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E-Book

Leinen los.

Wir segeln um die Welt.

AutorRollo Gebhard
Verlagmillemari.
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl233 Seiten
ISBN9783946014706
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Ein Mann und eine Frau segeln zusammen um die Welt. Er legendärer Segler. Sie war nie zuvor auf einem Schiff. Er sucht und wählt die Extreme, geht an die Grenzen: Nach Amerika über Island und Grönland. Mit Kenterung im Sturm. Von der Südsee zu Alaskas Eisbergen. Nonstop zurück, ohne Hafen, 6 Monate von Australien nach Emden. Am Ende veröffentlicht jeder der beiden sein eigenes Buch über diese Reise. Eine Extremerfahrung und eine Leidenschaft, die beide verbindet. Endlich sind die Bücher Rollo und Angelika Gebhards wieder verfügbar. Aktuell überarbeitet, mit neuen Karten versehen zeichnen sie die Routen eines Seglerlebens auf, das eine ganze Generation inspiriert hat. Leinen los Dies ist Rollo Gebhards Bericht über seine Extremreise zusammen mit Angelika Gebhard. Zwei Jahre lang reist er mit Solveig IV, einer 42 Fuß großen Hallberg Rassy über die 'Wikingerroute' von Island und Grönland bis nach Kanada und von dort aus über die Karibik, die Galapagos-Inseln und die Osterinsel in die Südsee. Was ihn antreibt, ist die Sucht nach Meer - danach, sich mit den Elementen treiben zu lassen und doch selbst am Steuer seines Lebens zu stehen. Stille Nächte in einsamen Ankerbuchten wechseln sich ab mit erbarmungslosen Kämpfen gegen Stürme, Wellen und die eigene Erschöpfung. Eine Kenterung vor Grönland ist fast ihr Tod. Doch die beiden segeln weiter... Überarbeitet und herausgegeben von Thomas Käsbohrer & Susanne Guidera

Der Einhand- und Weltumsegler Rollo Gebhard inspirierte Millionen. Seine Reisen mit der Jolle Solveig und den kleinen Kielbooten Solveig II und Solveig III führten ihn 1960 zunächst durch die Adria ins Mittelmeer, dann über Malta nach Tunesien und Libyien durchs Rote Meer Richtung Ägypten. Sein Ziel: Indien. Er wurde mit seiner kleinen Jolle zum Spielball der Wellen, kenterte, wurde überfallen, entführt, beraubt und beschossen. Und doch trieb ihn seine Sehnsucht nach dem Meer immer weiter hinaus bis über den Atlantik und um die Welt. Nicht auf der Jagd nach Rekorden, sondern aus der Gier nach Leben. In "Leinen los" beschreibt er die Ereignisse, die zur Kenterung von Solveig vor Grönland führten sowie die anschließende Reise, die beide bis in die Südsee führte.

