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Insolvenzen in der Bauindustrie

Gründe für ein Scheitern der Sanierung in der Insolvenz und Strategien zur Vermeidung des wesentlichen Insolvenzgrundes

AutorMartin Ries
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl134 Seiten
ISBN9783640660612
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis31,99 EUR
Masterarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich BWL - Recht, Note: 1,7, Fachhochschule Koblenz - Standort RheinAhrCampus Remagen, Sprache: Deutsch, Abstract: In der öffentlichen Diskussion bzw. Wahrnehmung nimmt bei dem Stichwort Insolvenz das Thema von insolventen Bauunternehmen einen Spitzenplatz ein. Dies liegt auch daran, dass in den letzten Jahren vergleichsweise große Bauunternehmen, wie etwa die Philipp Holzmann AG oder die Walter Bau AG von der Insolvenz betroffen waren. Gerade erstere erlangte vor allem durch den damaligen, als gescheitert anzusehenden, medienwirksamen Versuch einer Rettung durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder eine starke Präsenz in den Medien. Beide Insolvenzverfahren sind bisher noch nicht abgeschlossen. Hierdurch entsteht der Eindruck, dass Bauunternehmen einerseits sehr häufig von Insolvenzen betroffen sind. Auf der anderen Seite gibt es keine - jedenfalls keine medienwirksamen - Meldungen über eine erfolgreiche Sanierung eines insolventen Bauunternehmens, so dass darüber hinaus der Eindruck entsteht, eine erfolgreiche Sanierung eines Bauunternehmens sei, unabhängig von dessen Größe, nicht oder nur schwer möglich. In dieser Arbeit soll daher zunächst untersucht werden, inwieweit diese Wahrnehmung den Tatsachen entspricht. Hierzu erfolgt eine empirische Untersuchung und Auswertung von allgemein verfügbaren statistischen Daten sowie von etlichen Insolvenzverfahren im Bereich der Bauwirtschaft, bei denen eines der größten deutschen Bauunternehmen in der Rolle als Gläubiger beteiligt war. Im nächsten Schritt werden Gründe bzw. Ursachen für das Ergebnis dieser Untersuchung näher beleuchtet. Auf Grundlage der maßgeblichen Eröffnungsgründe erfolgt dann eine praktische Handlungsanweisung an Bauunternehmen unter Berücksichtigung der relevanten Regelungen des Werkvertragsrechts des BGB in seiner aktuellen Fassung, des neu eingeführten Forderungssicherungsgesetzes sowie der VOB/B. Weiter erfolgt eine Bewertung des neuen Gesetzes über die Sicherung von Bauforderungen (BauFordSiG).

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Leseprobe

B. Empirische Untersuchung über Insolvenzen im Baugewerbe

 

Nachfolgend wird nun untersucht, ob der in der Einleitung genannte „Eindruck“ tatsächlich zutreffend ist, also ob einerseits im Baugewerbe überdurchschnittlich viele Insolvenzen auftreten und ob andererseits die erfolgreiche Sanierung eines insolventen Bauunternehmens tatsächlich kaum vorkommt.

 

1. Untersuchung von Insolvenzen im Baugewerbe im allgemeinen

 

1.1.  Anzahl der Insolvenzen im Baugewerbe

 

Anhand des verfügbaren Datenmaterials, etwa von dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, ist ersichtlich, dass die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen im Bereich der Bauwirtschaft mit durchschnittlich etwa 7600 Insolvenzen pro Jahr sehr hoch ist. Es ist jedoch auch zu erkennen, dass in den letzten Jahren ein Rückgang stattgefunden hat, der wohl auf die sich verbessernde allgemeine wirtschaftliche Lage zurückzuführen ist.

 

Dies wird anhand nachstehender Abbildung nochmals ersichtlich, wobei hieraus auch hervorgeht, welcher Anteil der Insolvenzverfahren im Baugewerbe auf das Bauhauptgewerbe entfällt.

