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Industriegesellschaft und Kulturtransfer

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen im 20. Jahrhundert. EBook

AutorVolker Berghahn
VerlagVandenhoeck & Ruprecht
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl314 Seiten
ISBN9783647370132
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis49,99 EUR
Der erste Teil des Bandes enthält vier Essays zur Entwicklung der deutschen Wirtschafts- und Unternehmenshistoriographie im 20. Jahrhundert und deren Beeinflussung durch ausländische wissenschaftliche Strömungen. Im zweiten Teil geht es um die Wandlungen, die das deutsche Industriesystem über die beiden Weltkriege hinweg durchmachte, während es zugleich zunehmend unter den ökonomischen Anpassungsdruck der Hegemonialmacht Amerika und deren Wirtschaftskultur geriet. Der dritte Teil verschiebt die Analyse stärker auf die gesellschaftlichen Entwicklungen im Europa des 20. Jahrhunderts und fragt nach der Rolle, die die amerikanischen Sozialwissenschaften und die großen amerikanischen Stiftungen dabei spielten.

Dr. Volker Berghahn ist seit 1998 Professor für Geschichte an der Columbia University in New York. Er hat zahlreiche Bücher zur deutschen Geschichte und zu den amerikanisch-europäischen Beziehungen im 20. Jahrhundert veröffentlicht.

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Leseprobe
Teil B: Struktur und Evolution des deutschen Industriesystems und dessen „Amerikanisierung“ nach 1945 (S. 72-74)

4. Deutsche Industrie und der Drang nach einer wirtschaftlichen Neuordnung Europas 1900–1950

A. Einleitung


Betrachtet man die Strategien der deutschen Industrie von der Jahrhundertwende bis in die 1990er Jahre, so stößt man auf eine Ironie der Geschichte: Zweimal während dieser Jahrzehnte unterstützten maßgebliche Teile der Unternehmer und Manager des Landes die Errichtung eines formal empire, d. h. eines Imperiums, das durch militärische Eroberung erworben und durch eine direkte Präsenz von deutschen Truppen und Bürokraten verwaltet werden sollte.

Beide Male, 1918 und erneut 1945, endeten diese Versuche in katastrophalen Niederlagen, die das zweite Mal sogar zur Teilung des Landes führten. Doch mit dem Zusammenbruch des Sowjetblocks und der Wiedervereinigung gewann Deutschland nicht nur seinen einstigen territorialen Umfang weitgehend zurück, sondern wurde auch zu einem informal empire, d. h. seine Wirtschaft erlangte nur durch indirekte friedliche Penetration der inzwischen entstandenen Europäischen Union eine Hegemonialstellung ohne Besatzungstruppen und Verwaltungen – und ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben.

So sehr dieser Vergleich einen 1918 oder 1945 kaum fürmöglich gehaltenen Wandel in den Beziehungen der Europäer untereinander zeigt, in Bezug auf die Stellung Deutschlands in dieser Region und in der Welt ist er nicht weniger frappierend. Es war eine Stellung, von der – wie sogleich zu zeigen sein wird – eine andere Fraktion unter den deutschen Unternehmern, die den gleichzeitigen Bestrebungen nach einem formal empire skeptisch gegenüberstanden, schon vor 1914 geträumt hatte.

Die Erinnerung an die beiden Weltkriege ließ viele Europäer 1989/90 fürchten, man kehre zur Situation von vor hundert Jahren zurück, und sie stemmten sich daher gegen die Wiedervereinigung. In Frankreich gab es damals eine große Debatte über die „deutsche Frage“, mit der man sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder auseinandergesetzt hatte.