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Leseprobe
Gekentert. Der eiskalte Wind pfeift durch die Wanten des Bootes, greift nach den Masten und drückt Solveig auf die Seite. Es ist Nacht. Zwischen schwarzen Wellenbergen, von denen nur die weißen Schaumkämme im fahlen Dämmerlicht aufleuchten, treibt die kleine Yacht in der Weite des Nordmeers. Schwere Wolken verdecken den Himmel, ziehen endlos über die wütende See. Wir sitzen in der Kajüte unseres Bootes, nur durch die dünne Kunststoffschale vor der Kälte des Wassers und dem schneidenden Wind geschützt. Ich sehe Angelika an und erschrecke: Ihr weißes Gesicht wirkt klein und zerbrechlich unter der dicken Wollmütze, ihre Wangen sind eingefallen. Hat sie an solche Strapazen gedacht, als wir vor zwei Monaten unter den Klängen einer Blaskapelle den Hafen von Travemünde verlassen haben? Ist sie durch den Sturm, der nun schon seit Tagen wütet, überfordert? Ein Brecher kracht gegen die Bordwand. Das Boot macht einen Sprung. Ich rutsche auf die Bodenbretter und höre das schäumende Wasser über Deck zischen und ins Cockpit fluten. Angelika hebt den Kopf. 'Soll ich draußen nachsehen?' 'Nein, bleib hier drin', bitte ich. 'Es ist nichts beschädigt, das hätte ich gehört.' 'Wohin treiben wir eigentlich?' 'Nach Osten', antworte ich müde. Angelika lässt nicht locker. 'Wie schnell?' 'Ich weiß nicht. Vielleicht zwei bis drei Meilen in der Stunde.' Sie sieht mich entsetzt an. 'Das heißt, wir sind seit gestern über 100 Meilen zurückgetrieben!?' 'Ja, etwa so viele müssen es sein', gebe ich zu. 'Dann sind wir jetzt wieder 200 Meilen von Grönland entfernt', rechnet sie. 'So kommen wir ja nie an!' 'Es dauert eben ein paar Tage länger, als wir dachten', sage ich möglichst ruhig. 'Wir sind ja erst vor einer Woche von Island abgesegelt.' 'Jede Meile nach Westen haben wir uns so hart erkämpfen müssen! Jetzt wieder zurückzutreiben - das ist zu viel', erwidert sie resigniert. Es ist schwer gewesen, von Island aus gegen die ständigen Westwinde anzukreuzen, in einem wirren Seegang, der aus allen Richtungen zu kommen scheint. Oft schlägt das Vorschiff so hart aufs Wasser wie auf Stein. Dann fliegen in der Kajüte alle beweglichen Gegenstände herum und Angelika muss ständig Töpfe, Löffel und Becher festhalten, auch wenn sie nur Tee oder Suppe zubereiten will. Schon am ersten Tag, nur wenige Stunden nach der Ausfahrt von Reykjavik, ist sie vor dem Herd ausgerutscht und hat sich eine Hüftprellung zugezogen, die noch immer schmerzt und jede Bewegung erschwert. 'Sieh' doch mal nach dem Windmesser', höre ich ihre Stimme in meine Gedanken hinein. 'Ich glaube, der Wind hat etwas nachgelassen.' Mit den Händen nach Halt suchend tappe ich zum Kartentisch und werfe einen Blick auf das Instrument. Die Nadel zittert zwischen Windstärke 10 und 11. Nichts hat sich geändert! Das Navigationsgerät bringt schon seit Stunden keine neue Position mehr. Die vorige habe ich nicht eingetragen. Ich will Angelika nicht entmutigen. Wir sind weiter zurückgetrieben, als ich eingestanden habe. Als wir vor zwei Tagen die Segel geborgen haben, lag die Küste Grönlands nur noch 110 Meilen westlich vor uns. 'Was ist mit dem Wind?' Jetzt klingt Angst aus Angelikas Stimme. 'Er ist nicht stärker geworden, aber auch nicht schwächer. Kein Grund zur Sorge, morgen muss sich das Wetter bessern!' Doch innerlich kämpfe ich gegen meine eigene Angst. Habe ich etwas falsch gemacht? Oder belastet mich nur das Bewusstsein der Verantwortung für Angelika, die sich meiner Führung anvertraut hat? Sie hat sich so sehr gewünscht, diese Reise mitzumachen. Aber das ändert jetzt nichts an meiner Beklemmung. Der Aufprall eines Brechers reißt mich aus der Grübelei. Ich muss nun doch zur Kontrolle nach draußen ins Cockpit steigen. Es können Eisberge in der Nähe sein. Jede halbe Stunde habe ich nach dem Thermometer gesehen. Eisberge sollen sich ja durch rasch sinkende Temperaturen ankündigen. Aber kann ich mich darauf verlassen? Ich schalte erst das Licht aus, um meine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen, gebe mir dann einen Ruck, reiße das Schiebeluk auf und ziehe mich über das Steckschott in die Höhe. Hätte ich das Schott vorher herausgezogen und wäre in dem Augenblick ein Brecher im Cockpit gelandet, dann hätte eine Unmenge Wasser in die Kajüte schießen können. Da ist es besser, die Kletterei auf mich zu nehmen. 