Sie sind hier
E-Book

Implementierung einer Kompetenzspitze versus Einschaltung einer Kreditfabrik im Kreditgeschäft für Privat- und Geschäftskunden

Ein theoretisch-empirischer Systemvergleich

AutorMarco Jetschin
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl192 Seiten
ISBN9783640309481
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis31,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich BWL - Bank, Börse, Versicherung, Note: 1,0, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Veranstaltung: Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Bankmanagement, Sprache: Deutsch, Abstract: Effektiv arbeiten bedeutet, die richtigen Dinge zu tun. Effizient arbeiten hingegen bedeutet, die Dinge richtig zu tun. Im sich weiterhin konsolidierenden deutschen Banken- und Finanzdienstleistungsmarkt liegt ein besonderes Augenmerk auf der effizienten Erfüllung des Tagesgeschäftes. Standardisierung und Spezialisierung sollen dabei eine Konzentration auf Kernkompetenzen fördern, den Kundenfokus in den Vordergrund stellen und zeitliche Freiräume für Vertriebs- und Akquisitionsaktivitäten schaffen. Besonders das Kreditgeschäft mit kleinen und mittleren Kunden ist dabei durch ein im Verhältnis zum Ertrag hohes Niveau an Administration, und damit an Aufwand, verbunden. Der Weg vom Kreditantrag über die Prüfung und die abschließende Entscheidung, die korrekte Sicherheitenstellung, die Auszahlung des Kreditbetrages bis hin zur Rückzahlung - im Regelfall erst Jahre später - ist umsäumt von gesetzlichen Regulierungen, selbst auferlegten Richtlinien und Prinzipien. Nicht zuletzt wirken darüber hinaus wirtschaftliche und andere Variablen auf die Beteiligten ein, die einmalig oder dauerhaft auf das Kreditengagement Einfluss haben. Diese Einflussfaktoren, und speziell die Ungewissheit ihres Auftretens, machen das Kreditgeschäft von Finanzdienstleistern zu einem komplexen Geschäftsfeld. Durch kleinere Losgrößen bei kleineren und mittelgroßen Kreditkunden erhöht sich hierbei als logische Konsequenz tendenziell der relative Aufwand für das kreditgebende Institut je Kunde. Mögliche Antworten auf die oben beschriebenen Hindernisse sind in der Spezialisierung und Standardisierung von Geschäftsprozessen zu suchen. Bestimmte Dienstleistungen in der Wertschöpfungskette der Kreditinstitute lassen sich heute auf Grund der fortgeschrittenen Technisierung recht einfach standardisieren.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

2  Grundlagen der Kreditgeschäftsprozesse


 

In den folgenden Abschnitten wird der theoretische Bezugsrahmen des Themas gezeichnet. Beginnend mit den Abgrenzungen und Definitionen der in dieser Arbeit verwendeten Begriffe wird der Grundstein zum Verständnis des Themas gelegt. Darauf aufbauend erfolgt eine Skizzierung der Kreditvergabe und ihrer Besonderheiten im deutschen Bankensystem.

 

2.1  Begriffsabgrenzungen


 

Zur sinnvollen Behandlung des Themas ist es notwendig, bestimmte für die Ausarbeitung essenzielle Begriffe für die weitere Nutzung im Rahmen der Arbeit zu definieren und näher zu erläutern. Die Problemstellung des Themas umfasst den Komplex Kreditgeschäft von Privat- und Geschäftskunden, wobei diese Begriffe in Theorie und Praxis durchaus unterschiedlich interpretiert oder ausgelegt werden. So stellt sich die Frage, welche Produktgruppen das zu betrachtende Kreditgeschäft umfasst und wer als Privat- oder Geschäftskunde zu betrachten ist bzw. welche Merkmale Ausschlusskriterien hierfür bilden.

 

Darüber hinaus sind die Begriffe Kompetenzspitze und Kreditfabrik in der Literatur und Praxis unterschiedlich belegt. Beide müssen ihre organisatorische Abgrenzung auf Basis ihrer Aufgabenfelder und ihrer Einbettung in die Gesamtorganisation erfahren.

