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Interkulturelle Mediation in der Schule. Chancen und Grenzen

AutorFrederic Breidt
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl110 Seiten
ISBN9783668297777
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2016 im Fachbereich Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik, Note: 1,3, Philipps-Universität Marburg (Pädagogik), Sprache: Deutsch, Abstract: Aufgrund des Asylbegehrens (476.649 Asylanträge wurden im Jahre 2015 in Deutschland gestellt) vieler Menschen aus Spannungsgebieten oder aus Ländern mit einem autoritären Regime, muss festgehalten werden, dass der aktuelle Zustrom und dessen Dimension neue Fragen hinsichtlich der Integration aufwerfen. In unserer globalisierten Welt, in welcher schon allein durch die Freizügigkeit der Arbeitnehmer/Innen und Arbeitgeber/Innen ein starker Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen stattfindet, kommt Europa, insbesondere Deutschland, eine besondere Verantwortung zu. Bedenklich stimmt mich persönlich die gleichzeitige Entwicklung der Zunahme an rechtsextremistisch motivierten (Straf-)Taten, sowie das Emporkommen der rechtspopulistischen Partei AFD, welche in jüngster Vergangenheit durch die Aufnahme von harten Anti-Islam-Thesen in ihr Grundsatzprogramm Aufmerksamkeit erhielt. Der stärker werdende Protest von rechts, die Zunahme an rassistisch motivierten Straftaten, die Wahlerfolge der AFD bei den jüngsten Landtagswahlen sind eindeutige Parameter für eine Besorgnis erregende Entwicklung. Nicht nur die in Deutschland bereits lebende Migranten und die derzeit und auch in Zukunft nach Deutschland flüchtende Mitmenschen sollten besser und effektiver integriert werden, sondern scheinbar auch viele Menschen, die sich rechtsextremen Gedankenguts bedienen. Denn diese zeigen deutlich auf, dass auch sie 'integrationsbedürftig' sind, da zentrale Werte in unserem Bildungssystem scheinbar nicht vermittelt werden konnten. Integration muss also mehr sein als die Assimilation des Fremden, es sollte vielmehr auf die Bereitschaft aller abzielen, sich den Herausforderungen einer stetig verändernden Gesellschaft zu öffnen und die damit erforderlichen Kompetenzen der Teilhabe und Partizipation erwerben zu wollen. [...]

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Leseprobe

3. Theoretische Grundlagen


 

3.1 Kommunikation


 

Die Kommunikation spielt eine gewichtige Rolle, wenn es um Mediation geht, denn ein Konflikt, auf den ich im Anschluss näher eingehen werde, ist oft Folge einer missglückten oder nicht vorhandenen Kommunikation. Jener Konflikt kann jedoch nur durch eine adäquate, gelungene Kommunikation (wie sie in einer Mediation angestrebt werden sollte) behoben oder beendet werden. Bei der Kommunikation und dem Konflikt handelt es sich also um zwei Komponenten, die sich gegenseitig beeinflussen. So formuliert Schulz von Thun: „Kommunikation spiegelt nicht, sondern konstruiert Wirklichkeit, da durch Bedeutungszuschreibungen den Geschehnissen eine subjektive Sicht zugeordnet wird.“[80]

 

Festgehalten werden kann vorab: Es konnte sich keine Definition/Begriffsbestimmung durchsetzen, die als allgemein wissenschaftlich akzeptiert bezeichnet werden kann. Die Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit des Gebietes der Kommunikation erlaubt nicht, sich auf eine einzelne/singuläre Definition festlegen zu können. Dennoch soll nun anhand von verschiedenen Definitionen der Begriff der Kommunikation näher bestimmt werden. Kommunikation (lat. Communicatio – Mitteilung) wird von Köck/Ott allgemein „als Austausch von Informationen zwischen zwei oder mehreren Personen, wobei die Mitteilung sprachlich (verbal) oder/und nichtsprachlich (nonverbal) erfolgen kann“[81] definiert. Die umfassende und allgegenwertige Verankerung in den menschlichen Alltag wird hiermit deutlich, es wird also überall und immer kommuniziert.

