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Karl-Andreas Krieter. Pastor der katholischen Kirchengemeinde St. Franz-Josef in Harburg-Wilstorf

Sein Leben und Wirken in den Jahren 1923 bis 1934

AutorUlrich Krieter
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl205 Seiten
ISBN9783638059572
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR
Wissenschaftlicher Aufsatz aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Biographien, , Sprache: Deutsch, Abstract: Am 4. Februar des Jahres 1969 gab der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg bekannt, dass eine Straße des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg den Namen 'Krieterstraße' erhalten habe. Die Benennung erfolgte auf einstimmigen Vorschlag des Ortsausschusses Wilhelmsburg zur Ehrung des Pfarrers der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius, Karl- Andreas Krieter. Er war sechs Jahre zuvor gestorben, am 24. Februar des Jahres 1963. Der Pastor, Pfarrer und Dechant Karl-Andreas Krieter galt vielen Menschen seiner Zeit als bedeutende und liebenswerte Persönlichkeit. Die katholische Kirche und die Bundesrepublik Deutschland ehrten ihn durch Auszeichnungen. Im Jahre 1960 erhielt er aus der Hand des Gesundheitssenators der Freien und Hanesestadt Hamburg - Schmedemann - das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, weil auf seine Initiative hin das katholische Krankenhaus 'Groß Sand' in Hamburg-Wilhelmsburg errichtet worden war. Vor seiner Tätigkeit in Wilhelmsburg war Pfarrer Karl-Andreas Krieter elf Jahre Pastor in der Gemeinde St. Franz-Josef in Harburg-Wilstorf. Karl-Andreas Krieter wurde im Jahre 1890 geboren. Der Hintergrund seines Lebensweges sind also vier Epochen der jüngeren deutschen Geschichte, die nicht nur sein persönliches Leben, sondern auch das Wesen des gegenwärtigen Deutschland entscheidend geprägt haben. Der vorliegende 1. Teil seiner Biografie schildert das Leben und Wirken des Pastors Karl-Andreas Krieter während der Jahre 1923 bis 1934. Die Darstellung legt besonderen Wert auf die zeitgeschichtlichen Entwicklungen in der damals selbständigen preußischen Stadt Harburg, die im Jahre 1937 ein Teilgebiet Hamburgs wurde. Die Ortsgeschichte Harburgs in der Zeit der Weimarer Republik und während der ersten beiden Jahre der Hitler-Diktatur findet in diesem 1. Teil der Biografie des Karl-Andreas Krieter breiten Raum. Der 2. Teil seiner Biografie wird demnächst fertig gestellt sein.

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Leseprobe

2. Die „Große Politik“ und das politische Geschehen in Harburg während der ersten Hälfte der 20er Jahre


 

Wie oben schon geschildert, litten die Deutschen zu Beginn der 20er Jahre schwer unter den Folgen des Weltkrieges.  Das demokratische System war noch nicht gefestigt, bei vielen Menschen sogar verhasst. Die Bürger wurden in kürzesten Abständen zu Wahlentscheidungen von großer Tragweite aufgerufen. Separatisten wollten für einzelne Landesteile die Trennung vom Deutschen Reich erkämpfen. Links- und rechtsradikale Putschisten drängten zur Macht. Selbst wenn Pastor Krieter es gewünscht hätte, so wäre es doch unmöglich gewesen - von allem Politischen unberührt - ein Leben im religiösen Winkel zu führen. Deswegen müssen im Folgenden die „große Politik“ und ihre Auswirkungen auf das politische und wirtschaftliche Geschehen in Harburg ausführlich dargestellt werden.

 

Pastor Krieter  war Mitglied in der „Deutschen Zentrumspartei“, der Partei der Katholiken.[104] Es ist daher eine Selbstverständlichkeit, dass er sich durch Zeitungslektüre regelmäßig über die Ereignisse in Deutschland und Harburg unterrichtet hat. Seine wichtigste Informationsquelle waren die „bürgerlichen“ „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ (= „HAN“). Diese Zeitung stand während der Zwanziger Jahre - und noch zu Beginn der 30er Jahre - dem Christentum positiv gegenüber. An hohen kirchlichen Festtagen - Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten - gaben die „HAN“ auf ihrer Titelseite christlichen Betrachtungen ganzseitig Raum.[105]

 

