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E-Book

John Wesley und der frühe Methodismus

AutorRichard P Heitzenrater
VerlagEdition Ruprecht
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl395 Seiten
ISBN9783767570764
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis30,00 EUR

Dieses Standardwerk, das bereits in sechs Sprachen übersetzt wurde, führt in die Entstehung und Geschichte des Methodismus in England und Nordamerika ein und beleuchtet den Beitrag der Bewegung zur Geschichte der Frühen Neuzeit, außerdem die vielfältigen internationalen Kontakte der Brüder John Wesley und Charles Wesley - z.B. den prägenden Einfluss des Gedankenguts von August Hermann Francke und den Herrnhutern, aber auch die Abgrenzung der methodistischen Bewegung davon.

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Leseprobe

5. Kapitel Die Reifezeit des Methodismus (1758–1775) (S. 239-240)

In den 1750er Jahren stand die methodistische Bewegung offenbar mehr als einmal kurz vor der Auflösung. Streitereien über Laienpredigten und Sakramente, Prediger, die Fahnenflucht begingen, und der Verlust von Mitgliedern an Proselytenmacher führten zu einer Auslese unter den Predigern und zu der Aufforderung an diejenigen, die geblieben waren, noch einmal Einheit und Loyalität zu geloben. Diese Phase der Unruhe unter den Methodisten verschärfte sich durch die wachsende Spannung unter den Brüdern Wesley. Die meisten strittigen Punkte schienen mit der Frage nach der Trennung von der Kirche von England zu tun zu haben. Charles, der „Kirchenmethodist“, setzte sich weiterhin für eine stärkere Bindung an die Kirche von England und ihre Geistlichen ein. Seine Prioritäten waren klar: Gott, Kirche und Methodismus. John zeigte keine so klare Haltung. Nachdem er sich von der Vorstellung verabschiedet hatte, die Prediger zu ordinieren und ihnen zu gestatten, die Sakramente auszuteilen, stand er jetzt allerdings unter dem Druck, die Einheit innerhalb des Methodismus wie auch mit der Kirche aufrecht zu erhalten.

Maßstäbe für Lehre und Disziplin

Auf der Konferenz in Irland 1758, die im Sommer in Limerick abgehalten wurde, erhob man gegen einen der Prediger, Mark Davis, der vor kurzem Methodist geworden war, den Vorwurf, er sei in Lehrfragen nicht orthodox. Thomas Walsh, der von den Katholiken übergetreten war, verteidigte seinen Kameraden, indem er vorbrachte, dass „diese Einwände gegen seine Wortwahl bald vom Tisch sein würden, wenn er mit den Schriften der Methodisten erst vertrauter sei“. Und tatsächlich hatten die Wesleys eine Menge von Veröffentlichungen genau zu diesem Zweck herausgebracht.

In jenem Frühjahr (1758) hatte John A Preservative Against Unsettled Notions in Religion („Bewahrung vor ungeregelten Begriffen in religiösen Dingen“) veröffentlicht, eine Sammlung von Abhandlungen, die zu vielen Reibungspunkten innerhalb der Bewegung Stellung bezog. Das Buch enthielt Material, das sich mit Deisten, Katholiken, Quäkern, Anhängern der Prädestinationslehre und Herrnhutern beschäftigte. Einige Artikel richteten sich gegen Einzelne: William Law (Mystizismus), Micaiah Towgood (Dissenters) und James Hervey (Antinomismus); andere beschäftigten sich mit Themen wie Taufe, der Göttlichkeit Jesu Christi oder Taufpaten und -patinnen. Die meisten dieser Abhandlungen waren vorher schon einmal veröffentlicht worden. Die Sammlung enthielt außerdem Wesleys Schrift „Reasons against a Separation from the Church of England“ („Gründe gegen eine Trennung von der Kirche von England“), die aus der zweiten Hälfte seines Konferenzpapiers „Ought we to separate“ („Sollten wir uns trennen“) bestand, in dem zwölf Gründe aufgezählt worden waren, aus denen es für die Methodisten nicht zweckmäßig sei, der Kirche den Rücken zu kehren.

