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E-Book

Kardinaltugenden effektiver Führung

Mit Beiträgen von Fredmund Malik, Hermann Simon, Bill Emmott, Mathias Döpfner und weiteren namhaften Autoren

AutorPeter Paschek, Peter F. Drucker
VerlagRedline Verlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl248 Seiten
ISBN9783864145124
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis21,99 EUR
Lernen von dem Besten! Charakter, intellektuelle Integrität, Verantwortung, Pflichtgefühl, Würde, permanente Selbstentwicklung und die Fähigkeit, Wandel gezielt zu forcieren - das Credo von Peter F. Drucker, dem 'Vater des Managements'. Erfolgreiche Top-Manager wie Hermann Simon, Mathias Döpfner, Bill Emmott und Fredmund Malik berichten von Druckers Einfluss auf ihr persönliches Handeln.

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Leseprobe

Fredmund Malik
Konservatismus und effektives Management: Wege aus der Orientierungskrise


Selten zuvor haben Manager mit größerer Effizienz so viel Falsches gemacht wie seit Anfang der 1990er-Jahre; – gab es zwar so viel Effizienz, aber so wenig Effektivität; – wurden so viele Unternehmen so falsch geführt.

Selten zuvor wurde und wird so viel Falsches für das Nonplusultra modernen Managements und als Ausdruck exzellenter Leadership angesehen, über die Medien verbreitet, durch Consultants empfohlen und durch zahllose MBA-Programme rund um den Globus verbreitet.

Wir haben eine Krise des Managements – eine Orientierungs-, Werte- und Effektivitätskrise. Ihre Lösung liegt im Titel dieses Buches, in der Ausrichtung der Führung in allen gesellschaftlichen Segmenten auf das, was Prof. Peter F. Drucker die funktionierende Gesellschaft nennt und in deren Verwirklichung durch effektives Management.

Beides wurde von ihm als Erstem erkannt und von ihm erstmals konsequent durchdacht und ausgearbeitet. Der Zugang zum Verständnis beider Elemente wird durch ideologische Irrtümer und die nicht abreißenden Modewellen im Management verstellt.


Orientierungsverlust und Missmanagement


Wirtschaft und Management sind seit Beginn der 1990er-Jahre in entscheidenden Dimensionen aus dem Ruder gelaufen – gemessen daran, was wir über eine funktionierende Gesellschaft und über effektives Management tatsächlich wissen, und was Peter F. Drucker seit über einem halben Jahrhundert lehrt.

Der als ultimative Weisheit verbreitete Neoliberalismus und die auf der Shareholder-Doktrin aufbauende Corporate Governance haben in einem Ausmaß versagt, das selbst die entschiedenen Kritiker, zu denen ich seit Beginn dieser Fehlentwicklung gehörte, anfänglich nur erahnen konnten. Beide Irrlehren entpuppten sich als das, was sie von Anfang an waren: fehlender Sachverstand in glamouröser Verpackung.

Sie haben das Gegenteil von dem bewirkt, was ihre Befürworter vollmundig versprochen haben: Nach diesen Gesichtspunkten geführte Unternehmen wurden nicht stark, sondern schwach, und nicht wenige sind verkommen; die Aktionäre wurden nicht reich, sondern arm und haben über ihre Kursverluste hinaus noch jene Schulden, die ihnen geschichtsignorante Bankberater und Vermögensmanager nachgerade aufdrängten; Topmanager, zwar eine Minderheit, aber doch in maßgeblicher Zahl, haben durch ihr sichtbares Versagen als Unternehmensführer und durch die Bereicherungsexzesse bei Mitarbeitern und Bevölkerung die Glaubwürdigkeit der ganzen Wirtschaft verspielt. An die Stelle von Motivation sind Bitterkeit und Zynismus getreten. Statt des versprochenen Reichtums für alle haben wir eine neue soziale Frage.

Es hätte zu Beginn der 1990er-Jahre eine historisch einmalige Chance gegeben, aus den Trümmern des Sowjetkommunismus und dem definitiven, nicht mehr verschleierbaren Kollaps der marxistischen Doktrin eine neue, leistungsfähige Wirtschaftsordnung und gleichzeitig eine Ordnung für eine funktionierende Gesellschaft zu schaffen. Stattdessen wurde von intellektuellen, wirtschaftlichen und politischen Führern unter dem Etikett des Neo-Liberalismus eine neue Heilslehre geschaffen. Unter Missachtung all dessen, was von Peter Drucker zu lernen gewesen wäre, hat das zu einer Denkweise geführt, die wie selten zuvor verengt ist auf das, was man puren Pekuniarismus nennen kann.

In Wahrheit ist diese Doktrin nicht am Wirtschaften interessiert, sondern nur an Finanzen. Der Begriff „Gewinn“ wird zwar ständig verwendet; tatsächlich geht es aber fast ausschließlich um Geld. Es ist eine Denkweise, die Gesellschaft auf Wirtschaft reduziert und diese auf die Kategorie des Geldes. Unternehmensführung wird auf das verkürzt, was in Geldgrößen quantifizierbar ist. Es ist eine Denkweise, die zum Scheitern verurteilt ist, weil sie den Realitäten von Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft nicht gerecht wird; sie hat es nie getan, und schon gar nicht passt sie in die Wirklichkeit einer Wissensgesellschaft. Sie richtet immensen wirtschaftlichen und sozialen Schaden an. Er besteht in der massiven Fehlsteuerung von Ressourcen und in der Vernichtung von Kapital in großem Stil. Darüber hinaus werden tiefe Verachtung und Feindseligkeit der Menschen gegenüber der Wirtschaft und ihren Repräsentanten geschaffen.

