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Jeder nur ein Kreuz

Monty Python's "Das Leben des Brian" aus medien- und religionsdidaktischer Perspektive

AutorThomas Fuhlbrügge
VerlagBooks on Demand
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl200 Seiten
ISBN9783744842020
Altersgruppe12 – 
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis1,99 EUR
Nur wenige Filme haben in den letzten Jahrzehnten so viel Aufmerksamkeit und eine so unterschiedliche Bewertung gefunden, wie `Das Leben des Brian´ von der britischen Komiker-Truppe Monty Python. Für die einen ist es ein `Kultfilm´, der wegen seiner respektlosen Art und seiner vielen Gags geliebt wird, für andere ist der Film ein Ärgernis und der Vorwurf der Kritiker lautet: Blasphemie! Dieses Buch untersucht den Film einerseits aus mediendidaktischer Perspektive. Andererseits liefert es konkrete Anregungen für den Einsatz des Films, beispielsweise im Religionsunterricht der Oberstufe.Nur wenige Filme haben in den letzten Jahrzehnten so viel Aufmerksamkeit und eine so unterschiedliche Bewertung gefunden, wie `Das Leben des Brian´ von der britischen Komiker-Truppe Monty Python. Für die einen ist es ein `Kultfilm´, der wegen seiner respektlosen Art und seiner vielen Gags geliebt wird, für andere ist der Film ein Ärgernis und der Vorwurf der Kritiker lautet: Blasphemie! Dieses Buch untersucht den Film einerseits aus mediendidaktischer Perspektive. Andererseits liefert es konkrete Anregungen für den Einsatz des Films, beispielsweise im Religionsunterricht der Oberstufe.

Thomas Fuhlbrügge (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Katholische Religion, Philosophie, Ethik und Politik & Wirtschaft in Südhessen. Der Musiker, Autor und Liedermacher lebt mit seiner Frau und seinem Sohn im hessischen Altheim.

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Leseprobe

4.1 Inhaltsübersicht


Der Film beginnt wie manch traditioneller Jesus-Film. Der Zuschauer sieht einen Stern über eine hügelige Landschaft ziehen, verfolgt von drei Gestalten auf Kamelen. Die Heiligen Weisen, denn um diese Personen handelt es sich offenkundig in Anlehnung an Matthäus 2, 1-12, treten in eine armselige Hütte und finden dort eine schlafende Mutter (Regisseur Terry Jones) mit ihrem Neugeborenen. "Die Mutter ist unzweifelhaft ein verkleideter Mann, der mit verstellter und kreischender Stimme weit eher vettelhaft als marienähnlich wirkt."48 Die drei Weisen bemerken schnell ihren Irrtum, nehmen die dargebrachten Geschenke wieder an sich und gehen zur nächsten, diesmal richtigen Krippe.

In dieser Szene wird bereits deutlich, dass es sich bei der Hauptfigur des Films nicht um Jesus, sondern um eine Person aus dem Umfeld, eben um Brian handelt.49

Nach dem bereits erwähnten Vorspann, dessen Lied eigentlich eine James-Bond-Melodie ist und dessen Text eine banale Beschreibung der Person Brian enthält50, treffen wir die bereits eingeführten Personen dreiunddreißig Jahre später in Judäa wieder, an einem Samstag Nachmittag zur `Tea-Time´ (im Deutschen: am Samstag, kurz vor der Sportschau). Wir sehen Jesus gerade seine Seligpreisungen innerhalb der Bergpredigt halten (vgl. Mt. 5, 3-12 bzw. Lk. 6, 20-23).

Ganz am Rand der großen Menschenmenge ist der inzwischen erwachsene Brian (Graham Chapman) mit seiner Mutter Mandy zu erkennen. Sie beschwert sich gerade lautstark, dass sie nichts verstehen könne und Jesus gefälligst lauter reden soll.

In dieser Szene werden auch andere Python-Mitglieder eingeführt, mit Rollen, die später im Film immer wieder auftauchen. Da ist beispielsweise Herr Dreist (Eric Idle), der Herrn Dicknase (Michael Palin) wegen seiner äußeren Erscheinung hänselt und mit ihm sogar eine Prügelei anfängt.

