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E-Book

Liebe auf Distanz

Fernbeziehungen - und wie man sie meistert

AutorChristine Koller
VerlagEdel Elements
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl216 Seiten
ISBN9783955307042
Altersgruppe18 – 
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis2,99 EUR
Liebe aus dem Koffer ... Immer mehr Paare leben in Wochenendbeziehungen. Doch dieses Partnerschaftsmodell, das so symptomatisch für unsere Zeit sein soll, ist schon so alt wie die Liebe. Christine Koller wirft nicht nur einen genauen Blick auf die Geschichte dieser Beziehungsform, sondern interviewt 'Betroffene' und Experten. Sie findet Antworten auf wichtige Fragen wie: Wie stabil kann eine Fernbeziehung sein? Bleibt der Kinderwunsch in diesem Fall auf der Strecke? Wer ist für eine solche Beziehung geeignet? Und gibt es vielleicht sogar Vorteile? Ein fundierter Ratgeber mit vielen Fallbeispielen und Tipps, spannenden Anekdoten und einem umfassenden Blick auf die gar nicht so neue Lebensform unserer Generation!

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Leseprobe

2. Kapitel:

Was macht dieses Paarmodell so reizvoll?


Die Chance, sich selbst zu entdecken, sich an eine Beziehung heranzutasten, sich voll und ganz auf den Job konzentrieren zu können, seinen Horizont zu erweitern, neue Eindrücke zu sammeln sowie neue Mentalitäten und Sprachen kennen zu lernen und dabei eine „intensivere Zweisamkeit“, „totale Freiheit“ und „immer etwas Urlaub“ erleben zu können, diese Vorzüge sehen die im Anschluss interviewten Paare und Partner. Wie alle anderen Liebenden, haben auch sie mit Problemen/Ängsten zu kämpfen und verraten, wie sie damit umgehen und was sie über ihre Liebe ohne Grenzen denken. Sie geben Tipps und machen Mut, indem sie zeigen, dass diese unkonventionelle Beziehungsform durchaus enorme Tragkraft und Bestand hat.

„Solo und doch liiert – ein beruhigender Rückhalt“


Fotografin Anne R. (41) pendelte zirka dreieinhalb Jahre lang zwischen München und den diversen US-amerikanischen Wohnorten ihres 34-jährigen Mannes und Softwareprogrammierers (New York; Tulsa, Oklahoma; Atlanta; Charlotte, North Carolina), bis sie mit ihm in Charlotte zusammenzog. Es war nicht ihre erste Fernbeziehung. Sie tingelte der Liebe wegen 1985 bis 1986 zwischen München und Berlin hin und her und 1991 bis 1992 zwischen Heidelberg und Berlin.

Wie fanden Sie die Tatsache, dass Sie eine Fernbeziehung führten?

A.R.: Prima.

Welche Vorteile ergaben sich für Sie daraus?

A.R.: Selbstbestimmtheit. Ich war solo und gleichzeitig in einer Beziehung (das war irgendwie beruhigend). Beruflich musste ich keine Kompromisse eingehen. Ich war allein erziehend, in jeder Hinsicht unabhängig und trotzdem verheiratet. Ich fand diese Zeit spitze.

Gab es dennoch auch Probleme, wie erlebte das Ihr Partner und wie gingen Sie damit um?

A.R.: Mein Mann war hin und wieder eifersüchtig auf mein Leben in Deutschland, meine Freundschaften mit anderen, ihm unbekannten Männern. Ich selbst war nie wirklich eifersüchtig. Ich vertraue. Ich habe die Beziehung auf Distanz definitiv genossen. Wir sind sehr verschieden und reiben uns im Alltag oft an diesen Differenzen auf. Wenn wir getrennt sind (ich bin jeden Sommer für etwa acht bis zehn Wochen in München), gibt es keine Konflikte, unsere Kommunikation funktioniert besser, wir lachen mehr. Ich halte mich nicht für sonderlich kompatibel und würde eine Beziehung auf Distanz bzw. mit zeitlich begrenzten Begegnungen jederzeit dem oft anstrengenden Alltag vorziehen.

