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E-Book

Last Man Standing

Bekenntnisse des letzten Gentlemans. Autobiografie

AutorRoger Moore
VerlagLangenMüller
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl304 Seiten
ISBN9783784482439
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Mit der Lizenz zum Schreiben Als einer der letzten Schauspieler, die das glanzvolle Hollywood prägten, kannte er sie alle: von Elizabeth Taylor, Michael Caine und Frank Sinatra über Audrey Hepburn und Gregory Peck bis hin zu Sean Connery. Nun zeigt Roger Moore, dass er auch ein begnadeter Geschichtenerzähler ist, der bewegende, unterhaltsame und überraschende Anekdoten über Familie, Freunde und Kollegen zu berichten hat. Er nimmt uns mit in die Traumfabrik, erzählt Klatsch und Tratsch aus sieben Dekaden im Filmgeschäft, aber auch offen und ehrlich von bewegenden Momenten in seinem Leben. Ein wahrer Gentleman - selbst in den absurdesten Situationen.

Sir Roger Moore wurde 1927 in London geboren. Seine Karriere begann auf den Theaterbühnen Londons, bevor er Anfang der Fünfziger in die USA ging, in unzähligen Produktionen mitwirkte und der bestbezahlte Schauspieler der Welt wurde. 1973 spielte er erstmals James Bond und war mit insgesamt sieben Filmen am längsten Geheimagent seiner Majestät. Heute ist er für UNICEF tätig und lebt mit seiner Frau Kristina in Monaco.

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Leseprobe

Kapitel 1

Leinwandschönheiten – voll Lebenslust und Temperament

Als ich im Jahr 1954 nach Hollywood kam und bei MGM meinen Dienst antrat, war auch Grace Kelly dort unter Vertrag. Ich weiß noch, wie ich eines Morgens im Büro von Pressesprecher Dore Friedman saß, als die Tür aufflog und Grace hereinstürmte. Aufgebracht erzählte sie, sie habe gerade die Plakate zum Film Grünes Feuer gesehen, den sie mit Stewart Granger gedreht hatte. Das Studio hatte ihren Kopf auf Ava Gardners Körper setzen lassen.

In unserem Film Diane – Kurtisane von Frankreich aus dem Jahr 1955 kniet Lana Turner als Diane de Poitiers vor mir, Prinz Heinrich. Lana war immer für eine Überraschung gut.

»Ich habe keine solchen Titten!«, rief sie.

Das Studio verlieh seinen Plakaten gerne einen Hauch Sexappeal, damit sich die Filme besser verkauften – natürlich stets so geschmackvoll wie möglich.

Dore Friedman erzählte mir übrigens auch, wie er bei einem der »Spendenessen« in Romanoff’s Restaurant in Los Angeles gelandet war, weil er jemanden begleiten sollte. Alle Studiobosse waren anwesend – Adolph Zukor von Paramount Pictures, Jack Warner von Warner Bros., Darryl Zanuck von 20th Century Fox und so weiter. Mit einem Mal dämmerte dem armen Dore, was da vor sich ging.

Zanuck stand auf und sagte: »Ich gebe 250 000 Dollar!«

»Dann gebe ich 300 000 Dollar«, rief Zukor … und immer so weiter. Einer versuchte, den anderen zu überbieten.

Als Dore an der Reihe war, war er sich nicht sicher, wie weit er mit seinem Wochenlohn von 65 Dollar kommen würde. Er reagierte blitzschnell und verkündete: »Ich gebe das Gleiche wie letztes Jahr!«, wofür er stürmischen Applaus erntete.

Ich hatte anfangs zwar wenig Ahnung von amerikanischer Politik, aber ich wusste sehr wohl, dass Grace Kelly eine der begehrenswertesten Frauen Hollywoods war.

© United Archives/TopFoto

Wenn man nach Grace Kelly fragte, erklärten alle männlichen Regisseure und Manager von MGM, wie sehr sie davon träumten, das mit ihr zu tun, was nur Männer und Frauen miteinander tun können. Sie war zweifellos eine der begehrenswertesten Frauen Hollywoods. Es hieß, William Holden und Ray Milland, zwei der unverbesserlichsten Schürzenjäger im Filmgeschäft, seien vor Leidenschaft für sie »von Sinnen«.

