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E-Book

Kunst sehen und verstehen

AutorSibylle Zambon
VerlagStyria Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783990401583
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis6,99 EUR
Vor Museen stehen die Besucher Schlange, die Medien berichten über den Kunstmarkt in großen Geschichten, Maler sind in, Bilder sind ein Hype. Doch - was bedeutet das eigentlich? Wer sich nicht nur mit Bauchgefühl auf Kunst einlassen möchte, braucht dazu eine Anleitung. Dafür öffnen sich in diesem Buch die fünf Schubladen der Gattungsgeschichte. Historien-, Porträt-, Genre-, Landschaftsmalerei und Stillleben werden auf unterhaltsame Weise eingeführt. Die Gattungen machen es möglich, Bilder nach zentralen Motiven zu erkennen und zu ordnen. Nichts einfacher als das! - wenn da nicht auch noch die moderne und zeitgenössische Kunst wäre. Dazu freilich lohnt es sich, einen Blick auf die Stilgeschichte zu werfen. So zeigt das Buch, wie sich die Kunst seit dem Mittelalter verändert hat, wo sie heute steht, wohin sie geht. Man begreift, warum Kunst schön ist und welches Abenteuer es bedeutet, sich auf sie einzulassen. Ohne Vorurteile, ohne Vorwissen, ohne Angst!

Sibylle Zambon hat einen MA in Kunstgeschichte und Germanistik und arbeitete einige Jahre in einem Zürcher Museum, wo sie u. a. kulturvermittelnd tätig war. Sie lebt in der Schweiz. Ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit schärfte sie als PR-Texterin. Als Mutter von zwei Teenagern übt sie sich zudem täglich in der Kunst, komplexe Inhalte einfach und alltagstauglich verständlich zu machen Schließlich gönnt sie sich als freie Journalistin gerne auch mal einen Blick über den Tellerrand des eigenen Fachs hinaus und schreibt Reiseberichte für diverse Medien.

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Leseprobe

Kunst hat uns etwas zu sagen – Hat sie das?


Wir leben bekanntlich in einer Kommunikationsgesellschaft, und das nicht erst seit gestern. Allerdings stehen uns heute viel mehr technische Mittel des Informationsaustausches zur Verfügung als beispielsweise noch unsern Großeltern. Was sich aber bis heute nicht geändert hat, sind die Grundsätze des Informationsflusses, wie sie in sogenannten „Kommunikationsmodellen“ dargestellt werden. Ihnen gemeinsam ist das Grundschema von Produzent Mitteilung Konsument. Oder anders: Sender Botschaft/​Medium Empfänger. Das heißt nichts anderes, als dass Kommunikation eine Übermittlung von Information von einem Absender zu einem Empfänger mittels eines Mediums ist.

Sie sind gefragt: Was heißt das für Sie als Betrachter oder Betrachterin von Kunst? Wie sieht ein entsprechendes Diagramm aus, an dem Sie beteiligt sind?

Antwort: Wenn wir davon ausgehen, dass der Künstler seine gestalterische Botschaft nicht einfach ins Nichts hinausschickt, sondern mit einem Publikum rechnet, sieht das Diagramm so aus:

Künstler Kunstwerk Publikum/​Ich

Übertragen auf die Kunst ist das Kunstwerk das Bindeglied oder Medium, das die Informationen beziehungsweise Botschaft an Sie übermittelt. Der Künstler aber ist der Urheber, derjenige, der etwas mitzuteilen hat. Oder anders gesagt: keine Kunst ohne Künstler.

2|1 Keine Kunst ohne Künstler


Sie sind gefragt: Welche Künstler kennen Sie (ankreuzen) und von welchem haben Sie auch schon einmal ein Werk gesehen? (Buchstabe ins passende Kästchen setzen.)

Andy Warhol (A)

Leonardo da Vinci (B)

Claude Monet (C)

Pablo Picasso (D)

Antwort: B, C, A, D.

