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Inklusion und Exklusion im Kontext prekärer Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen

Biografische Portraits

AutorKirsten Puhr
VerlagVS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl196 Seiten
ISBN9783531918242
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis40,00 EUR


Dr. Kirsten Puhr ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Lernbehindertenpädagogik am Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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Leseprobe
5 Exklusion aus dem Arbeitsmarkt als soziale Ausgrenzung (S. 85-86)

Unter dem Titel ‚Zwischen drinnen und draußen’ stellen Büchel u.a. Fragen ‚gesellschaftlicher Exklusion’ und ‚latenter Abstiegsrisiken’ im Zusammenhang mit prekären Arbeitsmarktchancen (vgl. Büchel 2000: 7). Untersuchungen zur ‚gesellschaftlichen Exklusion’ werden hier mit Blick auf Arbeitslosigkeit und Armut angekündigt: „Inwiefern bildet sich am unteren Rand der Gesellschaft eine wachsende Anzahl von Personen heraus, die langfristig nicht in der Lage ist, ein eigenes Einkommen oberhalb der Armutsschwelle zu erwirtschaften, und damit permanent von materieller Not bedroht bleibt" (ebd.)?

Forschungen zu ‚latenten Abstiegsrisiken’ richten sich auf Bedrohungen durch „Arbeitslosigkeit, Niedrigeinkommen, Armut und ihre weiteren Folgen" (ebd.). Thematisiert werden Lebenssituationen sowohl von Menschen, die langfristig ohne Erwerbsarbeit leben als auch von Menschen mit unsicherer Erwerbsarbeit. Sie alle leben in dieser Gesellschaft, nicht ‚draußen’ und scheinen doch sozial ausgegrenzt ‚zwischen drinnen und draußen’ (vgl. ebd.) bzw. von Ausgrenzung bedroht.

Zu dieser Bedrohung setzen sich Menschen in unterschiedlichster Weise ins Verhältnis. Idealtypisch könnte man unterscheiden zwischen Lebensgestaltungen, die trotz prekärer Arbeitsmarktchancen gekennzeichnet sind vom andauernden Bemühen um Erwerbsarbeit und solchen, in denen Erwerbsarbeit nicht mehr das selbstverständliche und alternativlose Sinnzentrum darstellt. In beiden Fällen scheinen eingeschränkte individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, niedrige Einkommen sowie unsichere Perspektiven ebenso zum Lebensalltag zu gehören wie Auseinandersetzungen mit beschränkten Teilhaberechten und verwehrter sozialer Anerkennung.

Diese Kriterien sozialer Bedrohung und Ausgrenzung werden im Zentrum der folgenden Ausführungen stehen. Die Selbstverständlichkeit des Zusammenhangs von Teilhabe an Erwerbsarbeit und sozialer Inklusion müsste in Frage gestellt werden, wenn man erschwerte Inklusion in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nicht nur als ein individuelles, sondern als ein strukturelles Problem einer Gesellschaft betrachtet, in der „der technische Fortschritt in allen Wirtschaftsektoren – in der Landwirtschaft, in der Industrie und im Dienstleistungsbereich – Millionen von Menschen arbeitslos" macht (Rifkin 1996: 12).

Vollbeschäftigung gilt zwar als wirtschaftspolitisches Ziel, ist historisch aber eher eine gesellschaftliche Ausnahme und realistisch nicht zu erwarten in ‚einer automatisierten Welt in der der Marktwert menschlicher Arbeitskraft zusehends überflüssig wird’ (vgl. ebd. 13). Vor diesem Hintergrund formuliert Engler die These: ‚Die Vorstellung, jeder könne ein Leben auf Erwerbsarbeit aufbauen, ist anachronistisch geworden’ (vgl. Engler 2005: 113). Sie bildet den Rahmen der Ausführungen der beiden letzten Kapitel dieses Bandes. Ausgehend von dieser These wäre nach Möglichkeiten sozialer Teilhabe angesichts prekärer Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen zu fragen.

In diesem Kapitel sollen Auseinandersetzungen mit der Exklusionsproblematik nachvollzogen werden, in denen trotz Mehrdimensionalität davon ausgegangen wird, dass Exklusion aus dem Arbeitsmarkt als soziale Ausgrenzung verstanden werden kann. Die hier vorgestellten biografischen Portraits ‚Jörg’ und ‚Beate’ zeigen beispielhaft wie rechtliche und institutionelle Bindungen an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in ganz unterschiedlichen Lebenskontexten zu Bedingungen für soziale Ausgrenzungen werden können. Im Kapitel 6 werden Versuche einer Gegenposition vorgestellt, mit denen die Zuschreibung sozialer Teilhabe trotz Exklusion aus dem Arbeitsmarkt möglich scheint. Die dort integrierten Portraits sollen exemplarisch verdeutlichen, wie Exklusion aus anerkannter Erwerbsarbeit zu neuen Formen sozialer Teilhabe führen kann.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Vorwort8
1 Inklusion und Exklusion als Formen sozialer Ordnung12
2 Methodischer Zugang zu den biografischen Portraits18
3 Zum Zusammenhang von beruflicher und sozialer Inklusion28
3.1 Doris: Ich wär gern weiter gegangen. Aber als Lb-Kind darf man nur Hauptschulabschluss machen bei uns.30
3.2 Daniel: Ich hoffe, ich krieg Arbeit. Sonst kann ich mir nischt andres vorstellen eigentlich.43
4 Jugendliche mit schlechteren Startchancen56
4.1 Vera: Das wurde dann nachher alles zuviel für mich.60
4.2 Hajo: Mensch komm mit m Arsch an de Wand! Mach einfach was! Egal was.73
5 Exklusion aus dem Arbeitsmarkt als soziale Ausgrenzung86
5.1 Jörg: Ich kann zwei Jahre mit Jugendlichen auf der Straße arbeiten, das kann ich. Aber ne Ausbildung darf ich nich machen.90
5.2 Beate: Was ich arbeite, bin ich.104
6 Vielfalt individueller Lebensführung und sozialer Teilhabe125
6.1 Torsten: Der Ausgleich ist die ehrenamtliche Arbeit. Und den Tag halt für sich genießen zu können.134
6.2 Karin: Was bedeutet Arbeit für Sie? Sehr viel, wenn ich sie kriegen würde.146
6.3 Claus: N bisschen Geld kann man immer in der Tasche haben.159
6.4 Lorenz: Also man muss sich ja für nichts rechtfertigen glaube ich, aber man hat das Gefühl es zu müssen.170

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