Als Starfriseur Sydney Guilaroff zu einem Abendessen lud, saß ich zufällig neben Grace. Das Gespräch kam auf die Politik, von der ich als junger Brite keine Ahnung hatte, und Grace sagte zu mir: »Roosevelt hat uns nämlich verraten.« Ich wusste leider nicht, wovon sie sprach, und machte mir noch geraume Zeit heftige Vorwürfe, dass es mir nicht gelungen war, das Gespräch fortzuführen.

Jahre später, als ich schon regelmäßig in Südfrankreich weilte und sie Fürstin Gracia Patricia von Monaco war, lud sie mich nach Roc Agel, den Landsitz der Familie in den Hügeln Monte-Carlos, ein. Dort begegnete ich auch Fürst Albert, der damals schätzungsweise elf oder zwölf Jahre alt war. Ich lernte ihn als einen sehr ruhigen und schüchternen jungen Mann kennen, dem es große Freude machte, mir die vielen Tiere auf dem Gut zu zeigen.

Grace war ganz und gar nicht steif, obwohl ihr königlicher Rang ihr jedes Recht dazu gegeben hätte, wenn sie dies gewollt hätte. Sie hatte einen verschmitzten Humor, ein freches Funkeln in den Augen und eine große Leidenschaft für Limericks – vor allem die zweideutigen.

Grace war ein großes Geschenk für Monaco, das dem Fürstentum leider viel zu kurz vergönnt war.

Als ich in den 1950er-Jahren bei MGM anfing, war Ava Gardner einer der größten Stars Hollywoods. Die Werbeabteilung des Studios verschickte angeblich jede Woche über dreitausend Fotos von ihr. Louis B. Mayer hatte sie höchstpersönlich zehn Jahre zuvor unter Vertrag genommen. Nachdem er Probeaufnahmen von ihr gesehen hatte, soll er gesagt haben: »Sie kann nicht spielen. Sie kann nicht sprechen. Sie ist umwerfend!«

Nach einigen Jahren in eher nichtssagenden Rollen machte sie der Film Rächer der Unterwelt aus dem Jahr 1946 schließlich zum Star. Das Studio überließ ihr die ehemalige Garderobe von Norma Shearer. Es war die größte auf dem Gelände mit Schlafzimmer, Badezimmer, Küche und dem Ankleideraum selbst, der von Spiegeln, Lampen und Schränken gesäumt und zweifellos ihrem neuen Stand angemessen war.

Ava war eine urkomische Person mit einer Vorliebe für markige Sprüche, dürfte aber für ihre sexuellen Eroberungen und Ehemänner ebenso bekannt gewesen sein wie für ihre Filme. Sie war insgesamt drei Mal verheiratet: mit Mickey Rooney (der ebenfalls vertraglich an MGM gebunden war, als sie sich kennenlernten), Artie Shaw und Frank Sinatra. Zu ihren prominenten Liebhabern gehörten Clark Gable, Robert Taylor, George C. Scott und Robert Mitchum. Der Legende nach soll ihr Interesse an Co-Star Mitchum bei den Dreharbeiten zu My Forbidden Past im Jahr 1951 erwacht sein. Er stand bei Howard Hughes unter Vertrag, mit dem Ava ebenfalls liiert gewesen war.

Mitchum rief seinen Boss an und fragte: »Was dagegen, wenn ich mit Ava schlafe?«

»Wenn du es nicht tust«, erwiderte Hughes, »werden dich alle für schwul halten.«

In ihrer Autobiografie behauptete Ava allerdings, Sinatra sei die Liebe ihres Lebens gewesen. Sie hatten sich bereits kennengelernt, als Ava noch ein 18-jähriges Filmsternchen und eben erst nach Hollywood gekommen war. Aber obwohl Frank sie als »glühend heiß« bezeichnete, war sie ihm damals einfach zu jung. Bei ihrer zweiten Begegnung fünf Jahre später war sie nicht nur von Rooney, sondern auch von ihrem zweiten Mann, Bandleader Artie Shaw, geschieden und die Anziehung zwischen den beiden enorm. Kurz darauf verließ Frank für sie seine Frau Nancy.

