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Integriertes Umweltkostenmanagement

Bezugsrahmen und Konzeption für eine ökologisch-nachhaltige Unternehmensführung

AutorHeinz Karl Prammer
VerlagGabler Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl398 Seiten
ISBN9783834984470
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis62,99 EUR
Heinz Karl Prammer spannt einen ganzheitlichen Bezugsrahmen zur Beschreibung von Unternehmen als ökologisch-ökonomische Subsysteme. Er entwickelt ein Konzept, dessen Zweck auf die Schaffung von nachhaltigkeitsorientiertem Nutzen von und für Unternehmen gerichtet ist.

a. Univ.-Prof. Dr. Heinz Karl Prammer ist Professor für Betriebswirtschaftslehre am Institut für Betriebliche und regionale Umweltwirtschaft der Johannes Kepler Universität Linz.

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Leseprobe
1 EINFÜHRUNG (S. 1)

Die Inanspruchnahme der natürlichen Umwelt durch den Menschen fand lange Zeit in der Ökonomie keine besondere Beachtung. Während die Volkswirtschaftslehre das Problem entstehender Umweltprobleme mit Hilfe des Ansatzes der externen Effekte theoretisch zu bewältigen suchte, galt in der Betriebswirtschaftslehre die natürliche Umwelt weiterhin als (nahezu) freies Gut, d.h. soweit die in Anspruch genommenen natürlichen Ressourcen nicht mit Preisen belegt waren.

Somit wurden Kosten der Inanspruchnahme der natürlichen Umwelt außerhalb des Marktes nur am Rande thematisiert. Es spricht vieles dafür, dass mit dem Einbezug von „Umwelt“ als ökonomisch knappes Gut die Marktmechanismen eine Reihe von Anreizen für umweltverträglicheres Wirtschaften bieten.

Ohne fundamental argumentierende Autoren zu bemühen, muss jedoch bezweifelt werden, dass ein bloßes Zurückgreifen auf gängige Methoden und Instrumente der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre – verbunden mit einem opportunistischen Erfolgsfaktoren-Denken – ausreicht, um in eine ökologisch (und sozial) nachhaltige Wirtschaftsweise zu gelangen.

Der Weg dorthin führt vielmehr über eine auf einem normativ-kritischen (ethischen) Anspruchsgruppenkonzept beruhende (selbst)verpflichtete Unternehmenspolitik.

Dem muss aber auch eine entsprechende Anpassung, Erweiterung und Anwendung des bestehenden betriebswirtschaftlichen Instrumentariums folgen, um in der betrieblichen Praxis die erforderliche Erfolge und die Akzeptanz im Innen- und im Außenverhältnis sicherzustellen. Mit dem im Jahr 1992 durch die Vereinten Nationen in die breite Öffentlichkeit getragen Leitbild der „Nachhaltigen Entwicklung“ zum einen und der Einführung von Umwelt-managementsystemen auf der Unternehmensebene zum anderen wurden wichtige Akzente gesetzt.

Es sind dies die ersten ernsthaften Versuche die realwirtschaftliche Entwicklung an die globalen physischen Grenzen anzupassen, d.h. eine ökologisch nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Rund ein Jahrzehnt danach hat die Richtlinie 2003/51/EG („Modernisation Direktive“) und deren Umsetzung in §§ 243 und 267 HGB nach dem Rechnungslegungsänderungsgesetz 2004 die Aufmerksamkeit bezüglich der Berichterstattung über umweltorientierte (und soziale) Aspekte im Lagebericht großer Kapitalgesellschaften erhöht.

Die Richtlinie führt aus, dass die Information im Lagebericht nicht auf finanzielle Aspekte der Geschäftstätigkeit einzuschränken sei. Diesen Impuls gilt es für das im betrieblichen Rechnungswesen integrierte und sich zunehmend in (großen) Unternehmen etablierende „Environmental Management Accounting“ bzw. „Umweltkostenmanagement“ aufzugreifen und für das Unternehmen nutzbar zu machen. Vor diesem Hintergrund versteht sich die vorliegende Arbeit als Beitrag zur Verbreiterung von ökologisch nachhaltigkeitsorientierten Lösungsansätzen für Betriebe und betriebliche Netzwerke.