'Was ist los?', schreit Angelika durch das Brüllen des Windes und der See. 'Will mal sehen, wie das Boot im Seegang liegt! Ich passe auf, bin gleich wieder zurück!' Schnell ziehe ich das Luk hinter mir zu. Das Wüten des Sturms schlägt mir entgegen, während ich versuche, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Aber ich sehe keinen Horizont, nur schwarze Hügel, die sich endlos heranwälzen. Dahinter graue Wolkenmassen, gespenstische Figuren: Die wilde Jagd reitet über das Meer. Fallen und Leinen schlagen gegen den Mast, ein Schäkel klirrt immer wieder am Aluminium des Großbaums. Und um den gruseligen Eindruck zu vervollständigen, höre ich wehmütige Schreie in der Luft. Sind das Möwen? Oder ist es nur der Wind, der diesen jammernden Gesang in der Takelage aufführt? Das Eis kann nicht mehr weit entfernt sein. Ich glaube, die Gletscher schon zu riechen. Wie 1000 Nadeln sticht der Wind in mein Gesicht. Eine Weile halte ich inne, um mich an das Tosen und die Dunkelheit zu gewöhnen. Ich fühle mehr, als ich sehe, wie sich der Bootskörper hebt und senkt, wie er plötzlich wieder in die Tiefe schießt, wenn eine steile See den Bug abgleiten lässt. Ein weißer Fleck wird sichtbar: Wasser steigt an Deck, aber trotz der gigantischen Wellenhöhe scheint das Boot nicht gefährdet zu sein. Schemenhaft erkenne ich an Deck die Umrisse von Segelbeuteln, Plastikkanistern und ein merkwürdiges Gebilde, das an die Gestalt eines Ziegenbocks erinnert: unser Mofa, das fest verzurrt unter einer Persenning versteckt liegt. Da treiben wir nun mit unserer Habe durch die trostlose Einsamkeit des Meeres. Bei Sturm und ungeheurem Seegang. Ich will zurück in die Kajüte, in die warme Geborgenheit des Bootsrumpfs. Es geht mir wie früher als Kind. Wenn ich mich nachts fürchtete und mir die Bettdecke übers Gesicht zog. 'Du warst viel zu lange draußen', empfängt mich Angelika. 'Wenn dich ein Brecher erwischt hätte ...' 'Ich hatte festen Halt', antworte ich nicht ganz so selbstsicher, wie ich erscheinen will. Und um die Angst zu verjagen: 'Das Boot liegt gut, die Ausrüstung ist an ihrem Platz. Wenn wir erst angekommen sind, kommt uns der Sturm bestimmt nicht mehr so schlimm vor.' Aber ich weiß, dass es nur Gerede ist, mit dem ich mich selbst beruhigen will. Wo würden wir ankommen? Ob wir Grönland überhaupt ansteuern können? In Island habe ich beim Wetteramt keine verlässliche Auskunft über die Eisverhältnisse erhalten. In manchen Jahren bleibt das Packeis bis Mitte August vor der Küste liegen und versperrt jede Einfahrt in die Fjorde. Dann werden wir erst das berüchtigte Kap Farvel, die Südspitze Grönlands, umrunden müssen und einen Hafen an der Westküste suchen. In den Morgenstunden wird unsere Müdigkeit unerträglich und stärker als alle Angst. 'Wir sollten uns beide hinlegen und ausruhen', schlage ich vor. 'Können wir denn jetzt einfach keine Wache halten?', fragt Angelika zögernd. 'Ich glaube, wir sollten unsere Nerven und die wenige Kraft, die wir noch haben, schonen. Vielleicht lässt der Wind bald nach, dann müssen wir fest auf unseren Füßen stehen und Segel setzen.' 'Kann ich mich ausziehen? Im Ölzeug schlafe ich bestimmt nicht.' 'Klar. Ich bleibe angezogen, das reicht.' Uns mit beiden Händen abstützend, stolpern wir die vier Meter zur Achterkajüte zurück und lassen uns auf die Polster der Kojen fallen. Im Heck des Bootes sind die Bewegungen noch ruckartiger, unangenehmer. Ich lege mich auf den Bauch, kralle mich in den Polstern fest, um nicht abzurutschen. Eine Weile horche ich noch, versuche, jedes Geräusch zu registrieren, dann aber siegt die Müdigkeit. Ich schlafe ein. Angelika schläft nicht, sie ist hellwach und hört das Unheil nahen: zuerst ein fernes Grollen, dann den Donner. Ich schrecke auf durch einen Schlag, der mich gegen die Kajütenwand wirft. Angelika fliegt auf mich drauf. Sofort folgt ein Krach wie bei einer Explosion. Träume ich? Ich höre das Bersten von Holz, das Rauschen von Wasser. Unser Boot wälzt sich noch weiter herum, ich liege auf der Decke der Kajüte, rolle wieder zurück, am Bullauge vorbei, dort, wo Wasser eindringt, liege wieder auf der Koje und versuche aufzustehen.
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