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E-Book

Kallistratos von Aphidnai

Untersuchungen zu seiner politischen Biographie

AutorBarbara Hochschulz
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2003
Seitenanzahl271 Seiten
ISBN9783831606788
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis37,99 EUR

Kallistratos von Aphidnai war eine der zentralen Figuren der athenischen Politik in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Während Kallistratos’ ungezügelte persönliche Leidenschaften in den Quellen karikiert werden, wird seine Handhabung politischer Angelegenheiten als sehr gewissenhaft bezeichnet.

Kallistratos von Aphidnai gestaltete die Politik Athens seiner Zeit auf besondere Weise und beeinflußte damit auch die Geschicke ganz Griechenlands wesentlich, so daß er zu Recht als eigentlicher Baumeister einer neuen Wirtschafts- und Außenpolitik in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. betrachtet wird. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die politischen Aktivitäten des Kallistratos von Aphidnai vor dem Hintergrund des gesamtgriechischen Geschehens in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts zu rekonstruieren, sie zu analysieren und zu einem Gesamtbild zu fügen.

Die Autorin

Barbara Hochschulz, Jahrgang 1972, studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Alte Geschichte, Neuere Geschichte, Klassische Archäologie und Politikwissenschaften. 1997 Magistra Artium. 2003 Promotion.

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Leseprobe

3 Die späten 80er Jahre: Kallistratos und die Befreiung der Kadmeia (S. 44)

3.1 Kallistratos und die Verschwörung der Thebaner

Kallistratos’ Name findet erst wieder 379/78 v. Chr. in Zusammenhang mit der Befreiung der Kadmeia und der Verschwörung der Thebaner Erwähnung. Zuvor hatte die Kooperation zwischen den thebanischen Oligarchen und den Spartanern 380 v. Chr. zur Besetzung der Kadmeia durch die Spartaner und zum Umsturz der demokratischen Ordnung geführt.

In der Folge gelang es den thebanischen Verbannten 379/78 v. Chr., mit athenischer Hilfe das oligarchische Regime zu stürzen und die Spartaner aus Theben zu vertreiben. Plutarch berichtet im Rahmen seiner Schilderung der thebanischen Verschwörung zur Befreiung Thebens, daß sich die verbannten Thebaner mit Hilfe eines Begleitbriefes des Kallistratos Zugang zum Haus eines thebanischen Oligarchen Leontiades verschaffen haben und diesen so überwältigen konnten.

Die Rückeroberung Thebens habe so bis zur völligen Befreiung ihren Lauf nehmen können. Plutarchs Beschreibung der Verschwörung hat in der modernen Forschungsliteratur zu einer Vielzahl von unterschiedlichen Interpretationen der politischen Haltung des Kallistratos geführt, da durch die Darstellung bei Plutarch ein freund- schaftliches Verhältnis zwischen Kallistratos und dem thebanischen Oligarchen Leontiades, dessen Dienstboten dem Boten des Atheners Kallistratos bereitwillig Eingang gewährten, angedeutet zu werden scheint.

Aus dieser mutmaßlichen Beziehung zwischen Kallistratos und Leontiades wurde dann auf eine prospartanische Haltung des Kallistratos zu diesem Zeitpunkt zurückgeschlossen.

Um den scheinbaren Gegensatz zwischen Kallistratos’ angenommener zeitweiliger antispartanischer Haltung – im Rahmen des Gesandtschaftsprozesses von 392/1 v. Chr., bei der Gründung des Zweiten Athenischen Seebundes und auf den Friedensverhandlungen von Sparta 371 v. Chr. – und seiner vermeintlichen Beziehung zu Leontiades zu erklären, versuchte man, die Echtheit und Urheberschaft des Briefes zu hinterfragen.

Während die einen den Begleitbrief der thebanischen Exilanten als literarische Erfindung deuten, halten andere wiederum den Brief nicht für Fiktion, aber stellen die Urheberschaft des Kallistratos in Frage.

Weiter wird die Auffassung vertreten, daß aus der umstrittenen Passage bei Plutarch nur gefolgert werden könne, daß Kallistratos möglicherweise mit Leontiades, in dessen Haus die Verschwörer eindrangen, befreundet gewesen sei.

Auf eine prospartanische Haltung des Kallistratos indes zu schließen, sei aufgrund der Nachrichten in den Quellen, aus denen hervorginge, daß Kallistratos eindeutig die Besetzung der Kadmeia und die Politik der Spartaner mißbilligte, abzulehnen.

In diesem Sinne wird ein weiteres Argument angeführt: Der Brief weise nicht auf eine Verbindung zwischen Kallistratos und den thebanischen Oligarchen als solche, sondern nur auf eine persönliche Beziehung zwischen Kallistratos und Leontiades hin.