Daher überrascht es kaum, wenn die Ansicht, die Wesley in der Tauffrage vertrat, im Wesentlichen mit dem Standpunkt der Kirche in Einklang stand. Johns „Treatise on Baptism“ („Abhandlung über die Taufe“) war in Wirklichkeit die gekürzte Fassung einer Schrift, die sein Vater Samuel als Anhang zu The Pious Communicant („Der fromme Kommunikant“, 1700) verfasst hatte. John zögerte nicht, die orthodox- anglikanischen Ansichten seines Vaters in Bezug auf die Taufe zu wiederholen; er zitiert sogar aus der Gottesdienstordnung, dass der Täufling „vom Heiligen Geist gewaschen und geheiligt wird und, von Gottes Zorn erlöst, die Vergebung der Sünden erlangt und die immerwährende Segnung dieser himmlischen Waschung erfährt“. Er erklärt, dass man durch die Taufe nicht nur in den Leib Christi eingegliedert und zu einem Mitglied der Kirche gemacht, sondern auch mit der Gnade erfüllt werde, durch die aus einem Kind des Zorns durch Adoption ein Kind Gottes werde. Er führt nicht nur noch einmal die traditionellen Argumente für die Kindertaufe an, sondern antwortet auch auf viele der typischen Kritikpunkte. Selbst auf das traditionelle evangelikale Argument gegen die Lehre von der Taufwiedergeburt, dass Buße und Glauben der Rechtfertigung und Wiedergeburt notwendigerweise vorausgehen müssten, erwidert er, indem er eine Parallele zwischen Taufe und Beschneidung (die ähnliche Voraussetzungen hatte) zieht. Damit zeigt er, dass sie auf Gottes Weisung hin am achten Tag nach der Geburt des Kindes zu geschehen habe (JWW, 10: 188–201).

Inhaltsverzeichnis
Inhalt8
Vorwort10
1. Kapitel Der Methodismus und das christliche Erbe in England18
Die englische Reformation: Von der Kirche in England zur Kirche von England20
Zeitleiste 1 Englische Reformation, Bürgerkrieg und Restauration25
Der Pietismus und die religiösen Gesellschaften37
Zeitleiste 2 Die Entstehung der religiösen Gesellschaften40
Die Familie Wesley in Epworth46
Literaturangaben53
2. Kapitel Das Aufkommen des Methodismus (1725–1739)54
Das erste Aufkommen des Methodismus – Oxford54
Erste Organisationsstrukturen der Oxford Society61
Der Oxford-Methodismus, 1733–173571
Zeitleiste 3 Das erste Aufkommen des Methodismus79
Das zweite Aufkommen des Methodismus – Georgia83
Zeitleiste 4 Das zweite Aufkommen des Methodismus96
Das dritte Aufkommen des Methodismus – London98
Peter Böhler und die Suche nach dem Glauben101
Zeitleiste 5 Das dritte Erwachen des Methodismus114
Kapitel 2 – Literaturangaben121
3. Kapitel Die Erweckung beginnt (1739–1744)122
Die Erweckung in Bristol124
Die Vereinigten Gesellschaften129
Auseinandersetzung mit Calvinisten und Herrnhutern132
Spaltungen und die Vereinigte Gesellschaft in London136
Klassen und Leiter145
Fortdauernde Dispute147
Der Auftrag des Methodismus153
Verteidigung und Apologetik158
Der Pfarrbezirk wächst165
Das Netzwerk wächst170
Eine Kontroverse und die Konferenz173
Zeitleiste 6 Frühe Phase der Erweckung175
Kapitel 3 – Literaturangaben178
4. Kapitel Konsolidierung der Bewegung (1744–1758)180
Ein Netzwerk (Connexio) entsteht183
Reisen und Predigen184
Die wachsende Verlagsarbeit188
Weitere Kontroversen192
Die Erweckung breitet sich aus197
Missions- und Aufbauarbeit201
Hilfe für Körper, Seele und Geist201
Fragen der Einheit und Uniformität208
Ausbildung der Prediger214
Regeln und Ordnungen der Connexio220
Die Prüfung der Prediger221
Leitung und Einheit227
Trennungsdruck230
Kapitel 4 – Empfohlene weiterführende Literatur238
5. Kapitel Die Reifezeit des Methodismus (1758–1775)240
Maßstäbe für Lehre und Disziplin240
Vielfalt und Debatte242
Bemühungen um Einheit mit den anglikanischen Geistlichen244
Probleme mit den Predigern246
Die Kontroverse um die Vollkommenheit251
Maßstäbe für die Einheit253
Die methodistische Mission und die Kirche257
Die Herausbildung einer eigenen Theologie262
Lehre, Ordnung und die Konferenz279
Expansion, Kontroverse und die Führungsfrage289
Zeitleiste 7 Die Reifezeit des Methodismus307
Kapitel 5 – Empfohlene weiterführende Literatur309
6. Kapitel Spannungen und Veränderungen (1775–1791)310
Theologische und politische Polemik310
Konferenz und Dienst333
Die Deklarations- Urkunde334
Eine neue Kirche in der Neuen Welt337
Die Schlussphase346
Die späten Jahre355
6. Kapitel – Empfohlene weiterführende Literatur364
Epilog366
Der Methodismus nach Wesley368
Zeitleiste 8 Spannungen und Übergänge371
Das wesleyanische Erbe375
Epilog – Empfohlene weiterführende Literatur382
Register384

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