Welche Tipps können Sie anderen geben, die ebenfalls eine Fernbeziehung führen bzw. diese gerade beginnen?

A.R.: Keine Ahnung. Jeder ist anders. Grundsätzlich sind Offenheit, Respekt und ein ähnlich ausgeprägter Individualismus wichtig.

Was sind absolute „Don’ts“ für eine solche Paarbeziehung?

A.R.: Fremdgehen.

Vermissten Sie etwas in der Beziehung, und wenn ja, was?

A.R.: Die physische Nähe des anderen. Sex.

Sind Kinder in einer Fernbeziehung realisierbar?

A.R.: Im Prinzip ist das schon möglich. Kinder finden es natürlich besser, wenn beide Elternteile permanent präsent sind. Allerdings sind sie auch erstaunlich flexibel und passen sich meist schnell neuen Situationen an. Wenn der Vater da ist, dann ist er da, und wenn nicht, dann halt nicht. Das schien mir nie ein Problem zu sein. Allerdings sind wir diejenigen, die kommen und gehen, abreisen und nach Hause zurückkehren – das macht die Sache für die Kinder einfacher. Es gab dann jeweils andere Bezugspersonen, wie die Großeltern, Freunde von mir etc., die interessant waren und so den Vater gut ersetzen konnten.

Ist eine Fernbeziehung auf Dauer möglich bzw. warum haben Sie das Pendeln aufgegeben?

A.R.: Als ich im achten Monat mit dem zweiten Kind schwanger war, bin ich zähneknirschend in die USA gezogen. Warum? Wegen der Kinder – die haben schließlich ein Recht auf ihren Vater.

Denken Sie, dass es eine Fernbeziehungspersönlichkeit gibt?

A.R.: Oh ja. Ich würde mich sofort dazurechnen. Ich schätze meine Unabhängigkeit. Im Zusammenleben ist man pausenlos gezwungen, Konzessionen zu machen. Das ist nicht meine Stärke.

Fazit Anne R.: Sehnt sich nach einer Liebe auf Distanz zurück, die sie, mit dem zweiten Kind schwanger, aufgab und zu ihrem Mann in die USA zog. Denn eine Fernbeziehung lässt ihr die Unabhängigkeit, die sie schätzt, und verlangt ihr nicht ständig Konzessionen im täglichen Miteinander ab.

„Spannend.: Frankreich und Deutschland zugleich“


Eva B.* (37) arbeitet als Managerin eines internationalen Konzerns in Straßburg, ihr Partner Hans R.* (45) ist Architekt in Düsseldorf. Beide pendeln seit fünf Jahren – erst zwischen Frankfurt und Düsseldorf, jetzt zwischen Straßburg und Düsseldorf. Eva B. hatte immer schon Fernbeziehungen, so tingelte sie der Liebe wegen zwischen Aachen und Bonn hin und her, zwischen Kairo und Frankfurt und zwischen Berlin und Bonn. Die Beziehungen dauerten zirka fünf bis sechs Jahre und scheiterten an der Entfremdung oder einer neuen Liebe.

Wie finden Sie die Tatsache, dass Sie eine Fernbeziehung führen?

E.B.: Nervig, aber durch die verschiedenen Standorte gleichzeitig auch spannend.

Welche Vorteile ergeben sich für Sie daraus?

E.B.: Jobmäßig ist zur Zeit keine entsprechende Stelle mit dem internationalen Scope, den ich habe, absehbar. Wir mögen beide die französische Lebensart und genießen daher unsere Zeit im Elsass. Für mich persönlich ist und bleibt die Erfahrung, im internationalen Umfeld zu arbeiten, wesentlich. Für unsere Beziehung ist die Distanz zwar eine Belastung, sie führt aber nicht zu einer Entfremdung. Wir sind uns einig – im wahrsten Sinne des Wortes – und haben deshalb im Sommer auch geheiratet. Es ist ein Commitment. A und O sind Vertrauen, Zuverlässigkeit und emotionale Stabilität. Weil ich eine geübte „Fernbeziehung-Führerin“ bin, kann ich den qualitativen Unterschied – Tragfähigkeit und Belastbarkeit unserer Beziehung/jungen Ehe – ganz gut und relativ sicher beurteilen.

