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E-Book

Leistung und Leistungsdiagnostik

AutorKarl Schweizer
VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl282 Seiten
ISBN9783540330202
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,48 EUR

Der Leistungsbegriff steht nach den PISA- und TIMSS-Studien auf dem Prüfstand - Was ist Leistung? Wie kann man Leistung messen - und wie kann man sie fördern? Wie wichtig ist uns Leistung? Aus psychologischer Sicht bedeutet Leistung jedenfalls mehr als höher, schneller und weiter...

Grundlegende Konzepte sind: Klassische Leistungskonzepte und ihre Diagnostik: Intelligenz, Aufmerksamkeit/Konzentration, Gedächtnis und Kreativität. Was sind leistungsrelevante Rahmenbedingungen? Welche Rolle spielt der sozioökonomische Status? Gibt es kulturelle Unterschiede? Leistungsmotivation und Hochbegabung: Modelle, Diagnostik und Förderung.

Aktuelle Ansätze bestehen darin: Das Thema Leistung ist durch die PISA-Studie 1 und 2 und andere Studien hochaktuell - was hat die Pädagogische Psychologie dazu beizutragen? Leistung als Kompetenz: Lesekompetenz - Mathematische Kompetenz - Problemlösekompetenz.

Aktive Fördermöglichkeiten: Förderung von Leistung, Effekt sozialer Förderung, nicht nur für Psychologen, Pädagogische Psychologen, Schulpsychologen und Pädagogen.

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Leseprobe
2 Klassische Leistungsdiagnostik (S. 70-.71)

2.1 Intelligenzdiagnostik (Karl Schweizer)

2.1.1 Charakteristiken

> Die Intelligenzdiagnostik dient der Bestimmung der intellektuellen Leistungsfähigkeit einer Person. Wesentlicher Bestandteil der Intelligenzdiagnostik ist die Anwendung hochgradig standardisierter Intelligenztests. Diese Tests sind das Ergebnis mehrerer parallel verlaufender Entwicklungen: Die Konstruktion und Optimierung von Tests wurde begleitet von der Erforschung der Intelligenzstruktur, von der Ausarbeitung und Verfeinerung von Theorien und Methoden der Testkonstruktion sowie von der Elaboration der Faktorenanalyse, welche die formale Repräsentation immer di. erenzierterer Modelle gestattete. Als Resultat dieser Entwicklungen liegen heute eine große Zahl qualitativ hochwertiger Intelligenztests vor, die vergleichsweise differenzierte Aussagen über die Ausprägung von Intelligenz ermöglichen.

Die Diagnostik als Lehre von der sachgemäßen Ermittlung einer Diagnose dient im Einzelnen der Gewinnung von Informationen über psychologisch relevante Merkmale von Personen, der Integration dieser Informationen bzw. Daten zu einem diagnostischen Urteil und der Vorbereitung von Entscheidungen, Prognosen oder Evaluationen (Jäger u. Petermann 1992, S. 11). Bei der Intelligenzdiagnostik steht die Intelligenz im Mittelpunkt aller diagnostischen Aktivitäten, die durch ein System von Regeln, Anleitungen und Algorithmen gesteuert werden. Ein zentraler Bestandteil der Intelligenzdiagnostik ist die fachgerechte Anwendung von Intelligenztests, in welche die inhaltlichen und methodischen Erkenntnisse der Intelligenzforschung integriert sind.

Weiterhin impliziert dieses System auch die Bereitstellung und Prüfung von idiographischen Hypothesen, also Hypothesen bezogen auf einzelne Personen (Westmeyer 2003). In diesem Sinne gilt: Intelligenzdiagnostik steht für die fachgerechte Anwendung von Intelligenztests und die Interpretation der Ergebnisse auf dem Hintergrund einer diagnostischen Fragestellung bzw. Hypothese.

Für die nähere Bestimmung der Eigenarten von Intelligenzdiagnostik ist die Einordnung in die Dimensionen von Diagnostik nach Pawlik (1976, S. 236) sehr nützlich. Es handelt sich um vier Dimensionen, die durch Gegensätze definiert sind:

- Statusdiagnostik vs Prozessdiagnostik,
- normorientierte vs kriterienorientierte Diagnostik,
- Testen vs Inventarisieren,
- Diagnostik als Messung vs Diagnostik als Information für und über Behandlung.

In Bezug auf die erste Dimension kann festgehalten werden, dass Intelligenzdiagnostik vor allen Dingen Statusdiagnostik ist. Die Intelligenzausprägung gilt unter normalen Bedingungen als sehr stabil (Owens 1966; Deary et al. 2000); Modifikationen sind nur in einem recht beschränkten Umfang möglich (7 Kap. 1.1.6). Nur die gezielte Vorbereitung auf einen bestimmten Test durch professionelles Coaching kann deutliche Vorteile bringen. Daneben hat sich das sog. dynamische Testen als Untersuchung des Lernfortschritts (Guthke u. Wiedl 1996), welches der Prozessdiagnostik zugeordnet werden muss, noch nicht durchsetzen können, und fraglich ist, ob es sich überhaupt für die Gesamterfassung von Intelligenz eignet.