In England war der Widerstand nicht weniger groß. Nicholas Ridley, der konservative Minister für Handel und Industrie, meinte, dass ein wiedervereinigtes Deutschland innerhalb eines größeren Europas strategische Ziele verfolgen werde, die ihn an die des Dritten Reiches erinnerten. Premierministerin Margaret Thatcher versammelte in Chequers gar eine Reihe von Deutschlandexperten und renommierten britischen und amerikanischen Historikern, um mit ihnen die Frage zu diskutieren, ob ein wiedervereinigtes Deutschland sich wirklich von dem alten der Zeit vor 1945 unterscheiden werde.
Inhaltsverzeichnis
Cover1
Title Page4
Copyright
5
Table of Contents
6
Body
10
Einleitung10
Teil A: Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte und die Integration des Kulturellen20
1. Zur Geschichtsschreibung über die deutsche Industrie im Dritten Reich22
2. Elitenforschung und Unternehmensgeschichte – Rückblick und Ausblick38
3. Ausländische Einflüsse auf die deutsche Sozial- und Wirtschaftsgeschichte50
A. Einleitung50
B. Ausländische Einflüsse auf die deutsche Wirtschaftsgeschichte als Geschichte51
C. Ausländische Einflüsse auf die deutsche Sozialgeschichte als Geschichte55
D. Ausländische Einflüsse auf die Geschichtsschreibung zur deutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte57
E. Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in Deutschland: Einige für die Zukunft gedachte Überlegungen66
Teil B: Struktur und Evolution des deutschen Industriesystems und dessen „Amerikanisierung“ nach 194572
4. Deutsche Industrie und der Drang nach einer wirtschaftlichen Neuordnung Europas 1900– 195074
A. Einleitung74
B. Konflikte im deutschen Kaiserreich vor 1914: Formelle oder informelle Herrschaft?78
C. Weltkrieg und territoriale Expansion83
D. Die Revisionismusdebatte in der Weimarer Republik86
E. Die Diskussion um die Etablierung einer Großraumwirtschaft .89
5. Zirkulation und Solidarität der westdeutschen Industrieeliten96
6. Unternehmer in der frühen Bundesrepublik: Selbstverständnis und politischer Einfluss in der Marktwirtschaft120
7. Die versunkene Welt der Bergassessoren136
8. Otto A. Friedrich: Politischer Unternehmer aus der Gummiindustrie und das amerikanische Modell144
A. Einleitung144
B. Jugend und berufliche Prägung146
C. Rohstoffmanager in der NS-Zeit148
D. Abkehr vom Kartelldenken154
E. Außenwirtschaftliche Umorientierung158
F. Neuordnung der industriellen Beziehungen161
9. Wiederaufbau und Umbau der westdeutschen Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg168
10. Fordismus und westdeutsche Industriekultur 1945 –1989188
A. Einleitung188
B. Unterschiede amerikanischer und deutscher Industrieorganisation im 20. Jahrhundert191
C. Der Umbau des westdeutschen Industriesystems nach 1945 . .195
D. Die amerikanische Einflussnahme auf die westdeutsche Industriekultur200
11. Ludwig Erhard und die Amerikanisierung der westdeutschen Industrie204
A. „Die Amerikanisierung der Welt“204
B. Erhard und Amerika: Produktionssphäre und Marktorganisation205
C. Erhard und Amerika: Der Übergang zum fordistischen Konsumkapitalismus208
12. Amerika und die Gestaltung der Montanunion214
Teil C: Amerikanische Stiftungen, „Massenkultur“ und transatlantische Netzwerke 1918– 2000232
13. Europäischer Elitismus, amerikanisches Geld und Populärkultur .234
14. Zur Soziologie der deutsch-amerikanischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Netzwerke von Shepard Stone248
A. Einleitung248
B. Shepard Stone und der Aufbau eines transatlantischen Netzwerkes250
C. Die Organisation einer Atlantischen Kulturgemeinschaft257
15. Das Jahr 1956, die Ford-Stiftung und Amerikas Kalter Kulturkrieg in Osteuropa264
A. Einleitung264
B. Der Kalte Kulturkrieg264
C. Die Revolutionen in Polen und Ungarn 1956272
D. Die langfristigen Folgen276
Dank278
Anmerkungen280
Abkürzungen306
Literaturnachweis308
Personenregister310

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