Das geschah zwar aus protestantischer Sicht, aber wie sollte das anders sein, da die Katholiken in Harburg und Wilhelmsburg nur etwa 14% der Bevölkerung ausmachten. Über wichtige Ereignisse in der katholischen Kirche wurde in den „HAN“ dennoch berichtet. [106]  Samstags  boten die „HAN“ allen christlichen Glaubensgemeinschaften Platz für „Gottesdienstliche Nachrichten“ an. Selbstverständlich hat Pastor Krieter auch die „Germania“, die Zeitung seiner „Zentrumspartei“, gelesen, aber der Parteizeitung fehlte der Bezug zum Ortsgeschehen. Für das Jahr 1933 ist bewiesen, dass Pastor Krieter die „Westdeutsche Arbeiterzeitung“ in mehreren Exemplaren für Gemeindemitglieder in der Borromäus-Bücherei bereit hielt. [107]

2.1. Bürgerkriegsgefahr


 

Als Pastor Krieter am 30. September 1923 seinen Dienst in Harburg antrat, waren erst vier Tage vergangen, seit die Reichsregierung den passiven Widerstand im Ruhrgebiet beendet hatte. Ebenfalls vier Tage vorher war der militärische Ausnahmezustand über das gesamte Deutsche Reich verhängt worden, weil die politisch rechts orientierte bayerische Landesregierung damit gedroht hatte, Bayern vom Reich abzuspalten. [108]

 

Die deutschen katholischen Bischöfe ließen am Tage der Amtseinführung des neuen Pastors von St. Franz-Josef, am 30. September 1923, von allen Kanzeln ein Hirtenwort verlesen. Es wendete sich gegen die separatistischen und nationalistischen Unruhen in Deutschland und verdeutlichte allen Katholiken die Bürgerkriegsgefahr.[109] Ob der Hirtenbrief während der Amtseinführung des Pastors Krieter verlesen worden ist, kann nicht mehr festgestellt werden. Jedenfalls ist der Inhalt des Briefes Pastor Krieter bekannt geworden.Schon am nächsten Tag, am 1. Oktober 1923, putschte in Küstrin die „schwarze Reichswehr“ gegen die Reichsregierung. Dieser Putsch wurde von der regulären Reichswehr gewaltsam unterdrückt, ebenso die kommunistisch gelenkten Arbeiteraufstände vom 20. bis 24. Oktober in Hamburg. Die Arbeiterunruhen derselben Tage in Harburg, deren Augen- und Ohrenzeuge Pastor Krieter war, sind oben geschildert. Sachsen und Thüringen, München und das von  Frankreich / Belgien besetzte Rheinland waren die nächsten Brennpunkte des Zeitgeschehens. Pastor Krieter lehnte als Geistlicher und Mitglied der „Zentrumspartei“ politischen Radikalismus grundsätzlich ab. Im Einklang mit allen deutschen Bischöfen fürchtete er aber die gottlosen Sozialisten und Kommunisten mehr als die Rechtsradikalen.

 

Deswegen wird er erleichtert gewesen sein, als Sachsen und Thüringen von der Reichswehr erfolgreich besetzt wurden. Die links orientierte Regierung Sachsens wurde durch einen Reichskommissar abgelöst. In Thüringen mussten die kommunistischen Minister aus der Landesregierung ausscheiden.

 

Am 8. und 9. November 1923 versuchten Adolf Hitler und der Weltkrieg-General Erich Ludendorff einen Putsch gegen die bayerische Landesregierung und die Reichsregierung in Berlin. Die „HAN“ titelten am 10. November: „Jämmerliches Ende des Hitler-Putsches in München - Ludendorffs Blamage.“ Am 13. November schrieb dieselbe Zeitung unter der Überschrift „Der Münchener Revolutionsbräu-Film“: „Die Aufmachung des Hitler-Ludendorff-Putsches machte einen ausgeprägt kinomäßigen Eindruck. Der Überfall im Bierkeller, die Revolverknallerei, die erzwungene Beteiligung mit vorgehaltener Schusswaffe, das alles wirkte durchaus theatermäßig. Und wenn der Österreicher Hitler erklärte, `der Freitag findet entweder in Deutschland eine nationale Regierung oder uns tot´ und wenn Ludendorff `von einem Wendepunkt in der Weltgeschichte´ sprach, so wirkt das wie eine Groteske.“ [110]  Pastor Krieter war nicht allein, wenn er der Meinung war, die separatistischen Unruhen  im Rheinland  seien für das Deutsche Reich viel gefährlicher als der Hitlerputsch.