Aus dieser persönlichen Bekanntschaft auf politischen Konsens zu schließen, wäre nicht vertretbar. Außerdem habe dieser persönliche Kontakt des Kallistratos mit einem oligarchischen Thebaner nicht dazu geführt, in Athen Mißtrauen gegen Kallistratos zu schaffen und ihm nicht den Oberbefehl gegen Sparta 377 v. Chr. zu übertragen.

Aber wie läßt sich nun dieser vermeintliche Widerspruch auflösen? Auch bei einer literarischen Erfindung des Plutarch muß die Nennung von Kallistratos` Namen zumindest einen Sinn ergeben, da eine willkürliche Erwähnung ansonsten nicht überzeugend wäre.

In der Tat ergeben sich zur literarischen Erfindung nur zwei Alternativen: entweder gaben die thebanischen Verbannten tatsächlich nur vor, ein Schreiben des Kallistratos bei sich gehabt zu haben, oder sie hatten wirklich eine echte schriftliche Nachricht dabei.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis10
1 Einleitung14
2 Anfänge und Voraussetzungen25
2.1 Herkunft – verwandtschaftliche Beziehungen – Vermögensverhältnisse25
2.2 Kallistratos’ erstes öffentliche Auftreten – der Gesandtschaftsprozeß von 392/ 1 v. Chr.40
2.2.1 Die machtpolitische Lage der Friedensverhandlungen von 392/1 v. Chr. in Sparta41
2.2.2 Kallistratos’ Anklage gegen die Gesandten46
2.2.3 Der Ausgang der Friedensverhandlungen55
3 Die späten 80er Jahre: Kallistratos und die Befreiung der Kadmeia57
3.1 Kallistratos und die Verschwörung der Thebaner57
3.2 Die Befreiung der Kadmeia60
3.2.1 Die machtpolitische Lage nach dem Königsfrieden60
3.2.2 Die Frage nach der Beteiligung der Athener an der Befreiung der Kadmeia64
3.2.3 Der Stimmungsumschwung in Athen und die Symmachie mit Theben76
3.3 Zusammenfassung80
4 Die 70er Jahre: Kallistratos und der Zweite Athenische Seebund84
4.1 Theop. FGrH 115 F 98 Harpokr. – Kallistratos und die Umbenennung der Phoroi in Syntaxeis88
4.2 Kallistratos und das Ehrendekret für Polychartides und Alkibiades92
4.3 Kallistratos als Epistates94
4.4 Das Getreidesteuergesetz des Agyrrhios und weitere finanzpolitische Maßnahmen zur Konsolidierung der wirtschaftlichen Situation Athens102
4.5 Die Anklageerhebung gegen Timotheos von Anaphlystos112
4.6 Der Frieden von 371 v. Chr. in Sparta – Ein „Frieden des Kallistratos“?125
4.7 Zusammenfassung137
5 Die frühen 60er Jahre: Die Symmachie mit Sparta141
5.1 Die Annäherung an Sparta141
5.2 Die Reaktion der Athener und der Bundesgenossen auf die Annäherung an Sparta151
5.2.1 Die Verhandlungen in der athenischen Volksversammlung über den Abschluß der Symmachie mit Sparta152
5.2.2 Das Ehrendekret für die Mytilenaier – IG II/III² 107155
5.3 Zusammenfassung161
6 Der Verlust von Oropos 367/6 v. Chr. als Wendepunkt in der athenischen Außenpolitik163
6.1 Der Oropos-Konflikt163
6.2 Der Prozeß gegen Kallistratos und Chabrias in der Angelegenheit um den Verlust von Oropos164
6.3 Kallistratos’ Machtverlust und die Radikalisierung der athenischen Außenpolitik173
7 Die Gesandtschaften des Kallistratos nach Arkadien und Messenien185
7.1 Die Gesandtschaft des Kallistratos nach Arkadien und die Frage nach der Urheberschaft des athenischen Bündnisses mit dem Arkadischen Bund185
7.2 Das Fragment Nr. 31 der Komödie des Komödiendichters Theopompos192
7.3 Die bei Aristoteles überlieferte Gesandtschaft des Kallistratos nach Messenien194
8 Der „zweite“ Prozeß gegen Kallistratos198
9 Kallistratos im Exil – Stationen seines Exils209
10 Schlußbetrachtung219
11 Literaturverzeichnis233
12 Quellenverzeichnis251
12. 1 Antike Autoren251
12. 2 Epigraphische Quellen262
13 Namen– und Sachregister264

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