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E-Book

Integratives Mentaltraining im Sport

AutorPatrick Bernatzky, Wolfgang Amler, Wolfgang Knörzer
VerlagMeyer & Meyer
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl120 Seiten
ISBN9783840301032
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Im vorliegenden Buch wird nach einer Einführung in die Theorie des integrativen Sportmentaltrainings die Praxis anhand der vier Phasen des Mentaltrainingszyklus beschrieben: Orientierung und Zielfindung - die eigenen Stärken entwickeln - Umgang mit mentalen Blockaden - Erfolgskontrolle und Evaluierung. Zahlreiche Übungen ermöglichen es dem Leser, das Sportmentaltraining rasch in die eigene Praxis zu integrieren. Ausführlich beschriebene Fallbeispiele aus den Bereichen Einzel- und Mannschaftssport sowie Trainer- und Sportlehrerausbildung geben Anregungen zur Erstellung eigener mentaler Trainingspläne.

Wolfgang Amler studierte Sport und Deutsch für das Lehramt und ist stellvertretender Leiter eines Bildungszentrums. Als Experte für Team-, Organisationsentwicklung und Evaluationsberatung berät er Bildungseinrichtungen und andere Organisationen. Als Mentaltrainer betreut er Mannschaften und Einzelsportler. Mag. Dr. Patrick Bernatzky studierte Sportwissenschaften und ist an der Universität Salzburg im Fachbereich Sportpsychologie und Sportpädagogik tätig. Er ist Mitarbeiter des österreichischen Bundesnetzwerks für Sportpsychologie (ÖBS). Als Mentaltrainer von Mannschaften und Einzelsportlern liegen seine weiteren Schwerpunkte im Coaching und Mindness. Prof. Dr. Wolfgang Knörzer ist Professor für Sportwissenschaft/Sportpädagogik und Studiengangsleiter Gesundheitsförderung/Health/Promotion an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und betreut als Mentaltrainer Mannschaften und Einzelsportler. Im Rahmen des von ihnen gegründeten Heidelberger Instituts für Mentaltraining (HIM) entwickelten die Autoren das Integrative Mentaltraining. An ihren Fortbildungen nehmen neben Sporttrainern, darunter Bundestrainer und ehemalige Spitzenathleten, auch Kommuniktionstrainer und Personalentwickler aus dem Bereich der Wirtschaft teil.

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Leseprobe

Phase 1 Orientierung


Die Orientierungsphase dient zum einen der Standortbestimmung (IST-Wert) und zum anderen der Ausrichtung auf die Zukunft (SOLL-Wert).

  • Was ist mir/uns wichtig?
  • Wohin will ich/wollen wir?
  • Was kann mich/uns dabei unterstützen?

Eine gründliche Bearbeitung dieser drei Fragen ist eine notwendige und lohnende Investition. Sie ist die Basis für einen nachhaltigen Erfolg. Die Zeit und Energie, die hier eingesetzt wird, hat wesentlichen Einfluss auf die Qualität der zukünftigen sportlichen Handlungen.

In der Orientierungsphase empfehlen wir folgende Systematik:

1. Werteanalyse


Die Klärung dessen, was dem Sportler besonders wichtig ist, was seine tragenden Werte sind, steht hier im Mittelpunkt. Diese Werte bestimmen, bewusst oder unbewusst, sein Handeln. Sie helfen dabei, Ziele zu erreichen, können einer Zielerreichung aber auch im Wege stehen. Ob Fairplay oder Erfolg, Kameradschaft oder Leistung in meiner persönlichen Werteskala ganz oben stehen, beeinflusst mein sportliches Handeln.

Die Werteanalyse schafft Klarheit für den Sportler, für den Trainer und gegebenenfalls auch für die Mitspieler. Vorhandene Wertekonflikte (etwa zwischen Trainer und Sportler, aber auch innerhalb der Person des Sportlers) lassen sich so aufdecken und anschließend klären. Zur Werteanalyse empfehlen wir im ersten Schritt, im Sinne eines Brainstormings alle Werte zu sammeln und durch ein Ranking im zweiten Schritt die persönliche Wertehierarchie zu erstellen.

