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Krieg und Frieden in Harsdörffers »Frauenzimmer Gesprächspielen« und bei den Nürnberger Friedensfeiern 1649 und 1650

AutorHedwig Bramenkamp
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl439 Seiten
ISBN9783831609420
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis42,99 EUR
Den gebildeten Zeitgenossen wird der Rahmen, in den Harsdörffer seine Gesprächspiele eingebettet hat, bekannt erschienen sein: Da ziehen sich drei Damen und drei Herren aus Adel und Bürgertum zurück auf ein Landgut und pflegen dort eine besondere, nach bestimmten Regeln ablaufende Konversation.
Was aber veranlasst die Gesellschaft der Gesprächspiele zu ihrem Rückzug? Ist es die Flucht vor dem Großen Krieg, der damals bereits 23 Jahre andauert? Das Elend in seinem Gefolge ist so groß, dass Harsdörffer es für besser hält, blind zu sein, um nicht die viel und manigfältige Beschwerden anschauen zu müssen. Hars­dörffers Vaterstadt Nürnberg - obwohl während des Krieges nie erobert und nie zerstört - hat unter den Kriegsfolgen erheblich zu leiden. Was es mit diesen Gesprächspielen auf sich hat und welche Ziele er damit verfolgt, darüber gibt der Autor bereitwillig Auskunft. Für Harsdörffer ist ein Gesprächspiel eine artige Aufgab / so zu nutzlicher Belustigung einer einmütigen Geselschaft beliebet / und auf manche Art beantwortet werden kann.
Was die Themen der Gesprächspiele betrifft, gibt es für die Gesprächsrunde kaum ein Feld, das von ihr nicht beackert wird. Neben der ausführlichen Behandlung literarischer Formen nimmt die bildende Kunst, insbesondere in ihrer Ausprägung als Sinnbildkunst, breiten Raum ein. Die Themen reichen buchstäblich von A bis Z, vom ABC-Spiel bis zu den Gesprächspielen von den Zahlen.

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Leseprobe
Birkens Rede von der
2 Krieges= und Friedensbildung
(S. 249-250)

Wenige Wochen nach Harsdörffers Lobgesang für Wrangel ist in Nürnberg ein weiterer Beitrag bekannt geworden, mit dem dort der Westfälische Frieden gefeiert worden ist. Wie bereits erwähnt, trat am 6. Januar 1649 Birken mit seiner Friedensrede vor das Nürnberger Publikum. Ihr sollte ein glücklicheres Schicksal beschieden sein als Harsdörffers Lobgesang. Nach dem eigenen Bekunden des Autors wurde seine Rede nicht nur bei den Zuhörern zu einem großen Erfolg, sondern nach deren Veröffentlichung auch bei den Lesern. Dieser Erfolg hat Birken allerdings im Privatleben, wie ausgeführt, das Wohlwollen seines langjährigen väterlichen Freundes und Förderers Harsdörffer gekostet.

Die Übung, Friedensreden zu halten, geht vermutlich zurück auf eine Rede von Diederich von dem Werder aus dem Jahre 1639. Sie war von seinem 15jährigen Sohn Paris am 29. Juli 1639 vorgetragen worden395. Inhaltlich war die Rede eine Bearbeitung der Querela pacis des Erasmus von Rotterdam396. Sie wurde unter dem Titel Friedensrede 1639 und 1640 viermal veröffentlicht. Für den 15jährigen Paris von dem Werder blieb der Auftritt vor der hochadeligen Gesellschaft nicht ohne Folgen. Der Nährende Fürst Ludwig II. von Anhalt war von seinem Vortrag so begeistert, dass er den Edlen Knaben noch 1639 als 339. Mitglied unter dem Gesellschaftsnamen Der Friedfertige in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen hat.

Keine Aktivitäten löste die Friedensrede von Birken bei der damals überängstlichen städtischen Zensurbehörde aus. Etwaigen Bedenken der Zensoren war Birken – möglicherweise vorgewarnt durch das Zensurverfahren gegenüber Harsdörffer – mit der Wahl des richtigen Adressaten für seine Rede zuvorgekommen. Er widmete sie dem Freiherrn Gallus von Rägknitz, dem Haupt der österreichischen Exilanten in Nürnberg, dessen Kaisertreue offensichtlich amtsbekannt war. Birken stützt diese Vermutung in seiner Uberreichungsschrift an den Freiherrn auf die Wiedergabe eines angeblichen kaiserlichen Zitats. Danach soll sich Kaiser Ferdinand II. – er war es, der zahlreiche Protestanten zum Verlassen der Habsburgischen Erblande veranlasst hatte – auf dem Reichstag zu Regensburg gegenüber dem Freiherrn von Rägknitz wie folgt geäussert haben:

Wir haben ungern gesehen / daß Jhr Euch aus unsren Landen wegbegeben / denn wir haben euch lieb (Abschnitt 5 der Uberreichungsschrift).

Was Inhalt und Form von Birkens Friedensrede betrifft, ist bereits ausgeführt worden, dass er die beiden Entwürfe Harsdörffers für einen Aufzug vom Frieden im Gesprächspiel Der Fried kombiniert und als Redeoratorium nach dem Vorbild von Klaj vorgestellt hat (Siehe: Teil A, Kap. 2. 4). Raum für weitere Erörterungen bleibt danach noch bezüglich der Ergänzungen dieser Entwürfe, in der Hauptsache der umfänglichen Reimreden und der Prosakommentare. Dagegen entfallen Ausführungen zur Personifikation des im Mittelpunkt stehenden Friedens als schöner Jüngling ebenso wie zu den Begleiterscheinungen des Krieges, der Ruchlosigkeit, Ungerechtigkeit und Armut einerseits
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
Vorwort10
Vorrede12
Teil A Krieg und Frieden in Harsdörffers. Frauenzimmer Gesprächspielen28
1 Der Krieg30
1. 1 Der Krieg als Bestandteil von Gesprächspielen30
1. 2 Der Krieg als eigenständiges Gesprächspiel92
2 Der Frieden132
2. 1 Sinnbilder vom Frieden132
2. 2 Der Frieden in den Widmungsgedichten149
2. 3 Personifikationen des Friedens199
2. 4 Das Gesprächspiel Der Fried205
Teil B Die Nürnberger Friedensfeiern 1649 und 1650236
1 Harsdörffers Lobgesang für Carl Gustav Wrangel238
2 Birkens Rede von der Krieges= und Friedensbildung250
3 Das schwedische Friedensmahl von 1649266
4 Veranstaltungen zwischen den beiden Nürnberger Friedensfesten300
4. 1 Bankett und Feuerwerk am 4. Oktober 1649300
4. 2 Valedictions= Banquet am 5. März 1650301
4. 3 Bankett und schwedisches Feuerwerk am 4. Juni 1650301
4. 4 Friedens- Subscription am 16. Juni 1650309
5 Das kaiserliche Friedensfest vom 4. Juli 1650318
Nachwort366
Literaturverzeichnis372
Primärliteratur374
Forschungsliteratur386
Sonstige Hilfsmittel400
Anhang402
1 Verzeichnis der Einblattdrucke404
2 Verzeichnis der Schautrachten des kaiserlichen Friedensmahles408
3 Abbildungen416

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