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Jugend hinter Stacheldraht ... und danach ...

VerlagRainer Hampp Verlag
Erscheinungsjahr2001
Seitenanzahl206 Seiten
ISBN9783879885817
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR
Die Arbeit „Jugend hinter Stacheldraht ... und danach ...“ gibt einen Abschnitt der deutschen Zeitgeschichte wieder, der den meisten Menschen bis zur Wende wenig bekannt war. Im ersten Teil schildert der Verfasser in seiner Schulexamensarbeit die Erlebnisse bis zu seiner Entlassung aus dem sowjetischen Schweigelager Nr. 2 (KZ Buchenwald) im Jahre 1950. Schwerpunkt ist dabei die besondere Situation der nicht verurteilten Jugendlichen, die meist als "Werwolf"-Verdächtige eingesperrt waren. Danach berichten Frauen und Männer, die als Jugendliche in den verschiedenen Lagern (KZ Sachsenhausen, Ketschendorf, Mühlberg, KZ Buchenwald) und später verurteilt in den DDR-Strafanstalten (Bautzen, Waldheim) inhaftiert waren, wie sie die furchtbaren Jahre überstanden. Sehr differenziert ist ihre spätere Entwicklung verlaufen. Während manche – in die Bundesrepublik Deutschland geflüchtet – einen ungewöhnlichen Aufstieg in der Wirtschaft erlebten, waren die in der DDR Verbliebenen oft ausgegrenzt. Der letzte Teil gibt den erfolgreichen Versuch wieder, zwischen den Häftlingen vor und nach 1945 – die ähnliches unter zwei Diktaturen durchmachten – zu versöhnen. Eine von einem Historiker initiierte Ausstellung des Lagers Jamlitz – vor 1945 Arbeitslager für ungarische Juden (Außenstelle Sachsenhausen) und nach 1945 sowjetisches Speziallager Nr. 6 – fand große Resonanz. Im Mittelpunkt der Ausstellung auf Burg Beeskow am 24.3.2000 standen die wiedergegebenen Vorträge und ein Gedankenaustausch der Betroffenen. Wie ein roter Faden zieht durch das Buch die Erkenntnis, wie ungewöhnliche Situationen gemeistert werden können.    

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt, Vorwort
  2. I. Unschuldig eingesperrt: ein anonymer Erlebnisbericht
  3. II. Und was sie danach erlebten: Schwierige Situationen vor allem in der DDR (Ernst Zander)
  4. II. Und was sie danach erlebten: Die meisten Schülerinnen und Schüler kamen um (Gisela Gneist)
  5. II. Und was sie danach erlebten: Von der Schule nach Westbesuch über Bautzen zum herausragenden Schriftsteller (Walter Kempowski)
  6. II. Und was sie danach erlebten: Das Auf und Nieder einer Frau aus Ketschendorf (Waltraut Marschhausen)
  7. II. Und was sie danach erlebten: Vom Mittelschüler über Buchenwald zum DDR-Eisenbahner und über das Haftarbeitslager zum Lagerleiter im Westen (Gerhard Nattke)
  8. II. Und was sie danach erlebten: Vom Klosterschüler über Sachsenhausen, Bautzen in den Bankvorstand (Hans-Curt von Pannewitz)
  9. II. Und was sie danach erlebten: Von der Klosterschule über Buchenwald zum Kohlenmanager (Hasso von Poser)
  10. II. Und was sie danach erlebten: Die Freiheit eines Gefangenen (Ulrich Schacht)
  11. II. Und was sie danach erlebten: Ein ungewöhnliches Familienschicksal (Gerda Stephan)
  12. II. Und was sie danach erlebten: Aus der Landwirtschaft über Jamlitz und Buchenwald in den Konzernvorstand (Ernst Zander)
  13. II. Und was sie danach erlebten: Folter in der Jugend - Bewältigung im Alter (Kurt-Peter Schaefer)
  14. III. Der steinige Weg zur Versöhnung: Einführung
  15. III. Der steinige Weg zur Versöhnung: Vortrag von Anreas Weigelt
  16. III. Der steinige Weg zur Versöhnung: Vortrag von Georg Tibor Kaufmann
  17. III. Der steinige Weg zur Versöhnung: Vortrag von Ernst Zander
  18. Quellen und Abkürzungen
  19. Anhang
Leseprobe
III. Der steinige Weg zur Versöhnung (S. 175-176)

Einführung

Wenn ehemalig Inhaftierte auf ihre Lagerzeit zu sprechen kommen, zeigt sich eine stark ausgeprägte Gemeinsamkeit. Das gilt nicht nur für die persönlichen Erfahrungen, sondern auch für den Wunsch, zukünftig menschenverachtende Entwicklungen zu verhindern. Ausgeprägt sind Diskussionen ehemaliger Gefangener vor allem nach der Wende, wenn sich die Menschen trafen, die unter den verschiedenen Diktaturen unschuldig Jahre in Lagern oder Gefängnissen verbracht hatten. Umso erstaunlicher ist, daß in Deutschland der Weg zur Versöhnung besonders beschwerlich ist. Die intensive Forschung einiger Historiker zum Teil gegen Angriffe von Verbänden und Interessengemeinschaften ermöglichte schließlich Ausstellungen über die Lager vor und nach 1945, wie Buchenwald, Sachsenhausen und Jamlitz.

