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Indoor-Klettern

Das offizielle Lehrbuch zum DAV-Kletterschein

VerlagBLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl128 Seiten
ISBN9783835461079
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR
In der Halle ist Klettern Ganzjahressport. Kein Wunder, dass es so beliebt ist. Schon ein einziges Kletterzentrum in München hat z.B. über 120.000 Besucher pro Jahr. Aus Sicherheitsgründen verlangen manche Kletterhallen den Nachweis, dass die Trainingswilligen eine Ausbildung absolviert haben: den DAV-Kletterschein, den es seit rund fünf Jahren gibt. Seitdem wurde er bundesweit schon 80.000 mal erteilt. Alles, was für die Prüfungsvorbereitung wichtig ist, zeigt dieses offizielle Lehrbuch des Deutschen Alpenvereins.

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Leseprobe

Klettern macht nur Spaß, wenn man der Ausrüstung vertraut. Wenn man weiß, welche Ausrüstung wofür da ist, wie sie funktioniert und was sie hält. Kein Wunder: Schließlich hängt vom korrekten Funktionieren der Kletterausrüstung das Leben ab.

In diesem Kapitel erfährst du:

  • Welche Grundausrüstung du benötigst.
  • Was die Ausrüstung leistet.
  • Worauf du beim Kauf achten solltest.

Seil

Kletternder und Sichernder sind durch das Seil miteinander verbunden. Fällt der Kletternde, dann hält ihn der Sichernde.

So zumindest sagt es die Theorie. In der Praxis kommen einige Faktoren dazu.

Dynamik und Reißfestigkeit

Damit ein Sturz zwar zuverlässig, aber nicht zu »hart« gehalten wird, sind Kletterseile nicht nur sehr reißfest (ein neues Einfachseil hält ungefähr zwei Tonnen), sondern auch – innerhalb gewisser Grenzen – elastisch. Warum Kletterseile elastisch sein müssen, kann man sich ganz leicht ausmalen: Wären sie starr, müsste der stürzende Kletterer die gesamte Fallenergie in sehr kurzer Zeit und auf eine sehr kurze Strecke aufnehmen – aua! Ein starres Seil vergrößert das Verletzungsrisiko erheblich. Dehnung an sich ist also gut, aber Vorsicht! Zu viel davon (ähnlich einem Bungee-Seil) würde die Sturzstrecke übermäßig verlängern und das Verletzungsrisiko ebenfalls erhöhen. Im Extremfall würde ein Sturz an einem sehr elastischen Seil erst am Boden enden.

Links ein neues Seil, rechts ein abgeriebenes altes.

Das Optimum liegt – wie so oft – in der Mitte. Wie elastisch ein Seil sein darf, regelt die europäische Norm EN 892, indem sie gewisse Elastizitätsgrenzen vorgibt. Darüber hinaus schreibt diese Sicherheitsnorm einige weitere Eigenschaften von Kletterseilen vor. Die wichtigsten Normanforderungen für Einfachseile nach EN 892 sind in der Tabelle auf Seite 13 aufgelistet.

Seilalterung

Kletterseile sind Kern-Mantel-Konstruktionen. Sie bestehen aus einem tragenden Kern und einem diesen Kern umhüllenden Mantel. Der Mantel schützt den Kern vor äußeren Einwirkungen wie Schmutz und Abrieb und hält ihn zusammen. Der Kern besteht aus Faserbündeln aus Polyamidgarn.

Anfangs hat ein neues Seil eine glatte Oberfläche und den vom Hersteller angegebenen Durchmesser.

Mit zunehmendem Gebrauchsalter wird die Oberfläche rau und pelzig, der Seildurchmesser nimmt zu. Mit einem neuen Seil lässt es sich gut sichern, denn die Reibung im Sicherungsgerät ist gering. Nachteil: Zum Halten von Stürzen und zum Ablassen des Kletterpartners braucht man mehr Haltekraft. Umgekehrt erfordern sehr alte und gebrauchte Seile zwar nur geringe Haltekräfte, aber dafür ist das Handling des Sicherungsgeräts schlecht.

Spätestens, wenn das Handling anstrengender ist als das Klettern, sollte man von seinem Seil Abschied nehmen.

Je nach Häufigkeit der Nutzung gibt die Tabelle unten Richtwerte für die Lebensdauer eines Kletterseils. Übrigens sollte ein Seil immer mit einer Schutzhülle im Auto transportiert werden.

Schmelzgefahr!

Ein Nachteil des zur Seilherstellung verwendeten Polyamidgarns ist dessen niedriger Schmelzpunkt. Zwar lässt sich ein ausgefranstes Seilende mit einem scharfen Messer und einem Feuerzeug prima »reparieren«, dafür ist die Toleranz des Polyamids gegenüber Schmelzverbrennung leider äußerst gering. Aufeinander scheuernde Seile bzw. Seile auf Reep- oder Bandmaterial sind ein absolutes NO GO! Es besteht Lebensgefahr!!!

Vor Gebrauch

Besitzern von neuen Seilen sei dringend geraten, diese vor dem ersten Einsatz richtig abzuwickeln! Wer das nicht tut und einfach losklettert, wird sich schnell im Kampf mit einem heillosen Seilchaos wiederfinden. Also wickle dein neues Seil vor dem ersten Einsatz ab.

Korrektes Seilabwickeln vor dem ersten Gebrauch.

Welches Seil ist das richtige?

