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E-Book

Kartenzahlungen im Euro-Zahlungsraum

AutorGuido Schäfer, Hanns Abele, Ulrich Berger
VerlagPhysica-Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl164 Seiten
ISBN9783790819083
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis64,99 EUR

Analyse zum Jahrhundertprojekt Single Euro Payment Area-Projekt (SEPA) - der europaweiten Vereinheitlichung des Massenzahlungsverkehrs. Trotz seiner Tragweite besteht ein gravierendes Informationsdefizit im öffentlichen Diskurs. Dieses Buch bietet eine kritische Analyse von SEPA aus wissenschaftlicher Perspektive. Zahlungskartensysteme, die wichtigsten (inter)nationalen Regulierungsinitiativen, Handlungsalternativen für die Wirtschaftspolitik.

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Leseprobe

3 Die Neugestaltung des europäischen Zahlungsverkehrs (S. 17-18)

In den kommenden Jahren wird der Zahlungsverkehr in Europa große Veränderungsprozesse durchlaufen. Marktentwicklungen und Maßnahmen der Wirtschaftspolitik spielen dabei eine wichtige Rolle. Besonders prägend werden Politikinitiativen auf EU-Ebene wirken. Wichtige regulatorische Eingri.e erfolgen aber in vielen Ländern auch im nationalen Bereich. Dieses Kapitel bietet eine Gesamtschau über das Zusammenwirken der verschiedenen gestaltenden Faktoren und scha.t einen analytischen Rahmen für weitergehende Untersuchungen.

Die Europäische Kommission und die europäische Zentralbank haben eine Initiative zur Neugestaltung des Zahlungsverkehrs in der EU gestartet, die in vielerlei Hinsicht von ihrer Größe und Bedeutung der Umstellung von nationalen Währungen auf den Euro vergleichbar ist.1 Diese Initiative zielt auf die Scha.ung eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes (Single Euro Payment Area, kurz: SEPA) ab. Das Projekt ist von der grundlegenden Vision geleitet, Unterschiede zwischen Inlandszahlungen und grenzüberschreitenden Zahlungen innerhalb der Euro-Zone abzuschaffen. Dieses Ziel soll durch die ö.nung der bisher bestehenden weitgehend national organisierten Systeme und durch die Schaffung einheitlicher europäischer Standards und Prozesse im Zahlungsverkehr erreicht werden. Die Notwendigkeit einer teilweise kostspieligen überbrückung zwischen den nationalen Systemen wird wegfallen. Konkret führt SEPA zu einer Neuregelung von überweisungen, Lastschriften und kartenbasierten Zahlungen.

Im Rahmen einer neuen Richtlinie über Zahlungsdienste im Binnenmarkt2 erarbeitet die Europäische Kommission einen einheitlichen rechtlichen Rahmen ("New Legal Framework"), der die grundlegenden Rechte und P.ichten der Akteure im Zahlungsverkehr regelt und somit die rechtlichen Voraussetzungen für SEPA schafft. Das "European Payments Council" (EPC), eine Selbstregulierungsorganisation der europäischen Banken, beteiligt sich an dem SEPA-Projekt durch die Ausarbeitung eines wesentlichen Teils der einheitlichen Standards und Prozesse für den künftigen Zahlungsverkehr. Auch die europäische Zentralbank begleitet SEPA mit ihrer Expertise und mit konkreter Unterstützung. Die nationalen Notenbanken spielen eine wichtige Rolle bei der Koordination des übergangs von den alten Systemen auf das neue System. Teil II dieses Buches widmet sich einer eingehenden Darstellung und Analyse von SEPA.

Unterschiedliche Motive stehen hinter dem SEPA-Prozess. Die Europäische Kommission und die EZB betrachten SEPA als Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung eines einheitlichen europäischen Binnenmarktes. Durch die Einführung des Euro wurden zwar Bargeldzahlungen in Europa in einer einheitlichen Währung ermöglicht. Da der weitaus größere Teil von Zahlungen jedoch nicht bar erfolgt, erfordert gemäß dieser Sichtweise die Vollendung der europäischen Währungsunion die Schaffung eines gemeinsamen europ äischen Zahlungsverkehrsraums. Die europäischen Behörden führen jedoch auch konkretere ökonomische Argumente ins Tre.en. Kostenstudien im Auftrag der Kommission haben ergeben, dass in Europa hohe Rationalisierungspotentiale im Zahlungsverkehr bestehen. Kosten in Höhe von rund 2% des Brutto-Inlandsproduktes könnten jährlich eingespart werden, wenn ein größerer Teil der Zahlungen elektronisch erfolgen würde und gegenwärtig weniger kostene.ziente Länder sich den Kostenniveaus der e.zientesten Länder annähern könnten. Als ein wesentliches Hindernis für diesen Prozess wird die gegenwärtig bestehende national geprägte Struktur des Zahlungsverkehrs betrachtet. Die Europäische Kommission baut darauf, dass durch die ö.- nung der nationalen Märkte in einem einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Zahlungsdiensteanbietern steigt und dass die bestehenden Rationalisierungspotentiale besser ausgeschöpft werden können.

