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E-Book

Kreditrisikomanagement unter Basel II

Credit Risk Management under the terms of Basel II

AutorMarc Howland
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl66 Seiten
ISBN9783640524761
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis20,99 EUR
Masterarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich BWL - Investition und Finanzierung, Note: passed, FernUniversität Hagen, Veranstaltung: Masterstudiengang, Master of Business Administration Nr. 30080; Studienzug 2, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Arbeit ist dem Zweck gewidmet, unter Anwendung verschiedener regulatorischer Kreditrisikomessmethoden, die elementaren Wirkungsmechanismen bei der Berechnung der Eigenkapitalanforderungen und der Kreditkonditionen zu verdeutlichen, um Aussagen der aufgestellten Hypothese einzelfallbezogen und im Gesamtkontext der deutschen Kreditwirtschaft zu analysieren und zu verifizieren. Für das Risiko, dass Kreditverluste höher ausfallen als erwartet, brauchen Banken ein Eigenkapitalpolster. Dieses Grundkonzept der Basel-II-Rahmenvereinbarung wurde bereits im bisherigen Basler-I-Akkord umgesetzt. Dem Kreditrisikomanagement fällt dabei die Aufgabe zu, die Kreditrisiken unter anderem zu ermitteln und zu bemessen, um sicherzustellen, dass ein ausreichendes Eigenkapitalpolster zur Kreditrisikoabdeckung verfügbar ist. Dabei entstehen den Instituten Risikokosten, die im Rahmen der Kreditkonditionierung angemessen vergütet werden sollen. Die neuen Methoden zur Kreditrisikomessung, die der Berechnung der Eigenkapitalanforderung zugrunde liegen, bilden dabei die Grundlage des Kreditrisikomanagements. Im Vergleich zu Basel-I, das nur eine risikopauschale Eigenkapitalunterlegung forderte, soll Basel-II sich nun stärker an den tatsächlichen Kreditrisiken der Schuldner ausrichten. Vor diesem Hintergrund wurde die folgende Arbeitsthese aufgestellt: Die Basel-II-Rahmenvereinbarung zur Kreditrisikomessung trägt zu einer 'verbesserten' Eigenkapitalanforderung im Sinne von Risikodifferenzierung und Entlastung bei und führt zu risikoadäquaten Kreditkonditionen. Anmerkung des Autors: Die Arbeit trägt gleichfalls zum Verständnis bei, mit welchem Bewertungs- und Ermessensspielraum nach Basel-II Risikopositionen mit Eigenkapital zu unterlegen sind. Gerade im Kontext der Finanzkrise wird verständlich, dass Basel-II mithin kontraproduktiv sein könnte und ein größerer Risikoappetit begünstigt wird. Der Ruf nach einer Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen ist daher nachvollziehbar - Basel-III könnte eine adäquate Antwort geben!

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Leseprobe

3 Management von Kreditrisiken aus regulatorischer Sicht


 

Überblick

 

Kreditausfälle bzw. Kreditrisiken sind nach wie vor die häufigste Ursache von Schwierigkeiten bei Kreditinstituten. Sie sind Auslöser von Bankenkrisen und führen zur Instabilität des Finanzsystems. Risikokonzentrationen und Mängel in der Risikobewertung und der Kreditbearbeitung, wie beispielsweise eine unzureichende risikoadäquate Kreditkalkulation, sind laut einer Basler Empirie die Hauptursachen dafür.[38] Um diesen Tatsachen zu begegnen, die Defizite zu beseitigen und die Kreditprozesse zu verbessern, veröffentlichte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht im September 2000 die „Principles for the Management of Credit Risk“ und legte damit die allgemeinen Grundsätze für ein effizientes und effektives KRM fest. So heißt es u. a. darin wörtlich: „Ziel des Kreditrisikomanagements ist es, die risikobereinigte Rentabilität einer Bank

 

zu maximieren, indem sie die Kreditrisiken im Rahmen akzeptabler Parameter hält.“[39]

 

Bedingt durch die Zielsetzung umfasst das Kreditrisikomanagement (KRM) im Kern die Aufgaben das Kreditrisiko zu ermitteln, bemessen, überwachen und zu steuern sowie festzustellen, dass ausreichend Eigenkapital zur Risikodeckung verfügbar ist und die Risikobereitschaft angemessen kompensiert bzw. vergütet wird.[40]