 

2.2.  Das „Wunder der Rentenmark“  und der „Dawes-Plan“


 

Am 23. November 1923 wurde Kanzler Dr. Gustav Stresemann durch ein Misstrauensvotum der Reichstagsabgeordneten gestürzt. Die SPD-Abgeordneten waren Stresemann unzufrieden, weil die Reichsregierung gegen die linksorientierten Regierungen Sachsens und Thüringens militärisch vorgegangen war, im Fall der rechtsorientierten Landesregierung Bayerns aber stillgehalten hatte. Reichspräsident Ebert empfand das Verhalten der SPD als töricht. Er sagte seinen Parteigenossen: „Was euch veranlasst, den Kanzler zu stürzen, ist in sechs Wochen vergessen, aber die Folgen eurer Dummheit werdet ihr noch zehn Jahre spüren.“[111] 

 

Tatsächlich hatte Kanzler Stresemann Großes geleistet. Unbeirrt von allen Anfeindungen durch die nationalen Parteien hatte Dr. Stresemann den Ruhrkampf abgebrochen. Nur dadurch war es möglich gewesen, am 16. Oktober die „Rentenmark“ als eine Zwischenwährung einzuführen. Am 15. November hatte die Ausgabe der „Rentenmark“  begonnen. Am 20. November war der Kurs der Papiermark zwangsweise auf dem Stand von 4,2 Billionen für einen Dollar fixiert worden. Eine Billion Papiermark entsprach damit einer Goldmark.

 

Die „HAN“ hatten am 19. November 1923 noch schwere Bedenken und brachten die Überschrift: „Die Schwergeburt der Rentenmark“. [112] Doch das Wunder geschah. Die deutsche Währung stabilisierte sich im Dezember 1923. Dieses Wunder hatte allerdings zur Folge, dass fortan alle Bürger des Deutschen Reiches unter härtesten Sparmaßnahmen der Regierung zu leiden hatten, selbstverständlich auch Kirchenbeamte wie Pastor Krieter.

 

Neuer Reichskanzler wurde am 30. November 1923 der Katholik und Vorsitzende der „Zentrumspartei“, Dr. Wilhelm Marx. Dr. Gustav Stresemann blieb Außenminister.

 

Hauptgegenstand der Außenpolitik  war weiterhin das Bemühen, die finanziellen Belastungen, die sich aus den Reparationsforderungen der Siegermächte ergaben, erträglicher zu machen.

 

Zur Regelung der Reparationsfragen schlug die britische Regierung die Einberufung einer internationalen Sachverständigenkonferenz  vor. Der Plan des amerikanischen Finanzfachmannes Charles G. Dawes kristallisierte sich während der Konferenz als gemeinsame Basis der Sachverständigen heraus. Der Dawes-Plan sah die Vergabe eines Goldkredites an Deutschland in Höhe von 800 Millionen Goldmark vor. Damit sollten die deutsche Währung gedeckt und deutsche Reparationszahlungen an die Siegermächte ermöglicht werden. Diese Reparationszahlungen sollten von einer Milliarde Goldmark im ersten Jahr auf 2,5 Milliarden im fünften Jahr ansteigen. Danach sollten sie mindestens auf dieser Höhe bleiben, zuzüglich eines Zuschlags je nach dem Wohlstand Deutschlands. Ein Ende der Zahlungen wurde nicht festgelegt. Abgesehen von den finanziellen Bestimmungen sah der Plan ausdrücklich vor, dass die von Frankreich und Belgien besetzten Gebiete des Deutschen Reiches geräumt würden.

 

Aus Sicht der deutschen Regierung, die langfristig auf weitere Herabsetzung der Reparationsforderungen hinarbeiten wollte, waren die Vorteile des „Dawes-Plans“ größer als die Nachteile.

 

 

Abb. 25: Charles Gates Dawes

 

Die nationalen Parteien dagegen entfachten einen Sturm der Entrüstung gegen die Annahme des „Dawes-Plans“, vor allem weil der Paragraf 231 des Versailler Vertrages die Grundlage des Planes war. Dieser Paragraf sprach Deutschland die Alleinschuld am Weltkrieg zu. Es ist anzunehmen, dass Pastor Krieter in seinem Urteil...

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