  1. Wertesammlung
  2. Wertehierarchie
  3. Werteverwirklichung

Mit der nachfolgenden Übung werden Sportler durch den Prozess der Werteanalyse begleitet und schaffen sich so eine gute Grundlage für erfolgreiches sportliches Handeln.

(Anm.: Die kursiv geschriebenen Antworten sind als Beispiele gedacht. Sie dienen der Orientierung und müssen selbstverständlich durch eigene Antworten ersetzt werden!)

Wertesammlung:

Was ist für dich als Sportler (Trainer) besonders wichtig in deinem Sport? Was sind die besonderen Werte?

Notiere alles, was dir einfällt. Sammle alles, was dir spontan in den Sinn kommt.

Sportlicher Erfolg

Geld

Leistung

Spaß

Anerkennung

Kameradschaft

Familie

Fairplay

Arbeitsblatt 1: Wertesammlung

Wertehierarchie:

Markiere auf Arbeitsblatt 1 maximal sechs Werte, die du für die herausragendsten hältst. Übertrage diese Werte in der für dich richtigen Reihenfolge in die Tabelle.

  1. Sportlicher Erfolg
  2. Anerkennung
  3. Leistung
  4. Geld
  5. Kameradschaft
  6. Fairplay

Arbeitsblatt 2: Wertehierarchie

Die Hierarchie der Werte übt wesentlichen Einfluss auf die Handlungsfähigkeit des Sportlers aus.

Aus der Praxis

Ein junger Tennisspieler verliert zum dritten Mal bei einem wichtigen Ausscheidungsturnier das entscheidende Match und bleibt weit unter seinen Trainingsleistungen. Bei einem Sieg und dem Gewinn des Turniers hätte er die Möglichkeit, in ein Leistungszentrum aufgenommen zu werden. Der Leistungseinbruch im Finalspiel war zunächst nicht erklärbar. Der Tennisspieler selbst gab an: „Ich wollte zu 100 %, aber es ging einfach nicht!“ Stattdessen machten sich während des Spiels Gedanken wie: „Es ist eh egal, ich bekomm schon wieder einmal die Chance“, breit. Auf die Frage: „Was würde passieren, wenn du das Turnier gewinnst?“, reagierte er emotionslos und meinte: „Dann könnte ich ins Bundesleistungszentrum wechseln.“ Der Gewinn des Ausscheidungsturniers wäre für ihn mit einem Wohnortwechsel verbunden. In diesem Fall könnte es sein, dass der Wert Familie oder Freunde höherwertiger ist als der sportliche Erfolg. Im Rahmen einer Werteanalyse wurde dies vom Spieler bestätigt: „Vielleicht ist es noch nicht der richtige Zeitpunkt, eigentlich will ich gar nicht weg von meinem Wohnort!“ Die „befürchtete“ Trennung von Familie und Freundeskreis führte zu einem unbewussten Konflikt und hatte ein immer wiederkehrendes Selbstsabotagemuster zur Folge. Nachdem die Bedenken des Jugendlichen offen gelegt waren, wurde gemeinsam mit Trainer und Eltern eine passende Lösung erarbeitet, die es dem Sportler erlaubte, sowohl leistungsorientiert zu handeln als auch Zeit für Familie und Freunde zu integrieren.

Oftmals reicht das Offenlegen und Transparentmachen von inneren Wertekonflikten bereits aus, um einen lösungsorientierten Prozess zu initiieren.

Inwieweit nun die erarbeiteten Werte vom Sportler in seinem Sporttreiben gelebt werden, kann mithilfe einer Skala ermittelt werden. Dazu werden die erarbeiteten Werte in eine Wertetabelle eingetragen. Der Sportler kann dann festlegen, zu welchem Prozentrang der entsprechende Wert in seinem Leben verwirklicht ist.

Inwieweit werden meine Werte in meinem aktuellen Sporttreiben verwirklicht?

Arbeitsblatt 3: Werteverwirklichung

Auf der Grundlage der Standortbestimmung lassen sich die Strategien für zukünftige Entwicklungen erarbeiten:

  1. Bei hoher Bewertung:
    „Zu wie viel Prozent wurde der Wert X verwirklicht und wodurch wurde dies bewirkt?“
    (Dies gilt es zu erhalten und zu verstärken.)
  2. Bei niedriger Bewertung:
    „Was wäre für dich eine Verbesserung, also ein Wert auf der Skala, wo du sagst: ’Das ist in Ordnung so?’“
    „Was genau müsste geschehen, damit du diesen Wert erreichst?“

Mithilfe der Werteanalyse verschafft sich der Sportler, aber auch der Trainer Klarheit darüber, was für ihn wirklich wichtig ist.