1.1 Problemstellung und Forschungsfragen

„Perfektion der Mittel und Konfusion der Ziele kennzeichnen meiner Ansicht nach unsere Zeit.” (Albert Einstein)

Die Menschheit sieht sich mit einer zunehmenden Zerstörung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen konfrontiert. Als Hauptursachen können die rigorose Nutzung der Ressourcen und der Senkenkapazitäten der natürlichen Umwelt ausgemacht werden,9 ermöglicht durch eine auf (natur-)wissenschaftlicher Forschung basierende Technisierung der Umwelt und beflügelt durch eine ökologisch „fehlsichtige“ Ökonomie.

So ist es in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Wirtschaft in den Industrieländern in besonderer Weise gelungen, natürliche Ressourcen so zielsicher in eine Vielzahl von Produkten zu transformieren, dass ein noch nie da gewesener materieller Wohlstand geschaffen wurde, der es dem Menschen ermöglicht hat, unterschiedlichste Bedürfnisse zu befriedigen. Die Betriebswirtschaftslehre und insbesondere das Rechnungswesen haben bis heute zu diesem (jungen) Erfolg menschlichen Schaffens durch ihre besondere Ausrichtung auf Effizienz und Effektivität einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort7
Inhaltsverzeichnis9
Abbildungsverzeichnis15
Tabellenverzeichnis17
Formelverzeichnis18
1 EINFÜHRUNG19
1.1 Problemstellung und Forschungsfragen20
1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung23
2 BETRIEBLICHE SCHADSCHÖPFUNG UND ÖKOLOGISCHE NACHHALTIGKEIT – BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE ANALYSE UND INTERDISZIPLINÄRE PERSPEKTIVEN ZUR EINORDNUNG DES UMWELTKOSTENMANAGEMENTS26
2.1 Von den Vorläufern der Ökonomie bis zur ökologieorientierten Betriebs-wirtschaftslehre - die natürliche Umwelt in aggregierten Modellen27
2.1.1 Historischer Abriss von der Entstehung und vom Wandel des Naturbildes in Gesellschaft, Wirtschaft und Naturwissenschaft27
2.1.1.1 Vom Naturbild der Vorklassik und Klassik28
2.1.1.2 Vom Naturbild der Physiokraten33
2.1.1.3 Von der Neoklassik und deren Naturbild – Entstehung und Kritik34
2.1.2 Die Betriebswirtschaftslehre des 20. Jahrhunderts - „Opfer“ oder Korrektiv der historisch überkommenen Entwicklung zur Naturferne?38
2.2 Die natürliche Umwelt und ihre anthropogene Zurichtung - Betrachtungen unter dem Blickwinkel eines moderaten Anthropozentrismus44
2.2.1 Ökosysteme und Technosysteme54
2.2.2 Ökosphäre und Technosphäre - Räume natürlicher Ordnung und vom Menschen dominierter Ordnung60
2.3 Ökologische Nachhaltigkeit – Konzeptionsidee und strategische Anknüpfungspunkte64
2.3.1 „Schwache Nachhaltigkeit“ und „Starke Nachhaltigkeit“ - Die Bandbreite normativ geleiteter Konzepte zur Harmonisierung von Realökonomie und natürlicher Umwelt64
2.3.2 Effizienzstrategie und Kompatibilitätsstrategie – Grundlegende Management-strategien für eine „ kritische ökologische Nachhaltigkeit“78
2.4 Das Unternehmen als ökologisch-ökonomisches Subsystem82
2.4.1 Vom Zusammenhang zwischen ökologischer und ökonomischer Knappheit83
2.4.2 Betriebliche Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und ökologisch negativen Umweltwirkungen87
2.4.2.1 Betriebliche Tätigkeit als Auslöser betrieblicher Umweltwirkungen88
2.4.2.1.1 Direkte und indirekte Umweltwirkungen als Betrachtungsobjekt90
2.4.2.1.2 Die Hauptarten betrieblicher Umwelteinwirkungen92
2.4.2.1.3 Die Hauptarten betrieblicher Umweltauswirkungen95
2.4.2.1.4 Die Bewertung von Umweltwirkungen im Kontext der „kritischen ökologischen Nachhaltigkeit“98
2.4.2.1.5 Zu betrieblicher Schadschöpfung und ökonomischem Schaden als unerwünschte Ergebnisse betrieblicher Tätigkeit105