 

2.1.1  Zum Kreditgeschäft in Banken


 

Als Kreditgeschäft wird in der Literatur die Geld- oder Kreditleihe zwischen natürlichen oder juristischen Personen verstanden.[2] Dabei unterscheidet man die Kreditgewährung in Geld (Geldleihe) von dem zur Verfügung stellen der eigenen Kreditwürdigkeit im Rahmen der Kreditleihe[3]. Hierbei verpflichtet sich der Kreditgeber, dann Zahlung zu leisten, wenn der Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen o.ä. aus einem anderen Grundgeschäft gegenüber einem Dritten nicht nachkommt.

 

Ein wesentliches Merkmal der Geldleihe ist die Rückzahlung der geliehenen Beträge in Teilbeträgen bzw. am Ende der Laufzeit inkl. Zinsen (und eventuellen Gebühren). Bei der Kreditleihe wird das Bürgschaftsverhältnis zu einem vorher fixierten Termin oder bei einem benannten Ereignis beendet Der Kreditnehmer zahlt für die Bereitstellung eine Provision und gegebenenfalls weitere Gebühren.

 

Zwischen Kreditgeber und -nehmer wird regelmäßig die Stellung von Sicherheiten vereinbart. Diese werden, vereinfacht gesagt, zur Sicherung eines Kreditausfalles verwendet, wenn der Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen aus den Darlehensverbindlichkeiten nicht mehr nachkommt.[4]

 

Im Allgemeinen wird das Kreditgeschäft auch als Motor der Wirtschaft gesehen. Grund hierfür ist, dass Zahlungsausgänge und Zahlungseingänge bei Wirtschaftssubjekten oftmals zeitlich auseinander fallen und in ihrer Höhe unterschiedlich sind. Die Kreditwirtschaft stellt hier Mittel zur Verfügung, um diese Finanzierungslücken zu überbrücken.[5]

 

2.1.2  Kundengruppen im Kreditgeschäft


 

Eine Differenzierung der Kundengruppen im Kreditgeschäft ist sowohl unter marketingtechnischen Aspekten als auch vor dem Hintergrund organisationspolitischer Fragen notwendig und sinnvoll.[6] Dabei soll in den folgenden Abschnitten weniger der Fokus auf der Darstellung von Kundengruppen als Zielgruppen des Marketing liegen, sondern das Hauptaugenmerk auf die Klassifizierung von Kunden unter kredit- und organisationspolitischen Gesichtspunkten gerichtet sein.

 

Beide Sichtweisen ähneln einander, weisen allerdings unterschiedlich ausgeprägte Schwerpunkte in ihrer Betrachtungsweise des Kunden auf. Während die Zielgruppensicht des Marketing sich eher damit beschäftigt, Kundengruppen zu definieren die möglichst homogen in ihren Bedürfnissen sind[7], um im Ergebnis mit einem darauf abgestimmten Marketinginstrument bzw. Marketingkonzept den höchstmöglichen Erfolg bei der gewünschten Zielgruppe zu erreichen (Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen zur Steigerung des Marktanteils), sollen die im Folgenden zu definierenden Kundengruppen eher unter Organisationsaspekten gebildet werden. Ziel ist es, Gruppen zu schaffen, deren Kreditwünsche möglichst gleichartig entschieden und be- bzw. verarbeitet werden können. Dass diese Kunden damit zumeist auch unter Marketingaspekten homogene Gruppen bilden, ergibt sich als Folge, ist jedoch in dieser Betrachtung vorerst nur sekundär. In der Praxis werden innerhalb der Kundengruppen naturgemäß Zielgruppen unter Marketinggesichtspunkten segmentiert, um eine optimale Betreuung zu gewährleisten.[8]

 

Folgende Merkmale und deren Ausprägungen erfahren dabei besondere Beachtung:

 

 

Abbildung 1: Mögliche Merkmale zur Klassifizierung von Kundengruppen im Kreditgeschäft (beispielhafte Auflistung)

 

Besonders in der finanzwirtschaftlichen Basisliteratur findet die Klassifizierung der Kundengruppen ausschließlich auf Ebene der Rechtsnatur (Natürliche Personen und verschiedene Ausprägungen Juristischer Personen) statt.[9] Diese Betrachtung ist für die Problemstellung dieser Arbeit nicht zweckmäßig, da sie für das praktische Kreditgeschäft in seiner prozessualen Ausrichtung nicht zutreffend ist. Sie wird daher nicht angewandt. Stattdessen werden die in der Praxis üblichen Kundengruppendefinitionen in den nächsten Abschnitten erläutert.

