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Lebensqualität multimorbider älterer Menschen

Konstruktion eines neuen individualisierten Messverfahrens

AutorMartin Holzhausen
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl263 Seiten
ISBN9783456947150
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR
Lebensqualität ist ein vielschichtiges Konstrukt. Ihre Messung wirft gerade bei älteren Menschen methodische und konzeptuelle Probleme auf. Es besteht großer Entwicklungsbedarf für altersangemessene Messinstrumente, die den sehr unterschiedlichen Möglichkeiten und Grenzen multimorbider älterer Menschen Rechnung tragen. Dieses Buch bietet zunächst einen kurzen Überblick über Besonderheiten von Gesundheit und Krankheit im Alter. In einer multidisziplinären Übersicht werden aktuelle Strömungen und Konzepte der Lebensqualitätsforschung in einen gerontologischen Rahmen gebettet und kritisch diskutiert. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei patientenzentrierte Maße. Neuere Theorien zu Adaptationsmechanismen und Krankheitsverarbeitung multimorbider älterer Menschen werden vergleichend dargestellt. Darüber hinaus werden ein neuer Ansatz der subjektzentrierten Messung von Lebensqualität entwickelt und ein neues Messinstrument für die Lebensqualität multimorbider älterer Menschen vorgestellt: Über vom Patienten selbst frei generierte und nach persönlicher Bedeutsamkeit gewichtete Lebensbereiche wird ein jeweils individueller Zugang zur Lebensqualität geschaffen. Innerhalb dieses "individualisierten" Fragebogens beurteilt der Patient die eigene Lebensqualität anhand derjenigen Dimensionen, die für ihn eine besondere Bedeutung haben.

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt
  2. I Theoretischer Hintergrund
  3. II METHODISCHES VORGEHEN
  4. III ERGEBNISSE
  5. IV DISKUSSION DER ERGEBNISSE
  6. V LITERATURVERZEICHNIS
  7. Anhänge
  8. Dank
Leseprobe
IV DISKUSSION DER ERGEBNISSE (S. 123-124)

In dieser Arbeit wurden zunächst theoretische Perspektiven und empirische Befunde zur Lebensqualität im Alter dargestellt. Vor diesem Hintergrund wurde eine qualitative, empirische Vorstudie (Studie 1) zum Entwurf eines Fragebogens durchgeführt. Darauf aufbauend wurde anschließend ein Fragebogen zur Lebenszufriedenheit multimorbider älterer Menschen entwickelt und in einer Pilotuntersuchung (Studie 2) hinsichtlich verschiedener Validitätsaspekte getestet.

Die erhobenen Daten wurden sowohl unter quantitativen als auch qualitativen Gesichtspunkten ausgewertet: Es fand eine explorative Abschätzung der Konstruktvalidität und Inhaltsvalidität des neu entwickelten Fragebogens zur Lebensqualität multimorbider älterer Menschen (FLQM) statt, aus Daten von Studie 1 und den qualitativen Angaben im Rahmen des FLQM in Studie 2 wurden mit Hilfe von qualitativen Inhaltsanalysen Kategoriensysteme von subjektiv bedeutsamen Bereichen der Lebensqualität abgeleitet. Neben einer Gesamtauswertung wurde möglichen inhaltlichen Unterschieden zwischen Altersgruppen, Geschlechtern und Bildungsniveaus nachgegangen.

Zunächst werden die Ergebnisse mit Bezug auf die Konstrukt- und Inhaltsvalidität des FLQM diskutiert, anschließend Verständlichkeit und Durchführbarkeit. Das Kategoriensystem der subjektiv für Lebensqualität bedeutsamen Bereiche wird besprochen und mögliche Schlussfolgerungen über die Entwicklung von Komplexität und Heterogenität der subjektiven Definitionen von Lebensqualität im Alter wird diskutiert. Schließlich werden Einschränkungen und Grenzen einerseits der Durchführung der Studien 1 und 2 insgesamt als auch des FLQM im Besonderen diskutiert.

1.10 Konstruktvalidität des FLQM


Die empirischen Befunde zur Validität des FLQM sind ermutigend für eine Beibehaltung des Ansatzes. Dies gilt sowohl für die Verteilungsmerkmale des FLQM als auch für seine Zusammenhänge mit anderen Skalen. Die empirischen Werte sind normalverteilt, gleichzeitig ist die Verteilung leicht nach rechts, also zum positiven Pol der Skala, verschoben. Das bedeutet, dass die Teilnehmer trotz ihres eingeschränkten Gesundheitszustandes auf dem FLQM eine relativ hohe Zufriedenheit mit den ihnen Leben wichtigen Bereichen berichten. Dieser Befund steht im Einklang mit den Kenntnissen über das „Paradox des subjektiven Wohlbefindens" (vgl. Staudinger, 2000).

Erklärlich ist diese tendenzielle „Überschätzung" der eigenen Zufriedenheit beispielsweise über vornehmlich akkomodative Anpassungsmechanismen, welche eine Abwertung oder Umdeutung selbstwert- oder zufriedenheitsabträglicher Informationen begünstigen (Brandtstädter &, Rothermund, 1994). Im Falle der hier betrachteten Population gesundheitlich relativ stark beeinträchtigter Personen bedeutet dies, dass Einschränkungen in bestimmten Lebensbereichen entweder dazu führen können, dass diese Bereiche in ihrer Bedeutsamkeit abgewertet werden oder, dass ein geringerer Grad von „Zielerreichung" als ausreichend für eine positive Bewertung angesehen wird.

