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Integrative Verfahren zur Markenbewertung. Eine Betrachtung im Rahmen der Buy-Side Commercial Due Diligence aus Sicht einer Private Equity

AutorDoreen Schröer
VerlagDiplomica Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl118 Seiten
ISBN9783836622004
FormatPDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis43,00 EUR

Neun Markenbewertungsunternehmen, eine fiktive Marke, identische Daten als Grundlage - das Ergebnis: neun unabhängig voneinander durchgeführte Markenbewertungen führen zu Markenwerten von 173 Mio. Euro bis 958 Mio. Euro, das ist ein Unterschied von 553 Prozent. Dieses Phänomen offenbart die Unüberschaubarkeit und Unglaubwürdigkeit der Verfahren und birgt Raum für Verwirrungen.

Marken stellen einen der wichtigsten Vermögensgegenstände von Unternehmen dar.Der Anteil der Markenwertes am Gesamtunternehmenswert führender Unternehmen belief sich im Jahre 2005 auf 67 Prozent. Wie eine gängige Studie zeigt, sehen 70 Prozent der Unternehmen eine Markenbewertung als bedeutend an, 20 Prozent kennen die gängigsten Verfahren und nur zwei Prozent nutzen diese im Schnitt. Hier zeigt sich die Prägnanz des Themas Markenbewertung.

Unsere Gesellschaft und Wirtschaft stehen am Anfang des 21. Jahrhunderts vor völlig neuen Herausforderungen. Der Wandel zu transkontinentalen, globalen und grenzenlosen Unternehmens-, Wettbewerbs-, Produktions- und Kommunikationssystemen lässt auch die Zahl der Mergers & Acquisitions (M&A) (national, international und grenzüberschreitend) zunehmend steigen. Damit einhergehend findet eine Globalisierung der Finanzmärkte sowie die Neuausrichtung der Kreditinstitute (Basel II) statt. Die Unternehmensfinanzierung steht vor einem Umbruch. Die größte Herausforderung für Unternehmen ist die Stärkung der Eigenkapitalausstattung - hier ergeben sich große Chancen für den Private Equity Markt. Eine der zentralen Aufgaben im Rahmen eines Akquisitionsprozesses ist es, einen adäquaten Kaufpreis zu ermitteln. Die hierfür benötigten Informationen werden in Form von Due Diligence Prüfungen bereitgestellt. Im Zuge der Zunahme von Fusionen, Übernahmen und Kapitalbeteiligungen steigt der Bedarf an Due Diligence Analysen im Rahmen der Prüfung von Unternehmen. Doch: "Deal making is glamorous, Due Diligence is not." Diese Ansicht unterstreicht das häufige Problem, dass Due Diligence Prüfungen oft zu kurz treten und dadurch die Fähigkeit aus dem jeweiligen Zielunternehmen Wert zu schöpfen oft falsch eingeschätzt wird. Die Idee für dieses Buch entstammt aus der Zielsetzung, diese aktuellen Themen, die sowohl in der Theorie als auch in der Praxis häufig diskutiert werden, zusammenzuführen.

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Leseprobe

Kapitel 4, Markenwert im Interesse einer Private Equity:

Starke Marken stellen die entscheidenden Werte in Unternehmen dar, oftmals die größten in Unternehmen vorhandenen Einzelwerte überhaupt, auf denen der Unternehmenserfolg gewachsen ist. Marken sind die unentdeckten Schätze im Verborgenen.

Da es den „Interessengruppen nur dann gut gehen kann, wenn es den Unternehmen gut geht, soll zunächst die Bedeutung des Markenwertes für Unternehmen und Kapitalgeber untersucht werden, bevor anschließend die Bedeutung des Markenwertes für Private Equity betrachtet wird.

Bedeutung des Markenwertes für Unternehmen und Kapitalgeber: „Marken sind ein Garant für langfristigen Unternehmenserfolg.“ Sie übernehmen zunehmend eine vernetzte Schnittstellenfunktion, sowohl unternehmensintern als auch –extern.

Besonders in den letzten Jahren entwickelte sich die Maximierung des Shareholder Value als oberstes Ziel eines Unternehmens, wobei strategisches Marketing als Quelle von Cash Flows und folglich als Quelle des Shareholder Value betrachtet wird. Ziel ist es durch den Aufbau und die Pflege von Kundenbeziehungen und starken Marken nachhaltige Cash Flows zu generieren und somit den Firmenwert zu steigern. Dabei stellen Kunden und Marken intangible Assets bzw. Marketing Assets dar, die durch Verwertung am Markt kapitalisiert werden können. Marken sind folglich entscheidende immaterielle Wertschöpfer.

Markenwertmanagement ist ein strategischer Ansatz zur Erreichung von Marktmacht, d. h. der Macht, unternehmerische Kernziele im Absatzmarkt durchzusetzen. Ein hoher Markenwert erhöht die Wettbewerbsbarrieren und verstärkt die Wettbewerbsposition. Ein weit verbreitetes Instrument der Wettbewerbsanalyse ist das Marktwachstums-Marktanteil-Portfolio, welches auf dem relativen Marktanteil und dem Marktwachstum beruht (siehe Abbildung 4-1: Die Marktwachstums-Marktanteil-Matrix).

