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Lesereise Dublin

Die blaue Tür mit der Nummer sieben

AutorRalf Sotscheck
VerlagPicus
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl132 Seiten
ISBN9783711750648
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Woran erkennt man Dubliner Polizisten in Zivil? An den Socken! Nach Dienstschluss werden nämlich nur die Uniformen, nicht aber die Polizeisocken ausgezogen. Ralf Sotscheck kombiniert irische Weisheiten wie diese mit fundiertem politischen und wirtschaftlichen Hintergrundwissen, sie sind so lebendig, charmant und entspannt, wie man es auch den Bewohnern Dublins nachsagt. Sotschecks Reportagen führen durch die Hauptstadt des 'keltischen Tigers', wie das irische Wirtschaftswunder genannt wurde, bevor die Grüne Insel 2008 tief in die Rezession schlitterte. Geblieben sind die neuen Szeneviertel wie Temple Bar oder Smithfield - früher Arme-Leute-Viertel mit schmalen Gassen und Backsteinhäuschen -; magische Orte wie der Pferdemarkt, den es seit 1664 an jedem ersten Sonntag des Monats gibt; oder das alte ­Hafengebiet mit Straßen wie der Sheriff Street, in der früher sogar die Rottweiler 'nur paarweise herumgelaufen' sind und wo sich mittlerweile das Internationale Finanzzentrum ausdehnt. Mit großer Sympathie und Kennerschaft nähert sich der Autor dem liebenswert Absonderlichen und nicht selten Widersprüchlichen, etwa einer Nonne, die für die Legalisierung der Scheidung eintritt, oder der Guinness-Brauerei, die sich aus Gründen der Imagepflege der Kampagne für moderaten ­Alkoholkonsum angeschlossen hat.

Ralf Sotscheck, geboren 1954 in Berlin, lebt seit 1985 in Dublin. Er ist Korrespondent der 'taz' für Irland und Großbritannien und schreibt gelegentlich auch für Zeitschriften - von 'Spiegel' über 'essen & trinken' bis hin zum 'Playboy'. Er veröffentlichte zahlreiche Reisebücher. Seine Kolumnen, die seit 1991 jeden Montag auf der Satireseite der 'taz' erscheinen, sind in bisher acht Bänden zusammengefasst. Im Picus Verlag erschienen seine Lesereisen Irland, Dublin, Schottland und Britische Inseln.

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Leseprobe
Wo Hitler Kellner war (S. 80-81)

Die Männer tragen dunkle Anzüge, die Frauen trägerlose Kleider. Wer in der Horseshoe Bar sitzt, will gesehen werden, sofern er nicht selbst auf Prominentenpirsch ist. Die hufeisenförmige Bar liegt im Erdgeschoss des Shelbourne, Dublins berühmtestem Hotel am St. Stephen’s Green. Das Interieur strahlt Exklusivität aus: viele Spiegel, grüne gepolsterte Bänke, auf den runden Tischen mit Messingrand stehen Schalen mit Erdnüssen und anderen Knabbereien.

Auf einem Brett an der Wand ist eine Flasche Magnum Veuve Cliquot dezent angestrahlt, auf der Bar steht ein großer Kübel mit kleinen Sektflaschen. Hinter dem Tresen nehmen die Champagnerflaschen ein ganzes Regal ein. Der fünf Meter hohe Spiegel trägt dagegen eine Werbung für German hock: Liebfraumilch, nicht gerade die Perle unter den Weinen. Um halb zwölf macht die Bar dicht, auch am Wochenende, obwohl die gesetzlichen Öffnungszeiten inzwischen um eine Stunde verlängert worden sind. Das Shelbourne hat das nicht nötig. Martin Burke, ein Dubliner Katholik, hatte das Hotel 1824 gegründet.

Ursprünglich war es eine Ansammlung von Häusern gewesen, die durch Mauerdurchbrüche verbunden waren, doch 1866, nach Burkes Tod, verkaufte seine Witwe das Hotel an ein Konsortium. Die neuen Besitzer ließen es abreißen und bauten in nur zehn Monaten ein neues Haus im Rennaissancestil, und an der Fassade ist bis heute kaum etwas verändert worden. Politiker und Schauspieler, Opernsänger und Sportler, Schriftsteller und Unternehmer – alle sind im Shelbourne abgestiegen, wenn sie zu Besuch nach Dublin kamen. Hier begann 1947 auch Graham Greenes Affäre mit der verheirateten US-Amerikanerin Catherine Watson. Sie dauerte dreizehn Jahre, Greenes Buch »The End of the Affair« handelt davon.

Der irische Schriftsteller George Moore schrieb 1886 in seinem Roman »Ein Drama in Musselin« über das Shelbourne Hotel: »Hier spielen sich alle Ereignisse ab: hier leben die Leute, hier sterben sie, hier flirten sie, und – hätte ich beinahe gesagt – hier heiraten sie, aber bisher haben die Shelbourne-Ehen nur Trennung zur Folge gehabt; und hier streiten wir: Freunde von heute sind morgen verfeindet, und dann sitzen sie an entgegengesetzten Enden des Zimmers. Das Leben im Shelbourne ist eine Sache für sich und des Studiums wert.«
Blick ins Buch

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