 

Ergänzend zur erwähnten Definition von Köck/Ott beschreiben Watzlawick, Beavin und Jackson, dass „das Material jeglicher Kommunikation keineswegs nur Worte sind, sondern auch alle paralinguistischen Phänomene (wie z.B. Tonfall, Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache, Pausen, Lachen und Seufzen), Körperhaltung, Ausdrucksbewegungen (Körpersprache) usw. innerhalb eines bestimmten Kontextes umfaßt [sic!]– kurz, Verhalten jeder Art.“[82]

 

Watzlawick et.al. arbeiteten fünf Grundeigenschaften der Kommunikation heraus, die hier im Einzelnen dargestellt werden sollen.

 

1.) Man kann nicht nicht kommunizieren.[83] Dieses Axiom geht davon aus, dass Kommunikation Verhalten gleichgesetzt wird, da Kommunikation auch nonverbal stattfindet bzw. nonverbale Botschaften gesendet werden können. Verhalten impliziert dabei, dass es kein negatives Gegenstück, also Nicht-Verhalten gibt. Ein Mensch kann sich nicht nicht verhalten, denn Nicht-Handeln, Schweigen etc. stellen als andere Formen der Verneinung oder Vermeidung von Kommunikation selbst Kommunikation dar bzw. haben Mitteilungscharakter.[84]

 

Zum besseren Verständnis soll folgendes Beispiel angeführt werden:

 

„Während im Klassenraum alle Schülerinnen und Schüler herumtoben, sitzt Karl schweigend und mit verschränkten Armen abseits der Klasse, auch bei Nachfragen reagiert er nicht.“ Karls Schweigen sowie seine Körperhaltung (verschränkte Arme) haben ebenso einen Mitteilungscharakter wie verbalisierte Botschaften.

 

2.) Jede Kommunikation beinhaltet zwei Aspekte, nämlich einen inhaltlichen bzw. eine Information sowie subtilere oder weniger auffällige Attribute, die andeuten, „wie ihr Sender sie vom Empfänger verstanden haben möchte.“[85] Wenn nun beispielsweise ein Mensch einen anderen etwas fragt, so kann am Inhalt festgestellt werden, nach was er sich erkundigt während sich die Beziehung zwischen Sender und Empfänger durch die Art und Weise der Fragestellung zeigt. Dies kann sich in der Tonhöhe, Mimik und Gestik vollziehen und somit bestimmte Deutungen der Ironie, Zynismus oder Neid ermöglichen. Der Inhaltsaspekt enthält also Daten oder Informationen und der Aspekt der Beziehung ermöglicht zu deuten wie der Sender seine Beziehung zum Empfänger sieht. Jedoch verweist Watzlawick darauf, dass „Beziehungen verhältnismäßig selten bewußt [sic!] und ausdrücklich definiert werden. Im allgemeinen ist es so, daß [sic!] die Definition der Beziehung umso mehr in den Hintergrund rückt, je spontaner und „gesunder“ die Beziehung ist, während „kranke“ (d.h. konfliktreiche) Beziehungen u.a. durch wechselseitiges Ringen um ihre Definition gekennzeichnet sind, wobei der Inhaltsaspekt fast völlig an Bedeutung verliert.[86] Dies heißt für die Mediation, welche mit konfliktreichen Beziehungen zu tun hat, zum einen, dass sich Menschen der Wirkung ihrer selbst bzw. ihrer non-verbalen Botschaften nicht immer bewusst sind, sowie die Tatsache, dass eine Verbesserung der Beziehung ab einem bestimmten Punkt nicht mehr von den Beteiligten selbst gelöst werden kann, da sich diese bei einer konfliktreichen Beziehung nicht mehr der Inhaltsebene bedienen können und somit keine Beziehungsverbesserung ermöglichen.

 

3.) Das nächste Axiom beschäftigt sich mit der Interpunktion von Ereignisfolgen. Interpunktion organisiert das Verhalten und ist daher ein ganz wesentlicher Bestandteil menschlicher Beziehung.[87] Die (moralische) Bewertung dessen ist dabei für Watzlawick irrelevant.