2.4.3 Zur Berücksichtigung unerwünschter Outputkomponenten in betriebswirt-schaftlichen Modellen der Produktions- und Kostentheorie108
2.4.3.1 Der Einbezug von Umweltaspekten in umweltbezogen adaptierte Modelle der klassischen Produktions- und Kostentheorie und deren Grenzen im Hinblick auf die Abbildung ökologisch nachhaltiger Aspekte110
2.4.3.2 Unerwünschte Outputkomponenten betrieblicher Produktion und deren begriffliche und systematische Einordnung116
2.4.3.3 Einbezug der physischen Komponenten der ökologischen Nachhaltigkeit in das Input- Output- Modell der Produktion- Reduktion124
2.4.4 Umweltbilanzen und betriebswirtschaftliche Ansätze zur verursachungsgerechten Abbildung von betrieblichen Umweltwirkungen130
2.4.4.1 Zur Abbildung der mengenmäßigen Komponente betrieblicher Umwelt-wirkungen131
2.4.4.1.1 Direkte und indirekte Umweltwirkungen des betrieblichen Leistungsprozesses - Entstehung und Ansatzpunkte zur Reduktion132
2.4.4.1.2 Umweltbilanzen als Instrumente zur Abbildung direkter und indirekter Umweltwirkungen138
2.4.4.1.3 Ansatz und verursachungsgerechte Zurechnung von Stoff- und Energieflüssen auf Prozesse und Produkte – Lösungsansätze der Betriebs-wirtschaftslehre und der Ökobilanzforschung153
2.4.4.2 Zur Bewertung des Mengengerüsts betrieblicher Umweltwirkungen - Verfahren zur Bewertung internalisierter und externalisierter Umwelt-wirkungen160
2.4.4.2.1 Von den Möglichkeiten und Grenzen der Abbildung betrieblicher Umwelt-wirkungen durch umweltökonomische Instrumente160
2.4.4.2.2 Monetäre umweltorientierte Bewertungsverfahren166
2.4.4.2.3 Relativ abstufende ökologische Bewertungsverfahren168
2.4.4.2.4 Exkurs: Naturwissenschaftlich fundierte ökologische Bewertungsverfahren170
2.4.4.2.5 Fazit zur Bewertung des Mengengerüsts betrieblicher Umweltwirkungen und weitere Vorgangsweise200
2.5 Kernelemente einer ökologisch nachhaltigkeitsorientierten Unternehmensführung203
2.5.1 Verantwortungs-, Kreislauf- und Kooperationsprinzip als Kernprinzipien der unternehmerischen Nachhaltigkeit204
2.5.2 Wahrnehmung ökologischer Verantwortung durch Identifikation und Wahl von ökologischen Anspruchsgruppen207
2.5.3 Einfluss der ökologischen Betroffenheit des Unternehmens auf dessen Zielsystem und Verhaltensorientierung210
2.6 Betriebliche Grundhaltungen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Kontext des betrieblichen Zielsystems212
2.6.1 Zur Integration des Unternehmenszieles „Umweltschutz“ bzw. „Nachhaltigkeit“ in das Zielsystem212
2.6.2 Umweltschutz im Kontext der Verhaltensausrichtung216
2.6.3 Typisierung der Grundausrichtungen im Umweltschutz nach Stellung des Umweltschutzes im unternehmerischen Zielsystem und Verhaltensausrichtung218
2.6.4 Konsequenzen für das Umweltmanagement und das umweltbezogene Rechnungswesen221
3 INTEGRIERTES UMWELTKOSTENMANAGEMENT – DAS INSTRUMENT ZUR ABBILDUNG, BEWERTUNG U. GESTALTUNG DES GESAMTEN BETRIEBLICHEN WERTVERZEHRS223
3.1 Einordnung des umweltbezogenen Rechnungswesens224
3.1.1 Zur umweltbezogenen Differenzierung und Erweiterung der klassischen Rechnungslegung227
3.1.2 Zur umweltbezogenen Differenzierung und Erweiterung des internen Rechnungswesens233
3.2 Von der klassischen Kostenrechnung zum Kostenmanagement234
3.2.1 Entwicklung und Aufgabenfelder des Kostenmanagements234
3.2.2 Jüngere Instrumente des Kosten- und Erlösmanagements und allfällige Bezüge zur ökologischen Nachhaltigkeit241
3.3 Zur Einordnung und Abgrenzung des integrierten Umweltkostenmanagements246