Als es für Brian und seine Mutter nichts Interessantes mehr zu sehen gibt, beschließen sie, lieber zu einer Steinigung zu gehen. Auf dem Wege dorthin begegnet Brian der schönen Revolutionärin Judith, in die er sich sofort verliebt. Sie nimmt jedoch keine Notiz von ihm, da sie ganz auf ihre `68er- Parolen´ konzentriert ist.

Die nun folgende Steinigungsszene ist ein erster Höhepunkt des Films. Bei der weiteren Analyse wird diese Szene häufiger begegnen. An ihr lassen sich viele Elemente beobachten, die typisch für den Humor der Monty Pythons in `Das Leben des Brian´ sind.

Ein älterer Mann ist zum Tode verurteilt, da er beim Abendessen den Namen `Jehova´ ausgesprochen hat. Auf diese angebliche Blasphemie steht die Todesstrafe durch Steinigung. Eine große Anzahl Frauen mit plumpen falschen Bärten nur sehr unzureichend als Männer verkleidet (da es geschrieben steht, dass Frauen nicht zu Steinigungen dürfen), warten gierig auf die Erlaubnis zum Werfen durch den Hohepriester (John Cleese). Doch "die Steinigung nimmt ein unvorhersehbares Ende: Der Hohepriester selbst wird von der wütenden Menge unter einem Fels begraben"51, da auch er das Wort `Jehova´ ausgesprochen hatte.

Nach dieser Steinigung gehen Brian und seine Mutter nach Hause. Auf dem Weg durch die engen Gassen treffen sie auf einen Ex-Leprakranken (Michael Palin), der sich beschwert, dass Jesus ihn geheilt hat (vgl. Mt. 8, 14 bzw. Mk. 1,40-45) und er jetzt keine Einnahmequelle durch Bettelei mehr besitzt.52

Endlich zu Hause angekommen erfährt Brian, dass sein Vater in Wirklichkeit ein Römer mit Namen `Nixus Minimax´ war, der nach der Zeugung schnell das Weite gesucht hat. Es scheint sogar der Beruf der Mutter zu sein, sich bei den Römern zu prostituieren.

Brian ist von dieser Nachricht geschockt. Er hasst die Römer, arbeitet aber indirekt für sie. Als er am nächsten Tag bei seiner Arbeit im Kolosseum von Jerusalem, dort verkauft er in einem Bauchladen allerlei sonderbare Snacks, wieder Judith im Kreis anderer Revolutionäre trifft, beschließt er, dieser Gruppe beizutreten. Die `Volksfront von Judäa´ ist eine von vielen Terrorgruppen, mit völlig unrealistischen Forderungen und der Sprache der revoltierenden Studenten der Zeit um 1968.

Um Mitglied werden zu können, bekommt Brian von Reg, dem Anführer der `Volksfront von Judäa´ (VvJ), gespielt von John Cleese, den Auftrag, an die Mauern des Palastes von Pontius Pilatus den Slogan `Römer geht nach Hause´ auf Latein zu schreiben. Leider sind Brians Sprachkenntnisse nicht besonders gut. Bei seinen Schmierereien wird er von einem schulmeisterhaften, römischen Hauptmann (wieder John Cleese) erwischt und sein fehlerhaftes Latein korrigiert. Als Strafe muss Brian nun den verbesserten Satz hundertmal schreiben, so dass am nächsten Morgen die komplette Mauer des Palastes mit dem eigentlich verbotenen Spruch bedeckt ist.

Da die Graffiti-Aktion aus Sicht der anderen Revolutionäre ein solch großer Erfolg war, wird Brian in den Kreis der VvJ aufgenommen und darf gleich bei einer Aktion mitwirken. Ziel ist es, durch die Abwasserleitung in den Palast zu gelangen, die Frau von Pilatus zu entführen und völlig unrealistisch und weltfern zu fordern, den kompletten römischen Staatsapparat innerhalb von drei Tagen aufzulösen.

Doch kurz bevor die maskierte und bewaffnete Gruppe das Schlafzimmer der Frau erreicht, trifft sie auf eine andere Terror-Organisation (`Kampagne für ein freies Galiläa´). Statt sich zu verbünden, beginnen sich die konkurrierenden Gruppen zu bekämpfen. Alle erschlagen sich gegenseitig, so dass am Ende der Prügelei nur noch Brian übrig bleibt, der von den Römern gefangen genommen wird.