Die ganze Geschichte verursachte einen Riesenskandal in Hollywood, den die Klatschkolumnistinnen Hedda Hopper und Louella Parsons fröhlich schürten – von der katholischen Kirche und Franks Fans ganz zu schweigen. Ava wurde als Femme fatale hingestellt, die Frank seiner Familie entrissen hatte.

Franks beruflicher Erfolg litt sowohl unter der Kritik als auch in finanzieller Hinsicht, aber Ava nutzte ihren beträchtlichen Einfluss, um ihm 1953 die Rolle in Verdammt in alle Ewigkeit zu verschaffen, für die er später den Oscar bekam. Der Film und die anschließende Auszeichnung hauchten seiner Karriere als Schauspieler und Sänger neues Leben ein, und schon bald führte er die Liste der international erfolgreichsten Interpreten wieder an.

In den sechs Jahren ihrer Ehe war Ava zwei Mal schwanger, ließ aber immer abtreiben. »Bei MGM gab es alle möglichen Strafklauseln für den Fall, dass ein Star ein Kind bekam«, sagte sie später. Leider war die Ehe nicht von Dauer, da Ava sich jüngere Liebhaber suchte, wenn sie in Europa drehte und Frank in Hollywood arbeitete. Es brach ihm das Herz. Ja, wirklich.

Anfang der 1990er-Jahre produzierte Tina Sinatra, eine von Franks Töchtern aus erster Ehe, eine TV-Miniserie über das Leben ihres Vaters. Offenbar war sie wegen der Trennung ihrer Eltern immer noch sehr bitter, denn sie besetzte Nancys Rolle mit der schönsten Schauspielerin, die sie finden konnte. Den Part von Ava – der größten Hollywoodschönheit aller Zeiten – gab sie einer eher unscheinbaren Kollegin.

Dinah Sheridan war eine sehr gute Freundin aus frühen Schauspieltagen. Ihre Eltern besaßen ein Fotoatelier, das Studio Lisa in Welwyn, wo ich unter anderem als Fotomodell arbeitete. Ich werde nie vergessen, dass sie mich nach Fotoaufnahmen einmal im Auto nach London mitnahm – und ich mir so die teure Bahnfahrkarte sparen konnte. Leider ergab sich nie die Gelegenheit, mit ihr zu arbeiten, da sie in den 1950er-Jahren John Davis heiratete, den gefürchteten Geschäftsführer der Rank Organisation. Er verbot ihr jede weitere schauspielerische Betätigung mit der Begründung, »keine seiner Frauen« ginge arbeiten.

Die Arbeit als Fotomodell führte mich vom Studio Lisa und einer Pullunderkollektion an die »heißesten« Strände Großbritanniens. Sie können es nicht sehen, aber ich wette, ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut.

Dinah erzählte, am Tag ihrer Hochzeit habe Davis gesagt: »Ich weiß nicht, ob du meine dritte oder meine vierte Frau bist, aber du wirst bestimmt nicht die letzte sein.« Kaum einer war überrascht, als sie später wegen »seelischer Grausamkeit« die Scheidung einreichte – die erstaunlich schnell bewilligt wurde. Zum Glück kehrte sie zur Schauspielerei zurück und drehte im Jahr 1970 für Bryan Forbes und die Associated British Pictures Corporation (ABPC) in Elstree einen meiner Lieblingsfilme: Jeden Morgen hält derselbe Zug.

Lionel Jeffries machte Bryan auf das gefeierte Buch Die Eisenbahnkinder von Edith Nesbit aufmerksam und sagte, er habe ein Drehbuch daraus gemacht. Bryan las das Skript und erklärte, dass er es mit Freuden verfilmen würde. »Aber wer soll Regie führen?«, wollte er wissen.

»Also, das würde ich eigentlich gern selbst machen«, bot Lionel an.

Bryan stimmte bereitwillig zu, und das Ergebnis war einer der besten britischen...

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