Bezüglich der zweiten Dimension ist eine Zuordnung zur normorientierten Diagnostik notwendig. Unabhängig von der testtheoretischen Orientierung und deren Implikationen (vgl. Lord u. Novick 1968; Rasch 1960) ist vor allen Dingen von Interesse zu erfahren, an welcher Stelle eine Person in die Verteilung der entsprechenden Population einzuordnen ist. Erst durch den Bezug zur Verteilung bekommt der bei der Testung erzielte Punktwert seine Bedeutung.

Im Vergleich dazu ist die Anwendung eines Kriteriums, das im Rahmen eines Modifikationsprozesses erreicht werden soll, wenig sinnvoll, da die Intelligenzausprägung als nur wenig modifizierbar gilt (Caruso et al. 1982; Stankov 1986). Die dritte Dimension erfordert die Zuordnung der Intelligenzdiagnostik zum Testen, da die Datenerhebung der Bestimmung des Leistungslimits im Hinblick auf festgelegte Anforderungen dient. Die Aufgaben eines Intelligenztests können als spezifische psychologische Experimente aufgefasst werden (Conrad 1983). Zu diesen Aufgaben gibt es Erwar tungen, die idealerweise erfüllt werden sollten. Im Gegensatz dazu erfordert das Inventarisieren die Erfassung von Verhaltenspräferenzen; hier gibt es keine Erwartungen bzw. Standards, die eine Person möglicherweise nicht erfüllen kann.

Schließlich kann in Bezug auf die vierte Dimension festgehalten werden, dass Intelligenzdiagnostik als Messung aufzufassen ist, da sie Information über die Intelligenzausprägung liefert. Einer empirischen Relation, die durch die spezifische Ausprägung eines latenten Merkmals zustande kommt, wird ein numerisches Relativ zugeordnet. Intelligenzdiagnostik hat dagegen nichts oder nur sehr entfernt mit Behandlung zu tun.

Diagnostische Fragestellungen

Den Ausgangspunkt der Intelligenzdiagnostik bildet gewöhnlich eine Fragestellung (oder eine Hypothese), die ein spezifisches Erkenntnisinteresse signalisiert. Die Fragestellung kann unterschiedlich motiviert sein. Dahinter kann das Bedürfnis nach Unsicherheitsreduktion, das Streben nach Selbsterkenntnis etc. stehen (Wottawa u. Hossiep 1987). Entsprechend muss die Ausprägung von Intelligenz bestimmt oder aber die Frage geklärt werden, ob die Leistungsfähigkeit bestimmten Anforderungen genügt. Im Rahmen der Intelligenzdiagnostik werden nicht nur Fragestellungen bearbeitet, welche die Intelligenz als Ganzes betreffen, sondern auch Fragen nach spezifischen Teilfähigkeiten (fluide Intelligenz, kristallisierte Intelligenz, verbale Intelligenz etc.), denen besondere Relevanz in Bezug auf einen bestimmten Anwendungsbereich zukommt.

