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E-Book

Japonismus - Die Kunst, zufrieden zu sein

AutorErin Niimi Longhurst
VerlagHarperCollins
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl288 Seiten
ISBN9783959677912
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Das faszinierende Geheimnis der Japaner: wie man mit einfach zu erlernenden Methoden das Beste aus jedem Tag macht. Das Buch ist in die Bereiche Kokoro - Herz und Geist - und Karada - Körper - unterteilt. Ikigai - der Lebenssinn - ist die Basis der japanischen Lebensweise und der Grund, warum Menschen dort so lange und zufrieden leben. Die Autorin zeigt anschaulich praktische und leicht umsetzbare Schritte, um die japanischen Lehren in Ihr eigenes Leben zu integrieren. Rezepte, Lifestyletipps und viele kreative Ideen helfen bei der Umsetzung. »Mit meinem Buch möchte ich Sie mit praktischen Tipps aus einer neuen Perspektive inspirieren, ihr Leben zu bereichern und zu verbessern.« Autorin Erin Niimi Longhurst

Die Sozialanthropologin Erin Niimi Longhurst ist eine britische Food- und Lifestyle-Bloggerin mit japanischen Wurzeln. Sie lebt in London, verbringt aber jedes Jahr einen Teil ihrer Zeit in Japan. Hauptberuflich arbeitet sie als Social-Media-Adviserin für Stiftungen, Wohltätigkeits- und Non-Profit-Organisationen wie Amnesty International.

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Leseprobe

Einführung

Ich bin im Spagat zwischen verschiedenen Kulturen aufgewachsen. Als Kind eines englischen Vaters und einer japanischen Mutter kam ich in London zur Welt, lebte ich in Seoul, London und dann für einige Jahre im kulturellen Schmelztiegel New York. Aber durch meine Mutter und den japanischen Teil meiner Familie, mit dem ich die schwülwarmen Sommer verbrachte, habe ich mir stets eine enge Verbindung zu Japan bewahrt.

In den vergangenen Jahren habe ich in meinem Blog ausführlich über Japan geschrieben. Hauptsächlich ging es dabei um Rezepte, Lifestyle und Reisetipps. Und obwohl ich schon an vielen Orten auf der Welt gelebt habe, habe ich das Gefühl, dass ich – in jedem Bereich meines Lebens – immer wieder zu denselben Strukturen, Ritualen, Gewohnheiten und Traditionen zurückkehre: die meiner japanischen Familie, mit denen ich aufgewachsen bin und mit denen ich stets in Berührung komme, wenn ich in Japan bin.

Der Ausdruck »Japonismus« wurde erstmals im späten neunzehnten Jahrhundert verwendet, um die westliche Begeisterung für japanische Kunst, Kultur und Design zu beschreiben – die in den letzten Jahren exponentiell gewachsen ist und mittlerweile alles von Musik über Film bis hin zu Essen und Kunst einschließt.

Ich denke, was Japans Kultur und Traditionen so einzigartig macht, ist seine lange Geschichte der Isolation. Japan hat sich eine so starke, reiche und ganz eigene Identität angeeignet, weil es lange Zeit keinem fremden Einfluss ausgesetzt war. Über 220 Jahre lang wurde in Japan eine isolationistische Außenpolitik praktiziert, bekannt als sakoku, was »Landesabschließung« bedeutet. Unter dem Tokugawa-Shogunat waren Beziehungen und Handel zwischen Japan und dem Rest der Welt streng eingeschränkt. Ab Anfang 1600 war es nur wenigen Menschen gestattet, das Land zu verlassen, und nur wenige wurden hereingelassen - ein Versuch, die empfundene Bedrohung durch fremde, religiöse und koloniale Einflüsse abzuwehren.