 

KRM heißt demnach ursachenbezogen die Kreditrisiken festzustellen und zu begrenzen, um wirkungsbezogen die Folgen eines Kreditausfalles zu mildern. D. h., wer Kreditrisiken begrenzen und steuern will, muss diese zunächst einmal sachgerecht messen können. Die Kreditrisikomessung bildet die Grundlage hierfür. Sie ist maßgeblich für die Berechnung der EKA, um die Folgen eines Kreditausfalls durch ausreichende Eigenmittel (Eigenkapital) auffangen zu können.[41]

 

Das Verständnis über das methodische Konzept der Kreditrisikomessung und der Wirkungsweise der EKA ist die Voraussetzung, um die aufgestellte Arbeitsthese untersuchen und belegen zu können.

 

3.1 Kreditrisikomessung und –steuerung


 

Die nachfolgenden Abschnitte sollen den methodischen Aufbau der regulatorischen Kreditrisikomessverfahren auf Grundlage des im Abschnitt 2.1 vorgestellten Standardansatzes (StA) und internen Rating basierenden Ansatzes (IRB-Ansatz) detaillierter behandeln. Weiterhin sollen Einflussgrößen und Risikoparameter als Eingabefaktoren zur Bestimmung des Kreditrisikogehaltes definiert, erläutert und erste Wirkungszusammen-hänge aufgezeigt werden.

 

3.1.1 Definitionen und Erläuterungen relevanter Begriffe


 

In Verbindung mit der Kreditrisikomessung und EKA werden spezifische Sachverhalte und Termini benutzt, deren Definitionen und Erläuterungen zentral erfolgen, auf denen das nachfolgende Verständnis aufbaut.

 

(1) „Klassisches Kreditgeschäft“ und Kreditrisiko (Credit risk)

 

Der Kreditbegriff kommt aus dem lateinischen Wort credere (glauben, vertrauen). In diesem Sinne kann ein Kreditgeschäft so interpretiert werden, dass der Kreditgeber sein Vertrauen in die Fähigkeit und Bereitschaft des Kreditnehmers setzt, seine Schuldverpflichtungen zu erfüllen. In rechtlicher Hinsicht ist ein Kredit i. e. S. ein Darlehen – befristet zur Verfügung gestellte Zahlungsmittel (Geldleihe)[42] - gemäß §§ 607 BGB, dass sog. „klassische Kreditgeschäft“ (s. Abschnitt 1, weitere Abgrenzung für die Bearbeitung).

 

Nach dem Kreditwesengesetz wird der Kreditbegriff weiter gefasst und beinhaltet alle Kreditpositionen, die einem Adressenausfallrisiko unterliegen. Beispielsweise auch außerbilanzielle Geschäfte, wie Aktien.[43]

 

Überleitend kann nun das damit verbundene Kreditrisiko definiert werden:

Der Begriff „Kreditrisiko“ ist im wissenschaftlichen Schrifttum mit unterschiedlichen Ausprägungen definiert. Weiterhin lässt sich unter

Basel-II eine explizite Definition nicht finden. Es existieren allerdings verschiedene Erklärungen und Hinweise:

 

Basel-II definiert u. a. den Begriff „Kreditausfall“ als Ereignis der Zahlungsunfähigkeit und des Zahlungsverzugs des Schuldners. Weiterhin ist eine laufende Bonitätseinschätzung des Kreditnehmers vorge-schrieben.[44] Sie soll vor allem damit die Gefahr erfassen, wenn sich die Bonität des Schuldners nach Beginn der Kreditlaufzeit verschlechtert (Bonitätsrisiko).[45] Weiterhin wird der Begriff „Kreditrisiko“ als Möglichkeit einer nicht vertragskonformen Erfüllung der Schuldnerverpflichtungen verstanden.[46]

 

In der wissenschaftlichen Literatur lässt sich folgende Definition finden, die die oben genannten Erklärungen erfassen: Unter Kreditrisiko wird das Risiko von Verlusten infolge des Ausfalls eines Kreditnehmers verstanden, der seinen Rückzahlungsverpflichtungen überhaupt nicht, nur zum Teil oder zu einem späteren Zeitpunkt als vertraglich vereinbart nachkommt. Komponenten des Kreditrisikos sind das Ausfallrisiko und das Verzugsrisiko.[47] Ergänzt man dies noch um das Bonitätsrisiko,[48] dann könnte dies als Kreditrisiko i. S. v. Basel-II verstanden werden.