Geschäftseinheiten, die in den Bereich der Stars fallen besitzen einen hohen relativen Marktanteil in schnell wachsenden Märkten. Um ihren zukünftigen Wachstum zu finanzieren benötigen sie für gewöhnlich massive Finanzmittel. Da sie aber eine starke Marktposition haben und hohe Gewinne erzielen, befinden sie sich meist im Cash-Gleichgewicht. An dieser Stelle kommt der Markenwert zum Tragen. Der Markenwert spiegelt komplexe Wirkungszusammenhänge wider – „von der Bildung einer starken Marke zu hoher Kaufbereitschaft des Konsumenten und somit zu hohem Markenabsatz“. Marken mit hohem Markenwert erzielen eine höhere Markentreue, wodurch es möglich wird, konstante Umsätze zu realisieren. Markenwertmanagement hilft, durch Präferenzbildung und Zahlungsbereitschaft auf Seiten der Konsumenten Preisvariationen ohne Kundenverluste durchführen zu können. Auf der einen Seite unterstützen starke Marken das Erzielen von Mengen- und Preisprämien. Auf der anderen Seite erlauben sie häufig Kosteneinsparungen, z. B. durch Kundentreue und die einhergehende Möglichkeit der Einsparung bei Marketingmaßnahmen. Auch ist das Potential der Markenerweiterung bei Marken mit hohem Markenwert größer im Vergleich zu schwachen Marken. Zudem ist bei Marken mit hohem Markenwert häufig eine „Halo-Wirkung“ zu beobachten, das bedeutet, es findet eine Rückkopplung in einer Wirkungsspirale statt, wobei der Markenwert sich positiv auf die Beurteilung einzelner Markeneigenschaften und die Wahrnehmung von Marketing-Maßnahmen auswirkt, was wiederum eine positive Wirkung auf den Markenwert hat. Viele Unternehmen sehen den Markenwert als Wettbewerbsvorteil, da er hilft sich von Wettbewerb zu differenzieren. Die Marke ist eine wertvolle Ressource, die durch den rechtlichen Schutz für Wettbewerber schwer oder nicht zu kopieren ist. Marken setzen also einen Kreislauf in Unternehmen in Gang. Einer verbesserten Marktstellung folgen ein höherer Leistungsabsatz, bessere Kosten-/Nutzenrelationen, bessere Performance von Kundenbeziehungen, steigende Umsätze und Erträge hin zur Shareholder Value Optimierung. Folglich hat eine Marke direkten Einfluss auf den Umsatz, die Umsatzrentabilität, den Gewinn und die Eigenkapitalbildung eines Unternehmens. Der Shareholder Value wird im Wesentlichen durch die Höhe der Freien Cash Flows, den Zeitpunkt t des Eintreffens der Freien Cash Flows, das Risiko des Eintreffens der Freien Cash Flows (welches sowohl die Kapitalkosten als auch die Höhe der Feien Cash Flows beeinflusst) sowie den Restwert bestimmt. Demzufolge wirken Vermögenswerte, die diese Faktoren positiv beeinflussen, auch positiv auf den Unternehmenswert, so dass auch Marken als immaterielle Vermögensgegenstände den Unternehmenswert beeinflussen.

Ein weiterer Aspekt ist die relativ stabile Entwicklung von Markenwerten, da nur in begrenztem Maße eine Abhängigkeit vom konjunkturellen Umfeld und anderen externen Einflüssen besteht. Unternehmen, Märkte, Rahmenbedingungen verändern sich, während Marken einer der konstanten Größen in dem sich verändernden Wirtschaftsgeschehen sind. Sie sind unabhängig von aktuellen Bewegungen der Zeit, von Produktlebenszyklen, z. T. sogar von Unternehmen, die sie geschaffen haben. Oftmals ist eine starke Marke auch dann noch stark, wenn ein Unternehmen an der Börse oder in der Bilanz schlecht abschneidet, so dass Marken auch in konjunkturell schlechten Zeiten einer Art „Fels in der Brandung“ darstellen.

Eigenkapitalgeber, wie Gesellschafter, haben einen rein ergebnisabhängigen Auszahlungsanspruch sowie das Recht an der Teilhabe am Liquidationserlös oder der Unternehmenswertentwicklung (z. B. bei der Veräußerung der Geschäftsteile). Wie im oberen Teil dieses Abschnitts erläutert, hat ein hoher Markenwert sowohl auf das Ergebnis als auch auf den Unternehmenswert positiven Einfluss, wovon folglich Eigenkapitalgeber profitieren können. An dieser Stelle wird auf das Shareholder Value Konzept verwiesen, dass den Nutzen für Eigenkapitalgeber aus ihren Investitionen beschreibt (Shareholder Value = Unternehmenswert – Fremdkapital). Zudem wirkt ein klares Markenimage positiv auf die Aktienkaufbereitschaft. Umsätze und Aktienkurse entwickeln sich überproportional bei steigender Reputation der Unternehmensmarke. Laut einer Studie von MCKINSEY lag der Total Return to Shareholder zwischen 2000 und 2001 bei Unternehmen mit starken Marken 2,6 Prozent über dem Durchschnitt im Gegensatz zu Unternehmen mit schwachen Marken, wo er 6,9 Prozent unter dem Durchschnitt lag.

