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E-Book

Körpersprache der Kinder

AutorSamy Molcho
VerlagAriston
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl192 Seiten
ISBN9783641203856
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Der erfolgreiche Klassiker jetzt als Sonderausgabe

Lange bevor Kinder ihre ersten Worte sprechen, haben sie bereits vielfältige Möglichkeiten, sich mitzuteilen und auszudrücken - nur verstehen wir Erwachsenen ihre Botschaften nicht immer! Samy Molcho, gefeierter Pantomime und Körpersprache-Experte, bringt Erwachsenen die Welt der Kinder nahe, indem er die noch unverfälschten und spontanen kindlichen Signale und Gesten beschreibt und deutet. Mit großem Interesse und einem liebevollen Blick auch für das kleinste Detail verfolgt er die kindliche Entwicklung von der pränatalen Stufe bis hin zur Schulzeit.

Ein unerlässliches Buch für alle Eltern, Erzieher und Lehrer, die Kinder besser verstehen wollen.


Samy Molcho, 1936 in Tel Aviv geboren, ist nach seiner internationalen Karriere als Pantomime und Regisseur als Erforscher und Wegbereiter der Analyse der Körpersprache bekannt. Seine Vorträge, Seminare und Bücher zur Körpersprache (u.a. 'Körpersprache der Kinder', 'Körpersprache des Erfolgs', 'Alles über Körpersprache') trugen das Thema ins allgemeine Interesse und Bewusstsein. 2007 erschien seine Autobiographie '...und ein Tropfen Ewigkeit. Mein bewegtes Leben.' Samy Molcho ist emeritierter Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst am Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

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Leseprobe

Die Geburt


Während der Geburt hat das Kind eine eindeutige Aufgabe, die genetisch programmiert ist und einer Erwartung der Mutter gegenüber ihrem Kind entspricht: Es muss mithelfen, aus dem Mutterleib herauszukommen.

Ich spreche auch hier von einem Signalaustausch zwischen Mutter und Kind. Das Ungeborene hat sich wohlgefühlt in der Gebärmutterhöhle, nur wurde es immer enger darin. Es kommt der Augenblick, wo es unabwendbar wird: Jetzt musst du hinaus! Das erste Signal empfängt es von der Mutter, erteilt durch die ersten Wehen. Durch die Kontraktionen signalisiert sie dem Kind: Jetzt dränge dich hinaus! Das Kind empfängt das Signal und beginnt sogleich – wenn es nicht besonders faul ist –, die ihm zugewiesene Aufgabe zu übernehmen. Das Kind unterstützt seine Mutter in ihrem Bemühen, bewegt sich langsam zum Gebärmutterhals und beantwortet die Signale der Mutter durch die Tat. Damit das Ungeborene nicht gedrängt wird, hat die Natur Zeitabschnitte zwischen die Wehen gelegt. Zu Anfang ist der Rhythmus, in dem sie aufeinander folgen, langsam, dann beschleunigt er sich. Die Zeiten zwischen den Wehen werden immer kürzer (fünf Minuten, zwei Minuten, eine Minute, eine halbe Minute). Der Appell an das Kind wird immer eindringlicher: Du musst die Höhle verlassen, du musst herauskommen!

Unmittelbar nach der Geburt wird das Kind an die Brust gelegt. Eine ausgeprägte Interaktion zwischen Mutter und Kind beginnt. Das Kind saugt – die Mutter gibt.

Vater und Kind beschnuppern einander. Auch zwischen ihnen entwickelt sich eine innige Beziehung.

Die Aktiven und die Bequemen


Viele Mütter können darüber berichten, wie sich Charaktereigenschaften der Neugeborenen in dieser Phase zu enthüllen scheinen: Das Kind hilft aktiv mit, es ist etwas bequem und braucht Hilfe von außen, es hält sich ganz zurück, will sich nicht bewegen, will überhaupt nicht herauskommen – massive Nachhilfe wird nötig.

Solche frühen Äußerungen des Charakters konnten wir, meine Frau und ich, auch bei unseren vier Söhnen beobachten. Ich habe ihre Geburt gefilmt und es ist sehr aufschlussreich, im Vergleich zwischen dieser ersten Beobachtung und der weiteren Entwicklung festzustellen, dass die Grundzüge von Charaktereigenschaften sich tatsächlich wieder bemerkbar machten. Es hat übrigens nichts damit zu tun, wie lange die Wehen dauern, jedenfalls nicht viel, sondern es geht um den Prozess der Geburt selbst.