3.3.1 Umweltkostenmanagement –Instrumente zur ex-ante-Beeinflussung von Niveau, Struktur und Verlauf von Umweltkosten246
3.3.2 Umweltleistung als Bestandteil des Umweltkostenmanagements?248
3.4 Die Abbildung des betrieblichen Wertverzehrs im Kontext der Entwicklung verschiedener Konzepte von „ Umweltkosten“251
3.4.1 Eignung betriebswirtschaftlicher Kostenbegriffe zur Abbildung des gesamten betrieblichen Wertverzehrs252
3.4.2 Zur Abgrenzung umweltbezogener Aufwendungen und Kosten256
3.4.3 Ökologieorientierte Erweiterung und Durchbrechung des wertmäßigen Kostenbegriffes258
3.4.4 Verschiedene Konzepte von „Umweltkosten“ – Abriss der Entwicklung und Kritik an der Abbildungsfähigkeit des betrieblichen Wertverzehrs260
3.4.4.1 Externe Umweltkosten - die erste Entwicklungsstufe der Umweltkostenkonzepte261
3.4.4.2 Umweltschutzkosten, Umweltwirkungskosten und Umweltbelastungskosten – Stufen in der Entwicklung von Umweltkostenkonzepten266
3.4.4.3 Flusskosten – eine neue Entwicklungsstufe der Umweltkostenkonzepte271
3.4.4.4 Unwertkosten – die Verknüpfung internalisierter Stoff- und Energie-verlustekosten und externer Umweltwirkungskosten zur Abbildung der Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen285
3.5 Die schadschöpfungsorientierte Lebenszyklusrechnung als Instrument zur ganzheitlichen Abbildung und Bewertung von Umweltkosten und Umweltwirkungen287
4 CORPORATE SUSTAINABILITY-STRATEGIEN UND ZWECKADÄQUATE UMWELT( KOSTEN) ANSÄTZE296
4.1 Von den Grundhaltungen im Umweltschutz über ökologieorientierte Wettbewerbsstrategien zu Corporate Sustainability- Strategien297
4.1.1 Unternehmerische Vision und Managementphilosophie als Leitsterne für die Unternehmens- und Umwelt-/ Nachhaltigkeitspolitik298
4.1.2 Zum Einfluss der Lenkungssysteme „Staat/Politik“, „Öffentlichkeit“ und „ Markt“ auf den ökologieorientierten Wettbewerb301
4.1.3 Die Übernahme ökologischer Verantwortung mit ihren Ausprägungen „ Verantwortungsbreite“ und „ Verantwortungstiefe“ als Bestimmungs-faktoren für die Umsetzung von Corporate Sustainability- Strategien302
4.1.4 Einordnung der Grundausrichtungen im Umweltschutz in den Bezugs-rahmen für die Übernahme ökologischer Verantwortung304
4.1.5 Corporate Sustainability-Strategien als Verbund von ökologieorientierten Wettbewerbsstrategien und ethikbasierten Strategien der ökologischen Nachhaltigkeit307
4.1.5.1 Zu den Wettbewerbsstrategien nach Dyllick/Belz/Schneidewind309
4.1.5.2 Corporate Sustainability als Bezugsrahmen für den Verbund ökologie-orientierter Wettbewerbsstrategien und ethikbasierter Strategien der ökologischen Nachhaltigkeit311
4.2 Zweckadäquate Umwelt(kosten)ansätze zur Umsetzung von Corporate Sustainability- Strategien321
4.2.1 Corporate Sustainability-Strategie der Standortsicherung und zweckadäquate Umwelt( kosten) ansätze326
4.2.1.1 Umwelt(kosten)ansätze der wettbewerbsstrategisch basierten Internalisierung327
4.2.1.2 Umwelt(kosten)ansätze der normativ-kritisch (ethisch) basierten Internalisierung338
4.2.2 Corporate Sustainability-Strategie der Markt- und Legitimitätsentwicklung und zweckadäquate Umwelt( kosten) ansätze341
4.2.2.1 Umwelt(kosten)ansätze der wettbewerbsstrategisch basierten Internalisierung345
4.2.2.2 Umwelt(kosten)ansätze der normativ-kritisch (ethisch) basierten Internalisierung347
5 SCHLUSSBETRACHTUNG348
Quellenverzeichnis351
LITERATUR (Monographien, Sammelwerke, Zeitschriftenaufsätze)351
REGELWERKE Rechtsquellen411
Normen und Standards413
SONSTIGE QUELLEN Veröffentlichungen statistischer Ämter415
Nachschlagewerke415
Umwelterklärungen415
Internetquellen415

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