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E-Book

Lernen mit ADHS-Kindern

Ein Praxishandbuch für Eltern, Lehrer und Therapeuten

AutorArmin Born, Claudia Oehler
VerlagKohlhammer Verlag
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783170365339
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
AD(H)S-Kinder leiden sehr häufig unter Lern- und Leistungsschwierigkeiten, die ihren Lebensweg stark beeinträchtigen. Schlechte Noten, Klassenwiederholungen, Schulwechsel und -abbrüche führen zu zusätzlichen psychischen Problemen. Da die gängigen schulischen Lernverfahren für AD(H)S-Kinder oft nicht passen, teilweise Lernprobleme sogar mit verursachen, gilt es, effektive Lernmethoden speziell für diese Kinder zu entwickeln. Ziel dieses Buch ist es, AD(H)S-Kindern und ihren Eltern einen wirksamen Weg aufzuzeigen, wie der Teufelskreis Lernstörungen erfolgreich verlassen werden kann. Nach dem Motto 'weniger ist mehr' werden konkrete und leicht umsetzbare Lernstrategien für die Grundfertigkeiten Rechnen, Lesen und Rechtschreiben, für die Lernfächer sowie für das Fach Englisch dargestellt. In der 11. Auflage werden in einem neuen Kapitel unsere Grundüberlegungen zu unseren Lernmethoden erläutert. Das Kapitel zum Fach Englisch wurde erweitert und insgesamt der aktuelle Stand der Forschung eingearbeitet.

Dr. Armin Born ist als Diplom-Pädagoge und Psychologischer Psychotherapeut in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig. Claudia Oehler, Psychologische Psychotherapeutin, leitet als Verhaltenstherapeutin eine Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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Leseprobe

Einleitung


 

 

 

Dieses Buch beschäftigt sich mit AD(H)S-Kindern und ihren Lern- und Leistungsproblemen. Aus unserer langjährigen praktischen Tätigkeit mit diesen Kindern und ihren Eltern möchten wir möglichst einfache und effektive Wege aufzeigen, um aus dem oft bestehenden Teufelskreis Lernstörungen auszusteigen. Aufgrund ihrer besonderen Voraussetzungen leidet ein Großteil der AD(H)S-Kinder unter Lernproblemen. Gängige Lernmethoden in unseren Schulen passen oft nicht zu den Besonderheiten der AD(H)S-Kinder, so dass schnell schulische Defizite und psychische Folgeprobleme entstehen.

Dies gilt insbesondere für das Erlernen der Grundfertigkeiten im Rechnen, Schreiben und Lesen. In den Basisfertigkeiten entstehen oft sehr frühzeitig, manchmal bereits in der ersten Grundschulklasse Lücken. Nachfolgender Lernstoff kann nicht mehr beherrscht werden, da das »Fundament« wackelig ist. Dies ist dann häufig der Beginn von Teufelskreisen, in deren Folge Kinder ihre Defizite wahrnehmen und ihre Motivation und ihr Selbstwertgefühl zu sinken beginnen. In der wissenschaftlichen Literatur wird das gemeinsame Auftreten von Lese-/Rechtschreibschwächen und -störungen oder von Rechenschwächen und -störungen mit einer Aufmerksamkeitsproblematik häufig beschrieben. Auch wissen wir, dass durch die Leistungsprobleme und die erlebten ständigen Misserfolge emotionale Störungen und frühe Verhaltensauffälligkeiten entstehen, die wiederum den weiteren Lebensweg maßgeblich, und zwar in ungünstiger Weise, mit beeinflussen können.

Mit diesem Buch möchten wir dazu beitragen, Eltern, Lehrern sowie anderen Personen, die täglich mit AD(H)S-Kindern zu tun haben, Hilfen für einen frühzeitigen »Ausstieg« aus dem Teufelskreis Lernstörungen anzubieten.

Wir haben uns nun in der vorliegenden 11. Auflage entschieden, in diesem Buch die Bezeichnung ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) durch den Begriff AD(H)S Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts)-Störung zu ersetzen. Die Kinder, für die dieses Buch geschrieben worden ist, sind die gleichen geblieben. Als das Buch in der ersten Auflage vor 20 Jahren veröffentlicht wurde, war ADS der gebräuchlichere Begriff. Inzwischen ist er jedoch in den Hintergrund getreten und AD(H)S bzw. ADHS ist der Terminus, der fast ausschließlich benutzt wird. Unter diesem Oberbegriff werden drei Subtypen, bzw. wie es aktuell das Amerikanische Diagnostische und Statistische Manual (DSM-5) bezeichnet, »Erscheinungsformen« zusammengefasst.

Jenseits der wissenschaftlichen Begrifflichkeit: Welche Kinder sind aber nun gemeint?

In den beiden international gebräuchlichen Klassifikationssystemen, ICD-10 und dem aktuellen DSM-5, werden übereinstimmend die drei Symptombereiche Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität genannt und in fast gleicher Weise operationalisiert. Das jeweilige Ausmaß der Ausprägungen in den drei Symptombereichen bestimmt den jeweiligen Typus des Störungsbildes.