 

Kreditrisiken des Anlagebuchs gehören zu den Risikoaktiva (Bilanzaktiva).[49] Diese sog. Kreditrisikopositionen[50] werden nach Art der Kreditnehmer und Kreditgeschäfte in nachfolgende Forderungsklassen kategorisiert.

 

(2) Forderungsklassen (Asset classes)

 

Forderungen des Anlagebuchs werden zum Zwecke einer differenzierten Risikogewichtung in Abhängigkeit vom Schuldnertyp, der Art und der Höhe eines Kredits in unterschiedliche Forderungsklassen eingeordnet (Segmentierung des Anlagebuchs). Innerhalb dieser Klassen wird die Risikogewichtung bestimmt und ermöglicht somit eine differenzierte Gewichtung bei gleicher Bonitätseinstufung. Sie kann auf Einzelengagements innerhalb oder insgesamt auf eine Forderungsklasse, beispielsweise auf Portfolioebene, angewendet werden.

 

Für den StA und IRB-Ansatz werden unterschiedliche Forderungsklassen festgelegt, von denen sich die Forderungen an Staaten, an Banken, an Unternehmen und im Retailportfolio[51] (Mengengeschäft) sowie aus Beteiligungen und Verbriefungspositionen überschneiden.[52]

 

(3) Risikokomponenten, Risikoparameter (Risk components)

 

Sie sind die Determinanten, von denen eine Kreditrisikobewertung und die damit erforderliche EKA der Höhe nach abhängen. Im IRB-Ansatz können die Banken unter Beachtung von Mindestanforderungen auf interne Parameterschätzungen zurückgreifen bzw. sie werden beim Basisansatz durch die Bankenaufsicht teilweise vorgegeben (s. Abschnitt 2.1). Die Risikoparameter fließen als Eingabegrößen in die Risikogewichtungs-funktion ein und können je Forderungsklasse variieren.[53] An die Schätzgrößen sind eine Vielzahl von Mindestanforderungen geknüpft, die hier nicht in aller Ausführlichkeit betrachtet werden können.[54]

 

(a) Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of default, PD)

 

Sie gibt prozentual an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt bzw. insolvent wird. Der IRB-Ansatz erfasst die PD für einen Zeitraum von einem Jahr und basiert auf eine dem Kreditnehmer zugewiesene interne Risikoklasse. Die PD-Schätzung erfolgt explizit und bankintern. Die dabei zugrunde liegende Datenbasis muss mindestens 5 Jahre umfassen. Dagegen wird im StA die PD implizit dadurch erfasst, dass das Risikogewicht von der externen Zuordnung einer Ratingklasse, die wiederum einer durchschnittlichen PD zugeordnet werden kann, abhängt.

 

(b) Erwartete Forderungshöhe bei Ausfall (Exposure at default, EAD)

 

Die EAD entspricht dem rechtsgültig geschuldeten Forderungsbetrag (Rückzahlungsbetrag) und wird als erwarteter Forderungsbetrag zum Zeitpunkt des Ausfalls bezeichnet. Der EAD wird explizit bankintern erfasst. In Abhängigkeit der verwendeten Methode können verschiedene Korrekturposten, wie Wertberichtigungen und Kreditrisikominderungen, die Forderungshöhe reduzieren. Nur beim IRB-Ansatz wird die EAD nicht durch Wertberichtigungen gemindert (Bruttobetrag).[55]

 

(c) Verlustquote (Loss given default, LGD)

 

Die LGD quantifiziert den prozentualen erwarteten Verlust bezogen auf die EAD (Restschuld), der im Falle des Ausfalls voraussichtlich eintritt, wobei auch gestellte Sicherheiten Berücksichtigung finden können. Im Basis-IRB  ist der LGD-Wert von Seiten der Bankenaufsicht vorgegeben und beträgt...

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