Ursprung und Zentrum dieser Art des Wirtschaftens und der Unternehmensführung sind die Vereinigten Staaten. Mit der Erfindung des Shareholder-Values durch Alfred Rappaport 1986 wurde dieser zum alleinigen Führungsprinzip und einzigen Beurteilungskriterium für wirtschaftliches Handeln. Im Verbund mit dem Börsengeschehen, der Wallstreetindustrie, den Medien und der Psychologie des Publikums konnte eine Zeit lang der Eindruck entstehen, hier entstehe tatsächlich eine neue, paradiesische Wirtschaft.

Es entstand der Mythos von der starken US-Wirtschaft und das Märchen, deren Ursache sei das dort praktizierte Management. Das war die Grundlage für die unkritische, teilweise naive Nachahmung amerikanischer Gepflogenheiten in Europa und weltweit, mit Japan am ehesten als Ausnahme. Die USA wurden zum globalen Universalmodell für richtige Unternehmensführung. Wer nicht denselben Kanon sang, wurde von den Medien und Finanzanalysten geächtet.

Man ist zwei Fehlschlüssen zugleich erlegen: Erstens, selbst wenn die US-Wirtschaft stark wäre, so hätte das andere Gründe als das Management der letzten zehn Jahre. Zweitens aber – und wichtiger: die amerikanische Wirtschaft ist nicht stark. Sie ist im Gegenteil – wegen dieses Managements – schwächer als je zuvor, und sie hat ihre globale Konkurrenzfähigkeit weitgehend eingebüßt. Ob und wie schnell sie sie zurückgewinnen wird, ist abzuwarten. Die amerikanischen Wirtschaftszahlen sind aufgrund statistischer Besonderheiten systematisch geschönt. Amerika ist zum Exporteur abstruser Wirtschaftstheorien und Wirtschaftspolitik geworden.

So sicher Peter Drucker mit guten Argumenten 1942 sein konnte, dass nur die Vereinigten Staaten fähig sein würden, aus dem Debakel des Zweiten Weltkrieg heraus eine funktionierende Industriegesellschaft zu schaffen,4 so zweifelhaft ist heute die Führerschaft der USA. Selten zuvor hat die Regierung gerade jenes Landes, in dem die richtigen Grundsätze nicht nur gedacht, sondern erstmals praktisch realisiert wurden, diese so missachtet, wie es die Bush-Administration zu genau jenem Zeitpunkt tut, wo sie am meisten benötigt würden, und die Chancen am größten wären, sie anderenorts zu realisieren, wenn sie denn nur glaubwürdig vorgelebt würden.

Die Folge der unüberlegten Übernahme einer scheinbar unfehlbaren Managementdoktrin ist eine wirtschaftliche Wüstenei in jenen Branchen, die sie besonders eifrig befolgten: der Finanzbereich, die Versicherungswirtschaft, die Telekommunikationsindustrie, ein Teil der Medien- und der Informatikindustrie. Bilanzschönung und Bilanzfälschung, Einkommensexzesse, der Egomanie entspringende Fusionen und Akquisitionen, Verschuldungsexzesse und der Verlust von Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind die sichtbaren Ruinen.

Wie erwähnt gibt es Orientierungs-, Rat- und Hilflosigkeit in weiten Teilen des Topmanagements. Man begreift, dass an den scheinbar definitiven Wahrheiten etwas nicht stimmen kann, aber man versteht nicht, was es ist. Noch wichtiger: Man hat keine Alternative. Man spürt, dass etwas falsch ist; aber man weiß noch nicht, was richtig ist.

Diese Fehlentwicklungen sind umso schwerwiegender, als sie leicht vermeidbar gewesen wären. Inmitten der falsch geführten Organisationen, insbesondere den Wirtschaftsunternehmen, gibt es auch zahlreiche richtig und gut geführte Unternehmen, die allerdings nicht im Blickpunkt der Medien stehen. Praktisch alle Unternehmen, die in den letzten rund zehn Jahren in Schwierigkeiten waren oder untergegangen sind, wurden nach dem US-Muster des Shareholder-Values geführt; und alle gesunden Unternehmen wurden nach gegenteiligen Prinzipien geführt, nach Prinzipien effektiven Managements, wie sie von Peter Drucker entwickelt wurden.


Konservatismus, Liberalismus: wahr und falsch


Die richtige Lösung war verfügbar, als 1990 der Kommunismus zusammenbrach. Sie lag in den Schriften Peter Druckers ausgearbeitet vor. Stattdessen kam eine Karikatur von Liberalismus in Mode, die zwar mit intellektueller Arroganz und hegemonischem Sendungsbewusstsein verbreitet wurde, aber nirgends funktioniert hat, weder in Argentinien noch in Russland, auch nicht in den USA, von wo sie stammt. Der...

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