Zwar sind die zwei Jahrhunderte der nationalen Abschottung, die Anfang der 1850er endeten, extrem lang her – aber ich bin überzeugt, dass diese Ära der Abgeschiedenheit wesentlich zur Entstehung der Einzigartigkeit der japanischen Gesellschaft beigetragen hat. In jener lange zurückliegenden Isolationsphase haben sich die Bräuche, Traditionen und Kultur Japans entwickelt und ihre Blütezeit erlebt, wodurch sich meiner Meinung nach das Land, das wir heute kennen, so sehr von jedem anderen auf der Welt unterscheidet. Es kann durchaus fremdartig wirken und manchmal auch für verwirrend sein, aber es ist immer spannend, schön und unglaublich bereichernd. Seit sechsundzwanzig Jahren bin ich immer wieder dort und lerne jedes Mal etwas dazu, sehe immer wieder alles in einem neuen Licht.

Was kann man also von der japanischen Kultur lernen (ohne in ein Flugzeug zu steigen)? Wie können Sie es – genau wie ich – auf Ihren Alltag anwenden? Eine Schlüssellektion war für mich, was ich von meinem Großvater mütterlicherseits, Haruyuki, über die richtige Balance gelernt habe. Als eins von dreizehn Geschwistern in einer Viehzüchterfamilie aufgewachsen, arbeitete er sich im Lauf der Zeit zu einem einflussreichen Geschäftsmann hoch und wurde schließlich Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer von Shell in Japan.

Er unternahm eine Reise, den Anstoß gab eine zufällige Bekanntschaft, die er mit zwei amerikanischen Soldaten machte, die nach dem Zweiten Weltkrieg im tief verwundeten Japan stationiert waren. Auf deren Empfehlung hin brach er in die Vereinigten Staaten von Amerika auf und überquerte den Pazifik in zwei Wochen auf einem Ozeankreuzer – der Hikawa Maru (benannt nach dem großen Shintō-Schrein in Saitama). Er schloss ein Wirtschaftsstudium an der University of Washington ab, was er finanzierte, indem er als Gärtner, Kellner und Butler arbeitete. Infolge seiner Zeit in den Staaten entwickelte er eine Einstellung und Herangehensweise an geschäftliche Dinge, die man zu Hause in Japan als ziemlich unorthodox und zu westlich empfand. Aber Zeit seines Lebens war er unheimlich stolz auf sein Erbe und insbesondere die japanische Kultur, Geschichte und Tradition.

Von meinem Großvater habe ich die Bedeutung von Achtsamkeit gelernt – wie wichtig sie für eine glückliche und erfüllende Einstellung und Lebensweise ist. Wir leben in einer zunehmend vernetzten Welt und das hat seinen Preis. Es ist schwer, abzuschalten, wenn wir ununterbrochen mit Informationen und Mitteilungen bombardiert werden und ständig das Gefühl haben, dass der Stress oder das Drama unseres Arbeits- und/oder Privatlebens nur einen Klick entfernt sind oder sich gar per Push-Benachrichtigung aufdrängen.

Mein jiji (Großvater) war mein Vorbild, denn er nahm sich immer die Zeit, sich um sich selbst zu kümmern. Das verhalf ihm zu Glück, Produktivität im Beruf und einem nachhaltigen Leben. Die Werktage verbrachte er im wuseligen, lebhaften Herzen Tokios, wo er frühmorgens bis spätabends arbeitete. Aber fast sein ganzes Arbeitsleben hindurch kehrten er und meine Großmutter an den Wochenenden nach Kamakura zurück – einer wunderschönen Stadt am Meer – wo er wieder auftankte. Stundenlang hegte und pflegte er die kleinen Orangenbäume in seinem Garten, unternahm lange Wanderungen durch die nahe Hügellandschaft, malte, schrieb Gedichte, filetierte akribisch frischen Fisch und bereitete ihn für das Abendessen zu. Im Laufe meiner Karriere habe ich ähnliche Ansätze entwickelt, um meinen Akku aufzuladen und den Kopf frei zu kriegen – indem ich Kunst erschaffe (fotografiere oder schreibe), koche (Gyōza-Teigtaschen füllen ist beispielsweise sehr monoton, aber effektiv) und mein Leben auf verschiedene Weise organisiere (Kleiderschrank aussortieren oder Unterlagen ordnen). So fühle ich mich geerdet und produktiv.