Dabei spielen soziale und temporale Vergleichsprozesse eine große Rolle. Soziale Vergleiche beziehen sich beispielsweise auf andere Menschen gleichen Alters mit geringeren Fähigkeiten, temporale Vergleiche beispielsweise auf das Selbst in jüngeren Jahren, also mit altersbedingt höheren Fähigkeiten. Durch diese Kontrastierungen, welche die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten an stärker benachteiligten oder begünstigten Vergleichspersonen messen, wird vor allen Dingen die Veränderungen interner Standards gefördert (z. B. Beaumont &, Kenealy, 2004, Filipp &, Ferring, 1998).
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
I Theoretischer Hintergrund8
1.1 Einleitung8
1.2 Alter(n) und Krankheit10
1.2.1 Heterogenität im Alter: Junge Alte und alte Alte10
1.2.2 Normale altersbedingte Veränderungen des menschlichen Organismus12
1.2.3 Subjektive Einschätzung der eigenen Gesundheit und objektiver Gesundheitsstatus13
1.2.4 Morbiditätsstrukturen im Alter15
1.2.5 Geschlechtsspezifische Besonderheiten von Morbidität und Mortalität18
1.2.6 Multimorbidität und Polypathie - Definitionsansätze und Abgrenzungen19
1.3 Lebensqualität21
1.3.1 Anwendungsbereiche innerhalb der Human- und Gesundheitswissenschaften22
1.3.2 Begriffsbestimmung von „Lebensqualität“24
1.3.3 Lebensqualität als multidimensionales Konstrukt30
1.3.4 Perspektive und Inhalt – Rahmenfaktoren der Operationalisierung von Lebensqualität35
1.3.5 Eine psychologische Perspektive: Globale versus bereichsspezifische Lebenszufriedenheit und subjektives Wohlbefinden39
1.3.6 Lebensqualität und Wohlbefinden im Alter44
1.3.7 Empirische Herausforderungen in der Messung von Lebensqualität multimorbider älterer Menschen60
1.3.8 Individualisierte Messung von Lebensqualität63
1.4 Der Fragebogen zur Lebensqualität multi-morbider älterer Menschen ( FLQM)64
1.4.1 Theoretische und empirische Grundlagen64
1.4.2 Fragebogenentwurf67
1.5 Ziele dieser Arbeit und forschungsleitende Annahmen68
1.5.1 Hypothesennetz zur Konstruktvalidierung69
1.5.2 Inhaltsvalidität71
1.5.3 Exploration querschnittlicher Unterschiede subjektiver Konstruktionen von Lebensqualität im Alter72
1.5.4 Verständlichkeit und Durchführbarkeit73
II METHODISCHES VORGEHEN74
2.1 Grundgesamtheit und Stichproben74
2.1.1 Grundgesamtheit74
2.1.2 Studie 1 (Qualitative Interviews): Teilnehmerge-winnung und Stichprobe75
2.1.3 Studie 2 (Pilotuntersuchung mit dem FLQM): Teilnehmergewinnung und Stichprobe75
2.2 Ablauf und Durchführung der Erhebungen76
2.2.1 Studie 1 (Qualitative Interviews)76
2.2.2 Studie 2 (Pilotuntersuchung mit dem FLQM)78
2.3 Auswertung83
2.3.1 Studie1 (Qualitative Interviews)83
2.3.2 Studie 2 (Pilotuntersuchung mit dem FLQM)85
2.3.3 Umgang mit fehlenden Werten88
III ERGEBNISSE90
1.6 Stichprobenkennwerte und deskriptive Merk-male90
1.6.1 Studie 1 (Qualitative Interviews): Stichproben-kennwerte und deskriptive Merkmale90
1.6.2 Studie 2 (Pilotuntersuchung mit dem FLQM): Stich-probenkennwerte und deskriptive Merkmale90
1.7 Studie 1: Qualitative Interviews92
1.7.1 Induktive Kategorienbildung92
1.7.2 Erstellen der Anregungsliste für den FLQM92
1.8 Studie 2: Pilotuntersuchung mit dem FLQM94
1.8.1 FLQM: Deskriptive Merkmale und Zusammenhänge mit soziodemografischen Variablen94
1.8.2 Charakteristika der Fragebögen zur Validierung ( ALZ, PANAS, PGCMS, SF 36)96
1.8.3 Vorabschätzung der Validität des FLQM anhand der Pilotstichprobe102
1.8.4 Inhaltsvalidität und Exploration querschnittlicher Unterschiede subjektiver Konstruktionen von Lebensqualität im Alter106
1.8.5 Verständlichkeit und Durchführbarkeit: Begleitender Meta- Fragebogen zum FLQM118
1.9 Explorativer Längsschnitt121
IV DISKUSSION DER ERGEBNISSE124
1.10 Konstruktvalidität des FLQM124
1.11 Methodologische Gesichtspunkte130
1.12 Verständlichkeit und Durchführbarkeit132
1.13 Reliabilität und Objektivität des FLQM137
1.14 Inhaltsvalidität und querschnittliche Unterschiede subjektiver Konstruktionen von Lebensqualität im Alter138
1.15 Methodische Einschränkungen und Grenzen der Interpretierbarkeit141
1.16 Zusammenfassung und abschließende Bewertung144
V LITERATURVERZEICHNIS148
Anhänge168
Dank263

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