abläufen und Wirkungen zu kontrollieren.“[87] Dabei ist es wichtig, einen für den Spieler logischen Bezug zum realen Wettkampf herzustellen, um einen intellektuellen Zugang zu den Trainingsinhalten zu ermöglichen. Der Spieler wird dadurch in die Lage versetzt, wettkampfrelevante Informationen zu speichern und die gewonnenen Eindrücke gewinnbringend einzusetzen. Daher haben stupide Laufeinheiten, gerade im Jugendbereich und im unteren Amateurbereich nichts auf dem Fußballplatz zu suchen, weil der Bezug zum realen Spielgeschehen komplett fehlt.

Etappen: Das Trainingsziel wird mit Hilfe von Zwischenetappen erreicht (Aufwärmen, Hauptteil, Schlussteil). Je nach Inhalt wird eine geeignete Methode zur Umsetzung des Ziels angewendet. „Generell haben alle drei Teile zur Realisierung der Aufgabenstellung für die Trainingseinheit beizutragen.“[88] Der Erfolg einer Trainingseinheit sollte am Ende messbar sein, also Rückschlüsse über Erreichen oder Verfehlen des Trainingsziels zulassen.[89]

Alter: Das Alter der zu trainierenden Mannschaft spielt eine entscheidende Rolle für die Trainingsplanung. Neben unterschiedlichen Schwerpunkten, geht es, vor allem im Jugendbereich, noch um die Vermittlung von Normen und Werten innerhalb des sportlichen Umfelds. Der Spieler wird in körperlicher und charakterlicher Hinsicht gefördert. FairPlay, Umgangston und Teamfähigkeit spielen dabei eine wichtige Rolle. Der Trainer übernimmt im Jugendbereich die Funktion des Ausbilders und des Erziehers in gleichem Maße.

Planung: Die folgende Übersicht lässt sich auf jedes gängige Training übertragen. Sie soll helfen, Trainingseinheiten zügig, aber zielorientiert aufzubauen.

·        Vorüberlegung: Bevor ein Trainer einen Schwerpunkt festlegen kann, muss er sich erst Gedanken über den Ist-Zustand der Mannschaft machen.

·        Welches Leistungsniveau hat das Team?

·        Wie viele Spieler stehen für die heutige Trainingseinheit zur Verfügung?

·        Welche Platzverhältnisse sind gegeben (Größe und Beschaffenheit des Platzes)?

·        Welche Phase der Saison ist gerade (Vorbereitung, Wettkampfphase, Saisonausklang)?[90]

·        Wie stark kann ich die Spieler belasten? Ist es ein Training mitten in der Woche oder das Abschlusstraining vor dem Wettkampf?

·        Schwerpunktlegung: Im nächsten Schritt wird der Trainingsschwerpunkt festgelegt. Dieser orientiert sich an den Stärken und Schwächen des Teams und nach den Lehren, die man aus den letzten Wettkämpfen gezogen hat. Ist der Schwerpunkt festgelegt, geht es um die Frage der Konzipierung:

·        Wie integriere ich den Schwerpunkt in Aufwärm-, Haupt- und Schlussteil?

·        Welche technischen und taktischen Elemente des Schwerpunkts sind bereits bekannt?

·        Wie baue ich die Übung auf, ohne, dass Über- bzw. Unterforderung entsteht? Hier sollte das Prinzip „Vom Leichten zum Schweren“ gelten, mit Hilfe dessen der Anspruch je nach Bedarf gesteigert werden kann.

·        Wie garantiere ich eine ausreichende Wiederholungszahl für jeden einzelnen Spieler?

·        Umsetzung:

·        Welche und wie viele Materialien (Bälle, Hütchen, Leibchen, Stangen, Tore) benötige ich?

·        Wie organisiere ich den Aufbau, um zwischen den einzelnen Übungen lange Umbauphasen und Pausen zu verhindern?

·        Wie kann ich den Übungsaufbau korrigieren, wenn die Übung zu schwer oder zu leicht ist? Hier muss der Trainer flexibel auf die gegebenen Umstände reagieren können. Vergleiche dazu den Punkt „Steuerungsmöglichkeiten.“

·        Welche Variationsmöglichkeiten gibt es, um die Übung abwechslungsreich zu halten?

·        Welche taktischen Hilfen kann ich den Spielern geben, wenn sie Fehler machen?

·        Nachbereitung:

·        Welche Ursachen haben das Erreichen/Nicht-Erreichen des Trainingsziels verursacht bzw. begünstigt?

·        Waren Inhalt und Schwierigkeitsgrad der Einheit angemessen?

·        Waren die Spieler motiviert und konzentriert bei der Sache?

·        Welche Schlüsse ergeben sich daraus für nachfolgende Trainingseinheiten?

Viele der genannten Punkte müssen nur zu Anfang berücksichtigt werden und spielen sich mit der Zeit ein. Routine hilft, Abläufe zu beschleunigen. Und je strukturierter eine Trainingseinheit ist, desto reibungsloser läuft sie ab. Die Spieler erkennen Sinn und Zweck des Trainings und arbeiten entsprechend konzentriert. Die Arbeit des Trainers vor dem Training ist also mindestens genauso wichtig wie die Arbeit auf dem Platz.

4.3 Trainingsablauf


Zu Beginn der Trainingseinheit sollten Sie die Spieler zusammenholen und sie über den Ablauf des Trainings informieren. Dabei geht es um das heutige Trainingsziel und wie dieses realisiert werden soll. Die Spieler können sich so mental auf die kommenden Anforderungen einstellen. Die Erläuterungen sollten dabei nicht zu ausführlich sein, da sie die Übung noch einmal später erklären werden und sich die Spieler ohnehin nicht alle Details merken.

Aufwärmen: Die Aufwärmphase ist die womöglich wichtigste Phase des Trainings. Die Spieler werden geistig und körperlich auf die anstehenden Belastungen vorbereitet. Wenn die Spieler bereits im Aufwärmteil zu ungeliebten Laufübungen ohne Ball gezwungen werden, ist es als Trainer ganz schwer, im Hauptteil die erforderliche Motivation und Konzentration zu erzeugen bzw. wieder herzustellen. Werden hingegen die Spieler in der Aufwärmphase...

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