Beim Klettern in künstlichen Kletteranlagen kommen Einfachseile zum Einsatz. Zu erkennen sind sie an der Banderole am Seilende, auf der die Ziffer »1« kreisförmig eingefasst ist. Länge 60 m! Viel zu lang? Zwei Gedanken führen zu dieser Empfehlung. Zum einen bietet die derzeit höchste Kletterhalle in Deutschland 30 m hohe Routen! Hier ist ein 60-m-Seil zwingend. Außerdem ist ein 60-m-Seil auch im überwiegenden Teil der Sportklettergebiete im Freien ausreichend lang und somit getreu dem Motto »ein Seil für alles« universell einsetzbar.

Die Seilmitte markieren

Die Seilmitte sollte markiert sein. Die Mittelmarkierung zeigt dem Sichernden an, ob das verbleibende Restseil reicht, um den Kletterer ohne Weiteres wieder auf den Boden abzulassen. Sie soll nicht verschiebbar und möglichst dauerhaft angebracht sein (kein Klebeband). Zur eigenhändigen Markierung verwendet man die von einigen Herstellern angebotenen Seilmarkierungsstifte oder Edding 3000. Mit diesen Stiften werden chemische Beschädigungen des Seils vermieden. Für die ersten Schritte ist ein Seil mit mindestens 10 mm Seildurchmesser zu empfehlen – aus zwei Gründen: Erstens erfordert das Sichern mit dünneren Seilen einige Erfahrung. Und zweitens haben dünnere Seile eine geringere Lebensdauer. Sie sind nur für leistungsorientierte Kletterer sinnvoll, denen es bei langen Routen am Fels auf jedes Gramm ankommt.

Transport

Ob am Ende eines Klettertages oder beim Umziehen zu einer anderen Route: Ein Seil sollte transportgerecht verpackt oder aufgenommen werden und zwar so, dass der Start in die nächste Route reibungslos, ohne Knoten und ohne verzwickte Verwicklungen klappt. Dazu wird das Seil einfach (oder von der Mitte her doppelt) mit offenen Schlaufen über die Hand aufgenommen (nicht: kreisförmig!). Zum Schluss wickelst du die drei verbliebenen Seilmeter um die Seilschlaufen und vollendest die »Seilpuppe«. Wichtig ist es, die Wicklungen ordentlich stramm zu ziehen, damit die Konstruktion nicht gleich wieder auseinanderfällt.

Praktisch – ein Seilsack

Eine gute Alternative zum Seilaufnehmen bietet der Seilsack. Aus mehreren Gründen sei die Anschaffung empfohlen:

  • Das Seil ist – ohne langes Herumfummeln – zu jeder Zeit einsatzbereit.
  • Kein lästiges Aufnehmen des Seils.
  • Der Seilsack schützt das Seil vor Verschmutzung und erhöht somit die Lebensdauer. Schmutzpartikel im Seil haben nämlich die unangenehme Eigenschaft, im Kern zu scheuern und den Alterungsprozess erheblich zu beschleunigen.
  • Zu guter Letzt gilt: Wer das freie Seilende während des Kletterns und Sicherns an der am Seilsack dafür vorgesehenen Schlaufe festknotet, ist vor Ablassunfällen über das Seilende hinaus gefeit!

Was macht einen guten Seilsack aus?

  • Der Seilsack sollte in gepacktem Zustand mit ein oder zwei Trageriemen gut zu tragen sein, ohne dabei zu klein auszufallen. Längliche Seilsäcke lassen sich eher unter den Rucksackdeckel klemmen als kugelige Formen.
  • Die Plane des Seilsacks sollte nicht zu glatt (eher rau), nicht zu klein (≥ 80x80 cm) und wasserdicht sein. Zum einen bleibt das Seil dann auch bei mäßigem Gefälle noch auf der Plane liegen, und zum anderen drückt die Feuchtigkeit von unten nicht so rasch durch, das Seil bleibt länger trocken.

Seilaufschießen nach dem Klettern.

Gurt

Ein Klettergurt hat die Aufgabe, die durch den Sturzzug (und das Hängen im Seil) entstehenden Kräfte möglichst günstig auf den Körper zu übertragen. Grundsätzlich gilt: Je breiter die Auflage, desto günstiger die Kraftverteilung. Überbreite Gurte sind allerdings schwer und schränken die Bewegungsfreiheit ein. Den richtigen Kompromiss zwischen Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit muss jeder Kletterer gemäß seinen Ansprüchen selbst finden.

Hüftgurt

Hüftgurte gibt es als verstellbare und nicht verstellbare Modelle. Verstellbare Gurte sind im Einsatz etwas variabler. Sie können in begrenztem Rahmen »wachsen« oder »schrumpfen«, sodass auch noch die Überhose oder der Winterspeck unter den Gurt passen.

Die wichtigsten Elemente zum Anseilen und Sichern.

Für Kletterwesen, die sich von Anfang an auf das Hallen- und Sportklettern am Fels beschränken wollen, ist der unverstellbare Hüftgurt die leichtere und bedienungsfreundlichere Variante.

Zurückschlaufen nicht vergessen!

Einige Gurtverschlusssysteme müssen für die korrekte Anwendung zurückgeschlauft werden. Entsprechende Warnhinweise auf den Gurtschließen sollten darauf aufmerksam machen. Bei Hüftgurten mit Verschlussschnallen an den Beinschlaufen ist sorgsam darauf zu achten, dass diese korrekt auf der Außenseite der Oberschenkel zum Liegen kommen. Werden die Schnallen aus Versehen auf die Innenseite verdreht und geschlossen, kann das bei Belastung zu unangenehmen Druckstellen im Weichteilbereich führen.

An den Materialschlaufen werden Expressschlingen eingehängt.

Passform

Das Wichtigste beim Kauf eines Gurts ist die Passform. Sind die Beinschlaufen zu...

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