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E-Book

Lebens-wert? Lernort Gemeinde

Ein neues Format der Erwachsenenbildung

AutorAnnette Mörchen, Markus Tolksdorf
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl413 Seiten
ISBN9783763945696
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,90 EUR

Der Band stellt ein Konzept werte- und sozialraumorientierter Bildung vor, das Bürger in politischen und kirchlichen Gemeinden anregt, im Alltag neue Lernorte (Bank, Kunstatelier etc.) zu erschließen. Die Schlüsselfrage "Was ist mir etwas wert und was ist es mir wert?" lässt sie Visionen eines zukunftsfähigen Lebens in der Gemeinde entwickeln und wird zum Motor für selbstbestimmtes freiwilliges Engagement, das als Impulsgeber für die (Weiter-) Entwicklung von Gestaltungskompetenz wirkt. Lernort Gemeinde ist ein Beitrag zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Der Band orientiert sich an Partizipation und Selbstbestimmung und lädt zur Entdeckung und Gestaltung von "Möglichkeitsräumen" für Lernen und Handeln von Bürgern, Gemeinden und Weiterbildungsinstitutionen ein.

Das Konzept wurde von einem bundesweit orientierten Netzwerk aus sieben Bildungseinrichtungen entwickelt und regt die Erwachsenenbildung an, das eigene Rollenprofil zu erweitern und eine lokale Bewegung für zukunftsfähige Lebensbedingungen in der Gemeinde anzustoßen bzw. zu begleiten.

Der Autor


Markus Tolksdorf ist Geschäftsführer der katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE). Annette Mörchen ist dort als Projektleiterin tätig.

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Leseprobe
3.3 Werteorientierung und Prozessreflexion (S. 251-252)

Was unseren Arbeitsprozess außerdem beschreibt, sind die Reflexionsschleifen. Hier zeigt sich deutlich, welche Wirkung der didaktische Ansatz des selbst organisierten Lernens und der Lernprojektierung an unserem Tatort hat. In der Projektwerkstatt geht es um folgende Fragen: „Was ist der Stand der einzelnen Projekte? Welche Wünsche gibt es an die Gruppe? Was soll gemeinsam bearbeitet werden?

Welche Werte werden in den Projekten sichtbar?" Hier sind wir als Lernbegleiterinnen Wiederholungstäterinnen. Auch wenn es uns anfangs ein wenig künstlich erscheint, erleben wir, dass die Projektinitiatorinnen das ihrerseits rasch aufnehmen und einfordern. Diese wachsende Selbst- und Prozessreflexion bedingt auch eine Weiterentwicklung der Dialogfähigkeit. So ist die Projektwerkstatt Übungsraum, um sich differenziert mit anderen Wertorientierungen auseinanderzusetzen – also die Wertfrage auch dahingehend zu überprüfen, was anderen etwas wert ist und was diese Unterschiedlichkeit bewirkt. Reflexivität und die Spannung zwischen Selbstbestimmung und Aushandeln in der Gruppe – zwei Bausteine der Lernprojektierung kennen wir auch aus anderen Prozessen. Doch eingebettet in das Gesamtsetting von lebens-wert?

Lernort Gemeinde verleiht dies unserer Arbeit eine ganz neue Qualität. Das Neue ist die Konsequenz, mit der wir die Reflexion einfordern. Weil die Projektinitatorinnen dies nach anfänglichem „Fremdeln" selbst als hilfreich erleben, können wir feststellen, dass sie immer stärker auch ohne unsere Intervention den Prozess reflektieren, sich auf gemeinsame Arbeitspakete ver ständigen und gemeinsam den Lernprozess organisieren. Gleichzeitig kristallisiert sich heraus, wie entlastend der Rahmen ist, den wir als Lernbegleiterinnen anbieten. Vor allem im voranschreitenden Prozess schätzen die Einzelnen inmitten ihrer wachsenden Projekte die Bereitstellung der Projektwerkstatt als Reflexions- und Beratungsraum.