 

Folgende Regeln dürfen hierbei festgehalten werden: Jede/r Teilnehmer/In einer Interaktion versucht, der Beziehung individuell eine Struktur zu verleihen auf jeden Reiz der innerhalb der Interaktion gesetzt wird folgt eine Reaktion (Verhaltenskette). Jeder Reiz kann der Kommunikation zugeordnet werden, da eine Kommunikation kreisförmig verläuft. Somit gibt es keinen Anfangspunkt. Der entscheidende Fehler in der Kommunikation liegt in der „Unfähigkeit, über ihre individuellen Definitionen der Beziehung zu metakommunizieren.“[88] Dieses in Anlehnung an konstruktivistische Theorien geschaffene Axiom nimmt Bezug auf die Tatsache, dass Menschen sich ihre Wirklichkeit aufgrund von persönlichen, subjektiven Erfahrungen und Urteilen bilden, und diese dann für ‚wahr‘ halten. Diese subjektive Wirklichkeit, welche wir zugleich für objektiv halten, bestimmt dann unser weiteres Handeln. Die Konstruktion unserer Wirklichkeit vollziehen wir nach Watzlawick als eben jene Interpunktion von Ereignisfolgen. Das bedeutet wir legen (willkürlich, aber oft im besten Glauben) auf bestimmte Ereignisse besonderen Wert, betrachten diese gewissermaßen als Ursache, Anlass für weitere Ereignisse, die für uns daraus folgen.[89] Wichtig ist also, sich dieses Kommunikationsmusters bewusst zu sein, es zu reflektieren und die Frage nach dem Anfang des Konfliktes sowie die Suche nach dem Schuldigen zurückzustellen, um einen Neubeginn der Kommunikation zu ermöglichen.

 

Anbei die graphische Darstellung des 3. Axioms:

 

[90]

 

4.) Hierbei wird zwischen zwei unterschiedlichen Weisen, wie Objekte dargestellt werden können und somit zum Gegenstand einer Kommunikation werden, unterschieden.[91] Watzlawick unterscheidet dabei zwischen digitaler und analoger Kommunikation. Die digitale Kommunikation ermöglicht die exakte Übermittlung von Informationen aufgrund ihrer „komplexen und vielseitigen logischen Syntax“[92]. Dagegen drückt die analoge Kommunikation ihre Beziehungsebene durch Mimik, Gestik und Tonfall aus, siehe Axiom zwei, eine Bedeutung der analogen Kommunikation wird jedoch ganz individuell und subjektiv interpretiert, womit ein gewisser Deutungsspielraum gegeben ist, welcher ein Konfliktpotential ermöglicht. Eine eindeutige Bestimmung der analogen Kommunikation (wie die logische Syntax bei der digitalen) ist bislang nicht möglich, jedoch sollten sich Kommunikationssender wie –empfänger darüber bewusst sein, dass sich beide Modalitäten ergänzen und sich der Doppeldeutigkeit bewusst sein sollten.

 

5.) Das letzte Axiom bezieht sich auf die Unterscheidung zwischen den Beziehungsformen symmetrisch und komplementär. Bei der symmetrischen Beziehungsform sind sich die Partner ebenbürtig, ihre Beziehung zueinander beruht also auf Gleichheit, was einen offenen Wettstreit zur Folge haben kann. Die komplementäre Beziehungsform beruht dagegen auf Unterschiedlichkeit. Hierbei wird das Verhalten des Einen durch das Verhalten des Anderen ergänzt. Ein Partner übernimmt somit eine dominante, primäre Stellung, während der andere eine sekundäre Stellung einnimmt. Zu beachten gilt, dass eine normative Bewertung jener Stellungen abzulehnen ist, da sich solche komplementären Beziehungen durch gesellschaftliche oder kulturelle Sozialisation entwickeln können bzw. solche Hierarchien gesellschaftlich oder kulturell bedingt sein können. Dennoch besteht auch hier ein Konfliktpotential durch die Abwertung des Partners.

 

Diese hier dargestellten Axiome sollen die Komplexität von kommunikativen Prozessen aufzeigen. Der wechselseitigen Beeinflussung innerhalb einer kommunikativen Interaktion sollten sich die Kommunikationspartner bewusst sein, um ihr Handeln steuern, danach ausrichten und erfolgreich kommunizieren zu können. Jedoch kann es, speziell bedingt durch den Interpretationsspielraum bei der analogen Kommunikation, trotzdem zu Konflikten kommen. Was mit diesem Begriff...

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