In seinem späteren Leben wurde meinem Großvater seine spirituelle Seite immer wichtiger, und er nahm als Ältester aktiv am Tempelleben teil. Er saß in einem Rat, der die Mitglieder der Gemeinde von Tsurugaoka Hachiman-gū repräsentierte, dem kulturellen Herzen von Kamakura, wo sich der bedeutende Shintō-Schrein befand. Dies war der Ort, den er liebte und hegte, wo er Klarheit oder Frieden fand und der ihn zurück zu seinen Traditionen und Wurzeln führte. Seine Arbeit dort war ihm wichtig. Er war nie jemand, der große Reden hielt oder etwas sagte, bloß um ein Schweigen zu brechen, und jede Veranstaltung und jedes Ritual, an denen er teilnahm, erfüllte er mit Wertschätzung, Hingabe und Bedeutung.

Er war ein Frühaufsteher, der sich morgens, bevor er zur Arbeit abgeholt wurde, um all seine Pflanzen kümmerte. Und er war mein Komplize, wenn es darum ging, sich morgens um drei rauszuschleichen, um beim konbini um die Ecke (einem Laden, der 24 Stunden geöffnet hat) einen durch Jetlag erzeugten Heißhunger auf Rote-Bohnen-Eis zu stillen. Und nie versäumte er es, mich auf dem Nachhauseweg auf den Sonnenaufgang oder die Stille in den Straßen hinzuweisen und brachte mir so bei, die kleinen Momente zu würdigen, die ich sonst nicht bewusst wahrgenommen hätte.

Ich war in meinem letzten Jahr an der Universität in Manchester, als mein jiji starb, und erst, als ich selbst anfing zu arbeiten, wurde mir klar, wie viel von seiner Lebensweise ich über die Jahre hinweg aufgesaugt hatte. Durch die winzigsten, leisesten Momente, die unscheinbarsten Handlungen und kaum wahrnehmbaren Nuancen, die er hervorhob, entdeckte ich Aspekte meines eigenen Erbes, meiner eigenen Kultur, die ich in mir aufnahm und die mein Leben formten und mich führten.

Immer wenn ich neue Leute kennenlerne und ihnen von meiner japanischen Herkunft erzähle, folgt darauf ein angeregtes Gespräch, das unweigerlich in einer Diskussion über ihre Vorliebe etwa für Animes, die japanische Küche, gelegentlich auch für Karaoke mündet.

Als von Natur aus ängstlicher und vorsichtiger Mensch stelle ich fest, dass es inzwischen sehr viele Dinge gibt, auf die ich zurückgreife, die mir helfen, Klarheit zu finden, mich neu zu sortieren und Herausforderungen zu meistern, und dass sie alle fest mit Japan und seinem reichen Erbe verwurzelt sind. Und das ist es, was ich hier mit Ihnen teilen möchte: nicht einfach nur eine theoretische Abhandlung über Aspekte Japans und seine Kultur, sondern Philosophien und Strategien, welche mir geholfen haben, die Hindernisse und Prüfungen des modernen Alltags zu überstehen. Während ich diese Philosophien und Traditionen auf diesen Seiten formuliert und ihre Essenz herausgefiltert habe, hat dieser Prozess meine Liebe und Wertschätzung für sie erneuert, vielleicht stärker gemacht als je zuvor, und mir bewusst gemacht, wie sehr ich mich tatsächlich Tag für Tag auf sie verlasse, ohne es überhaupt zu merken. Ich hoffe, dass sie auch Ihnen Trost, Glück und Denkanstöße bringen – von der Art, wie man sie nur durch eine Würdigung der leiseren, aber reichen, der gewöhnlichen, aber freudvollen Momente auf der Reise erlangen kann.

Im ersten Teil des Buchs, »Kokoro«, liegt der Fokus auf Herz und Geist. Er handelt davon, was uns zu dem treibt, was wir tun (ikigai) und was uns Freude bringt; die Schönheit der Veränderung (wabi-sabi) und des Verstreichens der Zeit; das Entdecken der Schönheit in der Unvollkommenheit und das Zelebrieren von Entbehrungen und Momenten, die uns formen (kintsugi). Im zweiten Teil, »Karada«, geht es um den Körper: wie wir uns mit unserer Umgebung verbinden (durch Waldbaden, das Arrangieren von...

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