In diesem Sinne lassen sich in Abhängigkeit von dem jeweiligen Erkenntnisinteresse unterschied liche Ansatzpunkte für die Intelligenzdiagnostik unterscheiden, die in . Abb. 2.1 dargestellt sind.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort5
Inhaltsverzeichnis7
Mitarbeiterverzeichnis9
1 Klassische Leistungskonzepte10
Intelligenz11
Konzept der Intelligenz11
Intelligenzmessung12
Struktur der Intelligenz13
Fundierung der Intelligenz15
Komplexe Bedingtheit19
Das Stabilitätsproblem20
Bildungsbezug22
Literatur23
Aufmerksamkeit25
Einleitung25
Aufmerksamkeitsmodelle zum Selektions- und Kapazitätsaspekt26
Metaphern der Aufmerksamkeit30
Mehrdimensionale Modelle der Aufmerksamkeit32
Beziehung von Konzentration zu Aufmerksamkeit38
Literatur40
Gedächtnis42
Einführung42
Psychologische Gedächtnisforschung: Anfänge43
Neuropsychologische Gedächtnisforschung44
Mehrspeichermodelle des menschlichen Gedächtnisses45
Modelle zum Arbeitsgedächtnis48
Systeme des Langzeitgedächtnisses54
Fazit59
Literatur59
Kreativität60
Kreativität als umstrittener Modebegriff60
Abgrenzung des Gegenstandes61
Problem als Ausgangspunkt61
Kreativer Prozess62
Kreatives Produkt65
Kreative Person65
Problemumfeld: Fördernde und hemmende Umwelteinflüsse70
Kultur- und wissenschaftsgeschichtlicher Hintergrund71
Kreativitätsförderung72
Fazit75
Literatur75
2 Klassische Leistungsdiagnostik77
Intelligenzdiagnostik78
Charakteristiken78
Methodische Grundlagen80
Merkmale von Intelligenztests82
Tests zur Wechsler-Konzeption84
Tests zur IST-Konzeption85
Matrizentests86
Grundintelligenz-Tests87
Allein gestellte Testkonstruktionen88
Literatur89
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdiagnostik91
Einleitung91
Theoretische Grundlagen92
Psychometrische Kennwerte93
Testverfahren95
Methoden- und situationsspezifische Einflüsse bei der Messung103
Klinische Störungsbilder106
Literatur108
Gedächtnisdiagnostik110
Diagnostische Methoden110
Kognitionspsychologische Verfahren110
Neuropsychologische Verfahren112
Bildgebende Verfahren113
Diagnostik ausgewählter Gedächtnisaspekte113
Gedächtnisbatterien115
Gedächtnis und Intelligenz117
Fazit118
Literatur118
Kreativitätsdiagnostik120
Zielsetzungen120
Probleme120
Klassifikations- und Bewertungskriterien für Personen und Produkte121
Forderungen an Kreativitätstests122
Aufgabentypen123
Deutsche Kreativitäts-Tests127
Diagnostik des Umfeldes130
Chancen132
Literatur132
3 Kompetenz und Kompetenzdiagnostik134
Konzept der Kompetenz135
Präzisierung des Kompetenzbegriffs135
Abgrenzung vom Intelligenzkonzept136
Kompetenzdiagnostik139
Kompetenzstrukturmodelle139
Kompetenzniveaumodelle und Kompetenzskalierung140
Erfassung spezifischer Kompetenzen in PISA143
Lesekompetenz in PISA 2000144
Mathematische Kompetenz in PISA 2003145
Problemlösekompetenz als fachübergreifende Kompetenz146
Fazit und Ausblick147
Literatur148
4 Förderung von Leistung151
Wirksamkeit von Lehrmethoden152
Lernen und Lehren152
Produktivitätsfaktoren schulischen Lernens153
Münchner Grundschulstudie153
Modelle schulischen Lernens155
Lehrmethoden157
Direkte und adaptive Instruktion158
Kooperative Methoden161
Problemorientierte Methoden164
Unterrichtsprogramme und Instruktionsprinzipien167
Literatur171
Effekte sozialer Förderung und Hemmung173
Begriff »Social Facilitation«173
Erklärungsansätze174
Empirische Befunde und zentrale Kontroversen178
Aktuelle Entwicklungen182
Anwendungen187
Fazit189
Literatur191
5 Hochbegabung193
Begriff und Konstrukt195
Modelle196
»Drei-Ringe-Modell« und »Triadisches Interdependenzmodell«197
Das »Münchner Hochbegabungsmodell« und seine Erweiterung199
Hochbegabung als hohe Ausprägung von g202
Wider die »Kreativität« in der Hochbegabtenidentifikation205
Administrative Hochbegabungskonzeptionen206
Gardners »Multiple Intelligenzen «207
Diagnostik und Identifikation209
Mehrphasiges Vorgehen der Hochbegabtenidentifikation210
Hochbegabtenidentifikation durch Eltern, Lehrer oder Peers?212
Fazit219
Eigenschaften219
Förderung220
Überspringen und vorzeitige Einschulung221
Aspekte innerer Differenzierung222
Akzeptanz von Fördermaßnahmen223
Literatur223
6 Leistungsrelevante Rahmenbedingungen/ Leistungsmotivation229
Einleitung230
Was ist Leistungsmotivation?230
Leistungsmotivation und - verhalten231
Leistungen sind multifaktoriell bedingt231
Empirische Befunde234
Messung der Leistungsmotivation235
Vergleichende Bewertung der Verfahrensgruppen244
Literatur246
Schülerleistungen im Kulturvergleich, bei Migration und aus sozioökonomischer Perspektive247
Bedeutung der Untersuchung von Lernleistungen unter kultureller und sozioökonomischer Perspektive247
Groß angelegte internationale Untersuchungen248
Untersuchungen, die auf introspektiven Verfahren beruhen261
Quasi-experimentell angelegte Untersuchungen264
Konfigurationen von schulischen Systemen und kulturellen Bedingungen, die für Schülerleistungen relevant sind269
Fazit271
Literatur271
Anhang274
Sachverzeichnis282

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