Kennen Sie einen, zwei oder alle? Leonardo da Vinci, das Universalgenie des 15. Jahrhunderts, Maler der Mona Lisa? Claude Monet, dessen Ausstellungen jeweils Rekordbesucherzahlen erzielen und dessen berühmte Seerosen- und Blumenbilder beliebte Kalendermotive sind? Pablo Picasso, der Maler des 20. Jahrhunderts schlechthin, oder Andy Warhol, der Mitbegründer der Pop-Art, dessen Porträt Marilyn Monroe zum Status einer Pop-Ikone verhalf? Bei allen genannten Malern sind sich Fachkreise und Laien einig: Es handelt sich zweifelsfrei um Künstler. Niemand käme auf die Idee, ihr Können oder ihre Leistungen infrage zu stellen. Was aber unterscheidet sie von anderen Malenden, die diesen Titel nicht für sich beanspruchen können? Was genau macht einen Künstler aus?

„Er ist eben ein Künstlertyp.“ Ein oft gehörter Satz. Eine Mischung aus Bewunderung und Entschuldigung, aus der man nicht ganz klug wird. Ein Satz, der vieles offen lässt, anderes ausschließt, aber mit Sicherheit bestimmte Vorstellungen in Ihnen weckt. Natürlich gibt es nicht den Künstler, ebenso wenig wie es den Pfarrer, den Lehrer oder den Arzt gibt, und doch scheinen sich gewisse Eigenschaften, Erwartungen und Ansprüche unter dem Begriff Künstler zu subsumieren.

Sie sind gefragt: Mit welchen positiven oder negativen Eigenschaften charakterisieren Sie den „Künstlertyp“?

Antwort: Wie wär’s mit: außergewöhnlich, genial, begabt, verrückt, voller Ideen, ein Könner, ein Einzelgänger, ein Individualist, ein Außenseiter, schräg, würde ihm meine Buchhaltung nicht anvertrauen etc.?

Die wohl früheste Beschreibung von Künstlern findet sich im 2. Buch Moses im Alten Testament der Bibel. Verfasst im 5. Jahrhundert v. Chr. nimmt das Zeugnis Bezug auf die Erbauung der Stiftshütte, des transportablen Heiligtums der Israeliten.

Hintergrund zum Thema: Die Geschichte berichtet, wie Gott die beiden Künstler Bezalel und Oholiab mit den Arbeiten für das Heiligtum betraut. Dabei geht es um mehr als um die Erteilung eines Auftrages an zwei Begabte. Es ist von göttlicher Inspiration der beiden Beauftragten die Rede, die sich nicht nur auf die auszuführende Arbeit, sondern auch auf die Anleitung weiterer Helfer erstreckt. Von Bezalel wird gesagt, Gott habe ihn mit seinem Geist erfüllt, ihm Können und Umsicht gegeben und ihn zu jeder künstlerischen Tätigkeit befähigt. So könne er Bilder und Gegenstände entwerfen (Idee) und sie in Gold, Silber oder Bronze ausführen, Edelsteine schneiden und fassen und Holz kunstvoll bearbeiten (Fertigkeit), und er sei auch in der Lage, andere zu solchen Arbeiten anzuleiten (Vermittlung). Welche Bedeutung dieser künstlerischen Tätigkeit zukommt, zeigt sich in der umfangreichen Beschreibung, die fünf Kapitel (von vierzig) des ganzen Buches einnimmt. Immer wieder werden dabei die Namen der Künstler genannt und ihr Werk – das im eigentlichen Sinne ein Gesamtkunstwerk ist – bis ins Detail beschrieben. Die Geschichte endet mit dem Segen Mose – also einer Einweihung, in deren Verlauf die Künstler aber nicht mehr genannt werden.8

Bereits in diesem frühen Text werden gewisse Voraussetzungen des Künstlerseins genannt. So etwa die Aufteilung künstlerischer Tätigkeit in die drei wichtigen Bereiche, Planung/​Idee, Ausführung/​Fertigkeit und Anweisung/​Vermittlung an Dritte. Unabdingbare Grundvoraussetzung für dieses Tun aber ist hier die göttliche Inspiration. Erst durch sie wurden Bezalel und Oholiab zur Ausführung des Auftrages befähigt. Nach Abschluss der Arbeiten verliert die Geschichte dann jegliches Interesse an den Künstlern. Bei der Einweihung des Kunstwerks sind bereits andere „Fachkräfte“ am Werk, während der Kult alleine der Verherrlichung Gottes gilt.