Der erste unserer Söhne kam schnell, wie von einer Kanone geschossen. Es schien ihm wichtig, schnell ans Licht zu kommen. Er war groß und kräftig. Alle unsere Kinder kamen mit vier Kilogramm Gewicht zur Welt, hatten aber alle auch das Problem, durch den engen Geburtskanal durchzukommen. Unser Ältester ist heute genauso wie bei seiner Geburt; er ist ein Blitz. Er ist schnell, er ist dynamisch, alles muss bei ihm sofort und ohne Verzögerung geschehen. Der zweite Sohn war etwas ruhiger, es ging bei der Geburt etwas langsamer, aber er erwies sich als selbstständig. So hat er bei der Geburt einen Arm selbst herausgebracht, nachdem sein Köpfchen draußen war. Er hat sich selbst geholfen. Er war aktiver bei seiner Geburt. Er ist auch heute so, viel selbstständiger als die Brüder; er braucht wenig Hilfe von anderen, er arrangiert sich selbst mit der Welt.

Der dritte erwies sich wieder als ganz anders; ihm musste auf die Welt geholfen werden. Er hat sich bedienen lassen. Und heute? Er ist ein liebes Kind, ein familienbezogenes Kind, ein braves Kind zudem, aber was im Prozess der Geburt zum Ausdruck kam, macht sich nach wie vor bemerkbar: Er lässt sich gern helfen, lässt sich nicht ungern bedienen, er erwartet, dass wir auf ihn zugehen – und nicht umgekehrt. Ein Zug von Passivität blieb ihm erhalten. Der vierte Sohn war sanft bei der Geburt, fügte sich umstandslos in das Geschehen. Er ist noch zu jung, als dass von seiner Entwicklung etwas Bestimmtes gesagt werden könnte.

Immerhin lässt sich nach unseren Erfahrungen sagen, dass der Prozess der Geburt, für den das Kind von der Natur programmiert ist, und zwar im Sinne seiner aktiven Mithilfe, als aussagekräftig angesehen werden kann für Grundzüge des sich nun herausbildenden Charakters; denn ein Kind gibt durch sein Verhalten, ob aktiv, selbstständig, passiv, sanft, schnell und so weiter, Antworten auf erste Anforderungen, die an es gestellt werden. Wir haben die Möglichkeit, die entsprechenden Signale zu registrieren, ohne sie überzubewerten.

Der Vater badet das Kind zum ersten Mal.

Das Kind breitet die Arme aus und seine Zunge schiebt etwas fort. So nimmt es das unangenehme Gefühl des Nach-hinten-Fallens vorweg.

Nach der Geburt


Die Geburt ist vollzogen. Ich will nicht von Geburtstrauma und Ähnlichem reden, aber es ist unbestreitbar: Das Neugeborene erlebt völlig neue Reize, ist ihnen zum ersten Mal ausgesetzt. Es ist von seiner Mutter getrennt. Die Haut erfährt Reize, die sie zuvor nicht kannte: Kälte, Wärme, die Berührung mit fremdem Stoff, der die Hautoberfläche kratzt. Zum ersten Mal spürt das Kind Hunger und der Hunger wird nicht auf der Stelle gestillt durch eine stets Nahrung spendende Leitung wie im Mutterleib, sondern es werden Signale notwendig, das Kind muss nach Nahrung verlangen und oft muss es warten, bis seinem Verlangen nachgegeben wird. Licht fällt auf die Netzhaut seiner Augen, Lichtunterschiede werden wahrnehmbar, seine Ohren empfangen Geräusche. Kurz gesagt: Eine Menge neuer Reize stürmt während und nach der Geburt auf das Kind ein, ein Chaos zunächst, das von dem Neugeborenen organisiert, zugeordnet werden muss: Licht, Geräusche, Berührungen, Empfindungen. Bei dem chaotischen Ansturm von Signalen wäre es ohnehin nicht verwunderlich, wenn das Kind als erste Antwort darauf zunächst einmal schreit. Es ist zu viel für den Neuankömmling! Er braucht Erholung und Beruhigung. Erhält er schnell die Mutterbrust, wird er beruhigt reagieren. Der Vorgang des Saugens stellt einen gleichmäßigen Rhythmus her, gleichzeitig fühlt das Kind sich versorgt, die anderen Reize treten in den Hintergrund.

