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E-Book

Lachen macht stark

Humorstrategien

VerlagWallstein Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl156 Seiten
ISBN9783835320185
FormatPDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis10,99 EUR
Die Lachforschung ist heute eine eigene Wissenschaftsdisziplin; sie nennt sich Gelotologie und untersucht die Voraussetzungen und Wirkungen von Komik und Humor. Konkrete Anwendungen dieser Forschungsergebnisse sind etwa die 'Humortherapie' im Gesundheitssektor und nicht zuletzt in der Altenpflege sowie die 'Humorberatung' für Unternehmen. Humor ist keine angeborene Fähigkeit, sondern kann - spielerisch - erlernt und trainiert werden, er ist die Kunst der Improvisation, der Einübung neuer Sichtweisen, er hilft im Umgang mit starken Emotionen und dabei Veränderungen zu akzeptieren. Er hat eine kommunikative und teambildende Funktion. Humor ist ein Instrument, um zu sich selbst auf Distanz zu gehen oder um Dominanzverzicht zu praktizieren. Gewohntes lässt sich anders und neu betrachten, weil Humor einen Perspektivenwechsel und damit auch einen Erkenntnisgewinn bewirken kann. Deshalb ist er auch ein probates Mittel zur Lösung von Konflikten. Die Beiträge erörtern die medizinischen Aspekte des Lachens und reflektieren die Voraussetzungen einer kritischen Lachkultur. Ein Buch über das Gelächter der Vernunft.

Der Herausgeber Helmut Bachmaier ist wissenschaftlicher Direktor der TERTIANUM-Stiftung (Schweiz) und Mitglied des Stiftungsrates. Professor an der Universität Konstanz. Zahlreiche Publikationen zur Literatur- und Geistesgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts (Hölderlin, Goethe, Grillparzer), zu Bildungsfragen ('Die Idee der Universität') und zum Thema Alter.

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Leseprobe
Die Komik Emil Steinbergers (S. 120-121)

von Peter Hässig

Emil Steinbergers Definition seines künstlerischen Ziels geht deutlich hervor aus einem Interview mit dem Satire-Magazin »Nebelspalter « aus dem Jahre 1978. Es heißt da, es stehe leider nicht in seiner Macht, die Leute glücklicher zu machen, er könne lediglich »versuchen, die Menschen anzuspornen, ihr Leben mehr zu leben, ich kann mich bemühen, sie zu aktivieren, zu befreien und zur Spontaneität zu führen«.

Die Art und Weise der praktischen Umsetzung dieser humoristischen Wirkungsabsichten soll hier aufgezeigt werden. Die nachfolgende Analyse umfasst sämtliche in Bild und Ton überlieferten Einmann-Bühnenprogramme Emils sowie Steinbergers aktuelle »Kabarettistische Lesung«. Zitate aus Emil Steinbergers Programmen sind kursiv gedruckt und folgen dem Wortlaut der DVDs und CDs von Steinbergers Verlag »Edition E«. Nummern- Zitate im Schweizer Dialekt werden in Fußnoten ins Deutsche übersetzt. Dieser Beitrag wurde von Emil Steinberger persönlich gegengelesen und mit Ergänzungen versehen.

Die Emilsche Art


Im Jahre 1999 kehrte Emil Steinberger mit seiner »Kabarettistischen Lesung« nach 12jähriger Bühnen-Abstinenz ins Rampenlicht zurück. Aus den USA wieder in der Heimat, wollte er einfach als Emil Steinberger für die Promotion seiner Bücher »Wahre Lügengeschichten « und »Emil via New York« Lesungen veranstalten und Geschichten aus seinem Leben erzählen.

»Ob das Publikum mit dem STEINBERGER allein zufrieden sein wird oder man ganz automatisch auf den EMIL wartet und dann enttäuscht sein wird?«, fragte er sich. Aber das Publikum akzeptierte seine Darbietungen voll und ganz. »Ich merke auch bei meinen Lesungen«, gibt Steinberger jedoch zu verstehen, »dass ich nicht um diese gewisse EMILSCHE Art herumkomme, obwohl ich jetzt ja nur noch als STEINBERGER auftrete. Aber in der Figur EMIL stecken kleine Bestandteile von mir, von meinem Charakter, von meiner Lebensart.«

Was ist laut Steinberger die »EMILSCHE Art«? Die berühmte Emil-Figur ist ein Mensch aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, bieder, wenig weltgewandt. Der Kabarettist Steinberger hält dem Publikum den Spiegel vor und geht »mit den gängigen Vorurteilen des Spießers hausieren«.2 Emil ist ein Mensch, wie er uns täglich begegnen kann. Besonders Emil »im Zug« zeichnet sich aus durch seine autoritäre Selbstgerechtigkeit und besserwisserische Belehrungssucht, seine mangelnde Sensibilität und vorurteilsträchtige Ignoranz gegenüber den mitreisenden Ausländern. Die »kathartische Wirkung« von Emils Humor hängt damit zusammen, dass »er sich in seinen Figuren als Sündenbock offeriert für jene Schwächen, die wir alle haben: da gesteht einer offen die kleine Lächerlichkeit ein, die einzugestehen seine Zuschauer sich schämen«.3 »Ein begnadeter Denunziant unserer Verklemmtheiten ist er.«

Die »Frau im Ausverkauf«, so ein Exempel, trägt bei »zur Erhellung unserer gesellschaftlichen Situation«, verweist auf »unsere verfluchten Eifersüchteleien und Neidereien«,5 meint sie doch beim Anprobieren einer Jacke zu einer anderen Kundin: »Möchten Sie sie gerne, hä? Wahrscheinlich!
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Umschlag1
Titel4
Inhalt6
René Ku?nzli: Einleitung8
Helmut Bachmaier: Warum lachen die Menschen? Über Komik und Humor10
Brigitte Stemmer: Wie stark machen Lachen und Humor? Eine wissenschaftliche Perspektive25
Ernst Peter Fischer: Vom Zeigen der Zähne und dem Lächeln der Lippen. Die Evolution auf dem Weg zum Lachen40
Brigitte Boothe: Prächtige Selbstdarstellung und humoristischer Scharfblick. Klugheit in der Krise47
Rolf Dieter Hirsch: Gesundheitsfaktor Humor am Arbeitsplatz58
Jenny Karpawitz und Udo Berenbrinker: Humor-Kompetenz. Clowneske Strategien in der Mitarbeiterfu?hrung84
Iren Bischofberger: Humor trotz(t) allem! Copingstrategie fu?r Mitarbeitende mit chronischer Krankheit und Behinderung97
Thomas Rothschild: Die Wu?rde der Metzger. Lachen als Politikum105
Martin Vincenz: Lustige Berge. Das Arosa Humor-Festival und seine »Heilwirkung«117
Peter Hässig: Die Komik Emil Steinbergers121
Eckart v. Hirschhausen: Die Kunst der Pointe. Wie man Witze repariert141
Über die Autoren154
Impressum157

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