Neben den europäischen Institutionen gibt es noch weitere Akteure, die substantielles Interesse an SEPA haben. Dazu zählt eine Gruppe grenzüberschreitend agierender Unternehmen, die sich eine Vereinfachung und daraus resultierende Kosteneinsparungen von SEPA versprechen. Zahlungsdienstleister ohne Bankenstatus erwarten eine verbesserte Zugangsmöglichkeit zu Bereichen des Zahlungsverkehrs, die bisher exklusiv für Banken reserviert waren. Unter den etablierten Finanzdienstleistern werden generell eher größere Akteure pro.tieren, da sie in dem zu erwartenden Konsolidierungsprozess über bessere Karten verfügen.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort8
Inhaltsverzeichnis12
Tabellenverzeichnis15
Teil I Grundlagen18
1 Vorbemerkungen19
1.1 Europäische Integration19
1.2 Allgemeine Vorbemerkungen20
1.3 Theoretische Vorbemerkungen22
1.3.1 Ein Bezugsrahmen als Orientierungshilfe22
1.3.2 Erweiterung: Strategische Aspekte23
1.3.3 Wohlfahrt und Wirtschaftspolitik24
2 Empirie des Zahlungsverkehrs27
2.1 Makroergebnisse27
2.2 Entscheidungstheoretische Ergebnisse30
3 Die Neugestaltung des europäischen Zahlungsverkehrs33
Teil II Der einheitliche europäische Zahlungsraum – SEPA37
4 Die Vision eines einheitlichen Euro- Zahlungsraums39
4.1 Die Grundidee des einheitlichen Zahlungsraums39
4.2 Die Entwicklung des SEPA-Projekts41
4.2.1 Überweisungen42
4.2.2 Lastschriften43
4.2.3 Zahlungskarten43
4.3 Neuer Rechtsrahmen (NLF) und Zahlungsdiensterichtlinie45
4.3.1 Rechte zur Erbringung von Zahlungsdienstleistungen und Aufsichtsregelungen45
4.3.2 Transparenz- und Informationsanforderungen46
4.3.3 Rechte und Pflichten der Nutzer und Anbieter von Zahlungsdienstleistungen46
4.3.4 Eine Zwischenbilanz über SEPA und den neuen Rechtsrahmen48
5 Die analytische Basis des einheitlichen Zahlungsraums51
5.1 Der Zahlungsraum als Erfordernis für den Binnenmarkt52
5.2 Der Zahlungsraum als Erfordernis für die Währungsunion53
5.3 Die Schaffung eines einheitlichen Zahlungsraums durch die Beseitigung der rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Barrieren54
5.4 Economies of Scale im Zahlungsraum55
5.5 Zunahme des Wettbewerbs im Zahlungsraum56
5.6 Kosteneinsparungen durch Zunahme elektronisch basierter Zahlungen59
5.7 Schlussfolgerungen über die analytische Basis von SEPA60
Teil III Interchange Fees in Zahlungskartennetzwerken63
6 Die Regulierung von Interchange Fees im internationalen Vergleich65
6.1 Internationale Regulierungsfälle66
6.1.1 Entscheidung der Europäischen Kommission ¨ uber Interchange Fees bei grenzüberschreitenden Zahlungen mit VISA Karten ( Juli 2002)66
6.1.2 Entscheidung des Office of Fair Trading (UK) über MasterCard Interchange Fees für Inlandstransaktionen ( 2005)70
6.1.3 Die Regulierung von Interchange Fees für Kreditkarten durch das Payment Systems Board der Reserve Bank of Australia ( 2002)73
6.1.4 Die Regulierung des Kreditkartenmarktes durch die Schweizer Wettbewerbskommission ( 2005)75
6.1.5 Die Regulierung von Zahlungskartensystemen in Spanien ( 2005)77
6.2 Der Interim Report I Payment Cards der Europäischen Kommission78
6.3 Die Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz80
Deutschland80
Österreich80
Schweiz81
6.4 “Common Practice” der Zahlungskartenregulierung82
7 Interchange Fees aus wissenschaftlicher Perspektive85
7.1 Einleitung85
7.2 Teilnehmer in Zahlungskartennetzwerken86
Karteninhaber86
Issuer87
Acquirer87
Händler87
7.3 Die ökonomische Literatur zu Interchange Fees88
7.3.1 William F. Baxter88
7.3.2 Richard Schmalensee90
7.3.3 Jean-Charles Rochet und Jean Tirole91
7.3.4 John Small und Julian Wright92
7.3.5 Joshua Gans und Stephen King93
7.3.6 Julian Wright96
7.3.7 Graeme Guthrie und Julian Wright97
7.4 Zusammenfassende Beurteilung99
8 Eine Gesamtbilanz der Regulierungsdebatte um Interchange Fees101
8.1 Die analytische Basis der Regulierungsargumente101
8.1.1 Marktdefinition102
8.1.2 Marktversagen103
8.1.3 Wettbewerbsverstöße104
8.1.4 Kostenbasierte Regulierung106
8.2 Kosten-Nutzen Analyse einer Senkung von Interchange Fees107
8.2.1 Nutzen einer regulatorischen Absenkung von Interchange Fees108
8.2.2 Kosten einer regulatorischen Absenkung von Interchange Fees113
Teil IV Zukunftsperspektiven117
9 Wettbewerb und Marktstruktur119
9.1 Strategie, Größe, Innovation119
9.2 Die wirtschaftliche Logik von Netzwerken120
9.3 Wettbewerb innerhalb und zwischen Systemen121
9.4 Zahlungsdienstleistungen als “Grundnahrungsmittel”122
9.5 Händlerrevolution im Kartengeschäft?123
10 Wohlfahrtssteigerung und Wirtschaftspolitik125
10.1 Die analytische Basis von Regulierungsinitiativen im Zahlungsverkehr125
10.2 Die Konsistenz der verschiedenen Regulierungsansätze126
10.3 Wohlfahrtssteigerungen durch konsistente, fundierte Wirtschaftspolitik128
11 Anhang131
11.1 Zahlungsverkehr EU 25131
11.2 Zahlungsverkehr Norwegen161
Literaturverzeichnis171
Sachverzeichnis177

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