In der Kerkerzelle trifft Brian auf Ben (in seiner Maske kaum zu erkennen: Michael Palin), der seit Jahren an die Wand gekettet, trotzdem für die Römer schwärmt. Daraufhin wird Brian vor Pontius Pilatus geführt. Zu einer Verurteilung kommt es aber nicht. Pilatus (Michael Palin) hat einen auffallenden Sprachfehler, bei dem sich auch die römischen Wachen vor Lachen schütteln. So gelingt Brian die Flucht.53

Doch er kommt nicht sonderlich weit. Verfolgt von den Römern, stürzt er von einem Turm. Hier ist offensichtlich auf Mt. 4, 5-6 angespielt: In der Perikope führt der Teufel Jesus in Jerusalem auf den Tempel und gebietet ihm, herunter zu springen. Wenn Jesus wirklich Gottes Sohn sei, so werden Engel kommen und ihn auffangen.

In `Life of Brian´ kommen keine Engel, sondern es erscheint ein UFO.54 In dieses fällt Brian hinein und wird von käferähnlichen Aliens in den Weltraum entführt. Nach einem Gefecht mit anderen Außerirdischen stürzt das beschädigte Raumschiff ab und landet auf der Erde, an genau der Stelle, an der Brian vom Turm fallend aufgeprallt wäre. Er steigt aus den Trümmern und wird gleich wieder von römischen Soldaten verfolgt.

Er flüchtet ins Hauptquartier der VvJ. Da ihm die Römer dicht auf den Fersen sind, ist er dort wenig willkommen. Er wird auf einen wackligen Balkon geschickt, während sich die etwa zehn anwesenden Revolutionäre äußerst plump in dem winzigen Raum verstecken. Trotzdem werden sie von den massenhaft in den Raum stürmenden römischen Soldaten nicht gefunden.

Unter Brians Balkon befindet sich ein Platz, auf dem eine große Zahl `Propheten´ ihre Botschaften unter das Volk bringen. Plötzlich gibt der Boden des baufälligen Balkons nach und Brian fällt in die Tiefe. Er stößt einen dieser Propheten beiseite und steht nun an dessen Stelle vor einer Zuschauerschar, die seine Weisheiten hören will.55 Um nicht aufzufallen, die Römer sind allgegenwärtig und suchen weiterhin nach ihm, fängt er an, Gleichnisse zu erzählen, doch ausgerechnet bei Brian ist die Zuschauermenge besonders kritisch. Erst als die Römer weiterziehen und Brian einen wirren, nichtssagenden Satz nicht mehr zu Ende bringt, hören ihm die Zuschauer aufmerksam zu. Sie glauben, Brian kenne das große Geheimnis vom ewigen Leben, das er ihnen nicht verraten wolle.

Von diesem Zeitpunkt an verfolgen ihn eine immer größer werdende Zahl Menschen. In jeden profanen Satz und jede Geste von Brian wird etwas Bedeutsames hineininterpretiert und die immer fanatischere Menge schließt letztlich daraus, dass er der Messias sei.56 Sie verfolgt ihn sogar in die Wüste. Dort begegnet Brian einem alten Einsiedler (Terry Jones), der nach vermeintlichen Wundern und seiner `Selbstoffenbarung´ von der Masse umgebracht wird, da er in Brian nicht den Messias sieht.

An dieser Stelle im Film (die problematischste Szene im Film mit dem jüdischen Nazi Otto wurde wie beschrieben herausgeschnitten)57 erscheint auch Judith wieder, mit der Brian daraufhin eine Liebesnacht verbringt. Am nächsten Morgen hat sich, sehr zu Brians Schrecken, eine riesige Volksmenge vor dem Haus eingefunden, die eine Rede von ihm hören will. Nach der Erlaubnis seiner Mutter spricht er zu den Menschen, um das Missverständnis aufzuklären, wird jedoch auch dieses Mal falsch verstanden. Auch von der VvJ wird Brian nun vereinnahmt. Sie wollen ihn als Messias vermarkten.

Nun wird Brian...

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