 

 

Quelle: ELVIRA Datenbank des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie

 

Anschaulich werden diese Zahlen, wenn ihnen die gesamte Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland gegenüber gestellt werden. Hierbei zeigt sich, dass hierbei das Baugewerbe mit durchschnittlich fast 25 % einen maßgeblichen Anteil trägt, wobei auch hier in den letzten Jahren eine gewisse Erholung erkennbar ist. 

 

 

Quelle: Statistisches Bundesamt

 

Anhand der statistischen Daten ist ersichtlich, dass der gewonnene Eindruck, dass Insolvenzen im Baugewerbe besonders häufig vorkommen, zutreffend ist.

 

1.2.  Gründe für die hohe Anzahl der Unternehmensinsolvenzen im Baugewerbe

 

Für die hohe Anzahl der Unternehmensinsolvenzen im Baugewerbe sind mehrere Faktoren verantwortlich.

 

Neben der schlechten allgemeinen Marktlage und dem Bestehen von Überkapazitäten[15] sind hier nach Auffassung des Verfassers noch zwei Besonderheiten maßgeblich. Der erste Punkt betrifft die Kapitalausstattung der Unternehmen, der andere die schlechte Zahlungsmoral der Auftraggeber.

 

1.2.1. Geringe Kapitalausstattung

 

Zunächst verfügen die meisten Unternehmen im Baugewerbe über eine vergleichsweise dünne Kapitaldecke.

 

Dies ist etwa aus einem Vergleich der Eigenkapitalquote von Unternehmen im Baugewerbe mit der durchschnittlichen Eigenkapitalquote von Unternehmen in Deutschland insgesamt  ersichtlich. Dieser Vergleich und die Entwicklung der letzten Jahre ist in nachfolgender Abbildung dargestellt.

 

 

Quelle: Angaben aus Jahresabschlüssen Deutscher Unternehmen, Wirtschaftsdaten der Dt.Bundesbank

 

Es zeigt sich, dass Unternehmen des Baugewerbes eine deutlich geringere Eigenkapitalquote aufweisen, als der Durchschnitt deutscher Unternehmen anderer Wirtschaftszweige.

 

Anhand der Eigenkapitalquote lässt sich im Allgemeinen die Fähigkeit von Unternehmen, Risiken und Verluste zu tragen, bewerten[16] und ist damit zentraler Indikator für die Bonität von Unternehmen und damit auch für die Kreditbeurteilung[17].

 

Hieraus folgt einerseits, dass Unternehmen des Baugewerbes diesbezüglich größere Schwierigkeiten haben, an Fremdkapital zu gelangen, da die Bonität im Hinblick auf die Eigenkapitalquote als gering eingestuft wird.

 

Im Falle verschärfter Finanzierungsbedingungen müssen die Unternehmen die eigenen Kapitalreserven aufwenden, um notwendige Investitionen, aber auch das laufende Geschäft zu finanzieren.

 

Dementsprechend werden Unternehmen mit geringer Eigenkapitalquote von einer Krise, wie etwa einer größeren Verlustbaustelle oder auch der verzögerten Zahlung erheblich getroffen.

 

1.2.2. Zahlungsmoral der Auftraggeber – Dauer der Rechnungsbegleichung

 

Nächster erheblicher Grund für die hohe Anzahl der Unternehmensinsolvenzen im Baugewerbe ist die Zahlungsmoral bzw. die Dauer der Rechnungsbegleichung, die wiederum negative Auswirkungen auf die Liquidität[18] hat.

 

Umso länger der Zeitraum zwischen Rechnungsstellung, die nach den Regelungen des Werkvertragsrecht grundsätzlich erst nach Fertigstellung der Leistung erfolgen kann[19], umso länger wird die Leistung durch den Auftragnehmer vorfinanziert. Dies hat in der Regel Folgen für alle Nachunternehmer in der Leistungskette, da die Kapitaldecke der einzelnen Unternehmen häufig so dünn ist, dass sie ihre Nachunternehmer erst bezahlen können, wenn sie selbst ihren Werklohn von ihrem Auftraggeber erhalten haben.