Der vorwiegend unaufmerksame Typus ohne ausgeprägte Hyperaktivität und Impulsivität wird im DSM-5 als » vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsform« definiert (Banaschewski, Döpfner 2014, S. 288). Im ICD-10 wurde diese Unterform als »einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung« bezeichnet. Aktuell (2019) wurde im ICD-10-GM, Version 2019, sogar der neue Begriff »Aufmerksamkeitsstörung« (F98.80) eingeführt, »um die Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität mit Beginn in der Kindheit und Jugend spezifisch abbilden zu können« (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information 2018, S. 5). Diese Kinder fallen weniger durch impulsives, ungesteuertes Verhalten und den damit verbundenen Sekundärproblemen auf, sondern mehr durch Aufmerksamkeitsprobleme und den dadurch bedingten Lern- und Leistungsproblemen. Unaufmerksame Kinder machen häufig Flüchtigkeitsfehler, können ihre Aufmerksamkeit nicht lange aufrechterhalten, scheinen oft nicht zuzuhören, haben Schwierigkeiten, ihre Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren, vermeiden dann auch oft geistige Anstrengungen, verlieren häufiger etwas, lassen sich leicht ablenken und sind bei Alltagstätigkeiten vergesslicher als andere Kinder. Dies führt oft zu stundenlangen Hausaufgaben, die so entstehenden Lern- und Leistungsprobleme führen zudem häufig zu weiteren Problemen im emotionalen Bereich, zu vermehrten Ängsten und Stimmungsschwankungen sowie Schuldgefühlen.

Als zweiten Typus führt das DSM V die » vorwiegend hyperaktiv-impulsive Erscheinungsform« an, bei der zwar auch Aufmerksamkeitsprobleme (vgl. s. o.) vorliegen, aber die hyperaktive und impulsive Symptomatik im Vordergrund stehen. Auffällig sind mangelhaft regulierte und wenig reflektierte Aktivitäten, durch geringfügigen Anlass auslösbare, überschießende Gefühlsreaktionen und eine geringe Frustrationstoleranz. Diese Kinder »sind oft achtlos und impulsiv, neigen zu Unfällen und werden oft bestraft, weil sie eher aus Unachtsamkeit als vorsätzlich Regeln verletzen. Ihre Beziehung zu Erwachsenen ist oft von einer Distanzstörung und einem Mangel an normaler Vorsicht und Zurückhaltung geprägt. Bei anderen Kindern sind sie unbeliebt und können isoliert sein« (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information 2018, S. 217).

Wenn sowohl Symptome von Unaufmerksamkeit als auch von Impulsivität/Hyperaktivität vorliegen, bezeichnet das DSM-5 dies als » kombinierte Erscheinungsform«.

Um diesen drei Erscheinungsformen gleichermaßen gerecht zu werden, benutzen wir in diesem Buch die Abkürzung AD(H)S.

Die Feststellung eines AD(H)S sollte in sehr verantwortungsvoller Weise vorgenommen werden. Deswegen sollte die Diagnostik des Störungsbildes AD(H)S auf umfassende Weise erfolgen und nur von Kinder- und Jugendpsychiatern in Zusammenarbeit mit Psychologen oder besonders ausgebildeten Kinderärzten durchgeführt werden.

Zu einer aussagekräftigen Diagnostik gehört eine neurologische Untersuchung (einschließlich EEG), die Überprüfung der Fein- und Grobmotorik, die Erhebung der Anamnese und der störungsspezifischen Entwicklung des Kindes, eine umfassende Leistungsdiagnostik mit Überprüfung der intellektuellen Möglichkeiten sowie der Feststellung von eventuellen Teilleistungsstörungen. Eine testpsychologische Erfassung der emotionalen Situation des Kindes sowie ausreichende Kenntnis über die familiäre Situation, Erziehungskompetenzen der Eltern und Erhebung des schulischen Werdeganges der Kinder sind ebenso unabdingbar.

Mit diesem Buch möchten wir neben den Eltern besonders auch die Lehrer ansprechen.

Lehrer sind mit immer mehr »Problemkindern« in ihrem Schulalltag konfrontiert. Das Studium bereitete sie jedoch in Bezug auf die Problematik von AD(H)S-Kindern nicht einmal auf den pädagogischen Umgang mit deren vielfältigen Verhaltensproblemen vor. Ihre spezifischen Lernprobleme waren erst recht nicht Gegenstand der Lehrerausbildung. Somit bekommen Lehrer in ihrer Berufswirklichkeit viel aufgebürdet. Sie erleben sich oft »eingeklemmt« zwischen Lehrplänen und Lehrplanänderungen, der Begutachtung durch ihre Schulräte, der Konfrontation und Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Standpunkten der Eltern ihrer Schulkinder sowie der Erfüllung ihrer tagtäglichen Arbeit. Nun ist auch noch die PISA-Studie in aller Munde, eine nicht beneidenswerte Situation für die Schule.

Mit diesem Buch möchten wir alle Personengruppen, die mit AD(H)S-Kindern umgehen, auf die Problematik Lernstörungen aufmerksam machen und erste Lösungsschritte aufzeigen, sowie zu deren Weiterentwicklung anregen.

Lehrern, Therapeuten und Pädagogen möchten wir den Blick für die Gefahrenstellen beim Lernen mit AD(H)S-Kindern schärfen. Die von uns dargestellten und erprobten Lerntipps sind als Beispiele zu verstehen, wie die notwendigen Grundprinzipien beim Lernen mit AD(H)S-Kindern umgesetzt werden können.

Die von uns entwickelten Lernmethoden beinhalten alle gerade in der Anfangszeit interaktive Momente, d. h. sie werden gemeinsam von Eltern und Kindern durchgeführt. AD(H)S-Kinder können schlecht alleine lernen – dies ist eine Erfahrung, die insbesondere die Mütter bestätigen können. Lässt man AD(H)S-Kinder mit der Lern- oder Hausaufgabensituation alleine, passiert in der Regel relativ wenig. Um erfolgreich zu sein, müssen Lerntipps diese mangelnde Steuerungs- und Strukturierungsfähigkeit von AD(H)S-Kindern berücksichtigen und natürlich auch mithelfen, motivatonale Anreize durch die Interaktion zwischen Eltern und Kindern zu schaffen.

Wir verstehen unsere Lernhilfen für AD(H)S-Kinder als einen ersten Schritt. Ziel...

Blick ins Buch

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