 

2.1.2.1  Wirtschaftlich unselbständige Kunden

 

Im Segment der wirtschaftlich unselbständigen Kunden finden sich im Rahmen dieser Arbeit grundsätzlich natürliche Personen[10] wieder, die hauptsächlich Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit[11] beziehen. Im Folgenden wird daher der Begriff Privatkunde verwendet.

 

Obwohl man in der Praxis von einer einfachen Identifikation eines Privatkunden ausgehen kann, ergeben sich gerade durch die obige Definition immer wieder Grenzfälle. So treten erste Definitionsprobleme auf, wenn man den Mindestanteil der Einkünfte aus nichtsselbständiger Arbeit definieren will, falls ein Kreditnehmer sein Einkommen aus mehreren Quellen bezieht. Hierbei geht man von einem Grenzwert von 50% aus.

 

Weitere Probleme treten zum Beispiel bei Empfängern von Abgeordnetendiäten auf, da diese sonstige Einkünfte nach dem Einkommensteuergesetz (§ 22 Satz 4 EStG) darstellen. Außerdem ist fraglich, inwieweit das Geschäftsführergehalt eines geschäftsführenden Allein- oder Mehrheitsgesellschafters einer GmbH oder AG Einkünfte aus unselbständiger Arbeit im praktischen Sinne darstellen - es sollen schließlich Privatkunden in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis identifiziert werden.

 

Um Problemen wie diesen zu begegnen, wird auf eine pragmatische Sichtweise bezüglich der Einkünfte aus unselbständiger Arbeit verwiesen. Eine Negativdefinition scheint hier eher angebracht als die steuerrechtlich verankerte. So werden solche Einkünfte nicht als aus unselbständiger Arbeit resultierende betrachtet, die aus selbständiger und eigenverantwortlicher Tätigkeit erwachsen. So sind Bundestagsabgeordnete - sofern sie zusätzlich zu ihrem Mandat keiner selbständigen oder freiberuflichen Tätigkeit nachgehen - sehr wohl Privatkunden. Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft die gleichzeitig Mehrheitsgesellschafter dieser sind, sind es jedoch nicht. Ihr Einkommen hängt maßgeblich von der wirtschaftlich selbständigen Tätigkeit der mit ihnen verbundenen Unternehmung ab.

 

Der Kreditbedarf von Privatkunden liegt zumeist bei Baufinanzierungen für selbst genutzte oder vermietete Immobilien, Konsumentenkrediten (z.B. PKW-Finanzie-rung) oder Dispositionskrediten auf Girokonten.[12] Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass der Kreditbedarf eines Privatkunden im Verhältnis zu dem eines Kunden der anderen Gruppen zumeist relativ gering ist.

 

2.1.2.2  Wirtschaftlich selbständige Kunden

 

Der Ausdruck wirtschaftlich selbständige Kunden ist als abgrenzendes Kriterium gegenüber wirtschaftlich unselbständigen Kunden gewählt, stellt aber keineswegs eine eigene ausreichend differenzierte Kundengruppe dar. Vielmehr ist er notwendig, um sachlogisch zu den in der Praxis verwendeten unterschiedlich belegten Gruppen der Geschäfts- und Firmenkunden und den öffentlichen Körperschaften zu führen. Notwendig wird dies, da Unternehmen unabhängig von ihrer gesellschaftsrechtlichen Ausgestaltung als Personen- oder Kapitalgesellschaft in der Praxis sowohl der Gruppe der Firmenkunden, aber unter bestimmten Umständen auch der Gruppe der Geschäftskunden zugeordnet werden. Maßgeblich ist hierfür nicht ausschließlich die Gesellschaftsform, sondern zumeist die Größe der Organisation oder deren Umsatzgrößenklasse.