So wurden in Buchenwald von linksextremen Antifaschisten die Stelen auf dem Waldfriedhof, die auf ehemaligen Massengräbern errichtet waren, durch Müllsäcke geschändet. Es beruhigt wenig, wenn die ermittelten Rädelsführer, wie ein VVN-Antifa-Kreissprecher aus Aachen, vor dem Amtsgericht Weimar zur Rechenschaft gezogen werden. Der Verurteilte hielt das gegen ihn ergangene Urteil für falsch und legte Berufung ein. Das Gericht sah es aber als erwiesen an, daß der Verurteilte zusammen mit anderen nicht bekannten Demonstranten im April 1997 anläßlich der Feier zum Jahrestag der Befreiung die Stelen mit Müllsäcken verhüllte und so die Totenruhe störte. Es erhöhte die Geldstrafe auf 5400 Mark.

Am 7.12.2000 kam das Thüringer Oberlandesgericht zu einem seltsamen Beschluß, das den Anführer der linksradikalen Gruppe freisprach, weil die für erwiesen angenommene Tat zu dem Zeitpunkt nicht strafbar gewesen sei und dem ,,Recht auf Meinungsfreiheit auf künstlerische Weise" entspreche.

Das Gericht führte aus, daß die Gedenkstätte Buchenwald keine ,,Beisetzungsstätte" sei. Erst durch das 6. Strafrechtsreformgesetz von 1998 seien Gedenkstätten vor ,,beschimpfendem Unfug" geschützt worden. Die Tat sei aber schon 1997 geschehen. Bei den Grabfeldern handle es sich um Massengräber, in denen völlig anonym ohne jegliche Möglichkeit der Identifizierung Getötete oder Verstorbene verscharrt worden seien. Es könne deshalb keine Rede davon sein, daß diese Stätte der Ruhe und - insbesondere - dem Andenken von Toten dienen sollte.23 Ganz anders verhalten sich die vielen Jugendlichen, die beide Ausstellungen besuchen und auch in den Gästebüchern ihre Einstellung deutlich machen.

Ein lobenswertes Beispiel bot dank der Initiative von Herrn Weigelt die Ausstellungseröffnung am 23. März 2000 für die Lager Jamlitz – vor 1945 jüdisches Arbeitslager, Außenstelle Sachsenhausen, und nach 1945 sowjetisches Schweigelager Nr. 6.

Für die vor 1945 dort eingesperrten ungarischen Juden sprach Herr Georg Tibor Kaufmann, der 1956 nach Enteignung aus seiner Heimat vor sowjetischen Truppen nach Amerika geflüchtet war. Er wurde begleitet von seiner Frau, die schon als l6jähriges Mädchen in Auschwitz eingesperrt war. Er erklärte sich bereit, im Kultur- und Bildungszentrum Burg Beeskow eine Rede zu halten, die die Burgschreiberin des Jahres 1999, Frau Ildiko Röd, übersetzte.

Vor zahlreichen Gästen und Vertretern der Medien fanden die folgenden Ausführungen großen Beifall. Den Rahmen bildete ein jüdisches Gebet und ein Lied, das die in Jamlitz gefangene Schriftstellerin Gertrud Lehmann- Waldschütz für ihre Tochter geschrieben hatte.

Übersetzt von Frau Ildiko Röd erklang das jüdische Gebet ,,Shima Israel", gesungen und aufgezeichnet in der West-London-Synagoge, dessen Rabbi Hugo Gryn bis zu seinem frühen Tod 1996 ein Überlebender des KZNebenlagers Lieberose war. Das Kinderlied wurde schon in Jamlitz in Noten gesetzt und von Frau Madeleine Matern, begleitet von Herrn Schlegel, vorgetragen.

Die Referate sind im dritten Kapitel wiedergegeben. Die Medien berichteten darüber und kamen zu dem Schluß: "Wüßte man nicht, was aus dem SSArbeitslager und was aus dem NKWD-Lager stammt, könnte man die Exponate durcheinanderbringen. So ähneln sich die Qualen, die die Inhaftierten dort vor und nach dem Kriegsende erleiden mußten." (Märkische Oderzeitung vom 25.3.2000)
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Vorwort8
Vorwort 2. Auflage9
I. Unschuldig eingesperrt10
„Werwölfe“10
Das Tribunal der Revolutionsbeamten14
Illusion „Entlassungslager“20
Kiefern, Baracken und Hoffnungen27
Die „natürliche“ Liquidation35
Vom Spreewald zum Ettersberg41
Hoch über der Landschaft, tief unter der menschlichen Würde45
Terror macht nachdenklich53
Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt64
Gefangene Kranke67
Der Bruder der Verzweiflung: Das Glück78
Wiedergeboren81
Und was sagt Iwan dazu?88
Ich glaube ...97
II. Und was sie danach erlebten100
Schwierige Situationen vor allem in der DDR101
Die meisten Schülerinnen und Schüler kamen um107
Von der Schule nach Westbesuch über Bautzen zum herausragenden Schriftsteller117
Das Auf und Nieder einer Frau aus Ketschendorf119
Vom Mittelschüler über Buchenwald zum DDR-Eisenbahner und über das Haftarbeitslager zum Lagerleiter im Westen125
Vom Klosterschüler über Sachsenhausen, Bautzen in den Bankvorstand129
Von der Klosterschule über Buchenwald zum Kohlenmanager136
Die Freiheit eines Gefangenen139
Ein ungewöhnliches Familienschicksal141
Aus der Landwirtschaft über Jamlitz und Buchenwald in den Konzernvorstand146
Folter in der Jugend - Bewältigung im Alter152
III. Der steinige Weg zur Versöhnung176
Einführung176
Der schmerzliche Weg zur Versöhnung185
Quellen195
Abkürzungen197
Anhang 1: Information und Wiedergutmachung198
Anhang 2: Lesermeinungen201
Anhang 3: Karte205

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