Erstaunlicherweise pflegte auch die griechische Antike, ausgerechnet jene Epoche also, die wegen ihrer künstlerischen Produktivität jahrhundertelang verehrt und als Maßstab künstlerischen Schaffens betrachtet wurde, einen sehr prosaischen Umgang mit „ihren“ Künstlern. Zwar galten sie als inspirierte Ausführende einer von Gott gegebenen Idee, aber ihnen selbst wurde kaum Ehre zuteil. Im Gegenteil: Der griechische Philosoph Platon (4./​5. Jh. v. Chr.) vergleicht sie mit Banausen, Schiffsbauern und Handwerkern. Der römische Philosoph Seneca (1. Jh. n. Chr.) berichtet: „Die Götterbilder verehrt man, man betet sie an und opfert ihnen, aber die Bildhauer, die sie verfertigt haben, verachtet man.“9 Diesen abwertenden Zeugnissen stehen freilich zahlreiche Anekdoten gegenüber, die von der Meisterschaft gewisser Maler berichten und von ihrer Wertschätzung durch die jeweiligen Herrscher. Eine Geschichte, die von Plinius d. Ä. (1. Jh. n. Chr.) überliefert ist, bringt beide Aspekte des Künstlertums zum Ausdruck, sowohl die Wertschätzung als auch die soziale Kluft, die zwischen Herrscher und Künstler bestand.

Die Anekdote zum Thema: Als Alexander [der Große] veranlasst hatte, dass eine von ihm ganz besonders geliebte Nebenfrau, Pankaspe, wegen ihrer Schönheit von Apelles gemalt werde, und dabei beobachtete, dass dieser, indem er gehorchte, selbst in Liebe entbrannte, gab er sie ihm zum Geschenk – groß durch seine Selbstbeherrschung und durch diese Tat nicht weniger bedeutend als durch irgendeinen Sieg. Denn er hat sich selbst besiegt und schenkte nicht nur seine Lagergenossin, sondern auch seine Neigung dem Künstler, wobei er sich nicht einmal durch Rücksicht auf seine Geliebte abhalten ließ, die erst einem König angehört hatte und nun einem Maler gehören sollte.10

Nicht viel besser erging es den Künstlern des Mittelalters. Kunstwerke entstanden damals meist im Kollektiv einer Werkstatt, einer klösterlichen Schreibstube oder einer Bauhütte, die für eine Kathedrale tätig war. Der Künstler war ein begabter Handwerker oder Mönch, der überwiegend im Auftrag der Kirche arbeitete und weitgehend anonym blieb. Erst gegen Ende des Mittelalters wuchs das Bedürfnis einzelner Ausführender, ihr Werk zu signieren oder sich in Form eines Porträts darin zu verewigen. Zu diesen frühesten signierten Kunstwerken, die uns überliefert sind, zählt der Klosterneuburger Altar des Nikolaus von Verdun.

Abb. 5: Nikolaus von Verdun
Samson kämpft mit dem Löwen
1181, Email und Goldschmiedearbeit (eine der 51 Bildplatten des Verduner Altars im Stift Klosterneuburg bei Wien)

Hintergrund zum Bild: Der unter dem Namen Nikolaus von Verdun bekannte Goldschmied und Emailkünstler schuf 1181 51 Emailbilder, in denen er Darstellungen des Alten Testaments solchen aus dem Neuen gegenüberstellte. Signiert ist das Werk mit den lateinischen Worten QVOD NICOLAVS OPVS VIRDVNENSIS FABRICAVIT (was Nikolaus von Verdun herstellte).

Erst in der Renaissance erfuhr die Stellung des Künstlers eine grundlegende Änderung. Leonardo da Vinci war Maler, Bildhauer, Architekt, Kunsttheoretiker, Anatom, Ingenieur und Erfinder; Albrecht Dürer Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker. Beide waren also Maler und Wissenschafter und verbanden ihr „Handwerk“ mit theoretischen Erkenntnissen. Sie betrachteten die Malerei nicht mehr...

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