Kinder brauchen in dieser Situation Ruhe, um die neuen Reize einordnen zu können. Vor allen Dingen gilt es zu klären, was diese Signale für sie selbst bedeuten.

Der erste Schrei

Sobald das Kind mit der Luft in Verbindung kommt, setzt durch einen Reflex die Lungentätigkeit ein. Die Dehnung der Lungen verursacht Schmerzen und diese bringen den berühmten ersten Schrei hervor. Dieser Schrei ist sowohl ein intensiver Impuls für die Lungentätigkeit als auch erste Kommunikation mit der Umwelt.

Der Finger des Engels


Während der Geburt eines Kindes und in der ersten Zeit danach sehe ich eine Phase, die ich kosmisch nennen möchte. Im Talmud gibt es eine sehr schöne Geschichte. Sie erzählt, dass zu jedem Kind während seiner Entwicklung im Mutterleib ein Engel vom Himmel heruntersteigt und ihm das gesamte kosmische Wissen ins Ohr flüstert. Während der Geburt legt der Engel einen Finger auf den Mund des Kindes, damit es alles wieder vergisst. Von dieser Berührung durch den Engel tragen wir alle die kleine Mulde auf der Oberlippe.

Es lässt sich hinzufügen: Manche von uns haben nicht alles vergessen oder erinnern sich leichter oder schneller. Das soll heißen, dass wir nichts Neues lernen, sondern uns wieder an das kosmische Wissen erinnern, das der Engel uns während unseres Eingehülltseins im Mutterleib ins Ohr geflüstert hat.

Doch auch nach der Geburt sehe ich Kinder noch als dem Kosmischen verwandt an. Für sie ist alles noch ein großes Ich. Noch ist es ihnen versagt, zwischen Ich und Nicht-Ich zu unterscheiden. Stellen wir uns vor: Ein Neugeborenes liegt auf dem Rücken, es kann sich noch nicht fortbewegen, aber es tauchen Dinge auf vor seinen Augen: eine Hand, ein Fuß, ein Gesicht. Das Kind versteht noch nicht auseinanderzuhalten, ob die Hand, die vor seinen Augen auftaucht, seine eigene ist oder eine fremde. Alles, was es sieht, was es erlebt, gehört noch zu einem großen Ich. Anders gesagt, alles gehört zu einem großen Wesen, dessen Teile in seinem Gesichtskreis auftauchen. Von dem Augenblick an, in dem das Kind die Dinge berühren kann, unterscheidet es zwischen zwei Phänomenen. Packt es den eigenen Fuß, fühlt es die Berührung doppelt: einmal mit der Hand, die zupackt, zum anderen am Fuß, der gepackt wird. Ergreift es die Hand seiner Mutter, spürt es nur von einer Seite die Berührung, nämlich in seiner zugreifenden Hand. Nach und nach teilt sich die Welt, die anfänglich ein großes Ich-Wesen darstellte. Das Bewusstsein stellt sich ein, dass nicht nur ein einziges Ich existiert, sondern ein Ich und ein Nicht-Ich. Während der Phase des einen großen Ich gab es bereits den Unterschied zwischen angenehmen und unangenehmen oder irritierenden Reizen. Sie können sowohl von innen wie von außen kommen: von innen sind das zum Beispiel Hunger, Blähungen, Verstopfung; Reize von außen sind unter anderem Kälte, Wärme, ein Geschmack, der dem Kind gefällt oder nicht, die Berührung, die es spürt und als angenehm oder unangemessen empfindet. Alles dies wird noch nicht mit einem anderen, also dem Nicht-Ich, in Verbindung gebracht, sondern alles scheint noch dem einen Ich anzugehören.

Neuere Forschungen haben ergeben, dass Neugeborene ihren Kopf sehr oft der Mutter als der Quelle erster Bedürfnisbefriedigung, aber auch Gegenständen zuwenden, die nur den Geruch der Mutter aufgenommen haben. Mit dem Klang der Stimme ist es ähnlich. Ich bin nicht sicher, ob das Kind die Mutter schon als einen Teil der Umwelt oder noch ganz als Teil des eigenen Ich empfindet.

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