Er stellt fest, inwieweit es gelungen ist, seine Werte zu leben; er entwickelt Strategien, diese systematisch weiterzuentwickeln. Dies ermöglicht ein hohes Maß an Eigenständigkeit, ein wesentlicher Beitrag zur Förderung des mündigen Sportlers.

Die schriftliche Dokumentation der Arbeit unterstützt den Prozess der Verwirklichung der Werte nachhaltig. Eine solche Vereinbarung kann der Sportler mit sich selbst treffen (Selbstkontrakt), bilateral mit seinem Trainer, aber auch mit dem gesamten Team.

Werte als Grundstruktur für die Teamphilosophie

Bei der Werteanalyse im Team wird so vorgegangen, dass zunächst jedes Teammitglied einschließlich des Trainers eine persönliche Werteanalyse bezüglich der Teamzusammenarbeit durchführt. Anschließend werden die Einzelanalysen zusammengeführt. Das Ergebnis dieser Teamanalyse kann zur Formulierung eines Teamleitbildes bzw. zur Formulierung der „Teamphilosophie“ führen.

Hieraus lassen sich Leitsätze ableiten, die die Zusammenarbeit in einem Team regeln und die weitere Teamentwicklung unterstützen.

Solche handlungsleitenden Orientierungen (HLO) sind äußerst hilfreich in Konfliktsituationen. HLOs müssen schriftlich festgehalten werden (Flip-Chart, Poster) und sollten bei allen Teamaktivitäten sichtbar dabei sein.

Bsp.: Regeln des Zusammenlebens eines Judoteams:

  • Wir wollen sportlichen Erfolg und unterstützen uns gegenseitig.
  • Jedes Teammitglied unterstützt alle anderen positiv, gerade auch bei Fehlern.
  • Festgelegte Zeiten werden im Training und im Wettkampf wie auch in der gemeinsamen Freizeit eingehalten.
  • Störungen haben Vorrang und müssen thematisiert werden.
  • Wir wollen Spaß und sportlichen Erfolg miteinander verbinden.

Die Werteanalyse hilft, die allgemeine Richtung festzulegen, in die sich ein Sportler oder ein Team entwickeln soll. Auf ihrer Grundlage lassen sich anschließend exakte Ziele festlegen.

2. Zielarbeit


Die Arbeit mit Zielen gilt als fester Bestandteil jeder Trainingsplanung. Viele glauben, dass dies in der sportlichen Praxis bereits ausreichend verwirklicht ist. In unserer Arbeit mit Athleten und Trainern mussten wir feststellen, dass dies nur vordergründig der Fall ist.

Ziele werden oft zu allgemein formuliert. Ihren vollen Einfluss auf unsere mentalen Prozesse entfalten Ziele erst dann, wenn sie nach bestimmten Kriterien formuliert und integriert werden.

Ziele müssen bewusst erarbeitet werden und sollten folgende Kriterien erfüllen:

  1. Positiv formuliert, z. B.: „Ich gehe voller Selbstvertrauen in den Wettkampf.“ Negativ formuliert wäre: „Ich habe keine Angst vor meinem Gegner.“ Da Verneinungen in unserem Bewusstsein nicht ankommen, wird durch eine solche Formulierung die „Angst“ ins Bewusstsein gebracht.
    (Selbsttest: Denken Sie jetzt einmal nicht an den rosaroten Panther.)
  2. Eigenverantwortlich erreichbar, z. B.: „Ich möchte während des ganzen Turniers mein bestes Tennis spielen.“ Sie müssen aus eigener Kraft durch eigene Handlungen erreichbar sein.
  3. Konkret formuliert (Wann, wo, in welchem Kontext will ich das Ziel erreichen?). „Z. B. in Heidelberg, bei der Landesmeisterschaft am 20. März.“
  4. Ökologisch (ohne innere und äußere...
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