Das Einüben von Reflexionsschleifen ist nicht nur notwendig, um den Prozess zu klären und um gemeinsam gut aushandeln zu können, was die Arbeits- und Beratungsanliegen sind, es dient auch der Nachhaltigkeit. Ein Indiz dafür ist, dass dieses Einüben die Kultur des Miteinanders verändert – und zwar nachhaltig. Diese neue Kultur ist uns auch deshalb wichtig, weil unser Fernziel als Lernbegleiterinnen ja nicht ist, die Gruppe auf Dauer von uns abhängig zu machen, sondern sie in ihrer eigenen Selbstständigkeit zu stärken. Dieses Fading, sich selbst als Lernbegleiterin auszublenden, verändert auch das Arbeiten in der Gruppe. Sind wir anfangs noch sehr gefragt, als diejenigen, die anregen und ermutigen, die bremsen und irritieren, richtet sich unsere Aufmerksamkeit in der Begleitung immer stärker darauf, im Blick zu haben, was institutionalisiert werden muss, damit die Gruppe mit wenig und letztlich auch ohne Lernbegleitung handlungsfähig ist.

„Na ja, viele Projekte stehen ja jetzt auf eigenen Beinen. Meines ist noch im Entstehen. Und wenn ich für mein Projekt mit meinen Mitstreiterinnen Unterstützung brauche, kann ich sie mir ja hier vor Ort bei den anderen holen, und die beiden Lernbegleiterinnen sind ja auch nicht aus der Welt." – Eine Projektinitiatorin –

3.4 Werteorientierung und Wertschätzung

Was wäre Außenstehenden an unseren Projektwerkstätten aufgefallen? – In der letzten Projektwerkstatt sind wir uns einig, dass es die wertschätzende Art des Umgangs miteinander ist. Einen richtungsweisenden Input dazu liefert der Beitrag von Hubert Klingenberger und Florian Wenzel zur „Appreciative Inquiry", (vgl. Klingenberger & Wenzel 2007, vgl. auch Wenzel u.a. in Teil II des vorliegenden Bandes). Wir lassen uns als Lernbegleiterinnen gerne davon überzeugen, dass eine ganz andere Dynamik entsteht, wenn wir auf die Stärken statt auf die Schwächen.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Grußwort des Bundesministeriums für Bildung und Forschung8
Vorwort der Herausgeber10
Ich bin wertvoll16
Teil I Lernort Gemeinde20
Lernort Gemeinde – ein Format Werte entwickelnder Erwachsenenbildung22
Das Projekt Lernort Gemeinde42
Lernort Gemeinde – zentrale Ergebnisse und Erkenntnisse74
Teil II Konzeptionelle Prinzipien88
Lernen – ein Grundbegriff pädagogischer Praxis90
Die Lernwerkstatt – ein Entwicklungsarrangement für Erwachsenenbildner104
Lernort Gemeinde – lebendige Beispiele für ein Nachhaltigkeitslernen140
Was etwas wert ist. Ein dynamisch- prozesshaftes Modell der Werteorientierung158
Die Theorie der Anerkennung – ihre Bedeutung für pädagogische Professionalität172
Appreciative Inquiry ( Wertschätzende Erkundung)184
Zur materialen Relationalität des Sozialraums – einige raumtheoretische Hinweise196
Suchet der Stadt Bestes! Zum Verhältnis von Christengemeinde und Bürgergemeinde206
Bürgerkommune als Leitbild einer zukunftsfähigen Entwicklung der lokalen Gesellschaft214
Wie Essen auf Rädern die Demokratie fördert. Und warum die politische Bildung dies unterstützen sollte226
Teil III Deutungsperspektiven und Praxis der Projektstandorte244
Werte als Entwicklungs- und Prozessmotor246
Kirche im Lernort Gemeinde: Wir bilden Werte, Gemeinschaft, Zukunft258
Bildung als Möglichkeitsraum für alle274
Kreative Zugänge zu Werteorientierung und Engagement286
LebensArt(en) – von der Stadtteilentwicklung zur Wertegemeinde298
Das Projekt als Pilgerweg – von Meilensteinen, Stolpersteinen und Edelsteinen310
Es gibt doch schon so viel! Usinger Blickpunkte – Ansätze zur Erschließung verborgener Werte324
Teil IV Strukturelle Figurationen und Profile der Projektrealisierung336
Realisierungsformen im konzeptionellen Gestaltungsrahmen des Formats Lernort Gemeinde338
Teil V Fazit und Perspektiven368
Wer auf frischen Wind wartet, darf nicht verschnupft sein, wenn er kommt!370
Lernort Gemeinde – wertgeschätzt, quergebürstet und weiterempfohlen378
Dreifach hingeschaut – was die ( Katholische) Erwachsenenbildung aus dem Projekt Lernort Gemeinde lernen kann386
Lernort Gemeinde – Anregungen für die politische Erwachsenenbildung392
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren400
Anhang404
Lernort Atelier406
10 Fragen zur Lernwerkstatt410

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