Auch hinsichtlich der Fremdkapitalaufnahme spielt der Markenwert eine bedeutende Rolle. Banken überprüfen bei der Vergabe von Fremdkapital neben der Offenlegung von Informationen, wie z. B. Cash Flow Rechnungen, insbesondere die Kreditwürdigkeit (u. a. Marktstellung, Wettbewerbsvorteile), die Rendite, das Vorhandensein von Sicherheiten (nachhaltige Werthaltigkeit) und die Eigenkapitalausstattung (angemessenes Eigenkapitalverhältnis). Im Zuge von Basel II sind die Ansprüche der Fremdkapitalgeber gewachsen. Sie müssen zukünftig die Vergabe von Krediten an Kreditnehmer mit geringer Bonität mit mehr Eigenkapital hinterlegen als bisher, im Falle hoher Bonität wird jedoch weniger Eigenkapitalhinterlegung gefordert. Der Wert einer Marke kann bei der Kreditvergabe als Sicherheit dienen. Zudem sind Marken stille Reserven. Der Wert gut geführter Marken wächst kontinuierlich, im Gegensatz zu den materiellen Wirtschaftsgütern, welche im Geschäftsverlauf einem stetigen Wertverfall unterliegen und abgeschrieben werden müssen. Auch wird die Fremdkapitalrückzahlungskraft, d. h. der Anteil des gesamten Netto-Fremdkapitals (nach Abzug der liquiden Mittel), der mit dem Finanzierungspotenzial (Cash Flow) eines Jahres getilgt werden könnte, gemessen. Je höher diese Kennzahl ist, desto günstiger ist folglich das Verhältnis von Ertrags- bzw. Finanzierungspotenzial zu den gesamten Schulden und desto weniger wahrscheinlich ist eine Insolvenz innerhalb eines Jahres."

Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS3
ABBILDUNGSVERZEICHNIS/ TABELLENVERZEICHNIS5
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS6
VORBEMERKUNGEN8
1 Einleitung9
1.1 Problemstellung9
1.2 Zielsetzung und Aufbau des Buches10
2 Definitorische Grundlagen12
2.1 Grundlagen zur Marke12
2.1.1 Begriffsdefinition Marke12
2.1.2 Funktionen der Marke14
2.2 Grundlagen zu Private Equity16
2.2.1 Begriffsdefinition Private Equity16
2.2.2 Einordnung von Private Equity18
2.3 Grundlagen zum Due Diligence Prozess und Kaufpreis19
2.3.1 Der Bieterprozess19
2.3.2 Kaufpreisfindung20
2.3.3 Due Diligence22
3 Markenwert und Markenbewertung25
3.1 Der Markenwertbegriff25
3.1.1 Finanzorientierte Betrachtung25
3.1.2 Konsumentenorientierte Betrachtung26
3.1.3 Integrative Betrachtung27
3.2 Grundlagen zu Markenbewertung27
3.2.1 Anlässe der Markenbewertung28
3.2.2 Allgemeine Anforderungen an die Markenbewertung30
3.2.3 Modelle der Markenbewertung33
4 Markenwert im Interesse einer Private Equity42
4.1 Bedeutung des Markenwertes für Unternehmen und Kapitalgeber42
4.2 Bedeutung des Markenwertes für Private Equity45
5 Anwendbarkeit integrativer Markenbewertungsmodelle in der Due Diligence51
5.1 Auswahl und Beschreibung integrative Markenbewertungsmodelle51
5.1.1 Auswahl integrativer Modelle51
5.1.2 Detaillierte Beschreibung ausgewählter Modelle54
5.2 Kriterien zur Anwendbarkeit der Verfahren58
5.2.1 Spezifische inhaltliche Anforderungen an die Markenbewertung aus Sicht einer Private Equity58
5.2.2 Spezifische praktikable Anforderungen an die Markenbewertungim Rahmen der Due Diligence61
5.2.3 Kriterien zur Beurteilung der Verfahren61
5.3 Anwendbarkeit ausgewählter integrativer Markenmodellein der Buy-Side Commercial Due Diligence62
5.3.1 Methodik63
5.3.2 Vergleich ausgewählter Modelle63
5.3.3 Beurteilung der Anwendbarkeit der Verfahren69
6 Fazit72
LITERATURVERZEICHNIS76
ANHANG95
Die Autorin116

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