Welche persönlichen Probleme/Ängste tauchen möglicherweise dadurch in der Beziehung auf?

E.B.: Sicher gibt es eine emotionale Zerrissenheit – jeder Abschied ist schwer, jeder Sonntagnachmittag irgendwie auch belastend und einen Kinderwunsch zu realisieren ist auch nicht ohne weiteres möglich, da „Sex nach Fahrplan“ belastend ist.

Wie erlebt das Ihr Partner?

E.B.: Ähnlich.

Wie gehen Sie damit um bzw. wie lösen Sie diese Probleme?

E.B.: Für uns sind die Wochenenden heilig. Wir legen unsere Termine so, dass wir uns auf jeden Fall sehen.

Welche Auswirkungen hat Ihre Fernbeziehung auf Ihr Umfeld?

E.B.: Wenn Kinder kommen sollten, würden wir wohl umdisponieren. Was den Rest angeht, legen wir unsere Wochenenden möglichst so, dass wir anstehende Einladungen oder Ähnliches auch wahrnehmen können. Wichtig: Immer flexibel bleiben.

Welche Tipps können Sie anderen geben, die ebenfalls eine Fernbeziehung führen bzw. diese gerade beginnen?

E.B.: Ohne starkes Vertrauen und ein unbedingtes Commitment geht das nicht. Ein emotional instabiler Partner kann eine solche Beziehung nicht führen.

Was sind absolute „Don’ts“ für eine solche Paarbeziehung?

E.B.: Mangelnde Erreichbarkeit, kein Telefon, mangelnde Gesprächsbereitschaft, Introvertiertheit, mangelnde Flexibilität, „Trautes Heim, Glück allein“-Einstellung.

Vermissen Sie etwas in dieser Beziehung, und wenn ja, was?

E.B.: Vermissen kann man wohl das Gefühl von „zu Hause“ – irgendwann hat man das Gefühl, dass „zu Hause“ im Koffer ist. Besonders belastend wird das, wenn man auch in der Woche beruflich noch viel reisen muss.

Möchten Sie an Ihrer derzeitigen Situation etwas ändern?

E.B.: Mittelfristig wird sich sicher etwas ändern müssen – weil die Reiserei auch eine starke physische Belastung ist, die man nicht mehr ohne weiteres wegsteckt. Zusammenzuleben würde sicher die Qualität der Beziehung erhöhen und uns beiden auch mehr Zeit und Muße lassen, die jeweiligen Neigungen, Interessen und Hobbys stärker auszuleben. Das könnte unter Umständen auch die erforderlichen Rückschritte in der beruflichen Entwicklung kompensieren: Es geht hier nicht um Karriere der Karriere willen, sondern um ein erfülltes Leben – und dahin führen sicher viele Wege.

Sind Kinder in einer Fernbeziehung realisierbar?

E.B.: Das werden wir sehen, bisher habe ich hier keine Erfahrungen einzubringen. Ich denke allerdings, dass es schwierig ist. Wenn, dann geht es eher in Frankreich, da hier die Rundum-Betreuung von Kindern üblich und durchaus möglich ist.

Ist für Sie die Fernbeziehung ein Lebensmodell für immer oder nur vorübergehend?

E.B.: Eine Grenze ist erreicht, wenn die Beziehung leidet und droht, Schaden zu nehmen. Dann sind die Koffer in die eine bzw. andere Richtung schnell gepackt und die Zelte abgebrochen. Die Beziehung hat Priorität – da sind wir uns einig.

Denken Sie, dass es eine Fernbeziehungspersönlichkeit gibt?

E.B.: Sicher hat man eine bestimmte Neigung zur freien, flexiblen und unabhängigen Lebensgestaltung und einen Anspruch an die Qualität seiner eigenen Tätigkeit, dem man einiges unterzuordnen bereit ist. Aber genauso besteht eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Zweisamkeit, beides widerspricht sich offenbar – auch hei...

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