 

Die in dieser Arbeit verwendeten Definitionskriterien werden deshalb in den folgenden Abschnitten dargestellt.

 

2.1.2.2.1  Geschäftskunden

 

Geschäftskunden sind natürliche und...

Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Banken - Versicherungen - Finanzdienstleister

Kapitalmarktkommunikation

E-Book Kapitalmarktkommunikation
Format: PDF

Welche Informationen benötigt die professionelle Finanzgemeinde? Welche Informationsquellen und -medien nutzen Sell- und Buy-Side-Analysten, Fonds- und Portfoliomanager, Wirtschafts- und…

Wertsicherung von Aktienanlagen

E-Book Wertsicherung von Aktienanlagen
Identifizierung und Reduzierung von Absicherungsrisiken alternativer Strategien unter besonderer Berücksichtigung des Renditepotenzials Format: PDF

Wertsicherungsstrategien erlauben eine Begrenzung potenzieller Verluste aus Aktienanlagen bei gleichzeitiger Teilnahme an Kurszuwächsen. In diesem Buch werden die Absicherungsqualität statischer und…

bAV erfolgreich verkaufen

E-Book bAV erfolgreich verkaufen
So überwinden Sie alle Hürden der Entgeltumwandlung Format: PDF

Die Situation der gesetzlichen Rentenversicherung ist bekanntlich katastrophal. Daher ist es unbedingt erforderlich, für das Alter vorzusorgen. Versicherungsvermittler haben das Know-how und die…

Über Geld spricht man ...

E-Book Über Geld spricht man ...
Kommunikationsarbeit und medienvermittelte Arbeitskommunikation im Bankgeschäft Format: PDF

Der Finanzdienstleistungssektor im Wandel Das klassische Filialgeschäft im Banksektor wird in den letzten Jahren zunehmend reduziert zugunsten telefonischer und internetbasierter…

Weitere Zeitschriften

Atalanta

Atalanta

Atalanta ist die Zeitschrift der Deutschen Forschungszentrale für Schmetterlingswanderung. Im Atalanta-Magazin werden Themen behandelt wie Wanderfalterforschung, Systematik, Taxonomie und Ökologie. ...

Card Forum International

Card Forum International

Card Forum International, Magazine for Card Technologies and Applications, is a leading source for information in the field of card-based payment systems, related technologies, and required reading ...

Gastronomie Report

Gastronomie Report

News & Infos für die Gastronomie: Tipps, Trends und Ideen, Produkte aus aller Welt, Innovative Konzepte, Küchentechnik der Zukunft, Service mit Zusatznutzen und vieles mehr. Frech, offensiv, ...

DER PRAKTIKER

DER PRAKTIKER

Technische Fachzeitschrift aus der Praxis für die Praxis in allen Bereichen des Handwerks und der Industrie. “der praktiker“ ist die Fachzeitschrift für alle Bereiche der fügetechnischen ...

dima

dima

Bau und Einsatz von Werkzeugmaschinen für spangebende und spanlose sowie abtragende und umformende Fertigungsverfahren. dima - die maschine - bietet als Fachzeitschrift die Kommunikationsplattform ...

Dr. med. Mabuse

Dr. med. Mabuse

Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe Seit über 40 Jahren sorgt die Zeitschrift Dr. med. Mabuse für einen anderen Blick auf die Gesundheits- und Sozialpolitik. Das Konzept einer Zeitschrift ...

building & automation

building & automation

Das Fachmagazin building & automation bietet dem Elektrohandwerker und Elektroplaner eine umfassende Übersicht über alle Produktneuheiten aus der Gebäudeautomation, der Installationstechnik, dem ...

Euphorion

Euphorion

EUPHORION wurde 1894 gegründet und widmet sich als „Zeitschrift für Literaturgeschichte“ dem gesamten Fachgebiet der deutschen Philologie. Mindestens ein Heft pro Jahrgang ist für die ...