 

Die nachfolgenden Darstellungen differenzieren in der Regel zwischen öffentlichen und privaten Auftraggebern.

 

Dies beruht insbesondere darauf, dass die öffentliche Hand wesentlichen Anteil an dem gesamten auf dem Bundesgebiet ausgeführten Bauleistungen hat.

 

Dies verdeutlicht nachfolgende Abbildung. Hieraus ist ersichtlich, dass der Anteil des öffentlichen Baus (die Baumaßnahmen der Deutschen Bahn AG und der Deutschen Telekom AG zählen seit 1995 zum Wirtschaftsbau[20]) am Gesamtumsatzvolumen erheblich ist.

 

 

Quelle: Veröffentlichte Zeitreihen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie

 

Zu der Frage der Zahlungsmoral der jeweiligen Auftraggeber führte das Betriebswirtschaftliche Institut der Bauindustrie (BWI-Bau) im Jahre 2008 eine Umfrage bei 329 Betrieben unterschiedlicher Größe im gesamten Bundesgebiet durch[21].

 

Zunächst wurden die jeweils vereinbarten Zahlungsziele erfragt. Hierbei zeigt sich, dass Abschlagszahlungen im Mittel nach 18 Tagen fällig sind, bei Schlussrechnungen werden unterschiedliche Zahlungsfristen eingeräumt; bei privaten Auftraggebern im Durchschnitt 39 Tage, bei gewerblichen Auftraggebern 47 Tage und bei öffentlichen Auftraggebern 54 Tage. Dies ist aus nachstehender Abbildung ersichtlich.

 

 

Quelle: BWI-Bau-Umfrage "Zahlungsmoral der Bauherren in 2008"

 

Allerdings zeigte die Umfrage, dass die tatsächlichen Zahlungseingänge erheblich später erfolgen, die Zahlungsziele werden im Mittel um 6 Tage bei den Abschlagsrechnungen und 14 Tage bei der Schlussrechnung überschritten. Die öffentlichen Auftraggeber (Bund und Länder) sowie die Deutsche Bahn fallen hier besonders ins Gewicht, wie in nachstehender Abbildung veranschaulicht.

 

 

Quelle: BWI-Bau-Umfrage "Zahlungsmoral der Bauherren in 2008"

 

Bei den öffentlichen Auftraggebern besteht zwar kein Insolvenz- und damit auch kein Forderungsausfallrisiko, erhebliche Zahlungsverzögerungen führen jedoch zu Liquiditätsengpässen bei den Auftragnehmern, schlimmstenfalls zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens aufgrund Zahlungsunfähigkeit gem. § 17 InsO.

 

Das Bild bestätigt sich in einer Umfrage des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V. deren Ergebnis in nachfolgender Abbildung ersichtlich ist.

 

 

Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. / Kraus / Stand 04/09 auf Basis Creditreform, Wirtschaftslage  und Finanzierung im Mittelstand, Umfrage unter ca. 530 Unternehmen des Baugewerbes

 

Es zeigt sich, dass die Unternehmen im Bereich des Baugewerbes von längeren (auch unfreiwillig eingeräumten) Zahlungsfristen betroffen sind.

 

Darüber hinaus ist anhand der Abbildung erkennbar, dass die Zahlungsmoral der Auftraggeber im Zuge der Wirtschaftskrise wieder schlechter wird.

 

1.3.  Zusammenfassung

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Anzahl der Insolvenzen im Bereich des Baugewerbes vergleichsweise hoch ist. Grund hierfür ist neben den Marktbedingungen eine geringe Kapitaldecke auf Seiten der Auftragnehmer verbunden mit einer schlechten Zahlungsmoral auf Seiten der Auftraggeber, die zu einem erhöhten Risiko der Zahlungsunfähigkeit führt.

 

2. Untersuchung von Insolvenzen im Baugewerbe im Besonderen

 

Weiter wird nun untersucht, ob die erfolgreiche Sanierung eines Unternehmens des Baugewerbes tatsächlich so selten...

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